Heterocapsa ist eine Gattung von Dinoflagellaten in der Familie HeterocapsaceaeFotos von H. triquetra, jetzt Kryptoperidinium triquetrum (früher zu Pteridinidae). Die Erstbeschreibung der Gattung stammt von F. Stein aus dem Jahr 1883.
Heterocapsa ist Bestandteil des Meeresplanktons. Die Gattung ist kosmopolitisch (weltweit verbreitet), hauptsächlich in Küstengewässern.
Beschreibung Die Dinoflagellaten der Gattung Heterocapsa sind mit 20–40 µm vergleichsweise mittelgroß. Die Einzeller sind biflagellat (doppelt begeißelt) und thecat (d. h. sie haben eine feste Hülle). Ihre Form ist unregelmäßig spindelförmig oder eiförmig mit einem mittelgroßen und runden Cingulum (Querfurche, auch „Gürtel“ genannt); der Sulcus (Längsfurche) ist auf das Hypokon beschränkt. Das genaue Muster der Thecaplatten ist schwer zu bestimmen und umstritten. Die von Balech (1988) veröffentlichte Formel lautet: Po, 4′, 2a, 7″, 6C, 5‴, 2⁗ und 4S.Enrique Balech: Los dinoflagelados del Atlántico sudoccidental, Publicationes Especiales, Instituto Español de Oceanografia, Ministerio de Agricultura Pesca y Alimentation, Madrid, Nr. 1, 1988, PDF (). Hier: S. 158 Eine neuere Analyse bei H. minima findet sich bei Lee et al. (2019). Wie bei der Gattung Cachonina (in der Schwesterfamilie Peridiniaceae)AlgaeBase: Cachonina A.R.Loeblich III, 1968 befinden sich die Körperschuppen in einer einzigen Schicht auf der Zelloberfläche außerhalb der Thecalplatten. Die Individuen besitzen außer einem eiförmigen Zellkern ggf. zahlreiche Chloroplasten, oder auch nur einen einzigen.
Vermehrung Die Zellteilung findet im Geißelstadium statt, wobei sich die Tochterzellen die Theca der Mutterzelle teilen; geschlechtliche Fortpflanzung wurde nicht beobachtet.
Arten mini|hochkant=1.3|LM-Aufnahme lebender H. minima HMMJ1604 aus dem Pazifik (Südkoreanische Küste). Pfeil: einzelner Chloroplast, Sternchen: Pyrenoid mit Stärkehülle, N: Zellkern mini|hochkant=1.3|H. minima vom Skagerrak (Schwedische Küste).A: BF-Aufnahme einer lebenden ZelleB, C: REM-Aufnahmen. Pfeile: Schuppen.Mats Kuylenstierna mini|hochkant=1.3|H. rotundata aus der Danziger Bucht, Ostsee. LM-Aufnahme, mit Lugolscher Lösung.Janina Kownacka mini|BF-Aufnahme lebender H. rotundata vom Skagerrak-Kattegat. Pfeil: PyrenoidMats Kuylenstierna
Die Systematik der Gattung Heterocapsa ist wie folgt:AlgaeBase: Heterocapsa F.Stein, 1883NCBI: Heterocapsa Stein, 1883 (genus); graphisch: Heterocapsa, auf: Lifemap, NCBI Version.Nordic Microalgae: Heterocapsa Stein, auf: Nordic Microalgae and aquatic protozoa, Swedish Meteorological and Hydrological Institute (SMHI)WoRMS: Heterocapsa Stein, 1883
Familie Heterocapsaceae Gattung Heterocapsa , 1883 (gleich mit Heterocapsa , 1920); Spezies: H. arctica , 1997(AGNWµ) Subspezies H. arctica subsp. frigida , 2010(NWµ) H. bohaiensis , 2018(AW) H. busanensis (NA) H. chattonii , 1973(AW) H. circularisquama , 1995(ANW) H. claromecoensis (AN) H. horiguchii , 2002(AW) H. huensis (AN) H. illdefina , 1981(ANW) H. kollmeriana , 1970(AW) H. lanceolata , 2002(ANW) H. minima , 1989(ANGWµ) H. niei , 1981(AGNWµ) H. orientalis , 2003(ANW) H. ovata , 2003(AW) H. pacifica , 1907(AW) H. psammophila , 2006(ANW) H. pseudotriquetra , 2002(ANW) H. pygmaea et al., 1981(ANGW) H. rotundata , 1995(AGNWµ) H. steinii , 2017(ANW) – Typus (neu) H. umbilicata , 1883(AW) weitere Kandidaten für Heterocapsa siehe NCBINCBI: unclassified Heterocapsa (list)
Verschiebungen: H. quadridentata , 1883; zu Peridinium quadridentatum , 1995 H. triquetra , 1883(GNµ) (früher Glenodinium triquetrum , Peridinium triquetra ) – Typus (alt); zu Kryptoperidinium triquetrum , 2019(AW) Anmerkungen: (A): AlgaeBase (G): GBIF, (N): NCBI, , USA (W): WoRMS, (µ): Nordic Microalgae (SMHI)
Algenblüten H. triquetra (jetzt Kryptoperidinium triquetrum) kann dichte Algenblüten mit mehreren Millionen Zellen pro Liter bilden, die in Küstengewässern zu Verfärbungen führen. Eventuelle Fischsterben im Zusammenhang mit Heterocapsa-Blüten werden eher auf Sauerstoffmangel durch Zersetzung abgestorbener Dinoflagellaten als auf Algentoxine zurückgeführt.
Viren mini|hochkant=1.3|REM-Bilder von ikosaedrischen HcDNAV-Partikeln, sowie virusinfizierten Zellen von H. circularisquama H. circularisquama wird parasitiert von der Virusspezies Heterocapsa circularisquama DNA virus 01 (HcDNAV), einzige Art in der Gattung Dinodnavirus Spezies und Gattung dieser Doppelstrang-DNA-Viren sind zwar vom bestätigt, aber bisher (Stand Juli 2021) keinen höheren Taxa zugewiesen.ICTV: ICTV Taxonomy history: Heterocapsa circularisquama DNA virus 01
Die Virusspezies wurde ursprünglich in der Familie Phycodnaviridae (Ordnung Algavirales) von Riesenviren der Klasse Megaviricetes (Phylum Nucleocytoviricota/NCLDV) vermutet. Untersuchungen des Genoms der Dinodnaviren haben aber gezeigt, dass die Gattung eher zur Familie Asfarviridae (heute in der Ordnung Asfuvirales, Klasse Pokkesviricetes) der NCLDV-Riesenviren gehört, ähnlich wie die vorgeschlagenen Taxa „Faustovirus“, „Pacmanvirus“ und „Kaumoebavirus“. Näheres siehe „Faustovirus“ §Äußere Systematik.
Ein weiteres Virus dieser Algenspezies ist Heterocapsa circularisquama RNA virus 01 (HcRNAV01). Dies ist ein Einzelstrang-RNA-Virus positiver Polarität (Gattung Dinornavirus) in der Ordnung Sobelivirales der Orthornavirae.ICTV: ICTV Taxonomy history: Heterocapsa circularisquama RNA virus 01
Einzelnachweise
Kategorie:Dinoflagellata