March Engineering war ein britischer Rennwagenkonstrukteur, der 1969 gegründet wurde und in den folgenden 20 Jahren Wettbewerbsfahrzeuge für unterschiedliche Motorsportklassen produzierte. Das Programm umfasste Rennwagen für die Formel 1, Formel 2, Formel 3, Formel 3000 und die amerikanischen Indy Cars, ferner Prototypen für die Sportwagen-Weltmeisterschaft (24-Stunden-Rennen von Le Mans) und die IMSA- und CanAm-Serie. Zeitweise war March der erfolgreichste und am breitesten aufgestellte Rennwagenkonstrukteur. Die Autos wurden überwiegend an unabhängige Kundenteams geliefert. In einigen Rennserien unterhielt March darüber hinaus ein eigenes Werksteam. Der Name March wurde aus den Anfangsbuchstaben der Vor- oder Nachnamen der Gründer Max Mosley, Alan Rees, Graham Coaker und Robin Herd gebildet.

mini|Hans-Joachim Stuck im March-F1 auf dem Nürburgring, Training 1976

mini|Vittorio Brambilla 1976

mini|March-Toyota 1976 mit Rudolf Dötsch auf dem Nürburgring

mini|Formel-2-Wagen March 752 beim DAMC 05 Oldtimer Festival am Nürburgring 2007

mini|March 782 beim DAMC 05 Oldtimer Festival am Nürburgring 2007

mini|Versuchsträger March 2-4-0, der das Konzept des Tyrrell P34 erweitern sollte

mini|March 2-4-0, Detailansicht

mini|March 75S beim Hockenheim Historic

mini|March 83G, Sportwagen der Gruppe C und IMSA 1983

mini|March-Chevrolet 707 der CanAm-Serie und Interserie

March Engineering als Rennwagenhersteller

Entstehungsgeschichte Das Unternehmen March Engineering wurde 1969 von Max Mosley, Alan Rees, Graham Coaker und Robin Herd in Bicester gegründet. Die Gründung war eine Reaktion auf die Entscheidung der Aufsichtsbehörde CSI, ab 1968 in der Formel 1 und der Formel 2 Werbung auf Rennwagen (Sponsoring) zu erlauben.Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend. MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 11.Zum Sponsoring: Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 212. Dieser Schritt erleichterte finanzkräftigen Privatfahrern den Zugang zum Monopostosport: Es wurde erwartet, dass nun „jeder Zutritt zur Formel 1 bekommen konnte, der einen Konstrukteur und einen Sponsor besaß.“David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Motorbuch Verlag Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 158. Die March-Gründer erkannten darin den Auslöser für einen gesteigerten Bedarf an einfachen, aber konkurrenzfähigen Rennwagen, den die etablierten Konstrukteure nicht decken konnten. Hersteller wie Brabham, BRM, Cooper, Lotus und McLaren produzierten nämlich keine Neufahrzeuge im Auftrag unabhängiger Kunden, sondern stellten ihre Rennwagen exklusiv für das eigene Werksteam her. Privatfahrer konnten die gebrauchten Werkswagen erst dann übernehmen, wenn das Werksteam sie durch Neukonstruktionen ersetzt hatte. March Engineering füllte diese Lücke aus: Es war 1970 der einzige Hersteller von frei verkäuflichen Neufahrzeugen für die Formel 1.David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, 2001 (Crowood Press), ISBN 1-86126-339-2, S. 144. March unterhielt ab 1970 außerdem eigene Werksteams in den Formeln 1 und 2.

