Hooge ( Hoge, friesisch Huuge) ist die zweitgrößte der zehn Halligen im Nordfriesischen Wattenmeer der Nordsee. Die Gemeinde Hallig Hooge (bis 31. Dezember 2007 Gemeinde Hooge) umfasst neben der Hallig Hooge auch die unbewohnte Hallig Norderoog und gehört zum Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.

Geographie Hooge ist, anders als die übrigen Halligen, bereits seit vor dem Ersten Weltkrieg von einem rund 1,20 Meter hohen Steindeich umgeben, sodass es vor Überflutung durch leichtere Sturmfluten geschützt ist. Dennoch ist die Hallig durchschnittlich zwei- bis sechsmal jährlich von Land unter betroffen, mit steigender Tendenz. Der über elf Kilometer lange Sommerdeich ist mit drei Deichsielen versehen, Toren zur Entwässerung der Hallig, die sich bei Sturmfluten selbsttätig öffnen und schließen sollen;Hans Jessel: Nordfriesland (Ein Reiseführer), Ellert & Richter Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-89234-229-6, S. 164 f. öffnen sich diese Tore nicht, steht die Hallig nach einer Überflutung tagelang unter Wasser. Diese Deichsiele bedürfen regelmäßiger Pflege.

Die Bewohner der Hallig siedeln auf zehn Warften. Hooge ist vom Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer umgeben, aber nicht in den Nationalpark einbezogen. Es liegt jedoch im Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen.

Geologie Erdgeschichtlich betrachtet sind die Grundfesten der Hallig Hooge und der Nachbarhalligen erst gut 10.000 Jahre alt. Der Anstieg des Meeresspiegels am Ende der Eiszeit um mehr als 30 Meter ließ das Gebiet des heutigen Nordfrieslands bis zum Landschaftsübergang der Geest zwischen Leck, Niebüll, Bredstedt und Husum im Meer untergehen. Um das Jahr 1 wurden die in diesem Gebiet liegenden vorzeitlichen Marschen und Moorflächen während eines Anstiegs des Meeresspiegels, der Dünkirchen-Transgression, durch Überflutungen zerstört. Dabei wurden die früheren Moore weitgehend durch als Schlicke abgelagerte Marschböden überdeckt.

Warften Die Angaben beziehen sich auf die letzte Volkszählung vom 25. Mai 1987, da Bevölkerung und Haushalte nicht auf Wohnplatzebene fortgeschrieben werden.

Mit Ausnahme der Volkertswarft und Mitteltritt liegen alle Hooger Warften an einem Wasser führenden Priel.

Wohn-platz-Nr.Warft TopografischeBezeichnung Bevölke­rung Haus­halte NASA-Satellitenbild 1 Backenswarft Häusergruppe 31 10 400pxHooge mit Warften nummeriert, unten Mitte Norderoog,links oben Japsand, links unten Norderoogsand (Nordteil) 2 Hanswarft Häusergruppe 47 16 3 Zelt- und Spielplatz Jugendlager – – 4 Kirchwarft Kirche, Pfarrhaus – – 5 Mitteltritt Häusergruppe 10 5 7 Ockelützwarft Häusergruppe, Schule 14 6 8 Ockenswarft Häusergruppe 21 9 9 Volkertswarft Jugendlager 1 1 10 Westerwarft Häusergruppe 7 3 11 Ipkenswarft Häusergruppe 3 2 12 Lorenzwarft (Hotel) – – (ohne) Pohnswarft (nicht mehr bebaut)– –   HoogeHallig134 52

Hanswarft mini|Königspesel auf Hallig Hooge von Jacob Alberts mini|Wegweiser zum Königspesel im Kapitänshaus Die Hanswarft ist die Hauptwarft der Hallig. Dort befinden sich das Bürgermeisteramt, das Gemeindehaus, die Freiwillige Feuerwehr, diverse Geschäfte, Gaststätten, eine Salzmanufaktur (im ehemaligen Hallig- und Heimatmuseum) und das Fremdenverkehrsamt, in dessen Keller ein kleiner Saal liegt, in dem beispielsweise Laientheater aufgeführt wird. Im Sturmflutkino kann ein Dokumentarfilm über Landunter betrachtet werden. Die Warft ist eine der drei Stationen der Kutschrundfahrten, die den Tagestouristen entgeltlich angeboten werden. Die anderen beiden Stationen der Fahrten sind die Kirchwarft und die Backenswarft.

Eine Touristenattraktion ist der Königspesel, eine Friesenstube aus dem 18. Jahrhundert. Er wurde 1995 bei einem Brand beschädigt. In diesem Haus hat einst der dänische König Friedrich VI. nach einer Besichtigung der damals zum dänischen Hoheitsgebiet gehörenden Hallig in der Nacht vom 2. zum 3. Juli 1825 übernachtet, weil eine Sturmflut eine Abfahrt unmöglich machte. Der Königspesel ist eins der zwei Museen der Warft.

