Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 11 12 6 29 2 9 9 7 25 3 9 7 7 23 4 8 6 8 22 5 7 10 7 24 6 7 2 5 14 7 6 3 2 11 8 5 4 5 14 9 5 – 6 11 10 3 2 4 9 3 2 4 9 Vollständiger Medaillenspiegel

Die Olympischen Winterspiele 2006 (auch XX. Olympische Winterspiele genannt) wurden vom 10. bis 26. Februar 2006 in Turin, der Hauptstadt der italienischen Region Piemont, ausgetragen. Nach den Winterspielen 1956 in Cortina d’Ampezzo fanden damit zum zweiten Mal Olympische Winterspiele in Italien statt. Mit 80 teilnehmenden Nationen stellten die Spiele von Turin zudem einen neuen Teilnehmerrekord auf.

Der erfolgreichste Athlet dieser Winterspiele war mit drei Goldmedaillen und einer Bronzemedaille der südkoreanische Shorttrackläufer Ahn Hyun-soo, erfolgreichste Teilnehmerin die ebenfalls aus Südkorea kommende und im Shorttrack startende Jin Sun-yu mit drei Olympiasiegen.

Wahl des Austragungsortes Turin setzte sich als Austragungsort dieser Olympischen Spiele auf der 109. IOC-Session am 19. Juni 1999 in Seoul gegen Sion durch. Sion war damit nach 1976 und 2002 zum dritten Mal bei der Bewerbung gescheitert. Da die Niederlage überraschte, wurde die Vermutung geäußert, die Entscheidung gegen Sion wäre eine Revanche gegenüber dem Schweizer IOC-Mitglied Marc Hodler, der wesentlich zur Aufdeckung des Korruptionsskandals bei der Vergabe der Spiele an Salt Lake City beigetragen hatte.

Ergebnis des Wahlganges: Ort Land Wahlgang Turin 53 Sion 36

Nach der Meinung des Generaldirektors für die Sion-Bewerbung, Jean-Daniel Mudry, waren für die Entscheidung zugunsten von Turin zwei Dinge ausschlaggebend. Zum einen das weltweite Beziehungs- und Sympathienetz, welches der damalige Fiat-Präsident Giovanni Agnelli als Arbeitgeber in vielen Ländern hatte aufbauen können und demgegenüber die Schweiz mit dem Image des Weltbankiers nicht nur Freunde besaß. Zum anderen habe Rom damals eine Defizitdeckungs-Garantie versprochen, die zehnmal höher war als diejenige der Schweiz. Dies sei international als kompromissloses Bekenntnis Italiens zu den Olympischen Spielen wahrgenommen worden.

Folgende weitere Städte hatten sich ebenfalls um die Austragung beworben, erhielten aber keine Zulassung zur Wahl durch das IOC: Die finnische Hauptstadt Helsinki, die Landeshauptstadt des Bundeslandes Kärnten in Österreich Klagenfurt, die slowakische Stadt Poprad und das polnische Wintersportzentrum Zakopane.

Logo, Maskottchen und Motto Das offizielle Logo zeigt über den olympischen Ringen und dem Schriftzug „Torino 2006“ das Profil der Mole Antonelliana. Dieses Wahrzeichen der Stadt ist dargestellt mit weißen und blauen Eiskristallen, welche den Schnee und den Himmel symbolisieren. Das Kristallnetz steht auch für das Netz neuer Technologien und den olympischen Gemeinschaftssinn.

Die offiziellen olympischen Maskottchen heißen Neve und Gliz. Die weibliche Neve hat einen Kopf in Form eines Schneeballs und der rote Körper besteht aus dünnen runden Formen. Gliz ist männlich und hat einen eckigen Eiswürfelkopf sowie einen blauen kantigen Körper. Zusammen mit dem Maskottchen der Winter-Paralympics 2006, Aster, bilden Neve und Gliz ein Trio, deutlich zu erkennen an den sehr ähnlichen Gesichtszügen der drei Figuren.

Das Motto der Olympischen Winterspiele von Turin lautete: „Passion lives here“, was übersetzt ins Deutsche „Hier lebt die Leidenschaft“ bedeutet. Dieses Motto wurde in der Eröffnungsfeier mehrmals in Form der durch die Farbe Rot symbolisierten Leidenschaft aufgegriffen.

