Waffenfarben dienen in einer Reihe von Streitkräften an militärischen Uniformen Rangabzeichen, Schulterstücken, Lampassen oder Paspelierungen als Unterscheidungsmerkmal für verschiedene Waffengattungen, Spezialtruppen, Dienste und Verwendungen.

Historische Entwicklung Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde deutlich, dass der technische Fortschritt in der Waffenentwicklung die traditionell in vielen Armeen verwendeten farbigen Uniformen unzweckmäßig machte. Ihre Träger waren zu auffällig und damit angesichts der Einführung des rauchschwachen Pulvers, der immer mehr gesteigerten Zielgenauigkeit, Feuergeschwindigkeit und Schussweite von Infanterie- und Artilleriewaffen unnötig gefährdet. Ein Verzicht auf aufwendige Uniformgestaltung rationalisierte zudem die Ausstattung der im Zeichen des Wettrüstens immer weiter vergrößerten Massenarmeen. So hatte eine ganze Reihe von Staaten bereits vor 1914 unauffällige Einheitsuniformen eingeführt, wie Großbritannien (rot durch khaki für die Kolonien, und durch braun für das Heimatheer ersetzt), bzw. für den Kriegsfall vorbereitet, wie das Deutsche Reich (preußischblau durch feldgrau ersetzt). Diese Entwicklung fand ihren Abschluss im Grabenkrieg des Ersten Weltkrieges. Die z. B. in Deutschland anfangs teilweise noch beibehaltenen bunten Abzeichenfarben an Kragen und Ärmelaufschlägen als Zeichen teilweise jahrhundertealter Regimentstradition verschwanden im Kriegsverlauf mit der Einführung zweckmäßigerer Felduniformen. Frankreich ersetzte seine zunächst roten Uniformhosen rasch durch blaue. Um zumindest noch die Waffengattungen erkennbar zu machen, erhielten in Deutschland und Frankreich etwa ab 1915 einige wenige Uniformteile farbige Vorstöße und Regimentsnummern. Nach 1918 setzten sich dann in vielen Armeen feste Farbzuordnungen durch. In Deutschland bürgerte sich bei der Neuuniformierung der Reichswehr 1921 hierfür der Begriff Waffenfarbe ein. Für den Kampf- oder Arbeitsanzug wird die Waffenfarbe heute oft nur für ganz wenige Bestandteile verwendet (in der Bundeswehr z. B. nur mehr für eine schmale Litze an den Rangabzeichen), während sie auf dem Gesellschafts- oder Dienstanzug gut sichtbar hervortritt, typischerweise auf dem Kragenspiegel bzw. der Unterlage von Abzeichen.

Alternativ zu Waffenfarben verwenden verschiedene Streitkräfte, wie beispielsweise US Army, British Army und die Schweizer Armee, stilisierte Abzeichen zur Unterscheidung der Truppengattung, die meist am Kragen angebracht sind. Es gab auch Kombinationen von Waffenfarbe und Gattungsabzeichen wie beispielsweise bei der Sowjetarmee.

China Die Nationalchinesische Armee führte 1912 Rangabzeichen und Waffenfarben nach japanischem Vorbild ein. Die Farbwahl unterschied sich allerdings.Chinese Civil War Armies 1911–49 Von Philip S. Jowett, Stephen Andrew.

Infanterie: Rot Kavallerie: Gelb Artillerie: Blau Pioniere: Weiß Transporttruppe: Schwarz Sanitätstruppe: Dunkelgrün Militärpolizei: Rosa (ab 1929 Karminrot) Militärverwaltung: Karminrot

Deutschland Die Waffenfarbe soll in deutschen Streitkräften identitätsstiftend wirken und den Korpsgeist fördern. Bisweilen nimmt sogar Liedgut der Truppe Bezug auf sie, beispielsweise „Grün ist meine Waffenfarbe“ bei den Grenztruppen der DDR, „Wir tragen die roten Spiegel“ beim Wachregiment Feliks Dzierzynski und „Bordeauxrot sind die Spiegel, Bordeauxrot ist der Wein, Bordeauxrot ist der Himmel, ABC muss sein“ bei der ABC-Abwehrtruppe der Bundeswehr. Die Alltagssprache der Soldaten geht aber häufig deutlich weniger respektvoll damit um: So wurde beispielsweise der Text des Grenzer-Liedes zu „Grün ist eine Affenfarbe“ verballhornt. Und dass das ABC-Lied heute noch identitätsstiftend wirkt, wird inzwischen von der Bundeswehr selbst in Frage gestellt.

Bundesrepublik Deutschland Bundeswehr

Bei ihrer Aufstellung 1955 verzichtete die Bundeswehr auf Kragenspiegel zur Unterscheidung der Truppengattungen. Nach dem Vorbild der US-Armee wurden zunächst charakteristische Metallembleme zur Unterscheidung der Truppengattungen am Kragen angebracht. Nur Generale und Offiziere im Generalstabsdienst trugen bereits seit 1955 Kragenspiegel in traditioneller Form. Spätestens bis Frühjahr 1957 wurden die Kragenspiegel in Waffenfarbe auch für alle übrigen Soldaten wieder eingeführt.

