mini|Temporäres Straßenschild, das 2019 im Rahmen des Projekts 100elles in Genf aufgestellt wurde. Sīzā Nabarāwī () auch Siza Nabrawi, Saiza Nabarawi oder Ceza Nabarawi (Geburtsname: Zainab Muhammad Murād Nabarāwī, ) (geb. 1897 in Ägypten; gest. 24. Februar 1985 ebd.) war eine ägyptische Feministin. In ihrer Kindheit wanderte sie mit ihren Adoptiveltern nach Frankreich aus, wo sie ihr Schulstudium erhielt. Nach dem Tod ihrer Adoptivmutter und während ihrer Jugendzeit kehrte Nabarāwī nach Ägypten zurück. Sie war antiimperialistisch und leistete Widerstand gegen die britische Herrschaft in Ägypten. Im Alter von sechsundzwanzig schloss sie sich der feministischen Bewegung in Ägypten an und gilt als eine Mitbegründerin der Ägyptischen Feministischen Union (Egyptian Feminist Union). Nabarāwī ist wahrscheinlich die erste Frau, die den französischen Begriff „féministe“ von 1880 wiederentdeckte und seine Verwendung in seiner modernen Interpretation förderte.Helen Rappaport: Encyclopedia of Women Social Reformers. 2001, S. 473. Außerdem gilt Nabarāwī als erste Frau, die zur Gründung des östlichen Frauenkongress aufrief, welcher 1930 von Nūr Hamāda in Damaskus gegründet wurde.Penny A. Weiss, Megan Brueske: Feminist Manifestos: A Global Documentary Reader. 2018, S. 177. Neben ihrem feministischen und politischen Engagement war Nabarāwī als Journalistin tätig und blieb im Laufe von 15 Jahren die Chefredakteurin der in Französisch herausgegebene feministischen Zeitschrift L’Egyptienne der EFU. Am 24. Februar 1985 ist Nabarawi in Ägypten gestorben.Muhammad Hamdī: Qāmūs at-tawārīḫ. 2014, S. 69. Online verfügbar.

Leben Sīzā Nabarāwī, die Tochter von Muhammad Murād und Farīda Hānim, wurde 1897 in einem Dorf des Gouvernements al-GharbiyyaIn ihrem Werk "Feminists, Islam, and Nation; S. 98" meinte Margot Badran, dass das Dorf (al-Quraschyya) in Kairo liegt. Jedoch befindet sich das Dorf in al-Gharbiyya Gouvernement. Vgl. dazu; Asʿad b. Mammātī: kitāb qawānīn ad-Dawāwīn. Ed. von Aziz Suryal Atiya. 1943, S. 93. in Ägypten geboren. Ihr Geburtsname ist Zainab Muhammad Murād und sie wurde bei der kinderlosen Cousine ihrer Mutter, ʿAdīla Nabarāwī, und deren Mann Ibrahim NabarāwīIn ihrer Biographie erwähnt Hudā Schaʿrāwī, dass der Ehemann von ʿAdīla Ṣubḥy Nabarāwī hieß. Vgl. dazu; Hudā Schaʿrāwī: muḏakirāt hudā šaʿrāwī. Hindawi Foundation for Education and Culture. 2013, S. 56. großgezogen, der ihr den Namen Sīzā verlieh. Schon als Kind wanderte sie mit ihren Adoptiveltern nach Frankreich aus, wo sie die Grundschule und später das Gymnasium besuchte. Im Jahr 1913 hat ihre Adoptivmutter aufgrund dauernden Streitens mit ihrem Ehemann, der Alkoholiker und Zocker war, Selbstmord begangen. Deshalb ist die fünfzehnjährige nach Ägypten zurückgeschickt worden. Dort stellte sie fest, dass ʿAdīla nicht ihre leibliche Mutter war, was einen Schock bei ihr verursachte. Infolgedessen ist sie umgezogen, um bei ihrem Großvater Amīn Pascha ʿAbd Allah und seine Frau Kāmī Hānim zu wohnen. Bei ihren Großeltern übte ihr Vater seine Autorität über sie aus. Eines Tages sah er sie, während sie einen Hut trug (was oft als Zeichen der Verwestlichung verstanden wurde), seitdem befahl er ihr, den Hidschāb bzw. die Burka zu tragen. Allerdings hat sie das am Anfang abgelehnt und hat sich in ihrem Zimmer für mehrere Tage eingeschlossen, bis Hudā Schaʿrāwī, eine alte Freundin ihrer Adoptivmutter, kam.Margot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 98 f. Schaʿrāwī konnte die rebellische Teenangerin von dem Tragen der Burka dadurch überzeugen, dass sie beide spräter ihre Gesichter enthüllen würden.Margot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 67. Nabarāwī diente Hudā Schaʿrāwī als persönliche Sekretärin, begleitete sie oft auf ihren Reisen zu Konferenzen und hatte an ihrem Kampf für Frauenrechte teil.Hifnāwī Baʿlī: Bānūrāmā an-naqd an-nasawī fī ḥiṭābāt an-nāqidāt al-miṣrīyāt. Al-Yāzūrī, Amman, 2015. S. 181. Online verfügbar.

