Die Liste von Hochwasserereignissen an der Ahr und ihrer Nebenbäche basiert auf Aufzeichnungen, die bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen. mini|500px|Verlauf der Ahr

Die Ahr entspringt in Blankenheim im Kreis Euskirchen, durchfließt das Ahrtal und mündet nach 85,1 km auf der Gemarkung der Stadt Sinzig im Landkreis Ahrweiler von Westen in den Rhein. Der Höhenunterschied von der Quelle (474 m ü. NHN) und der Mündung (53 m ü. NHN) beträgt 421 m, entsprechend einem Sohlgefälle von 4,9 ‰.

In einer umfassenden Zusammenstellung der Hochwasserereignisse an der Ahr von Karl August SeelKarl August Seel: Die Ahr und ihre Hochwässer in alten Quellen, Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1983. traten von 64 erfassten Hochwässern 31 in einem Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober) und 33 in einem Winterhalbjahr (November bis April) auf. Von 9 Hochwässern mit besonders hohen Pegelständen sind 5 Sommerhochwässer (1601, 1804, 1818, 1848, 1910) und 4 Winterhochwässer (1687, 1739, 1795, 1880). Die folgenschwersten Hochwässer sind aufgrund der überlieferten Schäden die von 1601, 1804 und 1910, allesamt durch Gewitter ausgelöste Sommerhochwässer. Durch Analyse von Flusssedimenten konnte ein weiteres Hochwasserereignis, das Ende des 5. Jhd. n. Chr. eine ähnliche Stärke hatte wie das Hochwasser 2021, nachgewiesen werden. Das folgenschwerste aktuelle Hochwasser von 2021 war ebenfalls ein Sommerhochwasser, ausgelöst durch Dauerregen und Gewitter. Ursache war das aufgrund einer Trogwetterlage relativ ortsfeste Tiefdruckgebiet Bernd über Mitteleuropa.

Das Charakteristikum der sommerlichen Hochwässer der Ahr ist der schnelle Pegelanstieg verbunden mit großer Strömungsgeschwindigkeit (aufgrund des großen Höhenunterschiedes zwischen Quelle und der Mündung) und ein schneller Rückgang. Winterhochwässer dagegen schwellen langsam an, haben zumeist eine Vorphase mit hohem Wasserstand und eine längere Dauer, um allmählich wieder auf mittleren Wasserstand zu fallen.

Liste + Auflistung der dokumentierten Hochwasserereignisse an der Ahr und ihrer Nebenbäche Datum Ort(e) Ereignis 16. Aug. 1348 Bachem Ein Kaufvertrag über Wiesenland enthält Sicherungsklausel gegen Landverlust durch Flussbettverlagerung infolge des Ahrhochwassers. 27. Okt. 1410 Wadenheim Landübertragung als Pfand wegen erlittenen Schadens durch Hochwasser. 1410 Green Die Greener Mühle wurde durch Hochwasser weggerissen. 1488 Ahrweiler Die wilde Ahr hat die Brücke zerbrochen (Ratsprotokoll). 1547 Hemmessen Durch Hochwasser wird die Mühle zu Hemmessen beschädigt. 8. Nov. 1582 Hemmessen Mühle in Hemmessen durch Hochwasser beschädigt.Ahr-Hochwasser haben Geschichte In den Chroniken, Bonner General-Anzeiger vom 2. Juli 2016. Mai 1590 Hemmessen Durch Unwetter mit Platzregen schwoll die Ahr stark an, der Mühlenteich der Landmühle wurden schwer beschädigt. 1590 Green Die Greener Mühle wurde durch Hochwasser zerstört. 1598 Unteres Ahrtal Die Wiesen werden durch die Ahr mit Hochwasserschlamm überzogen. 6. Juli 1598 Ahrtal Hochwasser nach Gewitter (Rhein-Zeitung 12. Juli 1959). 30. Mai 1601 Antweiler Ein Gewitter mit Regen und Hagel führt zu unvorstellbaren Wassermassen, die 16 Gebäude, Häuser, Scheunen und Ställe zerstören, 9 Personen ertranken. 1603 Hemmessen Anhaltende Überschwemmungen der Ahr führen zur Verwüstung der Mühlenklausen und -teiche. 5. Mai 1606 Hemmessen Durch Überschwemmungen der Ahr wurde das freiadelige Haus und Hof völlig zerstört und weggeschwemmt. 