mini|Selbstporträt Giovanni Vergas (1887) Mastro-Don Gesualdo (in deutschen Übersetzungen auch Meister Motta, Don Gesualdo) ist der Titel eines 1889 publizierten Romans des italienischen Schriftstellers Giovanni Verga. Erzählt wird, vor einem breiten Gesellschaftsbild, die Geschichte eines sozialen Aufsteigers in die zerfallende Feudalgesellschaft Siziliens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die deutschen Übersetzungen von Adele Berger,„Meister Motta“. Berlin, 1894. Charlotte Sauer„Don Gesualdo“. Aufbau Verlag, Berlin, 1955. und Marlis Ingenmey„Mastro Don Gesualdo“. Droste Verlag, Düsseldorf, 1960, Nachdruck in Pipers italienischer Bibliothek, 1988. erschienen 1894, 1955 bzw. 1960. Überblick Die Handlung spielt in einer namentlich nicht genannten, an VizziniFest des Schutzpatrons, des heiligen Gregorius, Kirchennamen usw. als Vorlage orientierten sizilianischen Stadt und ihrem agrarischen Umland zur Zeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. mini|Vizzini Der erste Teil handelt von Bianca Trao, der Tochter einer verarmten Adelsfamilie, und ihrer Beziehung zu ihrem Vetter Ninì Rubiera sowie der arrangierten Ehe mit dem aus einfachen Verhältnissen zum Bauunternehmer und Großgrundbesitzer aufgestiegenen Gesualdo Motta. Im zweiten und dritten Teil steht, neben Mottas erfolgreichen geschäftlichen Aktivitäten und den Spannungen in den Familienbeziehungen, Biancas Tochter Isabella im Zentrum, ihre Liebe zu Corrado La Gurna und ihre Verheiratung mit dem Herzog von Leyra. Der vierte Teil erzählt von Biancas und Gesualdos Krankheit und Tod.

Handlung Erster Teil Die Adelsfamilien (Kapitel 1–3) Auslöser der Mesalliance zwischen Bianca und Gesualdo Motta ist ein Brand (Kap. 1), und damit beginnt der Roman, im heruntergekommenen Palast der Traos, in dem das Mädchen mit ihren beiden Brüdern lebt, dem lungentuberkulosekranken Diego und dem asthmatischen Sonderling Ferdinando. Sie haben kein Einkommen, ihr Haus zerfällt immer mehr, Bianca muss die Hausarbeit verrichten und bei den Verwandten um Nahrungsmittel oder Kleidung betteln. Diego ist jedoch zu stolz, um einen Teil des Palastes zu vermieten oder das Haus zu verkaufen. Er hat die Illusion, einen jahrhundertealten Gerichtsstreits gegen den spanischen König wieder aufzunehmen und erfolgreich abzuschließen. Dadurch kämen die Traos zu großem Reichtum. Beim Brand entdeckt Diego, dass Bianca einen Liebhaber hat. Es ist ihr Vetter Ninì Rubiera. Am nächsten Tag (Kap. 2) sucht Diego seine Cousine, die Baronin Rubiera auf, teilt ihr seine Entdeckung mit und will sie zur Zustimmung zu einer Ehe ihres Sohnes Ninì mit seiner Schwester bewegen. Die Baronin hat durch ihre Geschäftstüchtigkeit im Handel mit den Früchten ihres Landbesitzes viele Nachbarhäuser aufgekauft und ist reich geworden. Sie plant, ihren Sohn mit einer Tochter aus einer finanziell gleichgestellten Familie zu verheiraten, und lehnt eine Ehe mit Bianca ab, die mit keiner Mitgift ausgestattet ist. Sie bietet ihrem Cousin an, seiner Schwester zu einem wohlhabenden Mann zu verhelfen, wenn er über die Affäre schweigt, was auch im Interesse Biancas wäre. Sie hat schon den zu Wohlstand gelangten Maurer Gesualdo Motta im Auge, mit dem zusammen sie ein Geschäft vorhat, nämlich die Ersteigerung der Gabella, d. h. der kommunalen Länder. Bisher hatte diese Nutzung, gewissermaßen als Gewohnheitsrecht, der Familie des Barons Zacco zustanden. Jetzt plant die Baronin eine Zusammenarbeit mit Gesualdo: Er stellt das Kapital zur Verfügung, sie den prestigeträchtigen Namen. Domherr Lupi soll beide Händel in die Wege leiten.

