mini|Bevölkerungspyramide von Kanada (2018)

In Kanada lebten im Jahr 2025 knapp 41,6 Millionen Einwohner, womit das Land zu den 50 größten Ländern der Welt nach Einwohnerzahl gehört. Gleichzeitig besitzt es die zweitgrößte Landfläche, womit die Bevölkerungsdichte zu den geringsten der Welt gehört. Ein großer Teil der Einwohner konzentriert sich auf die großen Städte Kanadas und weite Teile des Landes sind nahezu unbesiedelt. Kanada stellt eine ethnisch und religiös vielfältige und mehrsprachige Gesellschaft dar. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gilt das Konzept des Multikulturalismus als prägend für die Identität des Landes, in dem kanadische Ureinwohner, englisch- und französischsprachige Nachfahren europäischer Siedler und Einwanderer aus aller Welt zusammenleben. Der Einwandereranteil von Kanada gehört zu den höchsten der Welt und eine soziologische Studie aus dem Jahr 2014 kam zu dem Ergebnis, dass „Australien und Kanada unter den westlichen Nationen am empfänglichsten für Einwanderung waren“. Gleichzeitig wird die hohe Anzahl an Einwanderern auch politisch kontrovers diskutiert, da sie eine rasche Änderung der ethnischen und kulturellen Zusammensetzung bewirkt. Die Regierung Kanadas betreibt eine aktive Einwanderungspolitik und fördert die Migration von Fachkräften nach Kanada. In Zukunft könnten zudem durch die globale Erwärmung große Flächen von Kanada besser für Menschen bewohnbar werden. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts soll die Einwohnerzahl Kanadas laut Plänen aus regierungsnahen Kreisen auf 100 Millionen ansteigen.

Kanada befindet sich trotz des vergleichbar hohen Bevölkerungswachstums in der fortgeschrittenen Phase des demografischen Übergangs. Die Fertilitätsrate pro Frau liegt seit den 1970er Jahren unterhalb des zur Bestandserhaltung notwendigen Niveaus und die Bevölkerung altert deshalb zunehmend. Die Lebenserwartung in Kanada gehört gleichzeitig zu den höchsten weltweit. Kanada zählt laut dem Index der menschlichen Entwicklung zu den am höchsten entwickelten Ländern der Welt und Kanada erreicht hervorragende Platzierungen bei verschiedenen Bildungs- und Gesundheitsindikatoren. Dennoch gibt es auch in Kanada soziale Probleme. Zu diesen gehören hohe Ungleichheit, Armut und Wohnungsmangel bzw. sehr hohe Immobilienpreise. Besonders unter sozialen Problemen zu leiden haben in Kanada die lange Zeit vom Staat diskriminierten kanadischen Ureinwohner. So haben diese z. B. eine geringere Lebenserwartung und eine erhöhte Suizidrate.

Eine Volkszählung wird in Kanada alle fünf Jahre durchgeführt. Für die Erhebung der jährlichen Bevölkerungsschätzungen und zur Ermittlung von Daten zu Ethnien, Sprachen, Religionen und Abstammung ist die nationale Statistikbehörde Statistics Canada zuständig.

Historische Bevölkerungsentwicklung

mini|Bevölkerung Kanadas mini|Anzahl der Geburten und Immigranten in Kanada (1850–2000)

Die Besiedlung Kanadas durch Menschen begann vor knapp 12.000 Jahren von Sibirien und Alaska aus. Die Inuit kamen vor knapp 5000 Jahren in Kanada an. Über die geschätzte Größe der indigenen Bevölkerung im heutigen Kanada vor der Kolonisierung und über die Auswirkungen des europäischen Kontakts gibt es unterschiedliche Angaben: Im späten 15. Jahrhundert wurde die Zahl der Ureinwohner auf 200.000 bis zwei Millionen geschätzt, die Royal Commission on Aboriginal Health in Kanada geht von einer Bevölkerung von 500.000 aus. Mit Beginn der europäischen Kolonisierung Amerikas sank ihre Bevölkerung deutlich durch eingeschleppte Krankheiten wie Masern und Pocken und betrug Mitte des 19. Jahrhunderts nur noch ca. 100.000. Die europäische Bevölkerung wuchs in den Gebieten unter französischer Herrschaft anfangs relativ langsam, blieb also relativ gering, da das Wachstum größtenteils durch natürliches Wachstum und nicht durch Einwanderung erreicht wurde. Die Volkszählung von Neufrankreich im Jahr 1666 war die erste in Nordamerika durchgeführte Volkszählung, die von Jean Talon, dem ersten Intendanten von Neufrankreich, zwischen 1665 und 1666 durchgeführt wurde. Laut Talons Volkszählung lebten in Neufrankreich 3.215 Menschen, darunter 538 einzelne Familien. Bis zur Zeit der britischen Eroberung von Neufrankreich 1760 stieg die Einwohnerzahl auf knapp 60.000 an.

Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert erlebte Kanada unter britischer Herrschaft ein starkes Bevölkerungswachstum. Im Zuge der Invasion Kanadas durch die neu gegründete Kontinentalarmee während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs im Jahr 1775 flohen etwa 60.000 der 80.000 den Briten loyale Amerikaner, die später als United Empire Loyalists bezeichnet wurden, nach Britisch-Nordamerika, von denen ein großer Teil nach Nova Scotia und New Brunswick auswanderte. Infolge der so genannten Großen Einwanderungswelle erreichte die Bevölkerung Niederkanadas bis 1831 etwa 553.000 und die Oberkanadas etwa 237.000 Personen. Die Große Hungersnot in Irland in den 1840er Jahren beschleunigte die irische Einwanderung und mit dem Fraser-Canyon-Goldrausch ab den 1850er Jahren begannen Chinesen nach British Columbia einzuwandern. Bis 1861 wuchs die Bevölkerung der Provinz Kanada durch natürliches Wachstum und Einwanderung von den Britischen Inseln auf 3,1 Millionen Einwohner an. Die Bevölkerung Neufundlands erreichte 1861 etwa 125.000 Personen.

Seit der Gründung des Dominion of Canada im Jahr 1867 hat die Bevölkerung jedes Jahr zugenommen; allerdings wurde die Bevölkerung Neufundlands vor dessen Beitritt zur Konföderation als zehnte Provinz Kanadas im Jahr 1949 nicht berücksichtigt. Die erste Volkszählung des Landes fand 1871 statt und ergab eine Bevölkerungszahl von rund 3,7 Millionen Menschen. Die Volkszählung von 1911 war eine detaillierte Zählung der Bevölkerung, bei der 7,2 Millionen Personen gezählt wurden, was einen Anstieg von 34 % gegenüber der Volkszählung von 1901 mit 5,4 Millionen Personen bedeutete. In der Zeit des kanadischen Babybooms, zwischen 1947 und 1966, wurden jährlich mehr als 400.000 Babys geboren. Nach dem auch in Kanada erfolgten Pillenknick ab den 1970er Jahren wuchs die Bevölkerung vorwiegend durch Einwanderung, wobei das Einwanderungsrecht liberalisiert und der Multikulturalismus als neue Leitkultur propagiert wurde. Bei der Volkszählung von 1996 wurde eine Gesamtbevölkerung von 28,8 Millionen Menschen gezählt. Im Jahr 2020 wird die Bevölkerungszahl bereits auf 38 Millionen geschätzt. Das meiste Wachstum in der Bevölkerungszahl fand in der Nachkriegszeit in den großen Städten des Landes statt.

Statistik

Geburten und Todesfälle seit 1900 Jährliche Entwicklung der Geburten und Todesfälle