The Power of the Dog ist ein Filmdrama von Jane Campion, das im September 2021 bei den Internationalen Festspielen von Venedig seine Premiere feierte, wo die Regisseurin mit dem Silbernen Löwen für die Beste Regie ausgezeichnet wurde. Ab dem 18. November 2021 lief der Film in deutschen Kinos, bevor er Anfang Dezember in das Programm von Netflix aufgenommen wurde. Der Film basiert auf dem Roman Die Gewalt der Hunde von Thomas Savage.
Im Rahmen der Oscarverleihung 2022 gewann Jane Campion den Award für die beste Regie; der Film erhielt weitere elf Nominierungen, darunter als bester Film, Campion für das beste adaptierte Drehbuch und Benedict Cumberbatch als bester Hauptdarsteller sowie Kirsten Dunst als beste Nebendarstellerin.
Handlung Das Jahr 1925 im ländlichen Montana: Die unverheirateten, wohlhabenden Brüder Phil und George Burbank, die seit 25 Jahren die von ihren Eltern übernommene Ranch in Montana führen, kehren während ihres Viehtriebs bei der verwitweten Gasthausbesitzerin Rose ein. Der ruhige und kultivierte George sucht nach weiblicher Wärme und ist schnell von Rose angetan; sein rau und menschenfeindlich auftretender Bruder Phil macht sich hingegen über Roses feminin wirkenden Sohn Peter lustig. Gegenüber den anderen Cowboys erwähnt Phil immer wieder seinen verstorbenen Mentor Bronco Henry, der sein archaisches Männerbild stark geprägt zu haben scheint.
George und Rose heiraten kurz darauf. Phil betrachtet diese Ehe mit Missfallen, da er vermutet, dass Rose nur auf Georges Vermögen aus ist, vor allem aber, da sie in seinen Augen zwischen ihn und seinen Bruder getreten ist. Rose gibt ihr Gasthaus auf, und Peter verbringt die Schulzeit in der Stadt, wo er im Internat wohnt. Rose zieht zu George auf die Ranch, wo ihre Versuche, ein normales Verhältnis zu ihrem Schwager aufzubauen, scheitern. George möchte seine Ehefrau bei einer Dinnerparty seinen Eltern und dem Gouverneur vorstellen.
Er kauft ein Klavier und bittet Rose, für den Gouverneur und seine Eltern bei dem Dinner zu spielen. Phil macht Rose bei ihren Proben am Klavier klar, wie mittelmäßig ihr Können ist, und taucht zu der Dinnerparty zunächst gar nicht auf. Rose ist verunsichert und fühlt sich nicht in der Lage, beim Dinner zu spielen. Kurz darauf erscheint Phil, entgegen Georges Wünschen ungewaschen und in Arbeitskleidung. Zudem demütigt er Rose weiter, indem er ihr verzweifeltes Üben für diesen Auftritt vor allen Anwesenden verrät. Als alle den Raum verlassen haben, trinkt die zuvor abstinent lebende Rose ein Glas Alkohol.
Als Peter in den Sommerferien auf die Ranch kommt, findet er seine Mutter als Alkoholikerin vor. Peter wird weiter von Phil und seinen Männern verspottet. Er widmet sich seinen medizinischen Studien, da er später Arzt werden will, seziert Tiere und studiert Krankheiten. Er entdeckt auch einen abgelegenen Weiher, den Rückzugsort von Phil, der dort unter anderem mit einem Halstuch von Bronco Henry masturbiert, welches mit den Initialen B H bestickt ist. In einer kleinen Hütte am Weiher findet Peter einen Stapel homoerotische Zeitschriften mit dem Namen von Bronco Henry darauf, in denen nackte Sportler zu sehen sind. Peter beobachtet Phil, der mit dem Tuch um den Hals in einem Teich badet. Nachdem Phil ihn bemerkt hat, verjagt er ihn.
mini|hochkant=1.1|Einer der Drehorte: die Maniototo Plain auf der Südinsel Neuseelands Beim nächsten Treffen verhält Phil sich Peter gegenüber wider Erwarten sehr anständig. Er verspricht Peter, ihm bis zum Beginn des neuen Schuljahres ein Lasso aus Rohhaut zu flechten, und will ihm auch das Reiten beibringen. Dass Peter in den Schattierungen der naheliegenden Berge die Form eines bellenden Hundes erkennt, die bisher nur Bronco Henry und er selbst wahrgenommen hatten, imponiert Phil zusätzlich.