Polizeien des Bundes Bundesgrenzschutz (jetzt Bundespolizei): dunkelgrün Bahnpolizei: mittelblau

Auch wenn innerhalb dieser Polizeien keine unterschiedlichen Waffenfarben verwendet wurden, waren die beim Militär typischerweise waffenfarbigen Uniformteile auch hier in einer charakteristischen, von der Uniform abweichenden Farbe gehalten, so dass auch hier von einer Waffenfarbe gesprochen werden kann.

Deutsche Demokratische Republik Im Zuständigkeitsbereich der „Ministerien der bewaffneten Organe“ der DDR (Verteidigung, Staatssicherheit und Inneres) gab es folgende Waffenfarben:

Ministerium für Nationale Verteidigung Siehe hierzu:

Ministerium für Staatssicherheit alle uniformierten Kräfte: zur Verschleierung der Zugehörigkeit auch andere Waffenfarben: z. B. weiß, schwarz

Ministerium des Inneren Kasernierte Volkspolizei Die Kasernierte Volkspolizei (KVP), als Vorläuferorganisation der NVA, orientierte sich bezüglich Uniform-Zuschnitt und Waffenfarben an der Sowjetarmee. Generale: Infanterie: Mützenpaspelierung: karmesin, Besatz dto., Schulterstücke: dto. Kragenspiegel dto. mit goldener Umrandung Artillerie: Mützenpaspelierung: karmesin, Besatz dunkeloliv, Schulterstücke schwarz, Kragenspiegel: schwarz mit goldener Umrandung Panzer: Mützenpaspelierung: blau, Besatz blau, Schulterstücke blau, Kragenspiegel: blau mit goldener Umrandung übrige (Eisenbahn-, Kfz.-, Chem.-, Rückw. Dienste): Mützenpaspelierung: malino, Besatz dto., Schulterstücke: malino, Kragenspiegel: malino gold umrandet Artillerie: Mützenpaspelierung: malino, Besatz schwarz, Offiziere dunkeloliv (?), Schulterklappen: schwarz, Kragenspiegel: schwarz mit malino Umrandung Chemische Truppen: Mützenpaspelierung: schwarz, Besatz: dunkeloliv, Schulterklappen: schwarze Umrandung, Offiziere voll schwarz, Kragenspiegel: schwarz Eisenbahntruppen: Mützenpaspelierung: grün, Besatz dunkeloliv, Kragenspiegel schwarz mit grüner Umrandung, Intendantur, administrativer-, medizinischer- und juristischer Dienst: Mützenpaspelierung: malino, Besatz grün, Schulterklappen: grün umrandet, Offiziere voll grün, Kragenspiegel: grün, Offiziere dto. malino umrandet Infanterie: Mützenpaspelierung: malino, Besatz dto., Schulterklappen: Umnrandung malino, Kragenspiegel: malino; Offiziere mit schwarzer Umran Kragenspiegel dung Kfz-Truppen: Mützenpaspelierung: malino, Besatz dunkeloliv, Schulterklappen: schwarze Umrandung, Offiziere voll schwarz, Kragenspiegel mit roter Umrandung Nachrichten: Mützenpaspelierung: gelb, Besatz: dunkeloliv, Schulterklappen: Umrandung schwarz, Offiziere voll schwarz, Kragenspiegel: schwarz mit gelber Umrandung Panzer: Mützenpaspelierung: blau, Besatz blau (auch Offiziere), Schulterklappen: Umrandung blau, Kragenspiegel: blau, Offiziere mit schwarzer Umrandung Pioniere: Mützenpaspelierung: blau, Besatz: dunkeloliv, Schulterklappen: Umrandung schwarz, Offiziere voll schwarz, Kragenspiegel: schwarz mit blauer Umrandung Volkspolizei Luft: hellblau Volkspolizei See: dunkelblau

Mit Überleitung der KVP zur NVA im Jahre 1956 wurden die Waffenfarben der NVA verwendet.

Volkspolizei Die Volkspolizei verwendete bis 1990 folgende Waffenfarben: Schutzpolizei und Zentrale Kräfte Schutzpolizei: Dunkelgrün Volkspolizei-Bereitschaften: Hellgrün Hubschrauberstaffeln der Volkspolizei: Hellblau Transportpolizei: Dunkelblau Transportpolizei-Kompanien: Hellblau Strafvollzug: hellgrau Berufsfeuerwehr: Malinorot Kampfgruppen: keine

Deutsches Reich 1919–1945 Reichswehr Im Heer der Reichswehr wurden 1921 den Waffengattungen und Spezialverwendungen Waffenfarben zugewiesen.

