miniatur|Verwaltungsgebäude um 1903, nach Plänen von Eduard Linse erbautWilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. Verlag Langewiesche Nachfolger, Königstein im Taunus, 6. Aufl. 2008, ISBN 978-3-7845-6994-9, S. 63. miniatur|Verwaltungsgebäude um 1913
Der Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund, kurz Bergbau-Verein, mit Sitz in Essen, konstituierte sich am 17. Dezember 1858 (nach einer vorbereitenden Sitzung vom 20. November 1858) als Unternehmerverband und Interessenvertretung im Oberbergamtsbezirk Dortmund.Bestandsbeschreibung des Bestandes 16: Verein für die bergbaulichen Interessen (Bergbau-Verein), Essen im Bergbau-Archiv Bochum (online im Portal Archive in Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 25. Juli 2026).
Geschichte Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg Der Verein entstand vor dem Hintergrund des schweren Konjunktureinbruchs nach 1857. Die Absatzkrise der 1860er Jahre verstärkten die Forderungen nach Schutzzöllen. Den Ideen, auch auf Kohle einen Einfuhrzoll zu erheben, widersprach der Verein nach langen internen Diskussionen. Wichtiger waren für den Verein zunächst der Ausbau des Eisenbahnnetzes und die Vereinheitlichung der Transporttarife.Toni Pierenkemper: Gewerbe und Industrie im 19. und 20. Jahrhundert. München 2007, S. 79 f. Gegenüber den Beschäftigten vertrat der Verein einen strikt antigewerkschaftlichen Kurs, wie sich bereits beim Bergarbeiterstreik von 1872 gezeigt hatte. Er plädierte in der Folge daher auch für die Einschränkung des Koalitionsrechts. Auch in der Folge hielt der Verein an diesem Kurs fest, wie sich bei der Abwehr des Bergarbeiterstreik von 1889 zeigte. Die extrem starre Haltung des Vereins isolierte den Verein etwa während des Bergarbeiterstreik von 1905 selbst in der Arbeitgeberschaft und in der Öffentlichkeit. Aus der Umgebung des Vereins wurde als Arbeitgeberverband 1908 der Zechenverband gegründet. Die kompromisslose Haltung gegenüber den Arbeitern zeigte sich erneut beim Bergarbeiterstreik von 1912.Toni Pierenkemper: Gewerbe und Industrie im 19. und 20. Jahrhundert. München 2007, S. 85 f.
Im Jahre 1893 wurde das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat gegründet, das die Ziele einer Produktions- und Marktkontrolle wirksamer erreichte und seinen Funktionsbereich beschnitt.
Vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg Während des Ersten Weltkriegs und später übernahm der Verein wiederum viele organisatorische Funktionen. Insbesondere im Bereich der Rohstoffbewirtschaftung übernahm er hoheitliche Aufgaben. Er war eine zentrale Anlaufstelle für die Arbeitskräftebeschaffung und -zuteilung.
Nach dem Kriege konzentrierte sich der Verein wieder auf seine bergtechnischen und wirtschaftlichen Aufgaben, insbesondere während der Rationalisierungswelle in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre.
Wegen seiner technisch-wissenschaftlichen Bedeutung lebte der Bergbau-Verein nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 weiter, indem am 22. Dezember 1934 die Bezirksgruppe Ruhr als Unterorganisation der Wirtschaftsgruppe Bergbau gegründet wurde zur Vertretung der wirtschaftspolitischen Interessen des Bergbaus mit den führenden Vereinsmitgliedern in den neuen Leitungsgremien.
Unternehmensverband Ruhrbergbau und Steinkohlenbergbauverein Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges suspendierten die Alliierten am 11. Juli 1945 den Bergbau-Verein. Am 15. Mai 1952 bildete sich der Unternehmensverband Ruhrbergbau (UVR). Darauf gründeten die Bergbau-Unternehmen des Ruhrgebiets und des Aachener und niedersächsischen Steinkohlenbergbaus am 8. Dezember 1952 den Steinkohlenbergbauverein (Stbv), der die technisch-wissenschaftliche Forschungsarbeit des früheren Bergbau-Vereins wieder aufnahm. Der alte Verein für die bergbaulichen Interessen wurde am 9. Dezember 1958 reaktiviert zur Vermögensverwaltung verschiedener bergbaulicher Gemeinschaftsorganisationen.
