Perú Libre () ist eine nach eigenem Verständnis links-sozialistische, marxistisch-leninistische und mariateguistische, von Politologen darüber hinaus als linksnationalistisch und gesellschaftskonservativ eingeordnete politische Partei in Peru.
Mit Pedro Castillo, der vom 28. Juli 2021 bis zum 7. Dezember 2022 regierte und im Juli 2022 die Partei verließ,Quincy Stemmler: Präsident von Peru verlässt Linkspartei. Amerika 21, 5. Juli 2022. stellte die Partei die Staatspräsidentschaft und mit der im Januar 2022 aus der Partei ausgeschlossenen Dina BoluartePerú Libre expulsa a Dina Boluarte por declarar que nunca abrazó el ideario de ese partido. Infobae, 23. Januar 2022. die Vizepräsidentschaft; darüber hinaus hatten zwei weitere Parteimitglieder Ministerämter in der Regierung, während es im ersten, kurzlebigen Kabinett von Juli bis Oktober 2021 drei Ministerposten waren.
Geschichte mini|Wahlkampagne von Perú Libre, 2014, in der Mitte Vladimir Cerrón Die Partei wurde 2008 von dem damaligen Gouverneur der Provinz Junín, Vladimir Cerrón Rojas, unter dem Namen Perú Libertario gegründet.
Bei den Wahlen in Peru 2021 kam Perú Libre bei der Parlamentswahl auf 14,06 % der Stimmen und so auf 37 von insgesamt 130 Abgeordnetenmandaten, wurde also zur größten Fraktion.Diez partidos obtienen más del 5% de los votos para el Congreso, según la ONPE. Gestión, 16. April 2021. Als Präsidentschaftskandidat erhielt Pedro Castillo 2.724.752 Stimmen oder 18,92 %, womit er auf den ersten Platz kam.Resutados de las elecciones, 2021. Gestión, 24. Mai 2021. Bei der Stichwahl am 6. Juni 2021 lag er mit 50,125 % der Stimmen knapp vor Keiko Fujimori mit 49,875 %.ONPE al 100 % de actas contabilizadas: Pedro Castillo obtiene 50.125% y Keiko Fujimori, 49.875%. RPP Noticias, 15. Juni 2021. Perú Libre und Pedro Castillo konnten die stärksten Ergebnisse – in manchen Distrikten über 95 % der Stimmen – in Gebieten mit Quechua- und Aymara-Gemeinden erzielen.Aramís Castro: Pedro Castillo obtuvo la votación más alta en el 90% de distritos con territorios indígenas. Ojo Público, 27. Juni 2021.
Castillo wurde am 28. Juli 2021, dem 200. Jahrestag der Unabhängigkeit von Spanien, in sein Amt eingeführt. Er bildete eine Koalitionsregierung aus Perú Libre und anderen linken Formationen, darunter Juntos por el Perú und Frente Amplio por Justicia, Vida y Libertad. Die drei von Perú Libre gestellten Minister waren der Premierminister Guido Bellido, der Arbeitsminister Íber Maraví sowie die Ministerin für Entwicklung und soziale Inklusion und gleichzeitig Vizepräsidentin, Dina Boluarte. Guido Bellido und Íber Maraví gelten als besonders enge Vertraute des am Marxismus orientierten Generalsekretärs der Partei, Vladimir Cerrón, und seines Bruders, des Fraktionsvorsitzenden Waldemar Cerrón.
Guido Bellido versuchte linke, revolutionäre Forderungen durchzusetzen wie etwa die Nationalisierung der Gasfelder von Camisea in der Provinz La Convención in der Region Cusco. Beide letztgenannte Minister kamen auf Grund dieser linken Positionen unter heftigen Beschuss der Opposition im Parlament und auch von Seiten der Presse, wobei im Falle Bellidos auch dessen offensive, selbstbewusste Verwendung der Quechua-Sprache auf starke Ablehnung stieß. So drohte eine Blockade der Regierungsarbeit durch das Parlament.