Fackellauf mini|Olympische Fackel Im November 2005 wurde die olympische Fackel im antiken Olympia entzündet. Am 8. Dezember 2005 erreichte der Fackellauf Italien. Papst Benedikt XVI. segnete das olympische Feuer bei einer Messe auf dem Petersplatz.

Der Fackellauf führte nicht nur durch Griechenland und Italien, sondern auch durch San Marino, Slowenien, Österreich, die Schweiz und Frankreich. An der französisch-italienischen Grenze versuchte ein Demonstrant mit einer Protestflagge die Fackel auszulöschen. Die Fackel erreichte Turin einen Tag vor Beginn der Spiele.

Bis zur Eröffnungsfeier trugen mehrere Prominente das Feuer durch die Stadt. Dazu gehörten unter anderen Fabio Capello, der damalige Fußballtrainer von Juventus Turin, und Stabhochspringer Serhij Bubka. Bis zur Entzündung des olympischen Feuers hatte die Flamme 11.300 Kilometer, getragen von 10.001 Fackelträgern, zurückgelegt.

Entzündet wurde das olympische Feuer während der Eröffnungszeremonie durch die italienische Skilangläuferin Stefania Belmondo. Sie gewann bei den vier Olympischen Winterspielen von 1992 bis 2002 insgesamt zwei Gold-, vier Silber- und vier Bronzemedaillen.

Wettkampfstätten Der Bau von Sportanlagen, olympischen Dörfern und der Straßeninfrastruktur kostete die Veranstalter rund 1,5 Milliarden Euro. Die Wettkämpfe wurden in vier Hallen in Turin sowie in mehreren Orten in der Provinz Turin ausgetragen. Aufgrund dessen sprach man vom Olympia der weiten Wege. Diesem Umstand ist es auch zuzuschreiben, dass drei olympische Dörfer für die Olympiateilnehmer eingerichtet wurden.

Im Lingotto-Viertel lag das größte olympische Dorf Turin Village, in dem 2500 Athleten und deren Betreuer untergebracht waren. Der Bau kostete 137 Millionen Euro und hier waren die Eishockey- und Curlingteams, die Eisschnell- und Eiskunstläufer sowie die Shorttracker untergebracht. Die weiteren olympischen Dörfer in Sestriere Colle und in Bardonecchia beherbergten 1700 beziehungsweise 700 Athleten und Betreuer.

Wettkampfstätten in Turin mini|Das „Torino Palavela“ Im Oval Lingotto wurden die Wettbewerbe im Eisschnelllauf ausgetragen. Die Halle befindet sich im Südosten der Stadt in der Nähe des olympischen Dorfes. Sie besitzt eine Fläche von 26.500 m² und bietet 8500 Zuschauern Platz. Der Bau der Halle, die als frei tragende Konstruktion ohne jegliche Säulen auskommt, begann 2002 und dauerte bis November 2005. Die Baukosten beliefen sich auf rund 70 Millionen Euro.

Im Torino Esposizioni und im Torino Palasport Olimpico fanden die Eishockeyspiele statt. Im Torino Esposizioni fanden 4320 Zuschauer Platz und es wurden dort 27 der 58 Spiele veranstaltet. Die Baukosten für den Torino Palasport Olimpico beliefen sich auf 90 Millionen Euro und die maximale Kapazität beträgt 12.232 Sitzplätze. Beide Hallen befinden sich im südlichen Stadtteil Santa Rita, unmittelbar neben dem Turiner Olympiastadion.

Das Eiskunstlaufen und die Shorttrackentscheidungen konnten im Torino Palavela gesehen werden. Die Halle befindet sich im Südosten der Stadt, in der Nähe des Messegeländes Lingotto, des Oval Lingotto und des olympischen Dorfes. Sie wurde 2005 mit einem Aufwand von 55 Millionen Euro völlig renoviert und umgestaltet. Die Kapazität lag bei 6600 Zuschauern.

Das Stadio Olimpico, das Olympiastadion von Turin, war Schauplatz der Eröffnungs- und Schlussfeier. Es befindet sich im südlichen Stadtteil Santa Rita, unmittelbar neben der Sporthalle Torino Palasport Olimpico und dem Messegelände Torino Esposizioni. Zum Zweck der Feiern wurden zusätzliche Tribünen errichtet, wodurch die Kapazität von 26.000 auf 35.000 Zuschauer erhöht wurde.

