Welcome 2 America ( für Willkommen in Amerika) ist das dritte posthum erschienene Studioalbum von Prince, das am 30. Juli 2021 bei Legacy Recordings / NPG Records veröffentlicht wurde. Alle zwölf Songs arrangierte, komponierte und produzierte Prince bereits im Frühjahr 2010; das Album stellte er im Herbst fertig, veröffentlichte es jedoch aus unbekannten Gründen nicht.

Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop, Rock und Soul zuzuordnen. Die für Prince vergleichsweise ernsten Liedtexte behandeln vor allem Ausbeutung, Desinformation, Glauben, Kapitalismus und Rassismus. Als Gastmusikerin wirkte Tal Wilkenfeld mit. Musikkritiker bewerteten Welcome 2 America überwiegend positiv; kommerziell erreichte das Album in mehreren Ländern Top-Ten-Platzierungen, erzielte jedoch weder Gold- noch Platinstatus.

Obwohl Prince das Album nicht veröffentlichte, nannte er seine damalige US-Tournee Welcome 2 America Tour; er absolvierte sie von Dezember 2010 bis Mai 2011 mit seiner Begleitband The New Power Generation durch die USA. Dabei gastierten Musiker wie Alicia Keys, Carlos Santana, Stevie Wonder und Whitney Houston sowie Schauspielerinnen wie Alyssa Milano, Christina Applegate, Halle Berry, Rosario Dawson und Susan Sarandon auf der Bühne.

Das Album ist unter anderem als Deluxe-Edition mit einer Blu-ray Disc eines Livekonzerts vom 28. April 2011 im The Forum in Inglewood, Kalifornien, erhältlich.

Entstehung mini|Tal Wilkenfeld, 2009 mini|Dave Pirner, 2010 Alle zwölf Songs nahm Prince im Frühjahr 2010 in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen, Minnesota, auf. Für sieben Songs – Born 2 Die, Check the Record, Hot Summer, Running Game (Son of a Slave Master), Same Page Different Book, Welcome 2 America und Yes – wählte er Morris Hayes (* 1962) als Co-Produzenten, der damals Keyboarder seiner Begleitband The New Power Generation war.

Als Bassistin für die Albumaufnahmen engagierte Prince die Australierin Tal Wilkenfeld, die er erstmals 2008 kontaktierte, was für sie überraschend war. 2009 spielten beide drei Tage lang in einem Tonstudio in Los Angeles, Kalifornien, zusammen; im März 2010 lud Prince sie ins Paisley Park Studio ein, um Songs aufzunehmen. Die Aufnahmen beschrieb Wilkenfeld 2021 als weitgehend improvisiert, da Prince ihr kaum musikalische Vorgaben gemacht habe und sie weder Texte noch Melodien vorab gekannt habe. Als Schlagzeuger engagierte Prince Ende 2009 Chris Coleman (* 1979), der zuvor mit Chaka Khan und Rachelle Ferrell zusammengearbeitet hatte; er ist nicht mit The Revolution-Mitglied Lisa Coleman verwandt. In der Folge arbeitete Prince weder mit Coleman noch mit Wilkenfeld weiter zusammen.

Am 10. März 2010 nahm Prince Check the Record auf und spielte den Song am 18. Januar 2013 im Dakota Jazz Club & Restaurant in der Metropolregion Minneapolis–Saint Paul, Minnesota, erstmals und zugleich letztmals live.Clerc (2023), S. 620. Die Stücke 1000 Light Years from Here und Same Page Different Book nahm er am 11. März 2010 auf;Clerc (2023), S. 619 u. 621. Same Page Different Book veröffentlichte er am 6. Januar 2013 über seinen damaligen YouTube-Kanal Prince & 3rdEyeGirl Streams als Audiostream. Das Stück 1000 Light Years from Here integrierte Prince später in den Song Black Muse, den er im Dezember 2015 auf seinem 39. und zu Lebzeiten letzten Studioalbum HITnRUN Phase Two veröffentlichte.

Die Songs Born 2 Die, Running Game (Son of a Slave Master) und When She Comes nahm Prince am 12. März 2010 auf;Clerc (2023), S. 618, 619 u. 621. When She Comes erschien später auch auf HITnRUN Phase Two, dort jedoch umfangreicher instrumentiert. Über den Entstehungsprozess von Born 2 Die erklärte Co-Produzent Morris Hayes, Prince habe das Stück im ersten Amtsjahr von Präsident Barack Obama komponiert, als er intensiv über die Probleme der schwarzen Gemeinschaft und seine eigene Rolle nachdachte. Prince nahm den Song zunächst mit Chris Coleman und Tal Wilkenfeld auf; anschließend steuerten Elisa Fiorillo, Liv Warfield und Shelby J. Gesangsharmonien bei, bevor Hayes die Produktion abschloss. Dabei sprach Prince auch über die Inspiration des Songs: Auslöser sei eine Rede seines Freundes Dr. Cornel West gewesen, der gesagt habe, Prince sei „kein Curtis Mayfield“, was Prince als Ansporn verstand.

