Cherry Bomb Single-Cover, japanische Version Link zu einem Bild auf discogs.com(Bitte Urheberrechte beachten) Cherry Bomb ist die Debütsingle der anfangs mit fünf Teenagerinnen besetzten US-amerikanischen Rock-Band The Runaways. Das Lied erschien 1976 auf ihrem ebenfalls The Runaways betitelten Debütalbum.
Die Band kombinierte in dem Lied einen „sexuell aufgeladenen Auftritt“ mit dem „Image harter Mädchen“, deren „Sound [als] rauer und ehrlicher [galt] als der anderer weiblicher Bands dieser Zeit.“Maria Raha: Cinderella’s Big Score: Women of the Punk and Indie Underground. Basic Books, New York City 2005, ISBN 1-58005-116-2, S. 12.Originaltext: “[The band combined a] sexually charged act with tough-girl personas… their sound was rawer and more honest than those of most other female acts of the time.” Ihr Liedtext legte „auf deutlich dominante Weise“ die Begierden junger Mädchen dar,Maria Raha: Cinderella’s Big Score: Women of the Punk and Indie Underground. Basic Books, New York City 2005, ISBN 1-58005-116-2, S. 24.Originaltext: “Cherry Bomb’s [lyrics] expressed young female desire in a decidedly dominant way; however, criticism of The Runaways notes the role of the band’s producer Kim Fowley.” jedoch hinterfragten Kritiker den offenen Umgang der Runaways „mit ihrer Sexualität im Text und auf der Bühne“. Sie vermuteten vielmehr eine von Bandmanager Kim Fowley „ausgeklügelte Marketingstrategie“ und glaubten nicht an eine „authentische Reflexion der Teenagerinnen über ihre Sexualität“.Vida Hasson: Performing Grrrlhood: A Lyrical Analysis of Riot Grrrl Music. CMC Senior Theses, Claremont Colleges, Claremont 2023, S. 34.Originaltext: “Critics wondered whether The Runaways’ overt expression of sexuality in their lyrics and on stage was a marketing strategy concocted by Fowley and not a genuine reflection of teenage girls’ sexuality.”
So war die Bewertung des Songs in der westlichen Welt zunächst gemischt, wobei die Formation einen schlechten Ruf erlangte, nicht zuletzt dank der als trashig empfundenen Dessous, die ihre Frontfrau Cherie Currie beim Vortrag des auf sie zugeschnittenen, „[zornigen] Liedes über sexuelle Rebellion“ auf der Bühne trug.Elana Levine: Wallowing in Sex: The New Sexual Culture of 1970s American Television. Duke University Press, 2007, ISBN 0-8223-8977-0, S. 76.Originaltext:
In Japan hingegen belegte das Stück Platz 1 der Musikcharts, auf ihrer Tournee wurden die Musikerinnen 1977 von ihren dortigen, überwiegend weiblichen Fans euphorisch empfangen. Das Lied entwickelte sich zum signature song der Band,Evelyn McDonnell: Queens of Noise: The Real Story of The Runaways. Hachette UK, 2013, ISBN 0-306-82156-7, S. 109, 110. einem identitätsprägenden Titel mit hohem Wiedererkennungswert, wurde jedoch später wegen seines Einflusses auf das Image der Band zu einem Streitpunkt unter ihren Mitgliedern.
Nach der Auflösung der Band 1979 blieb der Titel ein fester Bestandteil der Live-Repertoires der ehemaligen Mitglieder Joan Jett, Cherie Currie, Lita Ford und Sandy West, darüber hinaus nahmen zahlreiche Interpreten ihre Coverversionen auf. Daneben fand das Lied häufige Verwendung in Film-, Fernseh- und Computerspielproduktionen.