Gesualdo Motta (Kapitel 4–5) Gesualdo Motta steht seit seiner Kindheit unter dem Druck seines dominanten Vater Nuncio. Als dieser von seinem Sohn erwartet, in seiner wenig ertragreichen Gipsbrennerei zu arbeiten, verlässt ihn dieser und lernt bei seinem Onkel Mascalise das Maurerhandwerk. Nach sieben Jahren macht er sich selbständig, nimmt Akkordarbeiten an, baut Schotterstraßen, Mühlen und Olivenpressen, eilt von morgens bis abends auf seinem Maultier von einer Baustelle zur anderen, um die Aufseher zu kontrollieren und die Arbeiter anzutreiben und verdient nach und nach so viel Geld, dass er ein Landgut auf der Canciria erwerben und seine Familie unterstützen kann (Kap. 4). Zweimal kauft er die verschuldete Gipsbrennerei zurück und springt für den Vater ein, wenn diesem eine Unternehmung misslingt, z. B. eine Brücke wegen mangelhafter Stützen einbricht (Kap. 5). Auch die spekulativen und unrentablen Geschäfte seines Schwagers Burgio (Kap. 5), des Mannes seiner Schwester Speranza, und die Leichtlebigkeit seines arbeitsscheuen Bruders Santo kosten ihn viel Geld. Auf seinen Rundgängen schaut er auf seinem Bauernhof vorbei (Kap. 4), kontrolliert die Hirten und besucht Diodata, ein Waisenmädchen, das er bei sich aufgenommen und als Magd angestellt hat. Sie haben eine Liebesbeziehung und die beiden Kinder Nunzio und Gesualdo.Diese Situation wird im Romanverlauf immer deutlicher benannt, z. B. II, 2 und v. a. III, 2 und 3, IV,3. Diodata weiß um die Klassenunterschiede und behandelt ihn unterwürfig als ihren Herrn. Als er ihr von dem Plan erzählt, eine Adlige zu heiraten, um seinen weiteren Aufstieg und seine Vernetzung mit der höheren Gesellschaft zu fördern, ist sie darüber traurig und fürchtet um ihre Zukunft und die ihrer Kinder. Er verspricht ihr, für sie zu sorgen, ihr eine Mitgift zu geben und einen jungen Mann für sie zu suchen, er denkt an seinen Landarbeiter Nanni l’Orbo.

Die arrangierte Ehe Gesualdos mit Bianca (Kapitel 3–7) Das erste Zusammentreffen von Gesualdo und Bianca arrangiert ihre Tante Marianna Sganci am Fest des heiligen Gregorius (Kap. 3)2. und 3. September. Sie hat ihre Familie und Bekannten auf die Balkone ihres Palastes eingeladen, um die Prozession anzuschauen. Währenddessen unterhält man sich über die Stadtneuigkeiten, die Heiratspläne und über den ersten Auftritt des neureichen Unternehmers in der höheren Gesellschaft. Bianca trifft auf ihren Geliebten Ninì und hofft, dass er zu ihrer Beziehung steht. Aber er erklärt ihr seine finanzielle Abhängigkeit von der Mutter und dass sie seine Heirat mit Fifì Margarone und die ihre mit Gesualdo Motta plant. Zwar ist er der einzige Erbe, aber er fürchtet um die Sperrung der Unterstützung während ihrer Lebenszeit, dann könnte er sich keinen standesgemäßen Haushalt leisten.

Während Lupis Vorschlag bei Gesualdo schnell auf offene Ohren stößt, die Braut ist jung, schön, adlig und öffnet ihm die Tür in die Gesellschaft, sind Bianca und ihre Brüder schwer zu überzeugen. Lupis Werbung wird vom stolzen Diego aus Standesgründen abgelehnt. Doch Biancas Onkel, Marquese Limòli, rät ihr eindringlich zur guten Partei zu (Kap. 3). Nach ihrer Beichte (Kap. 6) reden auch Lupi und der Küster Don Luca auf sie ein, sich die Gelegenheit einer guten Versorgung nicht entgehen zu lassen. Aber sie ist unsicher und hört auf das Urteil der Brüder. Erst als ihre Tante Marianna Sganci beide noch einmal dringlich ermahnt, an die Zukunft ihrer Schwester zu denken und sie nicht ein Leben lang in ihrem Haushalt als Dienstmagd arbeiten zu lassen, sind sie schließlich bereit, Bianca allein entscheiden zu lassen. Diese stimmt zu, um aus den wirtschaftlichen Zwängen herauszukommen und ihre Familie mit dem Geld des Ehemannes zu unterstützen.

