Die Trümmerbahnen in Dresden waren ein System, die flächendeckende Großflächenenttrümmerung des Innenstadtgebietes zu bewältigen. mini|Liniennetz der Trümmerbahnen in Dresden mini|Dampflokomotive und Muldenkipploren Kernstück waren dabei Feldbahnen für den Abtransport der durch die alliierten Luftangriffe auf Dresden, insbesondere die im Februar 1945,Götz Bergander: Dresden im Luftkrieg. Verlag Weimar, Köln, Wien 1994 entstandenen Trümmer aus den zerstörten Stadtgebieten. Sie fügten sich in ein System der Trümmerbeseitigung ein, wie sie am dem Ende des Zweiten Weltkrieges in mehr als 36 deutschen Städten dazu eingesetzt wurden. Zum Einsatz kamen hierbei in erster Linie Kipploren. Auf dem Höhepunkt der großflächigen Enttrümmerung der Dresdner Innenstadt in den Jahren 1951 und 1952 waren insgesamt fünf Linien Trümmerbahnen, teils im Dampf-, teils im Dieselbetrieb (Linien T1–T5) mit 21 Kilometern Linienlänge in Betrieb.
Zum System der Trümmerbeseitigung in Dresden gehörten allerdings ferner Güterstraßenbahnen und teilweise auch normalspurige Eisenbahnen, die auf provisorisch in Straßen verlegten Schienen betrieben wurden.
Hauptaufgabe der Trümmerbahnen war auch in Dresden der Transport der von den zuvor vollständig abgeräumten zerstörten Gebäuden entstandenen Materialreste. Diese wurden zu großen Zwischenlagerplätzen oder Endlagerstätten (sogenannte „Kippen“) gefahren. Beladen wurden diese Bahnen häufig mit vorhandenen Dampfbaggern, unzähligen Schuttberäumern und durch Trümmerfrauen. mini|Frauen beladen mit Schaufeln einen Muldenkipplorenzug mini|Trümmerbahn bei Beräumungsarbeiten
Trümmerberäumung mini|Ruine der Freimaurerloge und Trümmerbahn Die Bombardierungen hinterließen eine Trümmerfläche von circa 15 km² und in ersten Schätzungen eine Trümmermasse von circa 12 Millionen m³. Somit wäre Dresden mit 19,6 m³ Trümmerschutt pro Einwohner eine der am deutlichsten zerstörten deutschen Städte gewesen. Diese Trümmermasse wurde im Verlaufe der Enttrümmerung auf 5 Millionen m³ intern deutlich nach unten korrigiert (mit 8,2 m³ Trümmerschutt pro Einwohner liegt Dresden im Mittelfeld, öffentlich wurden die ursprünglichen Zahlen nie korrigiert). Zudem wurden über 1750 Bombentrichter im Dresdner Stadtgebiet ermittelt.
Nach der fast kampflosen Besetzung der Stadt durch die Rote Armee am 8. Mai 1945 ernannte die sowjetische Stadtkommandantur am 10. Mai 1945 Rudolf Friedrichs zum Oberbürgermeister. Die bereits nach den Luftangriffen begonnenen Beräumungen der Hauptstraßen wurde fortgesetzt. Die teilzerstörte Augustusbrücke und Marienbrücke konnten in Behelfsbauweise aus Holz passierbar gemacht werden. Der Wiederaufbau der Albertbrücke begann am 29. Mai 1945. Bereits am 8. Juni 1945 fuhren die Straßenbahnen in Dresden wieder auf 126 km des gesamten Streckennetzes – 1944 hatte das Netz aus 185,5 Streckenkilometern bestanden.Dresdner Verkehrsbetriebe AG (Hrsg.): Von Kutschern und Kondukteuren – Die 125 jährige Geschichte der Straßenbahn zu Dresden. Dresden 1997, ISBN 3-88506-008-6. Am 31. Juli 1945 beschloss der Stadtrat eine Verordnung über die Sicherstellung von Baustoffen aus bombengeschädigten Grundstücken.Stadtarchiv Dresden, Beschluss vom 31. Juli 1945 Ein Aufruf der städtischen Finanzverwaltung zu einem Wiederaufbauopfer der Bürger erbrachte zusätzliche Finanzmittel für die Trümmerberäumung und den Wiederaufbau. Mit dem am 5. Januar 1946 beschlossenen Aufbauplan war Dresden die erste deutsche Großstadt, die einen solchen Plan erstellt hatte.
Bergungstrupps ermittelten und bargen, oft als Notbergung, wertvolles Kunstgut, welches aber erst nach 1990 in die als Lapidarium gewidmete Ruine der Zionskirche, eingelagert werden konnte.
