Paseo del Prado und Buen Retiro, Landschaft der Künste und der Wissenschaften () ist eine Welterbestätte in der spanischen Hauptstadt Madrid. Sie wurde am 25. Juli 2021 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Die Stätte befindet sich am östlichen Rand der Innenstadt von Madrid und umfasst den Retiro-Park, den Königlichen Botanischen Garten, die Prachtstraße Paseo del Prado sowie das angrenzende Stadtviertel Jerónimos. Bedeutende Kultureinrichtungen wie das Museo del Prado, das Museo Thyssen-Bornemisza und das Museo Reina Sofía liegen in unmittelbarer Nähe. Sie ist das erste UNESCO‑Welterbe in der Stadt Madrid.

Geschichte Die Wurzeln der Welterbestätte reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. König Philipp II. ließ den Paseo del Prado als erste baumbestandene Allee einer europäischen Hauptstadt anlegen – ein neuartiger öffentlicher Raum, der allen Bürgern zur Erholung dienen sollte. Im 17. Jahrhundert entstand der Buen Retiro („angenehmer Rückzug“) als Lustschloss und Park für die königliche Familie. Von dem Palast sind heute nur noch wenige Bauten erhalten, die weitläufigen Gärten (120 ha) bilden jedoch den Kern des heutigen Retiro‑Parks.

Im 18. Jahrhundert, unter Karl III., wurde der Paseo del Prado im Geist der Aufklärung umgestaltet und mit repräsentativen Brunnen (Apollo‑, Neptun‑ und vor allem die Cibeles‑Fontäne) sowie Gebäuden für Wissenschaft und Kunst versehen. Damit entstand ein städtebauliches Modell, das Natur, Bildung und Freizeit miteinander verband und später in vielen spanischen Kolonialstädten Nachahmung fand. Der Königliche Botanische Garten wurde 1755 gegründet und 1781 an seinen heutigen Standort am Paseo del Prado verlegt. Im 19. Jahrhundert kamen das Museo del Prado (eröffnet 1819) und weitere Museen hinzu, die das Gebiet zu einem bedeutenden Kulturzentrum machten.

Beschreibung Das über 200 ha große Areal umfasst drei miteinander verbundene Zonen:

den Paseo del Prado – eine etwa 1,2 km lange, von Bäumen gesäumte Prachtstraße, die von der Plaza de Cibeles bis zur Plaza del Emperador Carlos V verläuft. Gesäumt wird sie von bedeutenden Bauwerken wie dem Museo del Prado, dem Museo Thyssen‑Bornemisza und dem Botanischen Garten. den Retiro‑Park – mit 120 ha die größte Grünfläche der Innenstadt. Er bietet Gärten, einen künstlichen See, Skulpturen und Gebäude aus verschiedenen Epochen, darunter das Palacio de Cristal (Glaspalast) und das Palacio de Velázquez. das Stadtviertel Jerónimos – ein vorwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammendes Wohn‑ und Kulturviertel mit repräsentativen Bauten, darunter das Museo Reina Sofía (ehemaliges Krankenhaus) und die Iglesia de San Jerónimo el Real.

Insgesamt zählt die Welterbestätte 41 Denkmäler, 48 schützenswerte Gebäude und 20 alte Bäume, die als árboles singulares („einzigartige Bäume“) ausgezeichnet sind.

UNESCO‑Welterbe Die Bewerbung beim Welterbekomitee wurde von Spanien im Jahr 2019 eingereicht und auf der 44. Sitzung des Komitees (2021, Fuzhou/China) positiv beschieden. Die Einschreibung erfolgte aufgrund der Kriterien (ii), (iv) und (vi):

Kriterium (ii) – Der Paseo del Prado war die erste grüne Allee einer europäischen Hauptstadt der Neuzeit und übte großen Einfluss auf die Stadtentwicklung in Spanisch-Amerika aus. Kriterium (iv) – Das Ensemble ist ein herausragendes Beispiel für die aufklärerische Stadtplanung, die Natur, Wissenschaft und Bildung mit sozialem Anspruch verband. Kriterium (vi) – Die Stätte verkörpert die Utopie einer aufgeklärten Gesellschaft, in der Kunst und Wissenschaft allen Bürgern zugänglich sind.

Weblinks

Webseiten des Welterbekomitees mit weiteren Informationen zur Welterbestätte (englisch)

Einzelnachweise

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