Politik Der Bergbauverein finanzierte und förderte während der Weimarer Republik extrem nationalistische Organisationen. So wurde der Hugenberg-Konzern über die Wirtschaftsvereinigung zur Förderung der geistigen Wiederaufbaukräfte finanziert. Auch der Alldeutsche Verband, dessen Gründungsvater Alfred Hugenberg war, und die Deutschenhilfe wurden vom Bergbauverein finanziert. Ebenso wurde die rechtsgerichtete Rheinisch-Westfälische Zeitung vom Bergbauverein finanziell kontrolliert.Henry Ashby Turner: Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers. Berlin 1985, S. 364. Die NSDAP wurde ebenfalls unterstützt. Am 20. September 1932 schrieb der Verbindungsmann des Ruhrbergbaus zur NSDAP, August Heinrichsbauer, an Gregor Strasser, dass sich führende Bergbauindustrielle für Hitler als Reichskanzler eingesetzt hätten. Heinrichsbauer schrieb wörtlich:
Am 29. Januar 1933, einen Tag vor der Machtergreifung schrieb die Deutsche Bergwerks-Zeitung:
Beim Treffen Hitlers mit Industriellen am 20. Februar 1933, bei dem der NSDAP und der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot ein Wahlfonds von 3 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt wurde, nahmen als Vertreter des Bergbauvereins Ernst Brandi und Hans von Loewenstein zu Loewenstein teil. An diesem Wahlfonds beteiligte sich der Bergbauverein mit 600.000 Reichsmark.
Vereinseinrichtungen miniatur|hochkant|Titelblatt eines Sonderdrucks aus der Zeitschrift Glückauf, 1909 Die Zeitschrift der Vereinigung nannte sich Glückauf – Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift. Ihr erster Jahrgang erschien 1865. In ihr gingen seitdem einige andere Fachzeitschriften aus dem bergmännischen Bereich auf.
Am Sitz in Essen baute der Verein die Bergbaubücherei (auch „Bergbau-Bücherei“ geschrieben) auf, die zunächst als Handbücherei für die Vereinsmitglieder und die Mitarbeiter diente und später öffentlich zugänglich wurde. 1970 zog die Bücherei in einen Neubau auf dem Gelände der Bergbau-Forschung GmbH in Essen-Kray. 1999 ging sie, ebenso wie die Bibliotheken der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie (IGBE) und des einstigen Instituts zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung der Ruhr-Universität Bochum in der Bibliothek des Ruhrgebiets in Bochum auf.Stefan Moitra: Im Bergbau-Archiv Bochum: Akten der Bergbau-Bücherei, Essen. In: montan.dok-news, , Jg. 12 (2026), Heft 1, S. 6.
Der Verein ist heute unter anderem Gesellschafter des Verlags Glückauf in Essen und der 1951 gegründeten Glückauf Wohnungsbaugesellschaft (jetzt: Viva-West Wohnen GmbH), ursprünglich mit Sitz in Lünen-Brambauer.
Vereinsführung Vorsitzende 1858–1889: Friedrich Hammacher 1889–1902: Hanns Jencke 1902–1908: Emil Krabler 1908–1909: Eduard Kleine 1909–1912: Paul Randebrock 1912–1925: Alfred Hugenberg 1925–1927: Fritz Winkhaus 1927–1933: Ernst Brandi (alle Vorsitzenden waren zugleich Vorsitzende des Zechenverbandes)
Geschäftsführer 1864–1891: Gustav Natorp 1891–1895: Theodor Reismann-Grone 1895–1905: Konrad Engel 1906–1938: Hans von Loewenstein zu Loewenstein 1938–1945: Martin Sogemeier
Literatur Stefan Przigoda: Unternehmensverbände im Ruhrbergbau. Zur Geschichte von Bergbau-Verein und Zechenverband 1858-1933. Deutsches Bergbau-Museum, Bochum 2002, ISBN 3-921533-86-4. (zugleich Dissertation, Ruhr-Universität Bochum, 2002) Hans Meis: Der Ruhrbergbau im Wechsel der Zeiten. Essen 1933. (Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des Vereins)
Weblinks Der Bergbau-Verein im Bergbauarchiv Rezension über Przigodas Dissertation
Einzelnachweise
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