Else Friederike Auguste Jeanette Unger, verheiratete Holzinger (* 25. Februar 1873 in Wien; † 21. März 1936 in Zirl) war eine österreichische Kunsthandwerkerin. Sie war Gründungsmitglied der Vereinigung Wiener Kunst im Hause.
Leben Else Unger war das älteste von fünf Kindern des Malers und Radierers William Unger (1837–1932). Die jüngere Schwester Hella Unger (1875–1934) wurde Bildhauerin und Medailleurin. Die Schwester Erna wurde 1877 geboren, später kamen noch die Brüder Rudolf und William dazu. Webseite Ober St. Veit
Else Unger war verheiratet mit dem Architekten und Gewerbeschul-Professor Emil Holzinger (1877–1938). Ihre Tante war die Malerin Johanna Unger (1836–1871).
Zwischen 1895Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009 (nach anderen Quellen 1898)Landesgewerbeamt Baden-Württemberg, Design Center Stuttgart, Angela Oedekoven-Gerischer, Andrea Scholtz, Edith Medek, Petra Kurz: Frauen im Design, Berufsbilder und Lebenswege seit 1900, Stuttgart 1989, S. 46. und 1901 studierte Unger an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Josef Hoffmann und war danach selbstständige Künstlerin in Wien. Diese berufliche Tätigkeit endet mit Beginn des Ersten Weltkrieges. William Unger zog in seinen letzten Lebensjahren zu Else Holzinger-Unger nach Innsbruck. Österreichisches Biographisches Lexikon digital.
Sie erkrankte an Tuberkulose und starb am 21. März 1936 in der Heilanstalt Hochzirl an einem Blutsturz. Ihr Leichnam wurde nach Gmunden überführt und dort am 25. März 1936 beerdigt.Sterbebuch Evangelische Pfarre A. B. Gmunden, sig. 301/01, fol. 166 (Faksimile).
Werk Die Künstlerin entwarf Möbel, Textilien (für die Fa. Johann Backhausen & Söhne) und kunstgewerbliche Objekte. Für die Fa. E. Bakalowits Söhne fertigte sie Glasentwürfe. Die Musterkataloge dazu befinden sich im MAK Wien. Unger präsentierte ihre Entwürfe auch zusammen mit ihrer Schwester Hella. Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904, S. 194. Julius Leisching: Der gedeckte Tisch. In: Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905, S. 11.
Else Unger gehörte gemeinsam mit Emil Holzinger zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung Wiener Kunst im Hause. Die Gruppe setzte sich aus ehemaligen Studentinnen und Studenten von Josef Hoffmann und Koloman Moser zusammen und entwarf moderne Inneneinrichtungen und Gebrauchsgegenstände aus ganz unterschiedlichen Materialien wie Metall und Holz, Glas und Ton, Leder, Papier und Leinen. Für die erste Ausstellung Ende 1901 im Hanuschsaal des Wiener Kunstgewerbevereins steuerte Unger Textilentwürfe und Toilettegegenstände bei. Die Beleuchtungskörper für das Herrenzimmer gestaltete sie gemeinsam mit Franz Messner. Für die Industrie- und Gewerbeausstellung vom 1. Mai bis zum 20. Oktober 1902 in Düsseldorf gestaltete Unger eine funktional gestaltete, versilberte Toilettegarnitur. Auch in der 15. Secessionsausstellung Ende 1902 war die Künstlerin als Teil der Gruppe vertreten. Eine Vitrine zeigte ihre Stoffmuster, getriebene Messingplatten, Schmuck, Vorsatzpapiere und einen Bucheinband. Sie wurde weiter als Entwerferin eines Lusters aufgeführt. Die Ziele und das Auftreten der Gruppe erschienen ihren Zeitgenossen bemerkenswert: Ludwig Havesi Aus dem Wiener Kunstleben in Kunst und Kunsthandwerk; Monatsschrift herausgegeben vom Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, 1902, 618.
