Die 1904 fertiggestellte Fallersleber-Tor-Brücke (auch Fallerslebertorbrücke) in Braunschweig wurde nach Plänen des Architekten Max Möller als Hängegurtträgerbrücke ausgeführt. Brücken über die Oker sind an dieser Stelle bereits seit dem Mittelalter nachgewiesen. Die unter DenkmalschutzStadt Braunschweig (Hrsg.): Baudenkmal Okerumflutbrücke „Am Fallersleber Tore“. stehende Brücke von 1904 musste 2009 wegen Baufälligkeit abgerissen werden und wurde Ende 2011 durch eine Stahlbetonbrücke ersetzt.
Geschichte Die Brücken am Fallersleber Tor bildeten seit dem Mittelalter eine wichtige Querung der Hauptausfallstraße Richtung Altmark und Berlin über den östlichen Umflutgraben, der Braunschweig zum Schutz vor Angriffen umgab. Über die Brücke verläuft die Fallersleber Straße, die so den nordöstlichen Teil des Stadtzentrums vom Hagenmarkt kommend mit dem östlichen Ringgebiet verbindet.
Die Brücke von 1904 ersetzte einen klassizistischen Vorgängerbau aus dem Jahre 1819, der nach Plänen Peter Joseph Krahes entstanden war. Krahes Brücke war aus Holz gebaut, aber außen so verkleidet, dass sie den Eindruck einer Steinbrücke erweckte.Elmar Arnhold, Sándor Kotyrba: Okerbrücken am Braunschweiger Wallring. S. 17. Krahe schuf die Brücke im städtebaulichen Kontext der ab 1803 einsetzenden Schleifung der Wallanlagen der Stadt, dabei war ein Ziel unter anderen die Aufrechterhaltung des architektonisch-klassizistischen Gesamteindruckes der Toranlagen der Stadt. Nur wenige Meter östlich der Brücke befinden sich noch zwei der von Krahe ebenfalls konzipierten Torhäuser.Torhäuser in Braunschweig auf denkmalschutz.de Krahes Brücke von 1819 wiederum ersetzte eine wohl 1711 entstandene Holzbrücke.
Für die Brücke von 1904 wurde die neue Hängegurtträger-Technik, deren Erfinder Max Möller, Professor an der Technischen Hochschule Braunschweig war, eingesetzt. Der Brückenkörper selbst bestand aus großen Natursteinquadern.Elmar Arnhold, Sándor Kotyrba: Okerbrücken am Braunschweiger Wallring. S. 14.
Neben dem Personen- und Kraftverkehr wird seither über die neue Brücke auch eine Straßenbahnlinie geführt.
Soldatenstandbilder Die Stadt beschloss neben der Beleuchtung auch einen besonderen Figurenschmuck für die Brücke. Weil sich diese in der Nähe der Waterloo-Kaserne und der Mars-la-Tour-Kaserne befand, wurde beschlossen, die Braunschweigische Militärgeschichte als Thema zu wählen. Dafür schuf der Braunschweiger Bildhauer Hermann Siedentop vier idealisierte, überlebensgroße Statuen von vier Soldaten Braunschweigischer Truppen aus den vergangenen 100 Jahren. Je eine dieser Statuen sollte auf jedem Eckpostament des steinernen Brückengeländers aufgestellt werden. Ursprünglich war geplant, diese Figuren in Bronze ausführen zu lassen – das erwies sich jedoch als zu teuer. Die Stadt entschied sich deshalb für Stein. Ein unbekannter Bürger soll daraufhin 6000 Mark für die Umsetzung in Kupferleben, statt Bronze, gespendet haben.Reinhard Bein: Die 92er aus Braunschweig auf der Brücke. In: Braunschweiger Zeitung vom 7. August 2021. Die in Braunschweig ansässigen Künstler Paul Rinckleben und Kämpfer führten die Treibarbeiten aus.Monika Lemke-Kokkelink: Ludwig Winter (22.1.1843 – 6.5.1930). Stadtbaurat und Architekt des Historismus in Braunschweig. Katalog zur Ausstellung anläßlich des 150. Geburtstages im Braunschweiger Rathaus vom 12. Oktober bis 12. November 1993. In: Braunschweiger Werkstücke. Band 86, Braunschweig 1993, S. 132. Die vier Soldaten wurden am 11. August 1907 aufgestellt.Chronik der Stadt Braunschweig für 1907 auf braunschweig.de.
