FanMail ist das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Hip-Hop- und R&B-Girlgroup TLC. Es erschien am 22. Februar 1999 bei LaFace Records und Arista Records.

Der Albumtitel ist ein Tribut an die Briefe, die TLC während ihrer Schaffenspause von ihren Fans bekamen. FanMail debütierte auf Platz 1 der Billboard 200 und verblieb dort fünf Wochen. In der ersten Verkaufswoche konnte sich das Album allein in den USA über 318.000 Mal absetzen.

FanMail wurde bei den Grammy Awards 2000 für acht Grammys nominiert, inklusive des Grammy Award for Album of the Year und gewann drei. Von der Recording Industry Association of America (RIAA) wurde es mit 6× Platin ausgezeichnet. Weltweit konnte sich das Album über 14 Millionen Mal verkaufen, womit es TLC's zweiterfolgreichstes Album darstellt (hinter CrazySexyCool). Zur Vermarktung des Albums ging TLC auf ihre erste Tournee, der FanMail Tour.

FanMail ist die letzte Veröffentlichung der Band zu Lebzeiten von Lisa Lopes, welche am 25. April 2002 vor Fertigstellung des Nachfolgealbums 3D in Honduras an einem Autounfall verstarb.

Hintergrund Nachdem TLC am 3. Juli 1995 Chapter-11-Insolvenz anmeldete, legte die Band eine kreative Schaffenspause ein. Der einhergehende Rechtsstreit mit ihren ehemaligen Managern Pebbles und L.A. Reid wurde am 25. November 1996 zu Gunsten von TLC rechtskräftig entschieden. Arbeiten an einem dritten Studioalbum wurden vorläufig auf Eis gelegt, als Hauptproduzent Dallas Austin volle kreative Kontrolle und eine Vorauszahlung von 4,2 Millionen US-Dollar einforderte. Die Situation resultierte nicht bloß in Konflikten zwischen der Band und Austin, sondern vor allem auch innerhalb der Band, da dieser zum damaligen Zeitpunkt der Lebensgefährte von Bandmitglied Chilli war und mit ihr einen Sohn, Tron, aufzog.

Nach längeren Verhandlungen konnte im April 1998 die Produktion am dritten Album eingeläutet werden. Austin übernahm zwar die Rolle als ausführender Produzent, war jedoch nicht wie eingangs gefordert alleinige Leitung des Projekts. Stattdessen kollaborierte TLC mit anderen altbewährten Produzenten wie Babyface, Kevin Briggs, Jimmy Jam und Terry Lewis und auch L.A. Reid trug trotz des vorangegangenen Rechtsstreites zu dem Projekt bei. Originär wurde FanMail auf den 10. November 1998 angesetzt, jedoch später auf das erste Quartal 1999 verschoben.Anita M. Samuels: „Andrea Martin Trades Pen For Mike on 'Best'; D’Angelo Brews 'Voodoo' Follow-Up“. Billboard. Ed. 110. Nr. 43. S. 35. 24. Oktober 1998. ISSN 0006-2510.

Parallel schrieb und produzierte Lisa Lopes acht vollwertige Songs für das Album, die alle von Austin abgelehnt wurden, da diese „nie zuvor einen Song geschrieben“ habe und ihre Beiträge deshalb „minderwertiger“ seien.Jon Bream: „Role players: The loud-and-proud survivors of TLC serve as inspiration to young women“. Star Tribune. S. 5. 19. November 1999. ISSN 0895-2825. Infolgedessen verkündete Lopes bei MTV-News im Juli 1998 zusammen mit Erick Sermon an einem Soloalbum zu arbeiten, welches noch vor FanMail erscheinen solle. Innerhalb der Gruppe sorgte diese Entscheidung für Reibereien, sodass Lopes auf FanMail wesentlich weniger prominent vertreten ist, als noch auf den beiden vorherigen Alben.Lisa Verrico: „Grrr power“. The Times. S. 8. 21. August 1999. ISSN 0140-0460.

Der Konflikt spitzte sich Anfang 1999 zu, als sich Lopes in einem Vibe-Interview öffentlich von der Band distanzierte:

Aufnahme und Produktion Während der Aufnahme von FanMail wurde der Band eine Vielzahl an Liedern angeboten, die letzten Endes von anderen Künstlern aufgenommen wurden. Darunter 702s Where My Girls At? (1999), Whitney Houstons Heartbreak Hotel (1998) und … Baby One More Time (1998), der Debütsingle von Britney Spears. Thomas erzählte später, jeder dieser Songs sei zwar in der engeren Auswahl gewesen, am Ende aber verworfen worden, da er die Gruppe „nicht repräsentiert“. Watkins bekräftigte diese Aussage in einem Interview mit MTV-News, lobte aber Spears zugleich für ihre Version von … Baby One More Time.