Vor den Angriffen hatte Dresden 35.470 Wohngebäude, davon wurden durch Kriegshandlungen circa 12.000 total zerstört sowie weitere 17.000 Häuser schwer bzw. mittelschwer zerstört. Bis Ende 1945 waren die Hauptstraßen und Verbindungswege beräumt. Die Trümmer wurden am Straßenrand aufgestapelt bzw. innerhalb der Außenmauerreste zerstörter Häuser platziert.
mini|Kipplorenzug der Trümmerbahn Im Jahr 1946 begann eine systematische planmäßige Enttrümmerung. Das Bauunternehmen Philipp Holzmann (Zweigstelle Dresden) begann am 29. Januar 1946 in der Johannstadt mit der Beräumung.Stadtarchiv Dresden, Beschluss vom 29. Januar 1946 Die Abfuhr wurde mit einer behelfsmäßigen Feldbahn mit 900 mm Spurweite begonnen, die später auf 600 mm festgelegt wurde. Entsorgt wurden die Trümmermassen am Elbufer, von der Fetscherstraße in der Johannstadt beginnend und in Blasewitz endend. An Maschinen kamen dabei zum Einsatz: 3 Dampfloks 1 Diesellok 1 Planierraupe 2 Dampfbagger 1 Elektrobagger ca. 5 km Gleis ca. 70 Kipploren.
mini|Wohn- und Geschäftshäuser am Neuen Rathaus Es beteiligten sich im Jahr 1946 an der Trümmerberäumung und Materialbergung weitere Bauunternehmen: 4 größere Unternehmen, 23 kleinere Unternehmen. Auf den Baustellen waren 1946 circa 1.250 Arbeitskräfte eingesetzt, davon 180 Facharbeiter, 1.070 Hilfskräfte, davon wiederum 560 Frauen.
Zunächst wurden drei Großbaustellen eingerichtet: Johannstadt bis zur Güntzstraße, Christianstraße bis zum Hauptbahnhof, Prager Straße Dürerplatz, Carolahaus, Arnoldstraße, Blumenstraße in Richtung der Johannstädter Elbwiesen
Mit der Inbetriebnahme einer Trümmeraufbereitungsanlage an der Christianstraße / Lüttichenaustraße, damals als größte Anlage in der Sowjetischen Besatzungszone, begann die Enttrümmerung. Es gab folgende Großbaustellen: Baustelle Gebiet Arbeitskräfte Christianstraße Christianstraße – Sidonienstraße – Lüttichaustraße – Georgplatz – Bürgerwiese ca. 170 Dürerplatz Blasewitzer Straße – Nicolaistraße – Gerokstraße – Fetscherstraße – Stephanienstraße ca. 220 Carolahaus Pfotenhauerstraße – Güntzplatz (damals: Eliasplatz) – Güntzstraße – Elisenstraße – Holbeinstraße – Striesener Straße – Stephanienstraße – Hertelstraße – Neubertstraße – Blumenstraße – Bönischplatz – Tatzberg ca. 65 Thomas-Müntzer-Platz Elsässer Straße – Pfotenhauerstraße – Käthe-Kollwitz-Ufer – Neubertstraße ca. 640 Postplatz Umgebung Postplatz ca. 50 Narrenhäusel Neustädter Brückenkopf der Augustusbrücke und nähere Umgebung ca. 65 Zudem wurden an zahlreichen kleineren Baustellen die Enttrümmerungsarbeiten fortgesetzt. Diese bescheidenen Anfänge der Enttrümmerung resultierten im Mangel an baukundigen Fachkräften, Maschinen, Hebezeugen sowie an Betriebsmitteln und Treibstoff aufgrund der Mangelwirtschaft der Nachkriegszeit. Des Weiteren wurden gleichzeitig und vordringlich aus den unzerstörten Industriebetrieben und Verkehrswegen Maschinen und Anlagen als Reparationsleistungen an die Sowjetunion ausgebaut und abtransportiert – auch die dafür eingesetzten, hauptsächlich männlichen Kräfte fehlten bei der Trümmerberäumung. Das betraf zum Beispiel das unzerstörte Sachsenwerk in Niedersedlitz, wie auch den kleinen Schmiede- und Schweißbetrieb Taubert in der Johannstadt.
mini|Blick über den Altmarkt zum Postplatz Im Jahr 1947 erfolgten die Enttrümmerungsarbeiten weiterhin schwerfällig und unter großen Schwierigkeiten. Es fehlte immer noch wichtige Technik, Baumaterial und Fachkräfte. Reparationsleistungen hatten noch immer Vorrang, das für die Stadtwerke wichtige Pumpspeicherwerk Niederwartha wurde abgebaut und in die Sowjetunion transportiert. Als neue Beräumungsflächen wurden definiert: der Bereich Terrassenufer bis Waisenhausstraße, der Bereich Neustädter Markt bis zum Elbufer und die Prager Straße.