Das auf der Hanswarft gelegene Heimatmuseum wurde vom ehemaligen Postschiffer der Hallig Hooge Hans von Holdt auf dem Boden seines ausgedienten Viehstalls eingerichtet. Es beherbergt verschiedene Gegenstände von der Hallig sowie aufschlussreiche Dinge über das Leben auf Hooge, die er nach seiner Pensionierung zusammentrug.

Das Hooger Wattenmeerhaus der Schutzstation Wattenmeer liegt auf der Hanswarft im Neuen Biggerhaus. Der Naturschutzverein ist seit 1963 auf Hooge aktiv. In seinem Haus bietet er ein naturkundliches Informationszentrum mit vielen Anschauungsobjekten zum Anfassen sowie Meerwasseraquarien. Das Zentrum bietet die Möglichkeit, die Nordseenatur und Naturschutzarbeit auf und um Hooge kennenzulernen.

Um dem Anstieg des Meeresspiegels zu begegnen, wurde die Hanswarft als Modellwarft ausgewählt. Statt bisher üblicher Ringdeiche, die die Warften ringsum umgeben, werden nun Aufwarftungen, vorgenommen. Dabei wird ein erhöhtes Plateau geschaffen wird, um ein Überleben auch bei Extremhochwasser zu ermöglichen. Dieses Plateau wurde ab 2023 an der Westseite der Hanswarft angeschüttet; es wird eine Höhe von 5,80 Metern haben und an der Nord- und Südseite jeweils auf 5,60 Metern abflachen, um im Osten auf die aktuelle Höhe auszulaufen. Damit wird die wind- und wellenexponierte Westseite der Warft Schutz bieten wie ein Schiffsbug. Sollte die Warft trotzdem volllaufen, kann das Wasser über das Gefälle zur Ostseite hin abfließen. Finanziert wird die Baumaßnahme im Rahmen eines 30 Mio. Euro Programms der Landesregierung Schleswig-Holsteins. Es schließt weitere Modellwarften auf Nordstrandischmoor, Langeneß und Gröde ein.

Backenswarft Die Backenswarft ist die zweitgrößte Warft auf der Hallig Hooge mit einem Dutzend Gebäuden, die ringförmig den Fething umschließen und vor Salzwasser schützen. Hier steht der Friesenpesel, ein mit historischen flämischen Kacheln ausgestattetes Restaurant, sowie die Zahlstelle einer Bank. Die Warft liegt nahe dem Hooger Fähranleger und gehört zu den drei Warften, die bei Kutschrundfahrten für Tagestouristen angesteuert werden.

Geschichte mini|hochkant=1.5|Alte Postkarte mit Karte der Hallig Hooge Die Herkunft des Namens „Hooge“ ist strittig. Möglicherweise bedeutet es hohe (Hallig), denn Hooge liegt etwas höher als die übrigen Halligen.

Vor 1362 war Hooge ein Teil der Pellwormer Harde der Insel Strand und besaß eine eigene Kirche, worauf auch der Fund eines Friedhofs im Watt bei Hooge vor Jahren hindeutet. Durch die Zweite Marcellusflut wurde sie von Strand getrennt. Die Kirche und Deiche wurden zerstört. Daraufhin gehörte Hooge zur Alten Kirche auf Pellworm, wohin man bei Ebbe zu Fuß gelangen konnte. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde diese Verbindung infolge der Verbreiterung und Vertiefung des Wattenmeers getrennt. Das nordfriesische Siedlungsgebiet unterstand seit dem 13. Jahrhundert dem Herzogtum Schleswig, das ein Lehen des Königreichs Dänemarks war. Um 1600 hatte Hooge noch 22 Warften.Georg Quedens: Die Halligen, Breklumer Verlag, Breklum 1985, ISBN 3-7793-1114-3, S. 85. Zur Zeit der Landesteilungen bis 1721 waren Teile Nordfrieslands den königlichen und herzoglichen/gottorfschen Anteilen zuzuordnen, zudem gab es bis 1864 die sogenannten Königlichen Enklaven, Hooge gehörte hierbei zum herzoglichen Anteil. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 gehörte Hallig Hooge dann ab 1865 zu Preußen, seit 1871 zum Deutschen Reich.

Die Innenwände der Hallighäuser waren bis 1750 Holzvertäfelungen. Danach wurden diese ersetzt durch Fliesen im Delfter Blau. Ab 1900 wurden dann Tapeten genutztJan Keith Mein Hooge, 43 in Mare, Heft Nr. 173, 12/2025, S. 85.

