Die ehemalige Evangelische Kirche im polnischen Dobre Miasto (deutsch Guttstadt) im Ermland ist eine Schinkelkirche aus den 1830er Jahren. Sie ist seit 1945 profaniert. Der Turm der Kirche prägt das Stadtbild der ehemaligen Heidevorstadt südlich der Altstadt von Guttstadt.

Geschichte Ein erster Entwurf für den Bau einer Kirche für die kleine evangelische Kirche in Guttstadt im mehrheitlich katholischen Ermland wurde 1826 von Landbaumeister Jester eingereicht. Der Gegenentwurf von Karl Friedrich Schinkel behielt die Maße des Baus dieses Entwurfs, wendete jedoch konsequent den Rundbogenstil an. Für das oberste Turmgeschoss plante Schinkel ursprünglich Dreier-Arkaden. Jedoch wurde Schinkels Planung nach Erlass des Normalkirchenerlasses vom Sommer 1827 an den Normalkirchenentwurf angeglichen. Die Entscheidung über den Bau eines Kirchturms wurde erst nach Beginn des Baus getroffen. Zunächst entschied der König, dass der Turm nach dem Plan Schinkels mit einem etwas niedrigeren Turm aufgeführt werden sollte. Auf Bitte der Gemeinde erlaubte der König, ein fünftes Turmgeschoss vorzusehen. Dieser Turm stürzte jedoch schon vor Fertigstellung der Kirche 1833 ein, sodass ein neuer Turm errichtet werden musste. Der Turmbau erfolgte nicht nach dem Entwurf Schinkels, was einige gestalterische Unstimmigkeiten erklärt.

Nach 1945 wurde das Gebäude profaniert und als Kulturhaus genutzt. Nach einem Brand im Jahr 1969 wurde die Kirche für Nutzung durch die örtliche Stadtbücherei umgebaut.

Bauwerk Die Kirche ist im Stil des Klassizismus aus Backstein auf rechteckigen Grundriss erbaut, an den Schiffsfassaden dem Schema der Normalkirche folgend. Der Putzbau hat eine feine Quaderung, die in den Bogenrahmungen konzentrisch gestaltet ist. Das Traufgesims ist sehr reich gestaltet. Die Außenfassaden sind durch Arkaden gegliedert und haben halbrunde gewölbte Fenster. Dem Kirchenkörper ist ein hoher Turm auf quadratischem Grundriss mit vier durch Gesimse getrennten Stockwerken angefügt. Im ersten Turmgeschoss sitzt oberhalb des Gesimses in der Achse des Portals ein Lünettenfenster, während sich die beiden Freigeschosse des Turms nach allen vier Seiten mit Dreierarkaden öffnen. Der Turm ist mit einem Zeltdach bedeckt.

Gemeinde Die Kirchengemeinde Guttstadt gehörte bis 1945 zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Bis 1892 war in die Inspektion Ermland eingegliedertFriedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 51. und kam erst danach zum Kirchenkreis Ermland, zu dessen Superintendenturbezirk Braunsberg (polnisch Braniewo) sie dann gehörte.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 31.

Kirchspielorte Bis 1945 waren neben dem Pfarrort Guttstadt (mit Hausberg (polnisch Chałupki) und Windenhof (polnisch Kunik)) 38 Orte zum Kirchspiel zusammengeschlossen:Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 453. Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Alt Garschen Garzewo Ober Kapkeim Kabikiejmy Althof Stary Dwór Peterswalde Piotraszewo Ankendorf Jankowo (Königlich) Queetzmit Adlig Queetzund mit Kienberg Kwiecewo mit Kwiecewo (Osada)und mit Drzazgi Battatronmit Klutkenmühleund Ludwigsmühle Barcikowomit Kłódkaund Ludwikowo Plutken Plutki Blankenberg Gołogóra Rosengarth Różynka Deppen Dąbrówka Schlitt Skolity Eschenau Jesionowo Schmolainen Smolajny Glottau Głotowo Schönwiese Międzylesie Gradtken Gradki Schwengen Swajnie Gronau Gronowo Schwuben Swobodna Heiligenthal Świątki Steinberg Łomy Klingerswalde Podleśna Sternberg Stryjkowo Knopen Knopin Stolzhagen Kochanówka Kossen Kosyń Süssenthal Sętal Münsterberg Cerkiewnik Unter Kapkeim Kabikiejmy Dolne Neuendorf bei Guttstadt Nowa Wieś Mała Weißkreuz Krzyżno Neu Garschen Garzewko Wichertshof Wichrowo Neu Vierzighuben Nowe Włóki Wölken Wilki Noßberg Orzechowo Zweiteichen Stawno

Pfarrer An der evangelischen Kirche in Guttstadt amtierten als Geistliche: Johann Daniel Friedrich Petzold, 1772–1777 Michael Göring, 1778–1825 Eduard Wilhelm Anderson, 1825–1837 Ernst Martin Schwatlo, 1837–1858 Johann Gottfried I. Schäfer, 1858–1868 Friedrich Luwdig G. Sierke, 1869–1880 Georg Gardin, 1880–1883 Viktor E. Alfred Hartisch, 1884–1885 Friedrich Otto Bähr, 1886–1915 Willy Pensky, 1915–1919 A. Konstantin von Hoerschelmann, 1919–1922 Johannes Bertuleit, 1922–1928 Erich May, 1928–1933 Johannes Perle, 1933–1940

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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