Die erste Initiative zur Gründung von March Engineering ging auf Bernie Ecclestone zurück. Ecclestone war seit 1967 Manager des Rennfahrers Jochen Rindt. Nach einer enttäuschenden Saison 1968 bei Brabham erwog Ecclestone, für Rindt ein eigenes Formel-1-Team aufzubauen, das einen speziell für ihn konstruierten Rennwagen einsetzen sollte. Ecclestone nahm im Januar 1969 Kontakt zu Robin Herd auf, der seinerzeit als einer der besten Rennwagenkonstrukteure galt. Herd, Coaker und Rees waren bereit, ein Formel-1-Auto exklusiv für Rindt zu konstruieren. Mosley allerdings, der die kaufmännische Seite des Projekts leiten sollte, setzte durch, dass der Rennwagen zusätzlich auch unabhängigen Piloten zum Kauf angeboten werden sollte. Er sah darin eine Möglichkeit, die Rentabilität des Projekts zu erhöhen. Ecclestone und Rindt sahen darin allerdings die Gefahr, dass das neu zu gründende Unternehmen nicht genügend Aufmerksamkeit auf Rindts Auto verwenden würde, und wandten sich im Mai 1969 von dem Projekt ab.Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend. MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 17. Rindt blieb stattdessen bei Lotus, während March sich auf die Produktion von Kundenfahrzeugen konzentrierte und zudem ein eigenes Werksteam für die Formeln 1 und 2 aufstellte. Robin Herd hielt diese Entscheidung rückwirkend für falsch: „Wären wir mit Bernie und Jochen zusammengegangen, so hätten wir für 1970 nur ein oder zwei Formel-1-Autos aufbauen müssen statt elf. Dann hätte ich auch anstelle des (technisch mittelmäßigen) March 701 ein ambitionierteres Fahrzeug konstruieren können“.Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend. MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 18.

Konstrukteur für viele Formeln March Engineering operierte die ersten Jahre mehrgleisig. Ein wesentliches Standbein war die Produktion von Rennwagen in verschiedenen Rennklassen, die an Kundenteams oder an freie Wettbewerber verkauft, gelegentlich auch vermietet wurden. Daneben betrieb March Engineering einen eigenen Rennstall in der Formel 1, den Max Mosley leitete. Hier konkurrierte March als Werksteam mit Kundenteams, die ebenfalls March-Autos einsetzten. In kleineren Rennklassen unterhielt March nicht durchgängig ein eigenes Rennteam; in der Formel 2 beispielsweise war dies nur bis 1982 der Fall. Zudem wählte March regelmäßig ein besonders leistungsfähiges Kundenteam aus, das Werksstatus erhielt. In der Formel 2 war dies beispielsweise ab 1983 Onyx Grand Prix, etwas später in der Formel 3000 das italienische Team First Racing.

March-Fahrzeuge wurden in großen Stückzahlen verbreitet: Allein in den ersten 20 Jahren seines Bestehens stellte das Unternehmen nahezu 1500 Rennwagen her.

Die Vielseitigkeit des Unternehmens sorgte dafür, dass March Engineering bei vielen Gelegenheiten und in vielen Klassen aktiv war und Erfolge hatte. Andererseits war die Entwicklungs- und Produktionsabteilung früh mit der Aufgabe überfordert, unterschiedliche Rennwagen für verschiedene Klassen zu bauen. Bei Robin Herd hatte ohnehin die Formel 2 vorrangige Bedeutung, da hier durch zahlreiche Kundenteams Geld zu verdienen war. Das führte dazu, dass die aufwendige Formel 1 zunehmend vernachlässigt wurde. Schon bald waren die in der Formel 1 eingesetzten Wagen nichts anderes als Ableitungen der jeweiligen Formel-2-Fahrzeuge. Damit wurde March der Bedeutung der Formel 1 nicht gerecht, was sich insbesondere im nachlassenden Erfolg des Teams in dieser Rennklasse dokumentierte.

Nach und nach stiegen die Gründungsmitglieder aus. Max Mosley verließ Ende 1977 das Unternehmen, nachdem das Formel-1-Engagement immer weniger Erfolge gebracht hatte. 1981 war von den ursprünglichen Gründern nur noch Robin Herd verblieben, der sich im Wesentlichen auf die Formel 2 konzentrierte.

Bis 1988 stellte March Rennwagen für die Formel 3 her. Danach fand eine Fusion mit Ralt statt, die mit modernerem Know-how in dieser Klasse erfolgreicher waren. Die Fusion nützte letzten Endes nichts; in den 1990er-Jahren wurde March in der Formel 3 völlig von Dallara verdrängt. Ähnlich verlief die Entwicklung in der Formel 3000. Ab 1990 dominierten die Wagen von Reynard deutlich; 1991 fuhr nahezu das gesamte Feld der Formel 3000 mit Reynard-Fahrzeugen. March zog sich daraufhin auch von diesem Terrain zurück.

Robin Herd hatte sich bereits 1988 von March Engineering getrennt. Er gründete ein neues Unternehmen, das von 1991 bis 1994 unter anderem Formel-1-Fahrzeuge für das Team Larrousse herstellte.