Bei einem Ausritt findet Peter ein an Milzbrand verendetes Rind und beginnt, den Kadaver zu sezieren. Peter und Phil unternehmen gemeinsame Ausritte. Bei der spielerischen Jagd auf ein Kaninchen verletzt sich Phil an der Hand. Dass Peter soviel Zeit mit ihrem verhassten Schwager verbringt, verschlimmert Roses Alkoholismus. Als zwei Indianer vor der Ranch um Rinderhäute bitten, die Phil ohnehin meist nur verbrennt, verschenkt Rose sie und erhält im Gegenzug zum Dank ein paar Lederhandschuhe. Kurz darauf bricht sie stark alkoholisiert zusammen und wird von ihrem Mann gepflegt.
Phil ist verzweifelt und rasend vor Wut auf Rose, weil er nun keine Häute mehr hat, um das Lasso für Peter fertigzustellen. Peter bietet Phil ein Stück Haut an, das er aufbewahrt habe, da er sich am Herstellen eines Lassos üben wollte. Phil erzählt, wie ihm Bronco Henry einst das Leben rettete, indem sie sich bei eisigem Wetter gegenseitig wärmten. Peters Frage, ob sie dabei nackt gewesen seien, lässt er unbeantwortet. Sie verbringen die Nacht gemeinsam in der Scheune, um das Lasso fertigzustellen. Am nächsten Morgen erscheint Phil nicht zum Frühstück. George findet ihn krank im Bett; seine Wunde an der Hand ist stark entzündet. Phil fragt in seinem Delirium nach Peter, dem er das fertige Lasso schenken will, doch ist er nicht zu sehen. George bringt seinen Bruder ins Krankenhaus, wo er wenig später stirbt.
Bei Phils Beerdigung berichtet ein Arzt George, dass sein Bruder höchstwahrscheinlich an Milzbrand gestorben sei, was diesen verwirrt, da Phil stets erkrankte Rinder gemieden hatte. Peter, der nicht bei der Beerdigung war, liest unterdessen aus dem Psalm 22: „Entreiße mein Leben dem Schwert, mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde!“ Er legt das fertige Lasso mit behandschuhten Händen unter sein Bett und beobachtet aus dem Fenster, wie sich George und Rose lächelnd umarmen. Dass Peter Phil absichtlich die Haut des an Milzbrand gestorbenen Rindes gegeben hat, um an ihm Rache zu nehmen, bleibt unausgesprochen.
Literarische Vorlage mini|hochkant=0.85|Titelblatt der Erstausgabe von The Power of the Dog von 1967 Der Film basiert auf dem Roman Die Gewalt der Hunde (The Power of the Dog) von Thomas Savage (1915–2003) aus dem Jahr 1967. Savage war der Sohn einer großen Schafzüchterfamilie.Thomas Savage: The Power of the Dog. Little, Brown and Company, 1967. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er zwei Jahre alt war, und bei der Wiederverheiratung seiner Mutter zog Savage mit ihr nach Montana. Das dortige Leben auf der Ranch beeinflusste stark seinen Roman The Power of the Dog, die Figur des Peter wird auch als Alter Ego von Savage gesehen. Savage war in den 1960er-Jahren ein verheirateter Familienvater, sich aber auch seiner damals verpönten Homosexualität bewusst. Anfang der 1960er-Jahre hatte er seine Familie einige Zeit für einen Mann verlassen, war aber dann zu ihr zurückgekehrt.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 87, 91f., 94. Kurz darauf entstand The Power of the Dog, der als ein Grundthema das Verhältnis von Homophobie und unterdrückter Homosexualität hat.Annie Proulx: Afterword. In: Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 277.
Die Werke von Thomas Savage erhielten zwar oft großes Kritikerlob, erreichten allerdings nie ein breites Leserpublikum und waren teilweise über lange Jahre vergriffen. Im Falle von The Power of the Dog hatte aber bereits mehrfach Interesse an einer Verfilmung bestanden, unter anderem in den 1970ern mit Paul Newman als Phil und Faye Dunaway als Rose.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 110. Keines dieser Projekte kam zustande.
Produktion Regie und Drehbuchentwicklung Im Mai 2019 wurde bekannt, dass Oscar-Preisträgerin Jane Campion an der Verfilmung von Savages Roman arbeitete und auch das Drehbuch schrieb. Es wurde ihr erster Kinofilm seit Bright Star aus dem Jahr 2009, nachdem sie in den Jahren dazwischen an der Fernsehserie Top of the Lake gearbeitet hatte. Das Budget des Filmes betrug etwas über 30 Millionen US-Dollar, womit es der bislang teuerste Film der Regisseurin wurde.Rebecca Keegan: Jane Campion on ‘The Power of the Dog’s Toxic Masculinity and Why She Won’t Make a Marvel Movie. In: The Hollywood Reporter, 10. September 2021.