Anfang Oktober bat Präsident Castillo schließlich Bellido um seinen Rücktritt, um so die „Regierungsfähigkeit“ (gobernabilidad) wieder herzustellen.Perú: 3 claves para entender la sorpresiva renuncia de Guido Bellido a la presidencia del Consejo de Ministros. BBC News Mundo, 6. Oktober 2021. Mit dem Rücktritt Guido Bellidos am 6. Oktober 2021 schied auch der von Perú Libre gestellte Íber Maraví als Arbeitsminister aus, und nur letzterer wurde durch eine andere Perú-Libre-Politikerin ersetzt, nämlich Betssy Chávez Chino, während Dina Boluarte blieb und Bellido durch die Frente-Amplio-Politikerin Mirtha Vásquez ersetzt wurde. So gab es nur noch zwei Minister von Perú Libre in der Regierung. Während die Fraktionen der Opposition den Rücktritt Bellidos begrüßten, kritisierte die von Waldemar Cerrón geleitete Fraktion von Perú Libre die Regierungsumbildung scharf mit den Worten, der Weggang Bellidos und des Arbeitsministers Iber Maraví seien „Verrat an allen Mehrheiten, die lange Jahre darauf gewartet haben, an die Macht zu kommen, um beachtet zu werden“. Die Fraktion unterstütze die neue Regierung nicht, werde aber auch keine Obstruktionspolitik betreiben.. El Comercio, 6. Oktober 2021.. El Comercio, 7. Oktober 2021.
Die Perú-Libre-Abgeordnete Silvana Robles Araujo sprach gar von einem „politischen Selbstmord“ Castillos, der sich von der Ultrarechten den Weg hin zur Amtsenthebung des Präsidenten habe aufzwingen lassen.Yurany Arciniegas: Acusaciones de "traición" sacuden a Pedro Castillo tras renovar su gabinete. France 24, 7. Oktober 2021. Die Financial Times sprach im Zusammenhang mit der „Amtsenthebung“ Bellidos von einer Umkehr der Regierungspolitik Castillos weg von einem linken Kurs hin zur politischen Mitte und einer Distanzierung Castillos von seiner marxistischen Partei (Perú Libre), die ihm zur Macht verholfen hatte.Gideon Long: Peru’s president reshuffles cabinet in shift towards centre. Pedro Castillo makes seven changes and ousts Marxist prime minister after taking office at the end of July. Financial Times, 7. Oktober 2021.
Parteiflügel in der Kongressfraktion von Perú Libre Von den 2021 in den Kongress gewählten 37 Abgeordneten der Fraktion Perú Libre sind acht Lehrer, die aus den südlichen Regionen Arequipa, Tacna, Moquegua, Cusco, Puno und Apurímac stammen.Perú Libre lleva a ocho docentes al Congreso. La República, 15. April 2021. Anfang August wurde nach Konstituierung der Fraktion Waldemar Cerrón zum Fraktionssprecher gewählt. Von 36 Fraktionsmitgliedern (ohne den Premierminister Guido Bellido) erhielt er 15 Stimmen, während sich der „Lehrer-Flügel“ der Stimme enthielt.Diana Liseth Pacheco Rojas: Waldemar Cerrón, hermano de Vladimir Cerrón, es el nuevo portavoz de la bancada Perú Libre. LP Derecho, 2. August 2021.
Angesichts der widerstreitenden Positionen von Perú Libre in Hinblick auf den Kurs der Regierung Pedro Castillo treten die Rollen der beiden Flügel in der Kongressfraktion stärker zu Tage: einerseits ein marxistisch orientierter Flügel um den Fraktionssprecher Waldemar Cerrón, der die Konfrontation mit Präsident Castillo sucht und mindestens zehn Abgeordnete umfassen soll, und andererseits eine Gruppe um die Rechtsanwältin Betssy Chávez Chino, die dem „Lehrer-Flügel“ um die Lehrerin Katy Ugarte Mamani nahesteht und den Präsidenten Castillo – ebenfalls Lehrer – unterstützt.Ernesto Cabral: La facción de Vladimir Cerrón en Perú Libre amenaza a los ministros de Castillo. Ojo Público, 3. Oktober 2021.
Angesichts der Ankündigung des Generalsekretärs Vladimir Cerrón am 14. Oktober 2021, Perú Libre werde dem von Pedro Castillo eingesetzten Kabinett unter Mirtha Vásquez nicht das Vertrauen aussprechen, die in der Regierung verbliebenen Parteimitglieder von Perú Libre Dina Boluarte und Betssy Chávez verträten nicht die Partei und es werde eine Neuordnung der Kongressfraktion von Perú Libre geben müssen, stehen der Fraktion schwere Konflikte bevor.Crisis en Perú Libre: no darán voto de confianza a Mirtha Vásquez y anuncian expulsiones. A través de su cuenta de Twitter, Vladimir Cerrón dejó en clara la posición de la bancada Perú Libre. Infobae, 14. Oktober 2021. Am 4. November 2021 sprach der peruanische Kongress Mirtha Vásquez mit 68 Stimmen bei 58 Gegenstimmen das Vertrauen aus.Congreso de la República otorgó el voto de confianza al gabinete Vásquez. Radio Nacional, 4. November 2021.