Wettkampfstätten in der Provinz Turin mini|Karte der Provinz Turin Im rund 90 Kilometer von Turin entfernten und etwa liegenden Bardonecchia fanden die Snowboardwettbewerbe statt. Eine Kunsteisbahn für die Wettbewerbe im Bobsport, Rennrodeln und Skeleton wurde im liegenden Cesana Torinese errichtet. Die Bahn ist 1435 Meter lang, besitzt 19 Kurven und überwindet eine Höhendifferenz von 114 Metern. Während der Wettkämpfe wurden Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h erreicht. Die Anlage wurde 2011 stillgelegt und ist seitdem weitgehend dem Verfall preisgegeben. Im Ortsteil San Sicario fanden außerdem die olympischen Biathlonwettbewerbe und mehrere alpine Skirennen der Damen statt.

Die übrigen Ski Alpin Entscheidungen fielen im traditionellen alpinen Skiweltcup-Ort Sestriere. Mit einer Höhe von war es der höchstgelegene Wettbewerbsort. In der Stadt Pinerolo liefen die Curlingentscheidungen, während die kleinen Gemeinden Pragelato und Sauze d’Oulx Gastgeber des Skispringens, des Skilanglaufs und der Nordischen Kombination beziehungsweise der Freestyle-Wettbewerbe waren.

Teilnehmer mini|240px|Teilnehmende Nationen:– Grün: < 10 Teilnehmer;– Blau: 10–50 Teilnehmer;– Orange: 50–100 Teilnehmer;– Rot: > 100 Teilnehmer. Mit 80 gemeldeten Nationen wurde in Turin ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt. Die afrikanischen Staaten Äthiopien und Madagaskar feierten ihre Premieren bei Olympischen Winterspielen. Der Staatenbund Serbien und Montenegro nahm zum ersten und einzigen Mal unter diesem Namen an Winterspielen teil, bevor sich der Landesteil Montenegro im Juni 2006 für unabhängig erklärte. Europa (1796 Athleten aus 47 Nationen) (1) (5) (5) (2) (28) (4) (7) (22) (5) (162) (28) (102) (89) (4) (5) (40) (4) (5) (5) (184) (24) (61) (5) (9) (1) (3) (7) (4) (35) (74) (85) (44) (1) (25) (181) (1) (106) (130) * (6) (61) (43) (16) (87) (6) (52) (21) (1) Amerika (443 Athleten aus 9 Nationen) (1) (9) (1) (14) (9) (1) (196) (211) (1) Asien (337 Athleten aus 16 Nationen) (80) (1) (1) (4) (2) (113) (67) (1) (6) (50) (3) (2) (1) (1) (1) (4) Ozeanien (58 Athleten aus 2 Nationen) (40) (18) Afrika (9 Athleten aus 6 Nationen) (2) * (1) (1) * (1) (1) (3) (Anzahl der Athleten) * erstmalige Teilnahme an Winterspielen

Medaillen Bei den Olympischen Spielen wurden insgesamt 1026 in Handarbeit hergestellte Gold-, Silber- und Bronzemedaillen vergeben. Sie waren jeweils 450 Gramm schwer und hatten eine Ringform mit einem Loch in der Mitte. Die Goldmedaille wurde aus Silber mit einem 6-Gramm-Goldüberzug gefertigt, um die Kosten zu minimieren.

Die Medaillen sollten durch ihre Form einen Platz darstellen, auf dem sich Menschen treffen und Kontakt zueinander haben. Das Loch sollte außerdem den Sportler zu einem Teil der Medaille machen, weil man ein Stück von ihm durch dieses Loch sieht, wenn er die Medaille trägt.

Im Anschluss an die Wettkämpfe wurde meist nur die Blumenzeremonie durchgeführt, die offizielle Siegerehrung mit Medaillenvergabe erfolgte hingegen im Rahmen einer größeren Veranstaltung gemeinsam mit den Siegern anderer Disziplinen. Bei diesen Veranstaltungen im Herzen Turins wurde auch mit einem anschließenden Konzert und Feuerwerk gefeiert. Diese Feiern fanden auf der „Medal Plaza“ statt, der Piazza Castello vor dem königlichen Schloss.

Manchmal wurden die Medaillen jedoch gleich im Anschluss an die Wettkämpfe vergeben. Vor allem der ORF kritisierte, diese Verleihungen seien weniger feierlich und es würden unterschiedliche Sportarten unterschiedlich präsentiert. Zudem protestierte der ORF gegen die Zeremonie der Damenabfahrt, da die österreichische Hymne von anderer Musik aus dem Stadion übertönt wurde.