Esther Lehnert (geboren 1966) ist eine deutsche Pädagogin und Professorin an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Leben

Ausbildung und Berufliche Entwicklung Lehnert beendete ihr Pädagogik-Studium mit dem Diplom. Nach dem Studium war sie von 2002 bis 2004 Mitarbeiterin bei Camino – Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich gGmbh, einem Institut für Evaluation und wissenschaftliche Begleitung von gesellschaftspolitischen Projekten. Dort war sie beteiligt an der Realisierung eines Lokalen Aktionplans Potsdam gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt. Von 2006 bis 2010 war sie Mitarbeiterin bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR), einem Verein, der mit einem interdisziplinären Team staatliche und private Institutionen berät, fortbildet und unterstützt, um gegen rechtsextreme Anfeindungen gewappnet zu sein.

Wissenschaftliche Karriere Als Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung nahm Lehnert ein Promotionsstudium auf. Ihre Doktorarbeit mit dem Titel Die Beteiligung von Fürsorgerinnen an der Bildung und Umsetzung der Kategorie „minderwertig“ im Nationalsozialismus. Öffentliche Fürsorgerinnen in Berlin und Hamburg im Spannungsfeld von Auslese und „Ausmerze“ wurde 2003 veröffentlicht. Das Buch erschien 2020 in der 3. Auflage.

Lehnert ist seit 2014 Professorin für Theorie, Geschichte und Praxis Sozialer Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH). Schwerpunkte ihrer Lehrtätigkeit sind die Themen Heimerziehung in der DDR und der BRD, Ideologien der Ungleichwertigkeit, Beratung und Geschichte, Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Rechtsextremismus.

Forschungsschwerpunkte In ihrer Forschung widmet sich Lehnert den Themen Gender und Rechtsextremismus, Sozialpädagogische Strategien im Umgang mit Rechtsextremismus, Geschichte der Sozialen Arbeit und Geschichte der Heimerziehung.

Lehnert analysiert in ihren historischen Studien vor allem die Zeit des Nationalsozialismus in Hinblick auf Soziale Arbeit und Heimerziehung. Eine der ersten Veröffentlichungen zu diesem Thema war ihre Doktorarbeit. Diese historischen Analysen sind die Basis für die Beurteilung des aktuellen bzw. modernen Rechtsextremismus.

Bei der Auseinandersetzung mit der Genderforschung kommt Lehnert zu dem Schluss, dass genaue Rollenvorgaben für die beiden Geschlechter eine wesentliche Rolle im Rechtsextremismus spielen. Sie beleuchtet zunächst das Verhalten und die Einstellungen von Männern, die von übertriebenem Männlichkeitshabitus geprägt sind. Parallel wendet sie sich den rechtsextremen Frauen zu und stellt fest, dass Frauen vermehrt im rechtsextremen Umfeld öffentlich auftreten. Das tun sie oft mit harmlosem Habitus. Lehnert stellt eine "doppelte Unsichtbarkeit" von rechtsextremen Frauen fest. Diese leitet Lehnert her aus dem gesellschaftlichen Phänomen, dass Mädchen ein politisches Engagement in Abrede gestellt wird und eher in soziales Engagement umdefiniert wird.

Aus diesen Analysen entwickelt Lehnert Präventionsmaßnahmen, die in den verschiedenen Bereichen der Sozialen Arbeit – in Schulen, in der Kita, in Sportvereinen, in der offenen Jugendarbeit – getroffen werden können.

Engagement Lehnert engagiert sich in verschiedenen Organisationen, die in engem Zusammenhang mit ihren Forschungsschwerpunkten stehen.

In der Amadeu Antonio Stiftung ist Lehnert Beraterin der Fachstelle für Gender, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) und Rechtsextremismus. Sie ist aktiv in einem Projekt der Stiftung: Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern. In diesem Projekt geht es um „demokratische Kultur, Geschlechtergerechtigkeit und eine gendersensible Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus“.

Lehnert ist Vorstandssprecherin im Institut Solidarische Moderne (ISM) und Vertrauensdozentin der Hans-Böckler-Stiftung.

Im Rahmen eines Projektmoduls mit dem Titel „Ideologien der Ungleichwertigkeit – Gewalt und Prävention“ für das Wintersemester 2017/2018 intensivierte Lehnert die Kooperation mit ufuq e.V., einem Verein für Jugendhilfe mit den Schwerpunktthemen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus.

Lehnert ist Mitglied im Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus und bei F_in Netzwerk Frauen im Fußball.

Lehnert ist Mitherausgeberin der 2021 neu gegründeten Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung (ZRex). Zielgruppe dieser Zeitschrift sind Lehrende und Forschende der Politikwissenschaft, der Soziologie, der Psychologie und der Sozialen Arbeit.

Lehnert unterstützt die Rote Hilfe.

Veröffentlichungen Die Veröffentlichungen sind thematisch sortiert nach Forschungsschwerpunkten sortiert.

Historische Analysen zur Sozialen Arbeit

2. Auflage 2018; 3. Auflage 2020, ISBN 978-3-86321-518-7. 2. Auflage 2005, ISBN 978-3-89771-204-1.

Gender und Rechtsextremismus

Bedeutung von Gender im rechtsextremen Umfeld

Männer im rechtsextremen Umfeld

Frauen im rechtsextremen Umfeld

Sozialpädagogische Strategien im Umgang mit Rechtsextremismus

3. Auflage 2018.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Hochschullehrer (Alice Salomon Hochschule Berlin) Kategorie:Pädagoge Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1966 Kategorie:Frau