Von den 37 Abgeordneten von Perú Libre stimmten 19 um den „Lehrer-Flügel“ für Vásquez, während 16, darunter Guido Bellido, Guillermo Bermejo und Waldemar Cerrón, gegen sie stimmten.Guido Bellido votó en contra de darle la confianza al gabinete presidido por Mirtha Vásquez. La República, 4. November 2021. Als der peruanische Kongress am 7. Dezember 2021 einen Antrag der rechtsgerichteten Abgeordneten Patricia Chirinos (Avanza País) zur Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Pedro Castillo ablehnte, stand die gesamte Fraktion von Perú Libre hinter dem Präsidenten.Congreso no admite a debate moción de vacancia contra Pedro Castillo. Con 76 votos en contra, 46 a favor y 4 abstenciones, el pleno del Congreso decidió no llevar a debate la moción de vacancia presidencial contra Pedro Castillo. La República, 8. Dezember 2021.Vladimir Cerrón: “La intención de vacancia ya ha fracasado, ya es historia”. La República, 7. Dezember 2021. Nachdem 16 Abgeordnete von Perú Libre am 17. Dezember 2021 statt für eine Rüge gegen die konservative Parlamentspräsidentin María del Carmen Alva (Acción Popular) zu stimmen sich enthalten hatten, verließen die drei Abgeordneten Guillermo Bermejo, Betssy Chávez und Hamlet Echeverría (und damit zwei wichtige Vertreter des „Lehrer-Flügels“) aus Protest die Fraktion von Perú Libre.Desbande en Perú Libre tras rechazo de censura a María del Carmen Alva. División. Guillermo Bermejo, Betssy Chávez y Hamlet Echeverría dejan la bancada. Abstención de 16 congresistas cerronistas fue detonante. Podrían seguir las renuncias en grupo oficialista. La República, 17. Dezember 2021.
Ideologie Nach Aussage des Generalsekretärs Vladimir Cerrón ist die Partei Perú Libre links-sozialistisch, marxistisch-leninistisch und mariateguistisch. Er streicht heraus, dass die Partei ihren Ursprung in der Provinz hat (gegründet wurde sie von Cerrón in der Region Junín, wo er Gouverneur war) und damit das „tiefe Peru“ (Perú profundo) vertrete, weshalb sie sich für die bedürftigsten Bevölkerungen einsetze, während das im Bündnis Juntos por el Perú mitarbeitende Nuevo Perú und die Wahlkoalition Frente Amplio ihren Ursprung in der Hauptstadt hätten und deshalb das offizielle Peru verträten.
Der peruanische Politologe Carlos Meléndez Guerrero hebt hervor, dass Guido Bellido an der Universidad Nacional de San Antonio Abad del Cusco (UNSAAC) ausgebildet wurde, wo es eine starke linke Strömung und gleichzeitig eine Orientierung auf die Provinz gebe. Perú Libre sei „Anti-Lima, antizentralistisch, gegen das spanische Erbe und mit dem Marxismus-Leninismus verbunden“. Er bezeichnet Guido Bellido als „Exponent des konservativen Radikalismus der Andenregionen Perus“.Perú: 3 claves para entender la sorpresiva renuncia de Guido Bellido a la presidencia del Consejo de Ministros. BBC News Mundo, 6. Oktober 2021. Dadurch, dass Bellido im Parlament in seiner Muttersprache Quechua sprach, brachte er die aus Lima stammenden Abgeordneten der rechten Opposition, die ihn nicht verstanden, gegen sich auf. Der politische Analyst Luis Esteban González Manrique schreibt hierzu: „Damit, dass er [im Kongress] Quechua spricht, signalisiert Bellido, dass diejenigen, die immer die Macht hatten, sie nun nicht mehr haben.“Luis Esteban González Manrique: Perú: ¿renacimiento quechua? La reivindicación de Pedro Castillo del mundo andino como centro de gravedad de la identidad nacional está dando nuevas alas al quechua, la lengua de casi cuatro millones de peruanos, históricamente reprimida. Política Exterior, 22. September 2021. Al hablar en quechua, Bellido lanza el mensaje de que quienes siempre tuvieron el poder ya no lo tienen.
Die Partei steht wirtschaftspolitisch weit links und fordert die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien wie der Strom- und Wasserversorgung sowie der lukrativen Rohstoff- und Bergbaubranche. Des Weiteren sollen Sozialprogramme zur Bekämpfung der Armut im Land ausgebaut werden.