Das Titelstück und Yes nahm Prince am 15. März 2010 auf.Clerc (2023), S. 618 u. 623. Vier Tage später überarbeitete er seine Coverversion von Stand Up and B Strong,Clerc (2023), S. 620. die er bereits 2007 eingespielt, jedoch nicht veröffentlicht hatte. Das Stück komponierte Dave Pirner von der US-Rockband Soul Asylum und veröffentlichte es 2006 auf deren Album The Silver Lining. 2010 erwähnte Prince den Song in einem Interview in der Juli-Ausgabe der US-Zeitschrift Ebony.

Hot Summer und One Day We Will All B Free… nahm Prince Mitte März 2010 auf; die genauen Aufnahmedaten sind nicht bekannt. Hot Summer wurde am 7. Juni 2010, Prince’ 52. Geburtstag, mit seiner Genehmigung von der Rundfunkgesellschaft Minnesota Public Radio im Hauptprogramm „The Current“ gesendet.Clerc (2023), S. 619 u. 623. Den Song 1010 (Rin Tin Tin) nahm Prince im März oder April 2010 auf; das genaue Datum ist nicht bekannt.Clerc (2023), S. 622. Abschließende Arbeiten führte er im Herbst 2010 an 1000 Light Years from Here und dem Titelstück durch.

Prince veröffentlichte das Album Welcome 2 America nicht, was in seiner Karriere jedoch nicht ungewöhnlich war; er nahm mehrere Alben auf, die er nicht herausbrachte, darunter Dream Factory (1986), Camille (1987), Playtime by Versace (1995) und 20Ten Deluxe (2010). Fünf Jahre nach seinem Tod kündigte The Prince Estate („Der Prince-Nachlass“) am 8. April 2021 per Pressemitteilung die Veröffentlichung an.Clerc (2023), S. 616. Nach Piano & A Microphone 1983 (2018) und Originals (2019) ist Welcome 2 America das dritte posthum veröffentlichte Studioalbum von Prince.

Gestaltung des Covers Das Frontcover zeigt ein Porträtfoto von Prince aus dem Jahr 2010, frontal zur Kamera blickend. Die linke Gesichtshälfte ist vom Hals eines E-Basses verdeckt; beide Ringfinger tragen auffälligen Schmuck. Prince trägt ein schwarzes Hemd und eine farblich abgestimmte, goldbraune Jacke; der Hintergrund ist weiß. Das Foto stammt vom kanadischen Fotografen Mike Ruiz (* 1964) und diente zuvor als Frontcover des Tourbuchs zur Welcome 2 America Tour 2010/2011. Das Rückcover zeigt ein weiteres Foto von Ruiz sowie die Tracklist. Das 16-seitige Booklet enthält alle Liedtexte und fünf weitere Fotos von Prince aus 2010. CD und Booklet befinden sich in einem aufklappbaren Digipak.

Die Deluxe-Edition von Welcome 2 America umfasst neben der CD eine Doppel-LP aus schwarzem Vinyl sowie eine Blu-ray des Konzerts am 28. April 2011 im The Forum, Inglewood, Kalifornien. Gestaltet wurde die Edition vom französischen Artdirector und Fotografen Mathieu Bitton (* 1973) sowie vom Creative Director und ehemaligen Prince-Gitarrentechniker Trevor Guy, Ehemann der 3rdEyeGirl-Bassistin Donna Grantis. Beigefügt ist ein 32-seitiges Booklet (12 × 12 cm) mit Fotos von Prince aus der Welcome-2-America-Ära. Ein Pergamentumschlag enthält Memorabilia vom Konzert: ein Replikat der Setlist, eine Eintrittskarte und eine VIP-Einladung. Hinzu kommen Backstage-Pässe und ein Poster (23 × 36 cm).Begleitheft der CD Welcome 2 America Deluxe Edition, The Prince Estate / NPG Records, 2021

Musik und Liedtexte Die Musik von Welcome 2 America gehört zu den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop, Rock und Soul. Laut The Prince Estate spiegeln die Liedtexte Prince’ „Sorgen, Hoffnungen und Visionen für eine sich verändernde Gesellschaft“ wider; er zeige darin eine „Ära politischer Spaltung, Desinformation und erneuten Kampfes um Rassengerechtigkeit“. Die meisten Songs singt Prince melodisch vertont, einzig das Titelstück trägt er im Sprechgesang vor. Neben seinem charakteristischen Falsett setzt er auch tiefere Stimmlagen ein.