Auf Internationalen Wissenschaftlichen und Gewerblichen Ausstellung ‘Die Kinderwelt‘ in St. Petersburg sollten u. a. Kunstwerke der kindlichen Lebenswelt ausgestellt werden. Das österreichische Ausstellungskonzept unterschied dabei zwischen Kunstwerken, die Kinder als Gegenstand der Kunst aufgriffen und Kunst, die zu einer ästhetischen Erziehung des Kindes führen sollte. Else Unger übernahm die Aufgabe, für den zweiten Ansatz den Ausstellungsbereich Kunst- und Kunstgewerbe zu konzipieren. Sie gewann für ihre Präsentation Künstlerinnen wie Adele von Stark (Emailgegenstände), Ella Baumfeld (Keramik), Else Lott (Kunststickerei), Hilde Lott (Radierung im Kupferrahmen), Rosa Neuwirth, Marie Münster, Therese Trethan, Mizi Uchatius und Hilde Exner (Holzschnitte und keramische Arbeiten) sowie die Künstler Josef Hoffmann (kunstgewerbliche Silbersachen), Karl Sumetsberger (Sitzgelegenheiten für ein Mädchenzimmer), Emil Holzinger (Ledersachen, Zierkästchen) und Koloman Moser (Ziergefäße aus Glas). Else Unger selbst präsentierte ein Nippkästchen und verschiedene Gebrauchsgegenstände in Silber. Die Präsentation fand Anklang beim Publikum und es konnten viele Arbeiten verkauft werden.
Auf der Frühjahrsausstellung des Mährischen Gewerbemuseums in Brünn 1904 zeigte Else Unger Deckenlampen. In der Berichterstattung wurde wieder betont, dass die Entwürfe der mit Glasketten behängten Leuchten sofort Besteller fanden. Von Unger wurden weiter runde, getriebene Silberplatten gezeigt. Julius Leisching: Der gedeckte Tisch. In: Kunstgewerbeblatt. Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe i. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart NF 16, 1905, S. 11–12.
Über die genannten Ausstattungen hinaus entwarf Else Unger Möbel. Ludwig Hevesi bezeichnete ihren Sekretär aus bunt gebeiztem Lindenholz als ein Hauptstück des österreichischen Kunstgewerbes auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900: Ludwig Hevesi: Die Kunstgewerbeschule auf der Pariser Weltausstellung in Kunst und Kunsthandwerk; Monatsschrift herausgegeben vom Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, S. 116/117.Digitalisat MAK, Sammlung online.
Ihr Paravent mit Rahmen in gebeiztem Ahornholz und Füllungen aus Holz und Glas sowie Darstellungen von Frauenfiguren, erstmals ausgestellt auf der Jahresausstellung der Wiener Kunstgewerbeschule, wurde mehrfach publiziert und gehört heute zum Bestand des MAK.Digitalisat MAK, Sammlung online.
Trivia Bei einem Preisausschreiben der Zeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration für die Einband-Decke der Zeitschrift für Innen-Dekoration im Jahr 1902 stellte sich heraus, dass ein für den dritten Preis vorgesehener Teilnehmer die Künstlerin Unger kopiert hatte. Josef Hoffmann saß im Preisgericht und konnte das Plagiat entlarven. Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 13.1902, S. 130.
Ausstellungen 1900 Weltausstellung Paris Malkowsky, Georg [Red.]: Die Pariser Weltausstellung in Wort und Bild. Berlin 1900, S. 313. 1901 Ausstellung der Kunstgewerbeschulen Wien und Prag Eduard Leisching: Die Ausstellung der K. K. Kunstgewerbeschule in Prag und der Kunstgewerbeschule des K. K. Österreichischen Museums in: Kunst und Kunsthandwerk. Monatsschrift herausgegeben vom Österreichischen Museum für Kunst und Industrie 1901, S. 274ff. 1901 Internationale Kunstausstellung Dresden 1901/02 Ausstellung Kunstgewerbeverein Wiener Kunst im Hause, Palais Herberstein, Wien 1902 Wiener Kunst im Hause 15. Secessionsausstellung, Wienarchive.org, Saal VI, Wiener Kunst im Hause, Katalog der XV. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien, November bis Dezember 1902, S. 36 f., zuletzt abgerufen am 21. Januar 2022. 