Geschichte mini|hochkant|Kim Fowley, 2012 mini|hochkant|Cherie Currie und im Hintergrund Jackie Fox, Brumrock ’76, Birmingham mini|hochkant|Kari Krome, Mitbegründerin und Songschreiberin der Band mini|Joan Jett, Jackie Fox und Lita Ford Entstehung Der Musikproduzent und exzentrische SvengaliSimon Reynolds, Joy Press: The Sex Revolts: Gender, Rebellion, and Rock ’n’ Roll. Harvard University Press, 1996, ISBN 0-674-80273-X, S. 244. Kim Fowley hatte 1975 die 16-jährigen Musikerinnen Joan Jett (Gitarre) und Sandy West (Schlagzeug) in Rodney Bingenheimer’s English Disco am Sunset Strip in Los Angeles rekrutiert, ein von der dortigen Glam-Rock-Subkultur frequentiertes Etablissement. Fowley setzte ihre Idee einer rein weiblich besetzten Musikgruppe um; ein „unerhörtes Konzept“,Ann M. Savage: Women’s Rights. Reflections in Popular Culture. ABC-CLIO, 2017, ISBN 1-4408-3943-3, S. 51.Originaltext 1: der „zu dieser Zeit als undenkbar galt“.Ed Christman: Queens of Noise. In: Billboard vom 3. April 2010, S. 9.Originaltext: Fowley suchte nach einer Alternative für die Bassistin Michael Steele,Michael Steele äußerte sich rückblickend: „Die offizielle Geschichte [warum ich die Band verließ] war, dass unsere [musikalische] Weltanschauung zu unterschiedlich sei... aber schon früh begann diese Sache mit Kim, diese unbehagliche berufliche Beziehung. Er fühlte sich auf eine Weise zu mir hingezogen, die ich als sehr unangenehm empfand. Ich bin behütet aufgewachsen und war nicht ausgebufft genug zu sagen: ‚Kim, verpiss dich einfach.‘ Ich stellte mir immer vor, dass er mich dann aus der Band werfen würde. Aber ich wollte auf [seine Avancen] nicht eingehen, dazu hatte ich definitiv keine Lust. Ich hatte versucht, [seine Annäherungsversuche] einfach zu ignorieren, aber der Druck wuchs immer mehr. Meine Leistungsfähigkeit ging dabei den Bach runter. Die Angelegenheit machte mich langsam verrückt.“(Marc Spitz, Brendan Mullen: We Got the Neutron Bomb: The Untold Story of L.A. Punk. Crown, 2010, ISBN 0-307-56624-2, S. 48.)Originaltext: “The official story [why I didn’t stay in the band] was that ideologically I wasn’t in line with the others… but early on this thing started with Kim, this sordid professional angle. He was enamoured of me in a way that I found very uncomfortable. I’d been raise in a sheltered manner, and wasn’t savvy enough I could say, ‘C’mon Kim, fuck off.’ I got it in my head that he would throw me out of the band. But I didn’t want to say yes because I definitely was not into it. I dealt with it by trying to stay neutral, but the pressure started building and building. My performance went down the tubes. I started going kind of nuts with it.” die anfänglich als Sängerin der sich gerade formierenden Rockband The Runaways vorgesehen war. In Bezug auf die äußere Erscheinung der neuen Sängerin schwebte Fowley eine „Brigitte Bardot des Rock ’n’ Roll“ vor.Evelyn McDonnell: Queens of Noise: The Real Story of The Runaways. Hachette UK, 2013, ISBN 0-306-82156-7, S. 109, 110.Evelyn McDonnell, Ann Powers: Rock She Wrote: Women Write about Rock, Pop, and Rap. Cooper Square Press, 1999, ISBN 0-8154-1018-2, S. 285.Originaltext:
Fowley und JettEvelyn McDonnell: The Runaways’ LA. In: populismblog.wordpress.com vom 5. Dezember 2011. trafen in dem ebenfalls am Sunset Strip gelegenen Nachtclub Sugar Shack die zu dieser Zeit 15 Jahre junge,Cherie Currie Looks Back On The Runaways’ ‚Cherry Bomb‘. In: blabbermouth.net vom 17. Juli 2019.Marc Spitz, Brendan Mullen: We Got the Neutron Bomb: The Untold Story of L.A. Punk. Crown, 2010, ISBN 0-307-56624-2, S. 50. dünnleibige Cherie Currie, 2004, Regie Victory Tischler-BlueLita Ford: Living Like a Runaway. A Memoir. New York 2010, ISBN 0-06-227065-6, S. 31. mit blonder Zottelfrisur, großen Augen und einem extrovertierten, am Glam orientierten Stilbewusstsein, die in Verhalten und Aussehen an David Bowie in seiner Rolle als Ziggy Stardust erinnerte.Cherie Currie (The Runaways): Australian Tour Interview. In: australianmusician.com.au vom 21. Februar 2016. Fowley lud sie zum Vorsingen in seine Garage im kalifornischen San Fernando Valley ein, für das sie einen Song der Sängerin Suzi Quatro vorbereiten sollte, die besonders Jett in Stil und Musik beeinflusst hatte.Karen Corday: The American Rock Star Who Inspired Joan Jett. In: grunge.com, Static Media vom 15. September 2020.Tamzin Kraftman: The Genius Of… Quatro by Suzi Quatro. In: guitar.com vom 3. Mai 2023.
