Korfu war der Deckname eines im Zweiten Weltkrieg eingesetzten deutschen „Funk-Horchempfängers“, genauer einer Serie von Funkmessgeräten für Dezimeterwellen beziehungsweise Zentimeterwellen.
Es gab mehrere Modellvarianten, die sich hauptsächlich durch das Frequenzband unterschieden. Die offizielle militärische Bezeichnung der Kriegsmarine war Funkmessbeobachtungsgerät (FuMB) mit Modellnummern von „FuMB 11“ bis „FuMB 17a“.Funkmeßbeobachtungsanlagen, abgerufen am 25. Juli 2021. Die Luftwaffe nutzte sie unter der Bezeichnung „E 351 A“, „E 351 B“ und so weiter. Die von beiden Wehrmachtteilen gleichermaßen verwendete Tarnbezeichnung Korfu wurde durch Nummern ergänzt, die den Wellenlängenbereich andeuteten (siehe Tabelle unten).Funk-Horchempfänger E 351 Werkschrift g. 4419 vom September 1944. S. 1.
Hergestellt wurde Korfu von der Firma Blaupunkt in Berlin-Wilmersdorf unter dem Fertigungskennzeichen fvw.Gerhard Hepcke: The Radar War (englisch), S. 33, PDF; 135 kB, abgerufen am 9. August 2021.German Wehrmacht Radios (englisch), abgerufen am 9. August 2021. Als Namensstifterin diente, wie auch bei vielen anderen Funkmessbeobachtungsgeräten der Wehrmacht, wie beispielsweise FuMB 4 Samos oder FuMB 7 Naxos, eine griechische Insel.
Beschreibung Die Horchempfänger Korfu dienten zur Erfassung und, zusammen mit einer geeigneten Peilantenne, zur Peilung (Richtungserfassung) elektromagnetischer Signale im Hochfrequenzbereich (HF-Bereich), wie sie von alliierten Radargeräten ausgesendet wurden, beispielsweise in U‑Jagd-Flugzeugen. Der abzudeckende Frequenz- beziehungsweise Wellenlängenbereich begann im Dezimeterwellenband oberhalb von 1 GHz, entsprechend Wellenlängen von etwa 180 mm, und reichte bis weit in den Zentimeterwellenbereich bis oberhalb von 10 GHz, entsprechend knapp 30 mm, hinein. Da es zur damaligen Zeit noch keine breitbandigen Mikrowellenempfänger gab, musste das abzuhörende Frequenzspektrum durch eine entsprechende Anzahl schmalbandiger Empfangsgeräte abgedeckt werden.
Es handelte sich jeweils um Doppelüberlagerungsempfänger („Doppelsuper“) mit einer ersten Zwischenfrequenz (1. ZF) von 60 MHz und einer 2. ZF von 40 MHz. Als erster Lokaloszillator (1. LO) wurde ein Magnetron verwendet, dessen Grundwelle (1. Harmonische), beziehungsweise modellabhängig dessen zweite oder dritte Harmonische, zur Mischung mit dem zu empfangenden Signal genutzt wurde.Funk-Horchempfänger E 351 Werkschrift g. 4419 vom September 1944. S. 14. Zur Demodulation konnte zwischen Amplitudenmodulation (AM) und Frequenzmodulation (FM) umgeschaltet werden.
Während die HF-Schaltungsteile der Modelle, entsprechend der unterschiedlichen Frequenzbänder, sich stark unterschieden, waren die restlichen Schaltungsteile und insbesondere Aussehen und Bedienung der Geräte praktisch identisch. Eine unvollständige Übersicht über die verschiedenen Korfu-Modelle gibt die folgende Tabelle:Funk-Horchempfänger E 351 Werkschrift g. 4419 vom September 1944. S. 5.
Frequenz/GHzWellenlänge/mmDecknameLuftwaffeKriegsmarine1,66–2,5120–180Korfu 1218E 351 CFuMB 122,5–3,7580–120Korfu 812E 351 EFuMB 113,75–560–80Korfu 68E 351 AFuMB 135–7,540–60Korfu 46E 351 BFuMB 147,5–11,127–40Korfu 274E 351 DFuMB 1511,5–17,617–26Korfu 1726FuMB 17
Weblinks Frontansicht Funk-Horchempfänger E 351, Werkschrift vom September 1944
Einzelnachweise
Kategorie:Deckname Kategorie:Historischer Funkempfänger Kategorie:Militärische Ausrüstung (Wehrmacht) Kategorie:Militärtechnik (Zweiter Weltkrieg) Kategorie:Radarwarngerät Kategorie:Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Seekrieg im Zweiten Weltkrieg