1902 Deutsch-Nationale Kunst-Ausstellung, Düsseldorf A. L. Plehn: Das Kunsthandwerk auf der Ausstellung in Düsseldorf 1902. In: Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 14.1903, S. 25. 1903 Ausstellung von Bucheinbänden und Vorsatzpapieren im K. K. Österreichischen Museum Julius Leisching Die Ausstellung von Bucheinbänden und Vorsatzpapieren im K. K. Österreichischen Museum. In: Zeitschrift für Bücherfreunde, Heft 2, Mai 1903, 7. Jahrgang 1903/1904, S. 80. 1903 Wien, 17. SecessionsausstellungDigitalisat Das Interieur. Wiener Monatshefte für angewandte Kunst, IV, 1903, S. 100. 1903 Kunstgewerbliche Ausstellungen in Aussig und KlagenfurtDigitalisat Das Interieur. Wiener Monatshefte für angewandte Kunst, IV, 1903, S. 218. 1903/04 Internationale Wissenschaftliche und Gewerbliche Ausstellung ‘Die Kinderwelt‘ in St. Petersburg Bericht der Österreichischen Kommission. 1904 Der gedeckte Tisch im Mährischen Gewerbe-Museum, in Brünn 1905 Frauen-Kunstausstellung im Mährischen Gewerbe-Museum, Brünn Allgemeine Zeitung. 1905 = Jg. 108, 5 - 6 ## 25. Mai 1905Die Werkstatt der Kunst. Organ für die Interessen der bildenden Künstler 4, 1904/1905, S. 482. 1908 Kunstschau Wien Provisorischer Katalog der Kunstschau, Wien, 1908, S. 42. 1964 Wien um 1900, aufgeteilt auf mehrere Ausstellungshäuser, Wien 2021 Die Frauen der Wiener Werkstätte, 2021, MAK Wien
Auszeichnungen Goldmedaille in der Gruppe Kunst, Internationale Wissenschaftliche und Gewerbliche Ausstellung Die Kinderwelt in St. Petersburg
Arbeiten (Auswahl) 1900 DekorstoffDigitalisat MAK, Sammlung online. 1900 PapiermesserDigitalisat MAK, Sammlung online. 1900 PapiermesserDigitalisat MAK, Sammlung online. 1900/01 ManschettenknöpfeDigitalisat MAK, Sammlung online. 1900/01 VaseDigitalisat MAK, Sammlung online. 1900/01 VaseDigitalisat MAK, Sammlung online. 1900/01 BroscheDigitalisat MAK, Sammlung online. 1900/01 SpiegelDigitalisat MAK, Sammlung online. vor 1901 Zwei Gürtelschnallen mit vegetabilem MotivDigitalisat MAK, Sammlung online. 1901 Gürtelschnalle Eduard Leisching: Die Ausstellung Der K. K. Kunstgewerbeschule In Prag und der Kunstgewerbeschule Des K. K. Österreichischen Museums in Kunst und Kunsthandwerk, Monatsschrift herausgegeben vom Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, 1901, S. 294. 1901 Buchdeckel-OrnamentDigitalisat MAK, Sammlung online. 1901 SchrankDigitalisat MAK, Sammlung online. 1901 BücherregalDigitalisat MAK, Sammlung online. 1901 MöbelstoffDigitalisat MAK, Sammlung online. 1902 Ecke einer Bettdecke mit ApplikationDigitalisat Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 13.1902, S. 209. 1902 SeidenstoffDigitalisat Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 13.1902, S. 211. 1902 KnöpfeDigitalisat Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 13.1902, S. 218. 1903 Atlasstoff Die Kunst, Monatsheft für freie und angewandte Kunst, 1903, S. 76. 1903 Lüster für Gaslicht 1903/04 Vitrine 1904 ParaventDigitalisat MAK, Sammlung online. 1905 Vase in grünem ÜberfangDigitalisat Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905, S. 16. um 1910 SchließeDigitalisat MAK, Sammlung online. 1910 SchließeDigitalisat MAK, Sammlung online. undatiert, DekorstoffDigitalisat MAK, Sammlung online. undatiert, DekorstoffDigitalisat MAK, Sammlung online. undatiert, DekorstoffDigitalisat MAK, Sammlung online. undatiert, DekorstoffDigitalisat MAK, Sammlung online.
Literatur Ludwig Abel: Die Jahresausstellung der Wiener Kunstgewerbeschule. In: Das Interieur 2, 1901, S. 177ff. W. Fred: Modern Austrian Jewellery (Austrian Section). In: The Studio, Special Winter Number 1901/1902, S. 1ff.