Während des Schreibprozesses an I’m Good at Being Bad in Minneapolis wurde Watkins von der Grunge-Band Nirvana inspiriert. Deren Songkonzeption, laute dynamische Passagen mit ruhigeren abzuwechseln, wollte sie auch für TLC umsetzen. Jam motivierte sie, die Melodie zu summen, während er simultan das Instrumental ausproduzierte; zuvor wartete Watkins das ausproduzierte Instrumental ab, ehe sie sich an den Text setzte. Später erzählte sie in einem Interview, durch diese neue Art der Zusammenarbeit sei ihr Wunsch gewachsen, zukünftig gänzlich ihre eigenen Texte zu schreiben.

Watkins’ Wunsch Lopes den Pre-Chorus rappen zu lassen, lehnte diese ab. Selbiges gilt für das Lied Silly Ho, in dem Lopes bereits fertig geschriebener Rapvers durch die Computerstimme Vic-E eingerappt wurde, da Lopes nicht zum Aufnahmetermin erschien.

Zwei Lieder des Albums, Come on Down und I Miss You So Much, primär geschrieben von Lopes, sollten ursprünglich von Watkins gesungen werden. Nachdem diese aber mit der Rhythmik der Instrumentale nicht zurechtkam, übernahm Thomas die Rolle. Da Thomas während der Aufnahme an hohem Fieber litt, bat sie Babyface um eine Neuaufnahme, die dieser aber hinsichtlich der Produktions-Deadline zurückwies.

No Scrubs war der letzte für das Album produzierte Song im Dezember 1998. Ursprünglich geschrieben für die Girlband Xscape kaufte Austin die Rechte, um No Scrubs als erste Single für FanMail auszukoppeln. Lopes schrieb den Text ihrer Bandmitglieder leicht um und ergänzte sie um einen zusätzlichen Rapvers. Bemerkenswert für das Lied ist Thomas Auftreten als Hauptgesangsstimme, welche in der Vergangenheit immer Watkins zufiel. Austin begründete diese Entscheidung später damit, dass Thomas zu mehr in Stande gewesen sei als „bloß eine Hintergrundsängerin“.

Komposition und Text FanMail bedient sich visuell und auditiv an futuristischen Stilen, wegen der rasenden technologischen Entwicklungen nahe dem neuen Jahrtausend wie dem Jahr-2000-Problem oder Napster. Exemplarisch dafür steht die Leadsingle No Scrubs sowie dessen Musikvideo, in dem die Band in einer Art Raumschiff in exzentrischer Kleidung auftritt.

Das Album enthält eine Handvoll an Liedern, in denen Vic-E eine prominente Rolle einnimmt. Die Computerstimme wurde als „Tourführer“ auf A Tribe Called Quest's Studioalbum Midnight Marauders bekannt. Ursprünglich wurde der Android als Ersatz für Lopes programmiert, da diese sich weigerte, am Projekt mitzuwirken. Nachdem sich die Band versöhnte, entschieden sie einstimmig, Vic-E als Charakter zu inkludieren.

FanMail ist ein R&B und Soul AlbumStephen Thomas Erlewine: , das Funk, Hip-Hop, Dance-Pop, New Jack Swing und Balladen-Einflüsse trägt. Viele Klänge wurden mit einer Roland TR-808-Maschine erzeugt, um ein „cyber-R&B-Meisterwerk zu schaffen“. Eine Vielzahl an Produzenten war an dem Schaffensprozess beteiligt, darunter Dallas Austin, Babyface, Jermaine Dupri, Jimmy Jam und Terry Lewis.

Auf dem Titelsong verwendet Austin mehrere Samples aus dem Internet und aus Filmen, um einen „Weltall-Sound“ zu kreieren, der „so klingt wie das Album-Artwork aussieht“. Die Hintergrundgeräusche, bestehend aus dem Tippen auf einer Schreibmaschine und einem Drucker, soll die Fan-Briefe darstellen, die TLC während ihrer Pause erhielt. Für den Chorus verwendete Austin ein Interview von TLC mit MTV Past Present and Future aus dem Jahr 1994, in dem Lopes erwähnt, die Band habe nach Veröffentlichung ihres ersten Albums eine Reihe „widersprüchlicher Fanbriefe“ (en. „all these conflicting fan mail“) bekommen. Die Stimmen auf dem Song, aber auch anderen Liedern des Albums, wurden stellenweise digital bearbeitet, verzerrt oder gepitcht, um Glitches aus einer Wählleitung zu simulieren.

Im Kontrast zu dem sonst technologischen Klangbild ist Unpretty ein Alternative-Rock-Song, der sich mit den Unsicherheiten bezweckt durch Bodyshaming befasst. Er wurde inspiriert durch ein Gedicht von Watkins. Das Lied Communicate (Interlude) behandelt die fehlende Kommunikation unter Menschen aufgrund des Aufkommens neuer Technologien, infolge derer auch die Depressionsrate unter Kindern und Heranwachsenden steigt. Im Hintergrund ist das Tippen auf einer Tastatur zu hören, gemeinsam mit Lopes, die den Hörer fragt, ob er mit ihr reden wird (en. „will you communicate with me?“).

