mini|hochkant|Kirche St. Ulrich zu Schlettau (2018) Die St.-Ulrich-Kirche zu Schlettau ist die evangelische Stadtkirche in Schlettau im Erzgebirgskreis im Freistaat Sachsen. Sie gehört zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Die Kirche ist ein Wahrzeichen des Ortes.
Geschichte und Architektur Schlettaus älteste urkundliche Erwähnung stammt von 1351. Vermutlich gab es zu dieser Zeit eine Kapelle. Sie stand mit hoher Wahrscheinlichkeit am Standort der heutigen Kirche. Zum Kirchspiel Schlettau gehörten lange Zeit die Dörfer Walthersdorf (heute noch eingepfarrt), Cunersdorf, Sehma und Cranzahl – daher entstand bald die heutige Kirche. Wie und wann sie zu ihrem Namen St.-Ulrich-Kirche kam, ist nicht überliefert.
Schlettau und die genannten Dörfer samt Königswalde gehörten kirchlich bis zur Einführung der Reformation zum Erzbistum Prag. Die Grenze zwischen den sächsischen Bistümern Meißen und Naumburg einerseits und dem Erzbistum Prag andererseits verlief bei Hermannsdorf nahe der Finkenburg.
Der Altarraum der St.-Ulrich-Kirche ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die Vorgänger-Kapelle. Im Dreißigjährigen Krieg blieb sie unbeschädigt. 1659 fielen Kirche und Pfarrhaus dem Stadtbrand zum Opfer. Die vom sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. genehmigte Kollekte trug wesentlich zum schnellen Wiederaufbau bei.
Der Sakralbau ist eine spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit vier Jochen, die barock überformt wurde. Der verputzte Bruchsteinbau mit 3/8-Schluss hat einen hoher West-Kirchturm. Das Gotteshaus ist baugeschichtlich, künstlerisch und ortsbildprägend von Bedeutung.
Der damals baufällige Altarraum wurde 1889 abgerissen. In dessen Gruft fanden sich zwei steinerne Gedenktafeln des Ritterobersten Wolf Tiefstetter und dessen Frau aus dem Jahre 1572, die Särge einiger Oberforst- und Wildmeister sowie mehrerer Pfarrer aus dem 17. Jahrhundert.
Jüngere Vergangenheit mini|hochkant|Seitenansicht (2014) 1966 begann die Innenrenovierung, bei der Malereien von 1662 wiederentdeckt wurden. Daraufhin wurde die Kirche originalgetreu restauriert; Kanzel und Altar wurden erneuert. Ab 1992 folgten weitere Sanierungs- und Werterhaltungsarbeiten am Bauwerk. Von 1994 bis 1996 wurde der Dachstuhl saniert und Kirchenschiff und Altarraum neu gedeckt. Ab 1992 wurden nach und nach die Bleiglasfenster und Sandsteingewände restauriert. 1998 wurden die Grundmauern trockengelegt, auch wurden die Außenseiten des Kirchenschiffes und des Chorraumes verputzt. Diese Arbeiten wurden möglich dank wesentlicher finanzieller Hilfe von der öffentlichen Hand und von kirchlichen Institutionen.
Ausstattung Der Altar ist ein Geschenk von 1668 des aus Schlettau gebürtigen Pfarrers zu Regensburg, David Wendler. Die Kanzel ist ein Geschenk von 1682 des damaligen Bürgermeisters Johann Adolph Jungmichel.
Die barocke Ausstattung stammt aus den 1660er Jahren, die Buntglasfenster vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Die zweijährige Renovierungsarbeit zwischen 2015 und 2016 betraf auch die Gewölbe-Ausmalung von 1662 als Himmelswiese.
Kirchturm mini|hochkant|Ansicht von 1910 Der Kirchturm war ursprünglich niedriger als heute. Beim Stadtbrand 1659 wurde er ein Raub der Flammen. 1708 traf ein Blitzschlag den Kirchturm, das ausgelöste Feuer vernichtete auch Pfarrhaus, Schule, Rathaus und 95 angrenzende Bürgerhäuser. 1723 wurde der Turm wieder aufgebaut. 1842 musste er abgetragen und neu aufgebaut werden. Am Kirchturm erfolgte 1993 eine Generalinstandsetzung.
Orgel 1889 schuf Richard Kreutzbach die Orgel. Sie umfasst 23 Registern auf Schleifladen mit pneumatischer und mechanischer Tontraktur und pneumatischer Registertraktur. Sie wurde 1937 von der Firma Orgelbau A. Schuster & Sohn aus Olbersdorf bei Zittau auf 41 Register erweitert und mit elektropneumatischer Ton- und Registertraktur ausgestattet. (mit Gastzugang)
Das Instrument wurde mit einem technischen Neubau vom Unternehmen Vogtländischer Orgelbau Thomas Wolf technisch weitestgehend und klanglich konsequent zurückgeführt. Das Instrument hat nun 28 Register auf zwei Manualen und Pedal.
