Johannes Schreiter (* 8. März 1930 in Buchholz, Sachsen) ist ein deutscher Maler, Grafiker und Glasbildner.
Leben Johannes Schreiter wurde 1930 in Buchholz im Erzgebirge geboren und besuchte in Annaberg das Gymnasium, wo er 1948 das Abitur ablegte. Ihn prägte sein protestantisches Elternhaus und die Leidenschaften für Musik, die ihm sein Vater weitergab. Doch seine Absicht, Musik zu studieren, gab er auf. Stattdessen floh er 1949 vor der kommunistischen Diktatur nach Westdeutschland.Helmut Braun: Johannes Schreiter zum 90. Geburtstag. In: Kirche + Kunst, Jg. 97 (2022), S. 56–57, hier S. 56. An der Werkschule in Münster studierte er bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei bei Vincenz Pieper. 1952 begann er mit der Lehramtsausbildung als Kunsterzieher an der Landeskunstschule in Mainz, die er 1957 mit dem Staatsexamen abschloss. Eingeschoben war ein Jahr an der Berliner Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Seine Studien ermöglichte ihm ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Danach ließ er sich als freier Maler in Bonn nieder. Bereits in den ersten Jahren entstanden mehrere Werke für Kirchen. 1959 erfand Johannes Schreiter den Bildtypus der Brandcollage oder Fumage-Collage.
Von 1960 bis 1963 leitete Schreiter die Abteilung „Fläche“ an der Staatlichen Kunsthochschule Bremen. Von 1963 bis 1987 war er Professor an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Frankfurt am Main, von 1971 bis 1974 deren Rektor.
Johannes Schreiter ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Er lebt heute in Langen (Hessen) und ist seit November 2013 Ehrenbürger der Stadt.
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Jahr Ort Werk 1959–1960 Kitzingen Katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, Chorfenster 1959–1960 Mainz Institut für Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität, Treppenhaus, nach dem Gebäudeabriss (2013) wurde das Glasbild 2020 im Neubau der Theologie montiert. 1960 Bürgstadt Kirche St. Margareten, Dreiecksfenster, Symbol für das Auge Gottes 1960 Bürgstadt Kirche St. Margareten, Marienkapelle, Glasmosaik 1962 Osnabrück Melanchthonkirche 1965 Hamburg Kath. Mariendom 1965 Leutesdorf Blaue Kapelle 1969 Frankfurt-Preungesheim Festeburg Kirche, Beton-Glasfenster 1974 Hofen Evangelische Kirche 1977 Limburg an der Lahn St. Maria, Diözesanes Zentrum Sankt Nikolaus, 8 Glasfenster 1977–1978 Kalbach-Niederkalbach Kirche St. Laurentius 1978 Dortmund Marienkirche, Chor, Marienaltar 1980 Frankfurt am Main Mariahilf-Kirche 1981–1982 Lübeck St. Marien, Fenster der Briefkapelle 1984 Heidelberg Heiliggeistkirche 1985 Münster-Coerde Andreaskirche 1987 Lüneburg St.-Nicolai-Kirche, Chorfenster 1992–2000 Goslar Marktkirche St. Cosmas und Damian 1992, 2015 Osnabrück St. Marien 1993–2000 Berlin-Grunewald Grunewaldkirche 1995 Prenzlau Marienkirche, Glasfenster „Zerstörung und Wiederaufbau“ 1997 München-Obermenzing Carolinenkirche, Chorwandfenster mit dem Titel „Aufbruch zum Leben“Helmut Braun: Johannes Schreiter zum 90. Geburtstag. In: Kirche + Kunst, Jg. 97 (2022), S. 56–57, hier S. 57. 1997–1998 Göttingen St. Jacobi-Kirche, Meditation über den 22. Psalm, 5 Fenster 1999 Lübeck St. Marien, Westportalfenster 2001 Ulm Ulmer Münster, Weltgefährdungsfenster 2001 Ulm Ulmer Münster, Weltvollendungsfenster 2002 Mainz-Gonsenheim Evangelische Kirche Mainz-Gonsenheim, 8 Glasfenster 2002 Stuttgart Stiftskirche, Fenster der christlichen Hauptfeste, Entwurf 2002? Buchloe Haus der Begegnung, zwölfteiliger Glasfensterzyklus 2002–2003 Kiel Nikolaikirche, Taufkapelle / Raum der Stille, vier Fenster 2003 Esslingen St. Paul, zwei Lanzettfenster am Taufort an der Südwand.Münster St. Paul Esslingen am Neckar, S. 20 (Innenraum), S. 26 (Zeittafel) In: Schnell, Kunstführer Nr. 998, 4. neu bearbeitete Auflage 2005. 2003 Wüllen St. Andreas 2003 St. Ingbert Christuskirche 2003 Koblenz-Ehrenbreitstein Heilig-Kreuz 2004 Augsburg St. Ulrich und Afra, Magnificat-Fenster, Seitenschiff 2005 Kassel Landeskirchenamt der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, „Wandbild“ in Glas mit Thema „Zerrissenheit und Heilung“ 2006 Stralsund St. Nikolai, Greiffenheimsche Kapelle 2006, 2010–2012 Heidelberg Peterskirche, Zyklus mit neun Fenstern 2007 Mainz Mainzer Dom, Sakramentskapelle 2007 Augsburg St. Pius, Seitenkapelle 2008 Augsburg Augsburger Dom, Westchor, drei Glasfenster. Herstellung im Mundblasverfahren: Glashütte Lamberts. Einbau: Derix Glasstudio, 2010. 2009 Planegg Maria Eich, Wallfahrtskirche 2011 Weinsberg Johanneskirche, Ostchor, Auferstehungsfenster (2002), Zyklus zu Psalm 23 (7 Fenster, 2011) 2012 Heidelberg Diakoniekirche der Evangelischen Kapellengemeinde, zwei Fenster im Altarraum 2012 Augsburg St. Ulrich und Afra, Benedictus-Fenster, Seitenschiff 2013 Langen (Hessen) Katholische Kirche St. Albertus Magnus, zwei jeweils 1,90 m × 2,30 m große Glasfenster.Mit meditativer Wirkung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. März 2013, S. 56. 2014 Heidelberg Diakoniekirche der Evangelischen Kapellengemeinde, vier Paramente für das Kirchenjahr 2016 Langen (Hessen) Evangelische Stadtkirche.Schreiter-Fenster für Langener Stadtkirche. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2015, S. 51. 2017 Miesau Protestantische Kirche, Schreiter-Zyklus mit fünf Fenstern im Altarraum, die im Wesentlichen Kreuzigung, Auferstehung, Emmaus-Geschichte und Missionsbefehl zeigen. 2018, 2019 Miesau Protestantische Kirche, Ergänzung des 2017 gestalteten Schreiter-Zyklus durch je drei weitere Fenster unter den Emporen.