Currie hatte hierfür Quatros Titel Fever gewählt, eine Coverversion des RnB-Liedes der Sängerin Peggy Lee.Emily Nyberg: The Runaways Planted a Cherry Bomb in the Rock Industry. In: St. Olaf College vom 27. April 2015. Jedoch stellte sich heraus, dass die anderen Bandmitglieder Joan Jett, Sandy West, Lita Ford und Kari KromeKari Krome (eigentlicher Name Cari Lee Mitchell, * 1. August 1961) gilt als Mitbegründerin (co-founder) und zeitweilige Songschreiberin der Band.(Lucy Mangan: Look Away review – horrifying stories of abuse at the hands of male rock stars. In: The Guardian vom 14. September 2021.Madison Bloom: Kim Fowley and Rodney Bingenheimer Named in Sexual Assault Lawsuit by Kari Krome. In: Pitchfork Media vom 27. April 2023.) den Titel nicht zu spielen wussten, darüber hinaus wies er ein zu langsames Tempo für die Rockmusikerinnen auf und wurde mit deutlicher Missbilligung aufgenommen. Trotz ihres wilden Stils war Currie auch der Popmusik zugeneigt, so schlug sie als Alternative einen Barry-Manilow-Song vor, den die Musikerinnen der Rockband ebenfalls unmissverständlich zurückwiesen.
Ab diesem Zeitpunkt bestehen mehrere voneinander abweichende Geschichten über die Entstehung des Liedes. In der am weitesten verbreiteten Version hatten Jett und Bandmanager Fowley daraufhin vor Ort innerhalb kürzester Zeit das Lied Cherry Bomb unter dem Eindruck von Curries Erscheinung und ihrem Vornamen für ihr Vorsingen komponiert,Lita Ford: Living Like a Runaway. A Memoir. New York 2010, ISBN 0-06-227065-6, S. 32.Cherie Currie, Tony O’Neill: Neon Angel: A Memoir of a Runaway. HarperCollins, New York 2010, ISBN 0-06-199807-9, S. 46.Steve Waksman: This Ain’t the Summer of Love: Conflict and Crossover in Heavy Metal and Punk. University of California Press, 2009, ISBN 0-520-25717-0, S. 136.Song Backstory… Cherie Currie talks about Cherry Bomb, by The Runaways. In: The Friday Revue with Jacinta Parsons and Brian Nankervis, Australian Broadcasting Corporation vom 22. Mai 2020.Cherie Currie Looks Back On The Runaways’ ‚Cherry Bomb‘. In: blabbermouth.net vom 17. Juli 2019., 2004, Regie Victory Tischler-Blue. was die Autorin des 2013 erschienenen Buches Queens of Noise: The Real Story of The Runaways, Evelyn McDonnell, für unwahrscheinlich hält. Fowley sagte an anderer Stelle, er habe den Song in der Nacht vor der Probe geschrieben, und zwar ausdrücklich für das Vorsingen von Currie. Krome berichtete, ein Teil des Liedes basiere auf einem Text, den sie zu dieser Zeit bereits verfasst hatte. In einer gerichtlichen Klage gegen Fowleys Erben bezichtigte sie ihn 2023 der unrechtmäßigen Aneignung des Liedes.Kari Krome, Songschreiberin der Band, reichte 2023 in Kalifornien Klage gegen die Erben des verstorbenen Kim Fowley ein, wegen sexuellem Missbrauch der in den 1970er Jahren minderjährigen Krome durch Fowley. In der Klage beschuldigte sie Fowley zudem der Aneignung zahlreicher Songs, die sie für die Gruppe geschrieben hatte, darunter besonders der Debütsong Cherry Bomb.(Ethan Millman: Kim Fowley’s Estate Sued for Sexual Assault of Minor. In: Rolling Stone vom 27. April 2023.) Peggy Foster, zeitweilige Bassistin der Runaways, erinnerte sich, dass die Melodie später im Studio ausgearbeitet wurde. Auf dem Cover des Debütalbums The Runaways wird die Komposition des Liedes Jett und Fowley zugeschrieben.
Fowley reichte Currie einen Zettel mit dem Liedtext und führte ihr eine Tanzsequenz im Mick-Jagger-Stil vor, die sie anwenden sollte. Currie, die keine Banderfahrung hatte, trug das Lied vor, wobei sie den Anfang des Refrains stotterte, ähnlich dem Titel Changes von David Bowie. So sang sie:Cherry Bomb, Songtext von The Runaways In: songtexte.com