Die aktuelle Disposition lautet:
I Hauptwerk C–f3 Bordun 16′ original Principal 8′ Rekonstruktion Hohlflöte 8′ Rekonstruktion Rohrflöte 8′ original Viola di Gamba 8′ Rekonstruktion Octave 4′ Teilrekonstruktion Gemshorn 4′ Teilrekonstruktion Quinte ′ original Octave 2′ original Cornett 3-4fach ′ Rekonstruktion Mixtur 4fach ′ Rekonstruktion Trompete 8′ Rekonstruktion II Hinterwerk C–f3 Gedackt 8′ original (*) Flauto amabile 8′ Teilrekonstruktion (*) Salicional 8′ Schuster 1937 (*) Vox coelestis 8′ von Schuster 1937 (**) Fugara 4′ Teilrekonstruktion (*) Hohlflöte 4′ original (*) Nasat ′ neu (**) Piccolo 2′ Teilrekonstruktion (*) Terz ′ neu (**) Harm. aeth. 3fach 2′ neu (**) Oboe 8′ von Schuster 1937 (**) Krummhorn 8′ von Schuster 1937 (**) Tremulant Pedal C–f1 Subbaß 16′ original Violonbaß 16′ Teilrekonstruktion Octavbaß 8′ original Flötenbaß 8′ original Posaune 16′ original
(*): auf originaler Schleiflade (**): auf neuer Zusatzlade Koppeln: Koppelmanual III/II, Pedalkoppel II/P, Pedalkoppel III/P Suboctavkoppel III/II Spielhilfen: Crescendowalze, Heuss-Setzerkombination MP 98 mit 4000 Kombinationen, Sequenzer vor- und rückwärts, USB-Schnittstelle
Geläut Die Kirche von Schlettau hat ein Glockengeläut aus vier Kirchenglocken mit der Tonfolge des’ (Bronze-Glocke, Schilling (Glockengießerfamilie), 1989) sowie f’, as’ und b’ (Schilling & Lattermann, von 1919).Rainer Thümmel in: Glocken in Sachsen – Klang zwischen Himmel und Erde. Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 354.
Sage Ein Stein in der Außenwand der Kirche Schlettau soll das Gesicht eines Mönchs zeigen, wie die ursprünglich von Widar Ziehnert überlieferte, gereimte Sage Das Mönchsgesicht an der Kirche zu Schlettau aus der Zeit um 1520 erzähltStreng genommen ist der Titel der Sage irreführend: Im Text ist die Rede von Pfarrer und Sacristan (= Küster), nicht von einem Mönch. Treffend wäre also „Das Küstergesicht an der Kirche zu Schlettau“.:
Pfarrer Erster lutherischer Geistlicher, der in Schlettau 1528 predigte, soll Balthasar Loy gewesen sein; Luther hatte ihn von Wittenberg nach Schlettau geschickt. Davon abweichend ist in der folgenden Pfarrer-Übersicht mit der Jahreszahl 1522 Johann Küttner als erster lutherischer Geistlicher benannt.
1555 bekam Cranzahl seine Kirche, 1673 wurden Sehma und Cunersdorf eigene Kirchgemeinden. Daher hatte Schlettau bis 1673 zwei Pfarrer (bzw. Pfarrer und Diakon).
Für die Kirche zu Schlettau sind in pfarrerbuch.de Pfarrer und Diakone verzeichnet. Pfarrer
Varia Die Kirche Schlettau ist eine Offene Kirche: Sie ist täglich von 9 bis 18 Uhr zugänglich. Zur Kirchgemeinde gehört die Kantorei St. Ulrich. Vom Kirchturm sendet eine Webcam Aufnahmen ins Internet. Die Kirche zu Schlettau ist eine der wenigen Kirchen, nach der ein hochprozentiges alkoholisches Erzeugnis benannt ist: Der St. Ulrich Kräuterbitter des Spirituosen-Herstellers aus Schlettau verdankt seinen Namen der benachbarten Kirche.
Literatur Sachsens Kirchen-Galerie, Die Schönburgischen Receßherrschaften nebst den Ephorien Annaberg, Marienberg und Frauenstein, 12. Band, Schmidt, Dresden 1845, S. 89ff. (Digitalisat SLUB Dresden) und S. 99f. (Digitalisat SLUB Dresden) Gerhard Richter: Von St. Katharina zu St. Ulrich – Die Geschichte der Kirche zu Schlettau. Schlettau im Erzgebirge (Pfarramt) 1935. Stadtverwaltung Schlettau: Festschrift zur ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Schlettau vor 650 Jahren – Chronik der Stadt Schlettau 1351–2001. Verlag Bergstraße, Annaberg-Buchholz 2001.
Schlettau. In: Max Grohmann: Das Obererzgebirge und seine Städte. Graser, Annaberg 1903. Johann Gottfried Gehlofen: Chronik der Stadt Schlettau. Schlettau 1867. (Digitalisat).
Weblinks
Website der Evang.-luth. Kirchgemeinde Schlettau mit Walthersdorf Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Ulrich Schlettau auf kirche-erzgebirge.de Sankt-Ulrich-Kirchgemeinde Schlettau bei YouTube
Einzelnachweise
Kategorie:Hallenkirche in Sachsen Schlettau Kategorie:Kirchengebäude im Erzgebirgskreis Ulrichkirche Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Barockisierte Kirche Kategorie:Erbaut in den 1350er Jahren Kategorie:Erbaut in den 1660er Jahren Kategorie:Gotisches Bauwerk in Sachsen Kategorie:Kirchengebäude in Europa Schlettau Schlettau Kategorie:Geläut