1618 Wadenheim Verschiedene Wiesen durch Hochwasser verwüstet. 1659 Hemmessen Die Hemmesser Mühle wurde durch Hochwasser zerstört, sie wurde weiter oberhalb wieder aufgebaut. 1663–1671 Ahrweiler Bewirtschaftetes Land immer wieder durch Hochwasser zerstört. 2. Feb. 1677 Hemmessen Die Hemmesser Landmühle wurde durch Hochwasser weggerissen. 1680 Hemmessen Das Dorf und die kurfürstliche Landmühle wurden durch Hochwasser bedroht. 1686 Hemmessen Die Landmühle wird durch Hochwasser erheblich beschädigt. Feb. 1687 Ahrweiler Durch Schneeschmelze ausgelöste große Überschwemmung riss mehrere Brücken, davon zwei in Ahrweiler, hinweg. April 1687 Wadenheim, Hemmessen Landmühle zu Hemmessen und einige Häuser wurden vom Hochwasser bedroht. 1. Aug. 1719 Heppingen Schäden durch Überschwemmungen. Menschen flüchten sich auf Bäume. 18. Mai 1721 Beul, Wadenheim Überschwemmung. 16. Jan. 1739 Ahrweiler Eisstau verursachte eine große Überschwemmung, welche die steinerne Brücke in der Nähe des Ahrtors zerstörte. 2.–6. Jan. 1760 Beul, Wadenheim hochgehende Ahr. 1761 Green Das Dorf wurde durch Hochwasser teilweise zerstört. 1763 Mayschoß Vom Hochwasser wurden Straßen überflutet. 14. Okt. 1764 Mayschoß Noch größeres Hochwasser. 1764 Mayschoß Großes Hochwasser. 9. Dez. 1784 Wadenheim Ahrhochwasser. 24. Juni 1788 Mayschoß Ahrhochwasser. 23. Juli 1788 Müsch, Dernau Ahrhochwasser. 20.–26. Jan. 1789 Hemmessen Ahrhochwasser. 1790 Wadenheim 30 Häuser mit Scheunen und Ställen wurden durch das Hochwasser weggespült und zum „Steinhaufen“ gemacht. 3. Feb. 1795 Beul Durch Hochwasser mit Eisgang wurden alle Brücken an der Ahr fortgerissen. 21. Juli 1804 Ahrtal Größtes und folgenschwerstes Hochwasser.Thomas Roggenkamp und Jürgen Herget: , Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2015.Petra Ochs: Als die Ahr Tod und Verwüstung brachte, Rückblick Wie aus einem lieblichen Flüsslein ein reißender Strom werden kann, 8. Juni 2014. Durch Gewitterregen führte die Ahr bereits seit Tagen Hochwasser, als am 21. Juli 1804 ein erneutes Unwetter in der Hoch- und Ahreifel sich mit riesigen Niederschlägen entlud. Alle zur Ahr führenden Nebenflüsse, vor allem der Trierbach, Adenauer Bach und Kesselinger Bach, schwollen innerhalb kürzester Zeit stark an. Der Höchststand des Hochwassers war in Antweiler 2,50 m und in Dernau 1,85 m höher als das Hochwasser von 1910. Der für das 1804-Hochwasser rekonstruierte Spitzenabfluss von 1100 m³/s ist der bis heute größte an der Ahr aufgetretene Hochwasserabfluss. Das Hochwasser forderte 63 Menschenleben; 129 Wohnhäuser, 162 Scheunen und Stallungen, 18 Mühlen, 8 Schmieden und nahezu alle Brücken, insgesamt 30, wurden von den Wassermassen weggerissen. Weitere 469 Wohnhäuser, 234 Scheunen und Ställe, 2 Mühlen und 1 Schmiede wurden beschädigt, 78 Pferde und Zugrinder kamen in den Fluten um, die gesamte Ernte wurde vernichtet.Petra Ochs: Als die Ahr Tod und Verwüstung brachte, 18. Juni 2014. Hauptartikel: Hochwasser der Ahr am 21. Juli 1804 1810 Ahrtal Ahrhochwasser. 17. Mai 1818 Mayschoß Durch Starkregen wurden an der Oberahr alle Brücken weggerissen. 25. Juni 1838 Bengen Das Dorf wurde durch das Hochwasser des Bengener Bachs überschwemmt. 13. Juli 1839 Bengen Erneute Überschwemmung. 