Die Aeromarine Plane and Motor Company war einer der frühen US-amerikanischen Flugzeughersteller, dessen Ursprünge auf das Jahr 1908 zurückreichen. Die Aeromarine-Flugboote zählten in den USA während des Ersten Weltkriegs zu den erfolgreichen Entwicklungen, die bei der US Navy zum Einsatz kamen. Seit 1928 firmierte das Unternehmen unter dem Namen Aeromarine-Klemm Corporation mit Sitz in Keyport.
Geschichte Boland Airplane and Motor Company mini|Uppercu Die Gründung des Unternehmens erfolgte 1904, als die Brüder Frank und Joseph Boland im amerikanischen Rahway einen Reparaturbetrieb für Fahrräder, Motorräder und Automobile gründeten. Mit der Unterstützung des New Yorker Automobilhändlers Ingls Uppercu entstand aus diesem Betrieb 1908 die Boland Airplane and Motor Company. Im Rahmen des Unternehmens widmeten sich die Boland-Brüder der Entwicklung schwanzloser Flugzeuge. Bis 1913 entstanden zwei schwanzlose Boland-Doppeldecker und zwei schwanzlose Flugboote am Firmensitz in Nutley. Frank Boland kam einem Vorführungsflug in Trinidad am 23. Januar 1913 ums Leben. Inglis Uppercu übernahm daraufhin die Anteile der Boland-Familie und benannte das Unternehmen im März 1914 in Aeromarine Plane and Motor Company umAngelucci, p. 35..
Aeromarine Plane and Motor Company Bei der Aeromarine Plane and Motor Company entstanden zwischen 1914 und 1925 eine Reihe erfolgreicher Flugboote, die im Wesentlichen bei der US Navy zum Einsatz kamen. Zur erfolgreichsten Konstruktion wurde 1917 der Seetrainer Aeromarine 39 und der Flugboottrainer Aeromarine 40 aus dem Jahr 1918. Bereits 1914 nahm die Aeromarine Plane and Motor Company auch die Entwicklung und Fertigung von Flugmotoren auf.
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs brach die Nachfrage nach Flugzeugen auch in den USA massiv ein. Um neue zivile Absatzmärkte für seine Flugzeuge zu schaffen, gründete Uppercu 1919 die Aeromarine Airways als eine der frühen amerikanischen Fluggesellschaften. Bei der Aeromarine Plane and Motor Company entstanden zwischen 1919 und 1924 zahlreiche weitere Flugzeugentwürfe, die allerdings nur noch als Einzelstücke gefertigt wurden und kein Kundeninteresse fanden. Das Unternehmen stellte daraufhin 1924 den Flugzeugbau ein. Bereits 1923 stellte Uppercu die Fertigung auf die Herstellung von Bus-Chassis um. Das Unternehmen wurde später in Haeley-Aeromarine Bus Company umbenannt.
Die Fertigung von Aeromarine Flugmotoren wurde im Rahmen der Uppercu-Burnelli Corporation fortgesetzt.
Aeromarine Airways mini|An Aeromarine 75 of Aeromarine Airways Die Aeromarine Sightseeing and Navigation Company wurde 1919 als Tochterunternehmen der Aeromarine Plane and Motor Company gegründet. Bereits 1919 wurden auf dem Hudson River mit Aeromarine Flugbooten Rundflüge angeboten. Im Oktober 1920 erfolgte der Zusammenschluss mit der Florida West Indies Airways Inc. zur Aeromarine West Indies Airways. Sie nahm im November 1920 den ersten regulären Passagier- und Luftpostdienst in den USA mit Aeromarine-Flugbooten auf der Strecke von Key West in Florida nach Havanna auf Kuba auf. Ab 1921 wurde das Unternehmen in Aeromarine Airways umbenannt und ein Regionalstreckennetz in New York und Connecticut aufgenommen. Seit 1922 bediente Aeromarine Airways die Strecke von Miami nach Nassau, die später in die Karibik verlängert wurde. Auch Landstrecken, wie etwa die Route von Cleveland nach Detroit gehörten zu den frühen Strecken der Aeromarine Airways. Trotz der Streckenausweitungen und des Einsatzes von 19 Aeromarine-Flugbooten gelang es Aeromarine Airways nicht, einen eigenwirtschaftlichen Flugverkehr ohne staatliche Subventionen zu etablieren. Mit der Einstellung der Luftfahrtsparte bei der Muttergesellschaft Aeromarine Plane and Motor Company endeten 1924 auch die Aktivitäten der Aeromarine Airways.