Thematisch befasst sich FanMail mit Sexualität, Unsicherheit, Eigenständigkeit und Verletzbarkeit. Einige Rezensenten beschrieben es als Abschluss des Reifeprozesses, der mit dem Debütalbum Ooooooohhh... On the TLC Tip in Form „kindlich-süßer“ Teenagerprobleme begann, in CrazySexyCool bereits erwachsenere Themen behandelte, jedoch mit der „Naivität, die durch die Unerfahrenheit und den jugendlichen Leichtsinn“ kommt und sich in FanMail in Form ausgewachsener, reifer und selbstständiger Frauen wiederfindet.

Artwork, Verpackung und Albumtitel Auf dem Albumcover sind die Köpfe von TLC mit metallischer, silberner Haut zu sehen. Der Hintergrund ist schwarz und wird durch einen Binärcode komplettiert. Der Fotograf Dan Levy fotografierte die silber-angemalten Bandmitglieder ohne sie später digital zu bearbeiten. Annie Lord von i-D beschrieb die Optik der Band als „drei digitalisierte, körperlose Cyborgs von einer anderen Dimension“ und verglich den Binärcode an ihren Köpfen mit dem Film Matrix.

In der Verpackung findet sich neben der CD ein großes Poster, auf dem neben den drei TLC-Mitgliedern eine Liste von mehreren Tausenden Personen geschrieben steht, die der Band Fanbriefe geschrieben habe. Eine limitierte Edition des Albums wurde im letzten Quartal 1999 veröffentlicht.FanMail Credits. LaFace Records. 1999. 73008-26055-2.

Der Albumtitel ist ein Tribut an TLCs Fans während ihrer fünfjährigen Schaffenspause. Wie schon zuvor bei Ooooooohhh… On the TLC Tip und CrazySexyCool kam der Titel von Lopes, nachdem sie den eigentlich geplanten Titel Fan2See verworfen hatte. Zu der Gruppe sagte sie:

Kritiken Professionelle Bewertungen Kritiken Quelle Bewertung AllMusic The Guardian Caroline Sullivan: „TLC: FanMail (Arista)“. The Guardian. 19. Februar 1999. Rolling Stone Entertainment Weekly B- Los Angeles Times Muzik Tony Farsides: „TLC: Fan Mail (LaFace/Arista)“. Muzik. Ed. 47. S. 84. April 1999. NME Q „TLC: FanMail“. Q. Nr. 152. Mai 1999. S. 116. USA Today Steve Jones: „At once hot and hard-hitting, trio is 'so good at being bad'“. USA Today. 16. Februar 1999.

FanMail erhielt zu seinem Erscheinen positive Rezensionen und kann als kritischer Erfolg bezeichnet werden. Der kritische Beifall ist mithin nicht in derselben Riege wie noch bei Ooooooohhh… On the TLC Tip oder CrazySexyCool.

Tony Farsides vom britischen Muzik-Magazin bezeichnete FanMail als „echter Fortschritt“ im Vergleich zu anderen Alben, die um die Zeit veröffentlicht wurden.Tony Farsides: „TLC: Fan Mail (LaFace/Arista)“. Muzik. Ed. 47. S. 84. April 1999. NME Autor Roger Morton verglich das „Cyber-Konzept“ des Albums mit den Electro-Funk-Projekten von Prince und befand, dass TLC in keiner Weise durch andere prominente Girlgroups wie All Saints und den Spice Girls geschmälert werde.

Ann Powers von Rolling Stone merkte an, dass Elemente von FanMail zwar „schärfer und aggressiver“ klängen als noch auf CrazySexyCool, aber auch „unausgepfeilter“. Sie lobte TLCs Mitglieder aber dafür, „mutige Risiken“ auf sich zu nehmen. Stephen Thomas Erlewine von AllMusic bewunderte das Album für seine „Abwechslung“, bemängelte aber, dass sich die Band zu sehr an bewährten Konzepten älterer Produktionen orientieren würde.

David Browne von Entertainment Weekly äußerte sich als „TLC-Fan“ enttäuscht von dem „immer austauschbarer und homogener werdenden Gesang“ und bemängelte FanMail als „endlose Aneinanderreihung von Chorusen“. Auch Joshua Clover von Spin zeigte sich ernüchtert und kritisierte die Produzenten des Albums dafür, zu sehr nach Timbaland klingen zu wollen.Joshua Clover: „TLC: Fan Mail“. Spin. Ed. 15 Nr. 5. S. 146–147. Mai 1999.