Mit Ausnahme von When She Comes singen in allen Songs die Begleitsängerinnen Elisa Fiorillo (* 1969), Liv Warfield (* 1979) und Shelby J. (* 1972). Fiorillo ist auch unter ihrem angeheirateten Nachnamen Dease bekannt; bei Shelby J. steht „J.“ für Johnson. Als Gastmusikerin spielt Tal Wilkenfeld in zehn Songs E-Bass. Welcome 2 America Das Titelstück gehört zum Funk, angereichert mit Jazz-Elementen. Arrangements, Melodie und Struktur erinnern phasenweise an P. Funk (Wants to Get Funked Up) (1975) von Parliament. Der sozialkritische Liedtext von Welcome 2 America ist ein reiner Monolog von Prince, in dem er unter anderem die Oberflächlichkeit der sozialen Medien und die Monopole in der Musikindustrie kritisiert. Prince schließt, dass Amerika das „Land der Freien“, zugleich aber die „Heimat der Sklaven“ sei. Running Game (Son of a Slave Master) Im ernsten Liedtext behandelt Prince Rassismus und sagt: „Im 21. Jahrhundert geht es immer noch um Gier und Ruhm. Ich bin kurz davor, verrückt zu werden“. Er beschreibt zudem einen Mikrokosmos von Arm gegen Reich und thematisiert, wie Newcomer vom Musikgeschäft ausgebeutet werden. In einzelnen Strophen übernimmt Shelby J. den Hauptgesang. Born 2 Die Der Song gehört zum Genre Contemporary R&B. Im ausschließlich im Falsett gesungenen Liedtext erzählt Prince vom Schicksal einer Frau, die aus einer perspektivlosen Situation stammt und ihren Weg verloren „von New York bis L.A.“ (Entfernung ungefähr 4.500 km) antritt. Am Ende fällt sie „aus dem Fenster im dritten Stock“, wobei Prince offenlässt, ob sie den Sturz überlebt. 1000 Light Years from Here Das Stück gehört zu den Genres Contemporary R&B, Pop und Soul und wirkt fröhlich, enthält jedoch einen ernsten Liedtext über die Unerreichbarkeit des American Dream, insbesondere für ärmere Menschen und ethnische Minderheiten. Beispielsweise singt Prince: „Wir können unter Wasser leben“, was „nicht schwer“ sei, „wenn man nie Teil des Landes [USA] auf dem Trockenen war“. Zudem lautet eine Zeile: „Das Leben im Ghetto ist nichts als Angst“, die jedoch „1000 Lichtjahre von hier entfernt“ sei. Hot Summer Der Track gehört zu Dance-Pop und Elektronische Tanzmusik. Im Gegensatz zu den überwiegend ernsten Album-Liedtexten ist er eine Ode an einen heißen Sommer. Neben den Begleitsängerinnen Elisa Fiorillo und Shelby J. ist im Refrain Liv Warfield mit dem markanten „Hot Summer, Yeah“ zu hören. Stand Up and B Strong In der ersten Strophe des Rocksongs singt Fiorillo, danach dominiert Prince’ Gitarrenspiel. Der Liedtext richtet sich an Menschen in schwierigen Lebensphasen und soll ihnen Mut machen. Check the Record Der Track gehört zu den Genres Funk und Rock. Im Liedtext deutet Prince an, einen Freund mit dessen Freundin betrogen zu haben: „Es scheint, als wäre deine Freundin in meinem Bett gewesen. Sie hat mich zuerst angerufen. Kein Rendezvous. Das klingt nach Drama. Was wirst du jetzt tun?“ Darüber hinaus spielt Prince auf die beiden Songs If It Makes You Happy (1996) und My Favorite Mistake (1998) von Sheryl Crow an, mit der er 1999 auf seinem Album Rave Un2 the Joy Fantastic zusammenarbeitete. Same Page Different Book Im Funktrack behandelt Prince im Liedtext die unterschiedlichen Ansichten der Menschen zu Philosophie und Religion. Am Ende des Tages stehen alle Menschen dennoch auf derselben Seite. When She Comes Die sanfte, vom Blues inspirierte Ballade wird von Prince erneut im Falsett gesungen. Der leicht anzügliche Liedtext beschreibt die Gefühlswelt seiner Geliebten während des Orgasmus. Eine überarbeitete Version erschien im Dezember 2015 auf Prince’ Album Hitnrun Phase Two. 1010 (Rin Tin Tin) Im teils kryptischen Liedtext fragt Prince über abgehackten Klavierakkorden: „Was könnte seltsamer sein als die Zeiten, in denen wir leben?“ Zudem kritisiert er „zu viele Informationen“ und eine „Wildnis der Lügen“. Yes