Glas/Werke/Langen Im Untergeschoss der Neuen Stadthalle Langen befindet sich seit 2009 eine rund 200 m² große Galerie, in welcher rund 50 Werke von Schreiter und anderer Künstler wie Brian Clarke, Klaus Zimmer und Lukas Derow ausgestellt sind.Stille Kunst aus buntem Glas. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. September 2015, S. 49.
Ehrungen 1979: Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 2005: Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg 2007: Kulturpreis der Stadt Langen 2011: Hessischer Verdienstorden 2013: Ehrenbürgerschaft der Stadt Langen
Schriften Glasbilder. Herausgegeben von Hans Gercke, Rainer Volp. Verlag Das Beispiel, Darmstadt 1988, ISBN 3-923974-03-5. mit Stefan Zekorn: Mysterium crucis. Die Glasfenster von Johannes Schreiter in der Kapelle des Priesterseminars Borromaeum Münster – Geheimnis des Kreuzes. Schnell & Steiner, Regensburg 2006, ISBN 978-3-7954-1941-7. Wortfenster, zwei Bände. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2066-6. In kunstwissenschaftlichen Aufsätzen, Essays und Vorlesungen gibt Schreiter Einblicke in seine Gedankenwelt. Den Büchern liegt eine CD bei, mit einer Predigt des überzeugten Christen und neun Musikstücken, die er in den 1940er Jahren komponierte, die lange Zeit verschollen waren und nun erstmals veröffentlicht wurden. Glasbilder – Collagen – Zeichnungen 1995–2012. Texte von Gunther Sehring und Holger Brülls. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2012, ISBN 978-3-89870-687-2.
Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Hans H. Hofstätter: Johannes Schreiter. Neue Glasbilder und eine Einführung in die neue Glasbildkunst. Heinz Moos, München 1965. Dorit Marhenke (Red.): Deutsche Radierer der Gegenwart. Kunsthalle Darmstadt, 12.9.–31.10.1982. Athenäum, Königstein/Ts. 1982, ISBN 3-7610-8121-9, S. 148f. Birgit Schwarz: Johannes Schreiter. Das glasbildnerische Werk von 1959 bis 1980 (= Kunst in Hessen und am Mittelrhein, Band 26). Hessisches Landesmuseum, Darmstadt 1987. Markus von Hänsel-Hohenhausen: Freiheit aus Dialog – Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung des Werkes Johannes Schreiters aus Anlaß seines 85. Geburtstages am 8. März 2015.literaturmarkt.info (online, abgerufen am 1. April 2025). Brigitte Quack: Farbige Glasflächen mit großer inhaltlicher Tiefe. Die Schreiter-Fenster in der Christuskirche St. Ingbert. In: Saarbrücker Zeitung. 10. Juli 2008, S. C4. Yvonne Besser: Religiöse Bildsprache der nichtfigurativen Moderne: der Fensterzyklus zu Psalm 22 von Johannes Schreiter in der Jacobikirche Göttingen. Verlag Otto Lembeck, 2009. Helmut Schwier: Der Fensterzyklus von Johannes Schreiter in der Peterskirche Heidelberg (= Schnell Kunstführer Nr. 2826). Schnell & Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-6955-9. Helmut Schwier (Hrsg.): Botschaften aus Licht und Glas. Der Fensterzyklus von Johannes Schreiter in der Heidelberger Universitätskirche. Mit einem Geleitwort von Johannes Schreiter, Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-2776-4. Johannes Schreiter. Glasbilder – Zeichnungen – Collagen, 1995–2012. Texte von Holger Brülls und Gunther Sehring. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2013, ISBN 978-3-89870-687-2. Helmut Braun: Johannes Schreiter zum 90. Geburtstag. In: Kirche + Kunst, Jg. 97 (2022), S. 56–57.
Film Eick Hoemann, Peter Rippl: Der Glasmaler. 2011 (73 min.)
Weblinks
Abbildungen von Brandcollagen, Gemälden und Glasfenstern von Johannes Schreiter
Einzelnachweise
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