23. Juni 1844 Ahrweiler, Bengen Bei Ahrweiler wurden zahlreiche Weinberge in die Tiefe gerissen und große Erd- und Schuttmassen verfrachtet. In Bengen wurde ein Haus zerstört. Juli 1848 Grommes Im Trierbachtal verursachte das Hochwasser große Schäden, u. a. stürzten einige Fachwerkwände von Häusern an der Hauptstraße ein. 11. Juni 1859 Kreis Ahrweiler, Brohltal, Vinxtbachtal und Westum Das Unwetter hatte im gesamten Kreis schwere Schäden von mehr als einer halben Million Thaler verursacht und 40 Menschenleben gefordert. Der Regen war so stark, dass die Bäche in den Tälern innerhalb weniger Minuten zu reißenden Flüssen wurden. Insbesondere waren das Brohltal, Vinxtbachtal und der Hellbach, der bei Sinzig in die Ahr mündet, betroffen. In Niederzissen kamen 19 Menschen ums Leben. Von den am Brohlbach stehenden Häusern blieben oft nur noch Ruinen stehen. In Westum, ein Ortsbezirk von Sinzig, ertranken sechs Menschen im Hellbach.Achim Schmitz: Unwetter vom 11. Juni 1859 forderte über 40 Menschenleben, Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1991, Heimatjahrbucharchiv. 22. Juli 1870 Dernau Das Hochwasser reichte bis zur Hauptstraße. Jan. 1880 Bodendorf Als das Eis des zugefrorenem Ahrflusses losbrach, wurden durch das Treibgut von Blankenheim bis nach Bad Neuenahr alle Brücken fortgeschwemmt sowie auf der Strecke mehrere Gebäude schwer beschädigt. März 1880 Ahrtal In Folge des starken Frostes und des schnell eintretenden Tauwetters stieg die Ahr so hoch an, dass sie den Höhenstand des Jahrhunderts zweimal erreicht hatte und wieder viele Schäden verursachte. 10.–27. Nov. / Dez. 1882 Bodendorf Hochwasser durch langanhaltenden Regen nach vorangegangenem kalten, trockenen Wetter. 1885 Sinzig Unwetter mit Überschwemmung. 23.–24. Juni 1888 Kreis Ahrweiler Durch Gewitterregen in der Eifel traten die Ahr und der Brohlbach über die Ufer und richten große Schäden an. Im Bereich von Ahrweiler werden 3 Brücken beschädigt oder zerstört. In Dernau wurde der ganze Ort unter Wasser gesetzt. Weinbergmauern stürzten ein, Terrassen und Muttererde wurden abgeschwemmt, alle Keller geflutet, die Vorräte verdarben. Der am Standort Altenahr rekonstruierte Pegelstand betrug 162,64 m (über NN) und der Spitzenabfluss 280 m³/s.Thomas Roggenkamp und Jürgen Herget: Reconstructing peak discharges of historic floods of the River Ahr, Erdkunde Vol. 68, No. 1, 49–59, 13. März 2014. 23. Jan. 1890 Ahrtal Ahrhochwasser durch Schneeschmelze. 30. Juni 1891 Ahrtal Ahrhochwasser. 2. Feb. 1893 Ahrtal Ahrhochwasser durch Schneeschmelze. Feb. 1901 Bodendorf Ahrhochwasser. Dez. 1901 Ahrtal Ahrhochwasser durch Schneeschmelze. März 1906 Bodendorf Das Hochwasser ging überall zurück. 12.–13. Juni 1910 Ahrtal und Nebentäler Nach vorangegangenen, anhaltenden Regenfällen zwischen Hohe Acht und Hochkelberg schwollen die zur Ahr entwässernden Bäche stark an und führten in der Ahr zu einem Pegelstand von 5,0 m. Der für Altenahr ermittelte Spitzenabfluss des Hochwassers betrug ca. 500 m³/s.Horst Happe: , Antweiler und seine Brücke wurden mehrfach vom Hochwasser der Ahr heimgesucht. Durch mitgeschwemmte Hölzer, Baugerät und anderes Material der gerade im Bau befindlichen Bahnstrecke Dümpelfeld–Lissendorf wurde die Wirkung des Hochwassers vor allem im oberen und mittleren Ahrtal noch verstärkt. Insgesamt kamen 52 Menschen (eine andere Quelle nennt 70 Menschen), zumeist Bahnarbeiter um, die sich teilweise in ihren Baracken befanden. Alle Ortschaften im Tal des Trierbachs, Adenauerbachs und der oberen und mittleren Ahr erlitten erhebliche Schäden, nahezu alle Brücken wurden zerstört.