Wehrmacht Die Wehrmacht führte ab 1935 zunächst die Waffenfarben der Reichswehr weiter. Beim Heer wurde ab 1937 die Waffenfarbe der Nachrichtentruppe verändert und neue Farben eingeführt. Außerdem kamen Farben für die neu aufgestellte Luftwaffe hinzu.

Heer

Luftwaffe

Marine Der traditionellen Marineuniform waren Waffenfarben zwar fremd, doch an einige nicht schwimmende Truppenteile der Kriegsmarine wurden für den Dienst an Land auch Uniformen ähnlich denen des Heeres ausgegeben. Die Taschenform wich leicht ab, Knöpfe und Tressen waren aus Gelbmetall. Es wurden folgende Waffenfarben getragen:

Admirale: Marineblau Allgemein: Marineblau Küstenartillerie: Rot, Besätze, Litzen etc. statt silbern gold und Schulterklappen mit goldener „Bombe“ Wehrmachtbeamte der Kriegsmarine (Unterlage der Schulterstücke), Ärmelstreifen: Silber Oberkommando der Kriegsmarine: Dunkelblau Verwaltungsbeamte, Marineärzte, Marineapotheker, nichttechnische Lehrkräfte an Marinefachschulen: Kornblumenblau Reichskriegsgericht, Marinekriegsgerichte: Karmesinrot technische Beamte, Lotsenkommandeur, seemännische Fahrzeugbeamte, Seemaschinisten, technische Lehrkräfte an Marinefachschulen: Schwarz Militärseelsorge: Violett

Ordnungspolizei Bei der Ordnungspolizei waren die Polizeisparten ebenfalls durch Waffenfarben gekennzeichnet:

Schutzpolizei des Reichs, Polizei-Generale: Hellgrün Schutzpolizei der Gemeinden: bordeauxrot (ab 1942: Hellgrün) Gendarmerie: Orange Feuerschutzpolizei: Karmesin Medizinalbeamte: Kornblumenblau Veterinäre: Schwarz Verwaltungspolizei: Lichtgrau Wasserschutzpolizei: Zitronengelb Verkehrspolizei: Hochrot Gendarmerie-Bereitschaften: Weiß Luftschutzpolizei: Hellgrün Technische Nothilfe: Schwarz

Waffen-SS Bei der Waffen-SS waren nur die Vorstöße bzw. Unterlagen der Schulterstücke in Waffenfarbe, insgesamt folgte man hier dem Vorbild des Heeres.

Finnland Die finnischen Streitkräfte verwenden folgende Waffenfarben (nicht am Kampfanzug):Puolustusvoimat: Tunnusvärit eingesehen am 27. März 2011 (finnisch). Generalstabsoffiziere: himbeererot mit grauer Umrandung Infanterie: grün mit weißer Umrandung Jäger: grün mit gelber Umrandung Garde-Jägerregiment: grün mit grauer Umrandung Panzertruppe: schwarz mit grauer Umrandung Feldartillerie: hochrot mit schwarzer Umrandung Flugabwehr: rot mit grauer Umrandung Pioniere: dunkelviolett mit grauer Umrandung Heeresflieger: blau mit grüner Umrandung Fernmeldetruppe: dunkelviolett mit gelber Umrandung Nachschub: blau mit grauer Umrandung Sanitätstruppe: grau mit roter Umrandung Dragoner: gelb mit blauer Umrandung Kavallerie-Jägerbataillon Häme: gelb mit roter Umrandung Militärmusik: hellblau mit weißer Umrandung Luftwaffe: blau mit schwarzer Umrandung Reserveoffizierschule: dunkelblau mit roter Umrandung Kadettenschule: blau mit gelber Umrandung Spezialoffizierschule des Heeres: grün mit roter Umrandung Grenztruppen: grün mit oranger Umrandung

Frankreich Ab 1915 führte Frankreich für die horizontblaue bzw. khakifarbene Felduniform zur Unterscheidung der Waffengattungen verschiedenfarbige Kragenabzeichen ein (Soutache, Nummer, andere Symbole), teilweise auf farbigen Kragenpatten (Kavallerie, Artillerie usw.). Bis 1940 blieb dies im Wesentlichen unverändert gültig.

(Auszug)

Infanterie: dunkelblau Jäger (dunkelblaue Uniform): grün Kolonialinfanterie: rot Zuaven: garance-rot Fremdenlegion: grün algerische Tirailleurs: himmelblau marokkanische Tirailleurs: grün leichte afrikanische Infanterie (aus Vorbestraften gebildet): violett Kürassiere: karmesinrot auf dunkelblauer Patte Dragoner: weiß auf dunkelblauer Patte Husaren: himmelblau auf dunkelblauer Patte Jäger zu Pferde: grün auf dunkelblauer Patte Chasseurs d’Afrique: gelb auf dunkelblauer Patte Spahis: gelb auf dunkelblauer Patte Feldartillerie: hellblau auf scharlachroter Patte Fußartillerie: grün auf scharlachroter Patte reitende Artillerie: dunkelblau auf scharlachroter Patte schwere Artillerie: aschgrau auf scharlachroter Patte