Auf der Nordseite der Brücke stand an deren Westecke ein Infanterist von 1809, aus der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon. Der Soldat gehörte zur Schwarzen Schar des Schwarzen Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel. An der Ostecke stand ein Sergeant des Braunschweigischen Leibbataillons aus der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Aus dieser Einheit ging später das Braunschweigische Infanterie-Regiment Nr. 92 hervor. Auf der Südseite der Brücke stand an deren Westecke ein Grenadier von 1828 und an der Ostecke ein „moderner“ Musketier des Leibbataillons aus dem Jahre 1905.
Wie viele andere Statuen aus Metall, darunter die vier Frauenstandbilder der unweit gelegenen Theaterbrücke oder das Reiterstandbild Herzog Wilhelms von 1904 auf dem Ruhfäutchenplatz, wurden auch die vier Standbilder der Fallersleber-Tor-Brücke während des Zweiten Weltkrieges entfernt und eingeschmolzen.Norman-Mathias Pingel: Siedentop, Hermann. In: Bildhauer Hermann Siedentop wurde am 27. September 1943Rudolf Prescher: Der rote Hahn über Braunschweig. Luftschutzmaßnahmen und Luftkriegsereignisse in der Stadt Braunschweig 1927 bis 1945, Braunschweig 1955, S. 57. bei einem Bombenangriff der Royal Air Force auf Braunschweig getötet.Martin Middlebrook und Chris Everitt (Hrsg.): The Bomber Command War Diaries. An Operational Reference Book 1939–1945. Pen & Sword, ISBN 978-1-4738-3488-0.
Fortschreitende Baufälligkeit mini|Erhaltener Hängegurtträger der Brücke von 1904 Wegen erhöhten Verkehrsaufkommens wurde das steinerne Brückengeländer Mitte der 1950er Jahre entfernt und durch ein schmuckloses Stahlgeländer ersetzt. Gleichzeitig wurde die Brücke auf jeder Seite um 1,30 m verbreitert, sodass die Gesamtbreite schließlich 20,50 m betrug.Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.): Verwaltungsbericht der Stadt Braunschweig für 1954. S. 62. Aufgrund zunehmender Schäden an der Bausubstanz ordnete die Stadt Braunschweig 2006 eine Begrenzung der zulässigen Belastung auf 7,5 t an. Eine grundlegende Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Brücke wurde erwogen, aber schließlich zugunsten eines kompletten Neubaus verworfen.
Neubau Für den Neubau wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Der Siegerentwurf der Architektengemeinschaft Gerkan, Marg und Partner wurde umgesetzt. Nachdem die Brücke von 1904 abgetragen und der gesamte Verkehr auf der Fallersleber Straße eingestellt worden war, begannen die Neubauarbeiten im Juli 2009. Gleichzeitig wurde auch der gesamte Straßenzug saniert. Aufgrund erheblicher Verzögerungen bei den Bauarbeiten konnte die neue Brücke dem Verkehr aber erst am 10. November 2011 übergeben werden.Cornelia Steiner: Rechtsstreit um Fallersleber-Tor-Brücke: Stadt muss zahlen In: Braunschweiger Zeitung vom 12. Dezember 2018.
Rezeption mini|links|Nordseite der Brücke, Blickrichtung Osten, ca. 1907. mini|Südseite der Brücke, Blickrichtung Osten, ca. 1909.
Flussbadeanstalt 1847 war unweit der Brücke die dritte Flussbadeanstalt der Stadt eröffnet worden. Bereits 1848 wurde dieses Bad aber weiter nach Norden an die Wallpromenade beim Wendentor verlegt.Margot Ruhlender, Hrsg. Wolf-Dieter Schuegraf im Auftrag der Stadt Braunschweig: Büketubben: Geschichte der Badekultur in Braunschweig von 1671–1993. Joh. Heinr. Meyer, Braunschweig 1994, ISBN 3-926701-23-4, S. 78.
Literatur Elmar Arnhold, Sándor Kotyrba: Okerbrücken am Braunschweiger Wallring. Braunschweig 2012, ISBN 978-3-942712-20-0, S. 14–17. Christina Krafczyk: Die Entwicklung des sogenannten Möllerträgers in Braunschweig. (Digitalisat, PDF) Stadt Braunschweig, Bauordnungsamt (Abteilung Denkmalpflege) (Hrsg.): Baudenkmal Okerumflutbrücke „Am Fallersleber Tore“. In: Informationsschrift der Denkmalpflege. Nr. 1/1998, Braunschweig 1998 (Digitalisat, PDF)
Weblinks
Informationen zur Fallersleber-Tor-Brücke auf hentschke-bau.de Informationen zur Fallersleber-Tor-Brücke auf braunschweig.de Informationen zur Fallersleber-Tor-Brücke braunschweig.de (PDF; 672 kB) Ralph-Herbert Meyer: Das neueste Stück auf der-loewe.info
Einzelnachweise
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