mini|Riesa, Luftaufnahme, 2017 mini|Blick über die Elbe auf Riesa, 2008 Riesa ist eine Mittelstadt im sächsischen Landkreis Meißen. Sie liegt auf einer Fläche von 58,91 Quadratkilometern linksseitig der Elbe. Bekannt wurde die Stadt vor allem durch ihre Stahlindustrie und als Sportstadt.

Seit 1994 ist Riesa eine Große Kreisstadt im Freistaat Sachsen.

Geographie Geographische Lage Riesa liegt an einem Elbbogen und an der Einmündung der Flüsse Jahna und Döllnitz, wobei der Hafen dem Ende des Flussverlaufs der Döllnitz folgt. Prägende Straßenverläufe sind die Pausitzer Delle und der Heideberg. Riesa befindet sich nördlich der Lommatzscher Pflege.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Hirschstein, Nünchritz, Stauchitz, Zeithain und die Stadt Strehla im Landkreis Meißen sowie Liebschützberg im Landkreis Nordsachsen.

Stadtgliederung Zu Riesa gehören zehn Stadtteile: Böhlen Canitz Gostewitz Jahnishausen Leutewitz Mautitz Nickritz Oelsitz Pochra Riesa

Zum Stadtteil Riesa gehören das Stadtzentrum sowie die Ortsteile Göhlis, Gröba, Mergendorf, Merzdorf, Pausitz, Poppitz, Schwarzroda und Weida.

Geschichte Namensherkunft Riesa leitet sich aus Riezowe her. Dieser Name, latinisiert als Reszoa, taucht erstmals in einer Urkunde des Papstes Calixt II. vom Oktober 1119 auf, als Dietrich I., Bischof von Naumburg, das älteste Kloster der Mark Meißen weihte. Er benutzte den Namen der kleinen slawischen Siedlung in unmittelbarer Nähe des Klosters im Mündungsbereich der Jahna in die Elbe. Risowe bedeutet so viel wie Geländeeinschnitt, sodass der Name der Stadt frei als „Ort an der Flussmündung“ oder „Ort am Fluss“ übersetzt werden kann. Der Ortsname Riesa ist erstmals 1451 belegt.

Antike mini|Riesa auf einer Landkarte von 1762 mit den umliegenden, heute eingemeindeten Gemeinden In der Zeit der römischen Kaiser und der Völkerwanderung ist in der Gegend um Riesa ein namenloser elbgermanischer Kleinstamm der Hermunduren nachgewiesen. Im Zuge der Völkerwanderung zogen sie westwärts und slawische Sorben besiedelten das Gebiet. Dieses stand wahrscheinlich in loser Abhängigkeit von den weiter westlich liegenden thüringischen Stammesgebieten, was sich in den archäologischen Funden widerspiegelt. In der Zeit entstand in der Nähe des Zusammenflusses von Jahna und Elbe die Siedlung Riezowe, eine von vielen in einer relativ dicht bewohnten Gegend.

Mittelalter Seit der Herrschaft König Heinrichs I. und König Ottos I. gehörte die Gegend um Riesa zum Ostfrankenreich, aus dem das Heilige Römische Reich hervorging. Eine schriftliche Erwähnung fand der Ort allerdings erst fast zwei Jahrhunderte später, im Zuge der deutschen Ostsiedlung. Etwa ab dem Jahre 1111 wurde ein vierseitig geschlossener Bauernhof am Abhang zur Jahna in ein Kloster umgewandelt, ein Ereignis, das eine Urkunde von Papst Calixt II. vom Oktober 1119 festhielt. Es handelte sich um das deutsche Kloster in der Mark Meißen. Die ansässigen Mönche brachten das Kloster beinahe in den wirtschaftlichen Ruin. Kurze Zeit später nahmen die Augustiner-Chorherren die Geschicke des Klosters in die Hand. Da kundige Mönche überall im Lande gefragt waren, wurden sie nach und nach abgeworben, an ihre Stelle traten Nonnen. 35 Jahre lang bestand ein Doppelkloster. 1542 mussten die 17 Nonnen vom Orden des Heiligen Benedikt ihre Heimstatt verlassen, die 1554 als Lehnsgut vergeben wurde.

Frühe Neuzeit Im Jahr 1623 wurde dem Marktflecken Riesa durch den Kammerherrn des sächsischen Kurfürsten, Christoph Felgenhauer, das Stadtrecht verliehen, verbunden mit dem Recht, zweimal im Jahr Märkte abhalten zu können. Jedoch verlor Riesa dieses Recht und blieb als Marktflecken relativ unbedeutend bis zur Entwicklung des Eisenbahnsystems, bis es 1859 zum zweiten Mal zur Stadt erhoben wurde.Archivbestand Grundherrschaft Riesa im Hauptstaatsarchiv Dresden 1635 schlossen sich Schuster, Schneider und Lohgerber zur ersten Handwerkerinnung zusammen.