Nach diesen Verhandlungen kommt es schließlich zur Hochzeit (Kap. 7). Gesualdo hat den alten Palast der Familie La GurnaDer letzte Sohn der verarmten Familie wird später Isabellas Liebhaber, III, 2. gemietet und teuer möblieren lassen. Zu dem aufwändigen Festessen erscheinen aber nur wenige Verwandte: die eine Seite aus Standesgründen, die andere aus Scham vor dem Adel. So sitzen nur Gesualdos Bruder Santo sowie sein Schwager Burgio, Biancas Onkel Marchese Limòli und ihre Tante Cirmena an der Festtafel. Domherr Lupi und Limòli versuchen, ein Gespräch in Gang zu bringen. Einige Gäste, wie der Küster und seine Frau, stopfen sich unbemerkt die Taschen voll. Um die übrig gebliebenen Speisen streiten sich die Nachbarn Gesualdos und die Diener, die dem Brautpaar Glück wünschen, darunter die traurige Diodata, die Gesualdo Nanni l’Orbi zur Frau geben will. Als Gesualdo und Bianca allein sind, verspricht er ihr ein Leben als Königin. Er werde es allen Spöttern und Neidern, die nicht zum Fest gekommen sind, zeigen. Aber während er sie zu lieben versucht, „lauschte sie anderswohin. Durch den Spiegel schien sie in tiefe Fernen zu blicken, war weit weg mit ihren Gedanken.“

Zweiter Teil Versteigerung des Gemeindelandes (Kapitel 1–2) Bei der Versteigerung der Gemeindegrundstücke (Kap. 1) treffen die unterschiedlichen Interessen aufeinander und es wird deutlich, dass die Strategien des Etablissements und Gesualdo Mottas nicht aufgegangen sind. Gesualdo hat durch die teure Heirat nicht die Anerkennung ihrer Klasse errungen und er reagiert darauf mit einer Machtdemonstration. Biancas Verwandte hofften dagegen, ihn in ihre Regeln der geheimen Absprachen vor der Versteigerung einzubinden. Doch Gesualdo überbietet mit äußerlicher Gelassenheit die anderen und treibt den Preis in eine für sie nicht tragbare Höhe. Baron Zacco kann nicht verstehen, dass die Tradition von Gesualdo missachtet wird, Ninì Rubiera lässt sich aus Eifersucht in die Überbietung hineinziehen, bis er vom Anwalt seiner Mutter Neri zurückgerufen wird. Auf der anderen Seite beschimpfen Nuncio und Speranza ihren Sohn und Bruder wegen der Verschleuderung des Familienbesitzes. Domherr Lupi versucht zu vermitteln, steht aber mehr auf Mottas Seite. Nach einem Tumult vertagt der Vorsitzende der Kommission die Versteigerung und macht Motta den Vorschlag, neu mit der ursprünglichen Summe zu beginnen und ihm ohne Gegengebot den Zuschlag zu geben. Als Gegenleistung müsste er die Ländereien mit Zacco und Rubiera teilen. Außerdem könne man sich wegen der Kaution für die zusammengestürzte Brücke einigen. Gesualdo lehnt den Kompromiss ab. Er bleibt bei seinem Gebot und will alle Länder für sich haben.

Nach der Sitzung erzählt ihm Lupi von der revolutionären Bewegung Carboneria in Palermo, welche die Adligen enteignen will. Er kommt auf die Idee, um seinen Besitz zu retten sich dieser Gruppe anzuschließen und zu versuchen, die Führung zu übernehmen. Die schwangere Bianca hört diesen Plänen ängstlich zu und fürchtet für ihre neue Familie.

Revolutionäre Unruhen (Kapitel 2–3)