Im Jahr 1949 begann die Großflächenenttrümmerung im gesamten Stadtgebiet. Am 1. Januar 1949 wurde das Kommunalwirtschaftsunternehmen der Stadt Dresden (KWU) nach der Kommunalwirtschaftsverordnung der Deutschen Wirtschaftskommission gegründet. Die Enttrümmerungsarbeiten setzten sich bis zum Jahr 1958 fort.Sächsisches Tageblatt, Ausgabe vom 22. Juni 1958
Gemäß Feststellung des Dresdener Stadtrats war die großflächige Enttrümmerung im Jahr 1958 abgeschlossen. Weite leere, öde Flächen prägten nun das Stadtbild. Einzelne Ruinen wurden erst später entfernt. Bei den Flächenenttrümmerungen verschwanden auch durchaus wiederaufbaufähige Gebäude (zum Beispiel am Sachsenplatz). mini|Schuttbeseitigung am Theaterplatz mini|Trümmerfrau beim Transport von Ziegelsteinen
Die Feldbahnen als Trümmerbahnen Mit den als Feldbahnen betrieben Trümmerbahnen konnten die erheblichen Trümmermassen transportiert werden: Neben kleineren kurzen Strecken wurden wichtige Hauptstrecken eingerichtet und genutzt. So waren Betriebshöfe und Lokunterstände sowie Kreuzungen erforderlich. Die Technik der Feldbahnen stammte aus Ziegeleien, Steinbrüchen, von der Industrie, auch vom Militär, aus Bergbau und Kiesgruben. Die Gleisanlagen konnten problemlos verlegt werden und waren somit auch flexibel einsetzbar. Das rollende Material waren circa 1000 Kipploren mit einem Fassungsvermögen von 0,75 bis 2 Kubikmetern, hölzerne Kastenkipper, Rungenwagen und Flachwagen.
Der Transport wurde in drei Etappen bewältigt:Michael Lenk und Ralf Hauptvogel: Die Dresdner Trümmerbahnen. Themenheft B August 1999 vom Verein e. V. Historische Feldbahn Dresden Schacht: Schachtstellen waren die Gewinnungsstellen der Trümmer an den Ruinen. Diese wurden in Kipploren von Hand und wenn möglich mit Dampf- und Dieselbagger verladen. Bewegt wurden die Loren ebenfalls von Hand oder mit kleineren, etwas leistungsschwächeren Diesellokomotiven. Hauptfördergleis: Die Kipploren wurden auf diesen zu Zügen zusammengestellt und zur Kippe transportiert. Zuvor wurden die Trümmermassen auf wiederverwendbares Material geprüft. Kippe: Die zu einer Kippe gefahrenen Züge hatten nicht verwendbares Material geladen (Schutt), die Kippen waren der Endpunkt der Strecke. Teilweise war die Steigung zur Kippe so erheblich, dass entweder stärkere Zugmittel eingesetzt werden mussten oder nachgeschoben werden musste.
Eingesetzte Zugmittel waren Feldbahndampflokomotiven, Diesellokomotiven und Akkulokomotiven für die Kipploren. In den 1950er-Jahren erfolgte schließlich auch der Abtransport mittels LKW. Zu Beginn der Enttrümmerung waren Straßenbahnen eingesetzt worden und auch über die normalspurige Elbezweigbahn wurden Trümmer beseitigt.
Die Strecken der Dresdner Trümmerbahn ab 1950 Allgemeines Der Beginn der Trümmerbahn war immer die Schachtstelle und das Ende die Kippe. Es sind folgende Ablagerungsstellen (Kippen) bekannt, die durch Trümmerbahn, LKW, Straßenbahn und auch Pferdefuhrwerke genutzt wurden:
mini|Muldenkipploren der Trümmerbahn
Strecken der Trümmerbahn (Feldbahnen) Die Trümmerbahnen, die als Feldbahnen verlegt waren, wurden Anfang der 1950er Jahre in Strecken (Linien) eingeteilt, diese verliefen voneinander unabhängig. Linie T1 umfasste das Beräumungsgebiet Innen- bzw. Altstadt und brachte die Trümmermassen zur Kippe Ostragehege. Eine Regelspurstrecke der Deutschen Reichsbahn verlief vom Theaterplatz zum Bahnhof Dresden-Altstadt Elbufer der Elbezweigbahn; eine Verlängerung vom Neumarkt beginnend zum Theaterplatz war zwar geplant, wurde jedoch nicht ausgeführt. Linie T2 hatte das Gebiet Johannstadt, Pirnaische Vorstadt, sowie Altstadt, die Kippe war das Käthe-Kollwitz-Ufer. Linie T3 hatte das Beräumungsgebiet Südvorstadt und nutzte die Kippe der Lehmgruben Gostritz und Prohlis. Linie T4 hatte das Gebiet Seevorstadt und Wilsdruffer Vorstadt und benutzte die Kippe Lehmgrube Plauen. Linie T5 beräumte das Gebiet der Neustadt und der Antonstadt, es wurde die Kippe Jägerpark genutzt. Eine Linie ohne Nummer war mit dem Beräumungsgebiet Johannstadt und Striesen beauftragt und nutzte die Kippe Kiesgrube Dobritz. Eine weitere Linie ohne Nummer war mit dem Gebiet der Seevorstadt beauftragt und nutzte die Kippe Illgenkampfbahn. mini|Brecheranlage
Trümmerbahn T1 mini|Trümmerbeseitigung am Altmarkt