Industrialisierung und Modernisierung mini|Riesa, Landungsbrücke mit Schleppern und Lastkähnen (1910) mini|Stadtplan (1908) In der Stadt wurde 1820 erstmals eine Poststation errichtet. Als 1839 der erste Zug der Leipzig-Dresdner Eisenbahn über die neue Elbbrücke fuhr, begann eine schnelle wirtschaftliche Entwicklung bzw. Industrialisierung. Der Güterumschlag vom Schiff auf die Schiene brachte der Gemeinde bedeutende Einnahmen. Mit den Eisenbahnverbindungen nach Leipzig, Dresden, Chemnitz, Jüterbog, Elsterwerda und Nossen entwickelte sich Riesa zum bedeutenden Eisenbahnknoten in Nordsachsen. Mit dem Eisenwerk wurde 1843 der Grundstein für die Ansiedlung bedeutender Industrien gelegt. Im Jahr 1848 erschien mit dem Elbe-Blatt die erste Wochenzeitung, aus der später das Riesaer Tageblatt hervorging, das bis zum 23. April 1945 erschien und seit 1991 wieder publiziert wird.

1858 begann mit dem Einzug einer Reiterschwadron der sächsischen Kavallerie Riesas Geschichte als Garnison. In der Folgezeit wurde die Stadt zur drittgrößten Garnison in Sachsen. Im Deutschen Krieg von 1866 wurden zwei Bögen der hölzernen Elbebrücke niedergebrannt.

1878 wurde eine Eisenfachwerk-Straßenbrücke neben der Eisenbahnbrücke über die Elbe fertiggestellt und 1888 der Binnenhafen. 1912 wurde zwischen Riesa und Lauchhammer die erste Hochspannungsleitung der Welt für 110 kV gebaut.

Nationalsozialismus Im nationalsozialistischen Deutschland befand sich im Volkshaus Riesa von Anfang März bis Juli 1933 ein frühes Konzentrationslager für politische Gegner des Nationalsozialismus. Es sind mindestens 30 Häftlinge dokumentiert, die in diesem Zeitraum dort festgehalten wurden. Diese Zahl umfasst sowohl das Amtsgerichtsgefängnis als auch das Volkshaus Riesa. Die genaue Zahl der Gefangenen, die im Lager starben oder an den Folgen litten, ist jedoch nicht bekannt.

Im Jahr 1935 nahm der Antisemitismus in Riesa durch nationalsozialistische Propaganda zu: Auf Plakaten entlang der Hauptstraße in Riesa wurden Parolen wie „Die Juden sind unser Unglück“ und „Deutsche! Kauft nicht bei Juden“ verbreitet. Am 14. Mai 1935 schrieb der Oberbürgermeister der Stadt an den Standortältesten der Wehrmacht: „In Riesa befinden sich bekanntlich drei jüdische Geschäfte. Leider muss die Beobachtung gemacht werden, dass die Jahresumsätze dieser Firmen im letzten Geschäftsjahr gestiegen sind, obwohl jeder Volksgenosse davon Abstand nehmen müsste, bei Juden zu kaufen. Leider ist aber schon verschiedentlich festgestellt worden, dass auch RW.-Angehörige bzw. deren Frauen in diesen Geschäften kaufen… Ich bitte sie höflichst, zu prüfen, ob es möglich ist, den RW.-Angehörigen das Kaufen in jüdischen Geschäften zu untersagen.“Kurt Pätzold (Hrsg.): Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung. Dokumente des faschistischen Antisemitismus 1933 bis 1942. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1983, Reclams Universalbibliothek 1008; S. 94 Dies alles hatte auch Auswirkungen auf das jüdische Geschäftspaar Max und Berta Lenczynski. Die Familie war 1923 aus Polen nach Riesa gezogen und hatte das Kaufhaus Troplowitz an der Hauptstraße 43 (heute Nr. 19) erworben, das später zum größten Kaufhaus der Stadt wurde. Das Geschäft war beliebt und für seine Sonderaktionen und Rabatte bekannt. Während der Novemberpogrome 1938 kam es in der Nacht vom 9. zum 10. November auch in Riesa zu gewalttätigen Übergriffen. Ab 1 Uhr nachts begannen die lokalen NSDAP-Funktionäre mit der Organisation des Pogroms. Die ersten Angriffe auf jüdische Mitbürger und deren Eigentum setzten gegen 2 Uhr ein. Ein Arbeiter informierte um 5:16 Uhr die Polizei und meldete, dass sich eine große Menschenmenge vor dem Kaufhaus Lenczynski in der Schlageterstraße versammelt habe und randaliere. Auch die zu diesem Zeitpunkt verwitwete Berta Lenczynski meldete sich telefonisch bei der Polizei und berichtete von massiven Drohungen gegen ihr Leben und die ihrer Familie. Im Laufe der Nacht wurden die Lenczynskis in „Schutzhaft“ genommen, während ihr Kaufhaus verwüstet und geplündert wurde. Noch während ihrer Inhaftierung wurde die Familie gezwungen, dem Verkauf ihres Geschäfts- und Grundstücksbesitzes zuzustimmen. Noch im selben Jahr, 1938, wurden Berta und ihr Schwager Fritz Lenczynski aus Riesa vertrieben. Sie mussten ihre Heimatstadt verlassen und wurden 1943 ins KZ Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurden.