Die neuseeländische Regisseurin war nach eigenen Angaben nicht auf der Suche nach einem Filmstoff, „verliebte“ sich aber beim Lesen von The Power of the Dog in das Buch und recherchierte anschließend weiter zu Thomas Savage.Patrick Heidmann: Jane Campion: „Alphamänner machen jedem das Leben zur Hölle. Auch sich selbst“. In: Die Zeit, 18. November 2021. Abgerufen am 15. Dezember 2021. Anlässlich der Bekanntgabe der Verfilmung teilte sie mit: „The Power of the Dog ist ein herausragender Roman, der ein Leben auf der Großleinwand verdient. Ich konnte nicht aufhören, an die Geschichte zu denken, sie hat mich wirklich verfolgt. Die Themen von Männlichkeit, Nostalgie und Betrug sind eine berauschende Mischung.“Justin Kroll: Benedict Cumberbatch, Elisabeth Moss to Star in Jane Campion’s New Film. In: Variety, 6. Mai 2019. Abgerufen am 15. Dezember 2021. Insbesondere die komplexe Figur des Phil interessierte die Regisseurin, die bis dahin in ihren Filmen wie Das Piano vor allem weibliche Figuren ins Zentrum gerückt hatte. Campions Drehbuch bleibt insgesamt nahe an der Savages Roman; die wichtigste Aussparung des Films ist eine Vorgeschichte zwischen Phil und Roses durch Suizid verstorbenen Ehemann, die Peter und Rose einen weiteren Grund gibt, Phil nicht zu mögen.Rita Dosche: The Power of the Dog Makes a Major Change to the Book. In: cbr.com, 6. Dezember 2021.
Besetzung und Synchronisation Darsteller Synchronsprecher RolleBenedict CumberbatchTommy MorgensternPhil BurbankKirsten DunstMarie BierstedtRose GordonJesse PlemonsLeonhard MahlichGeorge BurbankKodi Smit-McPheeMarco EßerPeter GordonThomasin McKenzieCelina GaschinaLola, DienstmädchenGenevieve LemonIlka TeichmüllerMrs. Lewis, KöchinFrances ConroyMarina Krogull„Alte Dame“ der BrüderPeter CarrollHans Bayer„Alter Herr“ der BrüderKeith CarradineJoachim TennstedtGouverneur EdwardKarl WillettsArmin SchlagweinBillCohen HollowayArmin SchlagweinBobbyAlistair SewellMario KlischiesJuanSean KeenanGregor KnopSvenJacque DrewGreta Galisch de PalmaJeanie
Benedict Cumberbatch stand bereits früh für die Rolle des Phil Burbank fest. Zunächst waren Elisabeth Moss und Paul Dano für die Rollen von Rose und George vorgesehen, als sich das Projekt allerdings verzögerte, mussten beide im Herbst 2019 aufgrund von Terminproblemen aussteigen.Jordan Crucchiola: Elisabeth Moss Leaves The Power of a Dog, But Fear Not, Kirsten Dunst Is Here. In: Vulture, 8. Oktober 2019.Justin Kroll: Jesse Plemons Joins Benedict Cumberbatch in Jane Campion’s Power of the Dog'. In: Variety, 21. November 2019. Daraufhin wurden stattdessen Kirsten Dunst und Jesse Plemons besetzt, insofern passend, da beide auch im echten Leben ein Paar sind.Dunst statt Moss: Netflix baut bei „The Power of the Dog“ um. In: moviejones.de, 10. Oktober 2019.Dino-Ray Ramos: Kirsten Dunst Replaces Elisabeth Moss In Jane Campion’s 'The Power Of The Dog'. In: deadline.com, 8. Oktober 2019. In weiteren Rollen sind Kodi Smit-McPhee als Roses Sohn Peter und Thomasin McKenzie in der Rolle des Dienstmädchen Lola zu sehen.Hilary Lewis: NY Film Festival Adds Jane Campion’s 'Power of the Dog' as Centerpiece Film. In: The Hollywood Reporter, 27. Juli 2021.Amanda N’Duka: 'The Power Of The Dog': 'Jojo Rabbit's Thomasin McKenzie, Kodi Smit-McPhee & More Join Benedict Cumberbatch In Netflix Drama. In: deadline.com, 12. Februar 2020. Genevieve Lemon, die seit dem Film Sweetie (1989) immer wieder mit Campion zusammenarbeitete, spielt die Köchin Mrs. Lewis.