Nomenklatur und Systematik der Modellbezeichnung In den ersten Monaten nach der Gründung firmierte das Unternehmen unter der Bezeichnung Gremshek Engineering. Der Begriff Gremshek war auf einen Ausspruch Jochen Rindts zurückzuführen, der damit die zweifelhaften Erfolgsaussichten des Projekts zum Ausdruck bringen wollte. Gremshek Engineering wurde im September 1969 im Handelsregister eingetragen, und Herds erster Rennwagen, der für die Formel 3 konzipierte March 693, wurde im gleichen Monat zunächst als Gremshek 693 angekündigt. Wenig später erhielt das Unternehmen die Bezeichnung March Engineering. March war dabei ein Akronym, gebildet aus den Anfangsbuchstaben der Namen der Gründer (Mosley, Alan Rees, Coaker, Herd).

Die Bezeichnung der Fahrzeuge von March Engineering folgte einer Systematik, die nur in wenigen Fällen durchgebrochen wurde:

Üblicherweise trugen die Wagen von March einen dreistelligen Typencode. Die ersten beiden Ziffern bezeichneten das Jahr, in dem der Wagen entworfen wurde, die letzte Ziffer stand für die Formel, für die er konzipiert war. Ein March 701 war daher ein 1970 für die Formel 1 gebauter Wagen, ein March 712 war ein Formel-2-Wagen aus dem Jahr 1971, ein March 733 war ein Formel-3-Wagen von 1973 usw. Einige Rennwagen trugen zudem ein X oder ein G im Anhang; damit wurden spezielle Weiterentwicklungen gekennzeichnet. Sportprototypen der Sportwagen-Europameisterschaft und der Sportwagen-Weltmeisterschaft tragen die Endung S. Ausgenommen die in der Gruppe-C-Ära entwickelten Fahrzeuge die durchgehend ein G erhielten. Für die Monopostos der CART-Serie wurde die Endung C reserviert. Für die Wagen der Formel 3000 wurde die Nomenklatur geändert: Die hierfür bestimmten Wagen trugen nach der Jahrgangsangabe regelmäßig ein B als Erkennungsmerkmal (March 85B usw.). Eine Sonderstellung nahm der March 87P ein. Hierbei handelte es sich um ein 1987 für die Formel 3000 gebautes Auto (also um einen March 87B), der als Einzelstück für einen einmaligen Einsatz in der Formel 1 umgebaut wurde. Ein weiteres besonderes Fahrzeug war der March 2-4-0. Es handelte sich um ein Einzelstück aus dem Jahr 1977. Es griff die im Jahr zuvor von Tyrrell realisierte Idee eines Rennwagens mit drei Achsen (und sechs Rädern) auf. Anders als im Fall des Tyrrell P34 hatte der March 2-4-0 allerdings eine Vorder- und zwei Hinterachsen. Der Sechsradwagen wurde nie bei einem Formel-1-Rennen eingesetzt. Roy Lane verwendete ihn gelegentlich bei Bergrennen und konnte mit ihm bei schwierigen Witterungsverhältnissen wiederholt siegen.Hodges: Rennwagen von A-Z ab 1945, S. 164.

Das March-Werksteam in der Formel 1 Die March-Engineering-Ära March Engineering unterhielt zwischen 1970 und 1977 ein eigenes Team in der Formel 1. Das Werksteam wurde zumeist, aber nicht immer unter dem Namen March Engineering gemeldet. Daneben war es in jener Zeit üblich, einen für das Werksteam fahrenden Piloten, der einen eigenen Sponsor mitbrachte, unter dem Namen dieses Sponsors antreten zu lassen. 1970 erschien beispielsweise ein March 701 mit Mario Andretti für das Team „STP Corporation“. Tatsächlich bewegte Andretti einen Wagen des March-Werksteams, dessen Einsatz auch durch das Werksteam organisiert wurde; der abweichende Name sollte lediglich dem Sponsor Geltung verschaffen. Für dieses Verfahren, das mitunter für Verwirrung sorgte, gab es bis zum Jahr 1976 weitere Beispiele.

March gehörte zu den Teams, die junge Talente entdeckten, sie aber nicht halten konnten. Zu diesen talentierten Fahrern, die später das March-Team verließen und zu Grand-Prix-Stars wurden, gehörte unter anderem Niki Lauda, der zu B.R.M. und danach zur Scuderia Ferrari abwanderte; ferner Ronnie Peterson oder auch François Cevert, der 1973 im Training zum Grand Prix der USA tragisch ums Leben kam.

1970