Neben den jüdischen Einwohnern und politischen Gegnern des Regimes wurden zwischen 1939 und 1945 auch hunderte Menschen aus verschiedenen Nationen in Riesa Opfer des Nationalsozialismus. Dies schloss Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und deren Kinder ein, die in örtlichen Betrieben arbeiten mussten. Viele starben an den Folgen harter Arbeit, Hunger oder unzureichender medizinischer Versorgung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs starben zahlreiche KZ-Häftlinge aus Bergen-Belsen an den Folgen ihrer Haft im Riesaer Krankenhaus.

Ende des Zweiten Weltkrieges sprengten Wehrmachtsoldaten die Straßenbrücke über die Elbe.

Deutsche Demokratische Republik mini|Straßenbrücke über die ElbeDer Neubau der Straßenbrücke über die Elbe wurde 1956, 200 m oberhalb der alten Brücke, eingeweiht. Von 1952 bis 1990 war Riesa Kreisstadt im Bezirk Dresden.

Nach der Wiedervereinigung zog die 9. Panzerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland aus Riesa ab.

mini|Eisenbahnbrücke über die Elbe

Seit der deutschen Wiedervereinigung Nachdem die Stadt der Amtshauptmannschaft Großenhain angehört hatte und von 1924 bis 1946 bezirksfrei gewesen war, war Riesa von 1952 bis 1994 Verwaltungssitz des Landkreises Riesa; am 1. August 1994 fusionierte der Landkreis mit dem Landkreis Großenhain, wobei Großenhain der Verwaltungssitz des neuen Kreises wurde. Riesa ist seit 1994 Große Kreisstadt im Freistaat Sachsen.

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“. auf orte-der-vielfalt.de, abgerufen am 14. Juli 2011.

2011 wurde die 1945 von Wehrmachtsoldaten gesprengte Schlossbrücke über dem Hafen zwischen Gröba und dem Stadtzentrum neu eröffnet und damit der Elberadweg auf Riesaer Stadtgebiet vervollständigt. Der Neubau wurde durch private Spendengelder seit 2004 mitfinanziert.Vorfreude auf Freitag: Eröffnung der Schlossbrücke Riesa-Gröba, 30. Mai 2011.

Bisher fanden in Riesa drei Bundesparteitage der AfD statt, darunter der Parteitag im Januar 2025, bei dem die Partei Alice Weidel als Kanzlerkandidatin wählte und damit zum ersten Mal in ihrer Parteigeschichte einen Spitzenkandidaten so benannte. Anlässlich dieses Parteitages kam es zu Gegendemonstrationen mit ca. 10.000–15.000 Teilnehmern und einem massiven Polizeieinsatz.

Eingemeindungen + Eingemeindungen in die Stadt Riesa Ehemalige Gemeinde bzw. Gutsbezirk Datum Anmerkung Göhlis, Vorwerk (Gutsbezirk Rittergut Riesa) 1874 Eingliederung als Bestandteil des selbstständigen Gutsbezirks Rittergut Riesa in die Stadt Riesa Riesa mit Vorwerk Göhlis, Gutsbezirk Rittergut 1874 Eingliederung des selbstständigen Gutsbezirks in die Stadt Riesa Gröba 15. Oktober 1923 Weida 15. Oktober 1923 Merzdorf 1. Juli 1925 Pausitz 1. Juli 1950 Poppitz 1. Juli 1950 Mergendorf 1. September 1961 CanitzGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Hrsg.: Statistisches Bundesamt. 1. Januar 1974 Jahnishausenstatistik.sachsen.de Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen. 1. März 1994 Mautitz 1. März 1994 Nickritz 1. März 1994 Leutewitz 1. Juli 1996