Aeromarine-Klemm Corporation mini|Aeromarine-Klemm AKL25A-NC198M Über Charles Lindbergh kam Inglis Uppercu mit Hanns Klemm während dessen USA-Verkaufsreise im April 1928 in Kontakt. Uppercu war an der Wiederbelebung des Aeromarine Flugzeugbaus und an einer Lizenzfertigung der Daimler L20 in den USA interessiert. Um ein für den amerikanischen Markt geeignetes Flugzeug anbieten zu können, ließ Uppercu die Konstruktion auf imperiale Maße und amerikanische Verbindungselemente umkonstruieren. Die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH garantierte Uppercu die Vertriebsrechte auf dem amerikanischen Kontinent und in Japan. Uppercu gründete für den Lizenzbau noch 1928 in Keyport die Aeromarine-Klemm Corporation.
Statt der Daimler L20 übernahm Uppercu die weiterentwickelte Klemm Kl 25 mit dem französischen Salmson AD9 Motor als Lizenzmuster. Sie ging als Aeromarine-Klemm AKL25 ab 1929 in Serie. Um das stärkere amerikanische Interesse an leistungsstarken Sportflugzeugen abdecken zu können, übernahm Uppercu noch im gleichen Jahr die Klemm Kl 26, deren überarbeitete Konstruktion bei Aeromarine-Klemm als Aeromarine-Klemm AKL26 gebaut wurde. Auch die Klemm L27 wurde von Aeromarine-Klemm noch 1929 für den amerikanischen Markt überarbeitet. Hiervon entstand allerdings nur noch ein Einzelstück.
Neben den eigenen Lizenzbauten erfolgte über Aeromarine-Klemm auch die Auslieferung von deutschen Klemm-Flugzeugen, die von Kunden in Südamerika bevorzugt wurden.
Die Weltwirtschaftskrise von 1929 brachte die Nachfrage nach Sportflugzeugen in den USA zum Zusammenbruch. Nach etwa 90 gebauten Klemm-Flugzeugen stellte Uppercu den Lizenzbau 1930 ein. Die Aeromarine-Klemm Corporation meldete kurze Zeit später Insolvenz an.Angelucci, p. 35.Referenz für gesamten Abschnitt „Geschichte“: Übernahme aus der amerikanischen Wikipedia und Ergänzungen
Aeromarine-Flugzeuge +Übersicht der Aeromarine-FlugzeugeTypErstflugStückzahlBemerkungAeromarine Model B1910EntenflugzeugAeromarine Flying Boat1914Enten-FlugbootAeromarine 391917150zweisitziger Land- und SeetrainerAeromarine M-119176FortgeschrittenenausbildungAeromarine 70019172TorpedobomberAeromarine DH-4B1917125Umbauprogramm Airco DH.4 für De HavillandAeromarine 40191850zweisitziger FlugboottrainerAeromarine 501919ReiseflugbootAeromarine ML1920VersuchsflugzeugAeromarine AS19203SeejägerAeromarine S.S.19203SeejägerAeromarine NBS-1192025Lizenzfertigung Martin NBS-1 für US ArmyAeromarine 601920FlugbootAeromarine 8019201Umbau Curtiss HS-2LAeromarine 8519201Umbau Curtiss HS-2LAeromarine WM1922PostflugzeugAeromarine Sportsman1922PostflugzeugAeromarine PG-119223Bodenangriffsflugzeug für die US Army Engineering DivisionAeromarine 521922PassagierflugzeugAeromarine 551922PassagierflugzeugAeromarine L.D.B XII1923nicht gebautNachtbomberAeromarine L.D.B XIII1923nicht gebautNachtbomberAeromarine 7519206–8Umbau Felixstowe F.5L für zivile Nutzung