Ein Erwerbszweig der Hooger war lange die Salzsiederei. Im 18. Jahrhundert war Hallig Hooge die reichste der Halligen. Zu dieser Zeit lebte die Hallig von der Seefahrt, der Vieh- und Weidewirtschaft und der Wollerzeugung.

In den 1920er Jahren kam unter Bürgermeister Max Kühn die Idee auf, auch Ackerbau zu betreiben. Finanziert von den Reichsbehörden wurden 1933 Bauern auf der Hanswarft und der Ipkenswarft in den Ackerbau eingewiesen und auf sieben Hektar Hafer und Gerste angebaut. Nach ersten guten Erträgen wurde 1937 südlich der Hanswarft ein zwei Hektar großes Versuchsfeld angelegt und der Anbau verschiedener Gräser und Feldfrüchte erprobt, ebenso unterschiedlicher Dünger. Durch mehrere Überflutungen wurde Ackerkrume abgetragen und der Anbau unwirtschaftlich. Das Experiment endete 1939; ein eiserner Pflug und eine Egge erinnern daran bei der Hallig Galerie auf der Hanswarft. Bis 1935 wurde die landwirtschaftliche Fläche der Hallig als Allmende geführt.Jan Keith Mein Hooge, 42 und "... 47" in Mare, Hefte Nr. 172 2025, S. 73 und Nr. 177 2026, S. 81. Seit 1970 wird die Hallig durch eine Leitung vom Festland mit Trinkwasser versorgt.

Hooge gilt heute als Hallig: Allerdings trug der bis zum Ersten Weltkrieg gültige Behördenstempel den Schriftzug „Landessiegel von der Insul Hooge“. „Insul“ ist mittellateinisch und heißt „Insel“. 1794 erschien bereits ein Werk mit dem Titel „Beschreibung der Insel Hoge“. Da früher der Begriff Hallig außerhalb Nordfrieslands kaum bekannt war, wurde in den Schiffssoldbüchern der Niederländischen Ostindien-Kompanie für Seeleute von Hooge die Wohnorteinträge „de Hooge“ oder „Eijland“ verwendet.Jan Keith, Mein Hooge, 41, in: Mare, Nummer 171, August 2025, S. 77

Einwohnerzahl Die Hallig hat im Laufe der Zeit sowohl an Größe als auch an Einwohnerzahl abgenommen. 1593 gab es auf Hooge 23 Warften, 1758 waren es noch 16. Vor 200 Jahren waren es 10 Warften, von denen einige mit 20 Häusern bebaut waren, und 480 Einwohner. Vor der Flut von 1825 zählte man noch 100 Häuser und 393 Einwohner. 25 Jahre später waren es 70 Häuser und 250 Einwohner. Vor 100 Jahren wohnten auf 9 bebauten Warften in 35 Häusern 140 Personen. 2010 waren es noch 110 Einwohner, davon 83 mit erstem Wohnsitz, (PDF-Datei; 443 kB), abgerufen am 14. August 2011 am 31. Dezember 2011 nur noch 84 Einwohner. Die Einwohnerzahl stieg bis 2017 auf 107 Einwohner.

Politik Gemeindevertretung Bei der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wurden insgesamt sieben Sitze vergeben. Von diesen erhielten die WGH und die SPD jeweils drei Sitze und die CDU einen Sitz.

Wappen Blasonierung: „In Blau ein abwärtsgekehrter goldener Anker an silbernem Tau, das von oben nach unten um den Anker herumgeschlungen ist.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]

Der goldene Anker steht als Zeichen für die Seefahrt, die bestimmend für das Leben der Halligbewohner war. Darüber hinaus steht er auch als Symbol für die Hoffnung, mit der die Bevölkerung alle Bedrohungen überstanden hat. Blau und Gelb sind die Farben des Landes Schleswig, zu dem die Hallig gehört.

Kultur Wenige, vorwiegend ältere Halligbewohner sprechen die halligfriesische Variante des Nordfriesischen.

Frauen und Mädchen trugen traditionell eine Tracht. Um 1850 verdrängte die Tracht der Insel Föhr die einheimische Tracht. Auch die Föhrer Tracht wurde lange nicht mehr getragen. Seit Gründung der „Tanz- und Trachtengruppe der Hallig Hooge“ wird sie aber wieder öffentlich gezeigt. Alle zwei Jahre findet auf Hooge der „Hooger Trachtensommer“ statt, auf dem sich Trachtenträger der Region treffen.

Seit 1998 findet jedes Jahr im April/Mai die Eröffnung der „Ringelganstage“ statt, wenn die Ringelgänse auf ihrem Zug in den Norden im Wattenmeer Station machen.

Infrastruktur Die Hallig weist insgesamt sieben Gaststätten und Imbisse sowie ein Halligmuseum auf.