Smithsonian National Air and Space MuseumAeromarine AM-119231PostflugzeugAeromarine AM-319231Postflugzeug, modifiziertes AM-1 DesignAeromarine AMC19241Passagierflugboot mit MetallhülleAeromarine AM-219241Postflugzeug, modifiziertes AM-1 DesignAeromarine EO19241SportflugzeugAeromarine AT19240ArmeetransportflugzeugAeromarine ASM1924SportflugzeugAeromarine CO-L1924BeobachtungsflugzeugAeromarine ADA1924LandwirtschaftsflugzeugAeromarine Messenger19241VersuchsflugzeugAeromarine BM-11920snicht gebautPostflugzeug (Entwurf)Aeromarine-Klemm AKL251928ca. 60Leichtflugzeug Lizenzfertigung Klemm Kl 25 mit 40 PS Salmson AD9 MotorAeromarine-Klemm AKL26 Aeromarine-Klemm AKL6019299Leichtflugzeug Lizenzfertigung Klemm Kl 26 mit 60 PS LeBlond 5D MotorAeromarine-Klemm AKL26A1929ca. 40AKL26 mit Zusatztank für 480 sm Reichweite und 65 PS LeBlond 5D MotorAeromarine-Klemm AKL26B Aeromarine-Klemm AKL85193014AKL26 mit Zusatztank für 385 sm Reichweite und 85 PS LeBlond 5DF MotorAeromarine-Klemm AKL26X19321AKL26 Umrüstung mit 65 PS Velie MS MotorAeromarine-Klemm AKL2719301AKL26 mit modifiziertem Rumpfkasten und 110 PS LeBlond 7DF Motor
weitere 4 Flugzeuge als Umbau aus AKL26BAeromarine-Klemm AKL7019292Trainerversion mit Doppelsteuerung auf Basis AKL26 und 70 PS LeBlond 7E Motor
Literatur Peter M Bowers: The Aeromarine-Klemm Series, in: The AOPA Pilot, Okt. 1968 Paul Zöller: Klemm-Flugzeuge Band I, Okt. 2020, ISBN 978-3-7526-2580-6 Paul Zöller: Klemm-Flugzeuge Band II – Spurensuche, Juni 2021, ISBN 978-3-7543-0366-5 Paul Zöller: Klemm-Flugzeuge Band III – Produktion und Werknummern-Liste, Nov. 2022, ISBN 978-3-7568-6256-6 Angelucci, Enzo. The American Fighter: The Definitive Guide to American Fighter Aircraft From 1917 to the Present. New York: Orion Books, 1987. Gunston, Bill. (1993). World Encyclopaedia of Aircraft Manufacturers. Naval Institute Press: Annapolis, Maryland. p. 13
Weblinks
Aeromarine-Klemm Teil 1 der AG Böblinger Flughafengeschichten mit vielen Informationen und Bildern zur Vorgeschichte des US-Lizenzbaus Aeromarine-Klemm Teil 2 der AG Böblinger Flughafengeschichten mit Bildern und Informationen zur Aeromarine-Klemm Aeromarine Seite der Keyport Historical Society mit Bildern und Informationen zur Aeromarine in Keyport Aeromarine-Klemm AKL26A von Skyteamer Archive mit Daten und Informationen zu verschiedenen Aeromarine-Klemm Typen Aeromarine Klemm Seite im Klemm-Flieger-Forum mit Hintergründen zur Zusammenarbeit Klemm/Uppercu Aeromarine Seite der Aerofiles mit vielen Detaildaten zu den verschiedenen Aeromarine-Klemm-Typen The Aeromarine Website
Einzelnachweise
Kategorie:Flugzeughersteller (Vereinigte Staaten) Kategorie:Unternehmen (Monmouth County) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (New Jersey) Kategorie:Ehemaliger Flugzeughersteller Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (New Jersey) Kategorie:Unternehmensgründung 1914 Kategorie:Aufgelöst 1931