Feminismus

Sīzās Einstellung zum Hidschāb Anfang des 20. Jahrhunderts standen zwei Begriffe im Vordergrund der Debatte um Frauenrechte in Ägypten, nämlich ḥiǧāb (Gesichtsbedeckung) und sifūr (Aufgeben der Gesichtsbedeckung). Im Gegensatz zu dem heutigen Verständnis von ḥiǧāb, das die Haarbedeckung impliziert, wurde dieses Wort in Ägypten bis zum 20. Jahrhundert als Bedeckung des ganzen Kopfes bzw. Haar- und Gesichtsbedeckung verstanden.Beth Baron: Unveiling in early twentieth century Egypt: practical and symbolic considerations; In: Middle Eastern Studies, 2006, S. 370f. Online verfügbar. Seit ihrer Jugendzeit hatte Nabarāwī eine ablehnende Einstellung zum Tragen des Hidschāb bzw. zur Kopfbedeckung. So sagte sie: „Als ich aus dem Ausland zurückkam, wo ich bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr lebte, war ich motiviert und emanzipiert. Deshalb weigerte ich mich die Burka zu tragen und bestand darauf, nun den Hut anzuziehen.“Zitiert nach Muhammad Ahmad Ismaʿīl: ʿAwdit al-Ḥiǧāb. 2004, Bd. 1, S. 117. Online verfügbar Nur Schaʿrāwī konnte Sīzā vom Tragen des Hidschāb überzeugen, indem sie argumentierte, dass die Frauenrechte in einer patriarchalischen Gesellschaft nur peu à peu gefordert werden könnten, um die Auflehnung der Männer zu vermeiden.Vgl. Muhammad Ahmad Ismaʿīl: ʿAwdit al-Ḥiǧāb. 2004, Bd. 1, S. 117. Online verfügbar

Als Mitglied der ägyptischen feministischen Union reiste Nabarāwī 1923 zusammen mit Hudā Schaʿrāwī und Nabawiyya Mūsā nach Rom, um die Union im Kongress des Weltbunds für Frauenstimmrecht bzw. International Alliance of WomenDiese Organisation wurde am 4. Juni 1904 in Berlin unter dem Namen International Woman Suffrage Alliance (IWSA) gegründet. Vgl. The Woman Suffrage Alliance News, Centenary Edition. Online als PDF verfügbar. (IAW) zum ersten Mal zu repräsentieren.Margot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 91. Nach der Konferenz und bei ihrer Rückkehr nach Ägypten stieg Nabawiyya in Alexandria aus, während Schaʿrāwī und Nabarāwi die Fahrt nach Kairo fortsetzten. Beim Ausstieg aus dem Zug am Hauptbahnhof Kairos entblößten beide ihre Gesichter als öffentlicher politischer Akt. Dieses Verhalten empfingen die am Bahnsteig auf ihr Ankommen gewarteten Frauen mit Applaus, wobei einige Frauen ihre Schleier als Nachahmung für die beiden Feministen abnahmen.Margot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 92. Nabarāwī zufolge haben nur die Eunuchen, die damals die Bewachung der Frauen zur Aufgabe hatten, Unmut gezeigt.Zitiert nach Margot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 92 f. Schaʿrāwī und Nabarāwī gingen bei der Enthüllung ihrer Gesichter einen Schritt weiter, indem sie ihre Fotos den ägyptischen Zeitschriften al-Laṭāʾif al-muṣawwaraal-Laṭāʾif al-muṣawwara war eine Zeitschrift, die von 1915 bis 1941 in Ägypten herausgegeben wurde. Sie war eine literarische und Satirezeitschrift, welche sich in gutem Stil und eloquenter Sprache mit zeitgenössischen Ereignissen und Persönlichkeiten dieser Zeit befasste. Webseite: al-Laṭāʾif al-muṣawwara, .Der Inhaber und Gründer dieser Zeitschrift ist Iskander Makariyus, ein Kind griechisch-orthodoxer syrischer ausgewanderter Familie, der den ägyptischen Nationalismus dem arabischen vorzog und sich an einem glühenden ägyptischen nationalistischen Stil in seiner Zeitschrift festhielt. Vgl. Beth Baron: Egypt as a Woman; Nationalism, Gender, and Politics. 2005, S. 92. und Le Journal du Caire übergaben, um sie zu veröffentlichen. Das Aufgeben der Gesichtsbedeckung wurde als eine feministische Strategie für den allmählichen Eintritt in den öffentlichen Raum interpretiert. Während Schaʿrāwī die Burka für das „größte Hindernis für die Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben“ erklärteMargot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 93., betonte Nabarāwī später, dass das Aufgeben der Kopfbedeckung und die darauf folgenden Änderungen in der Gesellschaft den Frauen ermöglicht hätten, sich im Freien zu erholen.Margot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 159.

Mitglied der Ägyptische Feministisch Union (EFU) Die ägyptische Feministische Union wurde am 16. März 1923 von Huda Schaʿraiwī und ein paar Frauen der Oberschicht Ägyptens gegründet. Sīzā Nabarāwī gehörte den ehrenamtlichen Gründungsmitgliedern der EFU an. In dem ersten Treffen der EFU legte man die Grundregeln der EFU zugrunde. Diese beinhalten die folgenden sechs Artikel:

Im März 1923 wurde ein Verein unter dem Namen Die ägyptische Feministische Union gegründet. Die Ziele des Vereins bestehen darin, die wissenschaftlichen und sozialen Kompetenzen der Frauen auf ein Niveau zu entwickeln, das ihnen ermöglicht, mit Männern in allen Rechten und Pflichten mitzuwirken. Der Verein setzte sich mit allen legitimen Mitteln dafür ein, dass die Ägypterinnen ihre politischen und sozialen Rechte erlangen […]. Dieser Verband ernennt eine Mitgliederversammlung und einen Vorstand. Die Generalversammlung setzt sich aus ordentlichen Mitgliedern und Ehrenmitgliedern zusammen. Der Vorstand besteht aus zwanzig Mitgliedern, die von der Generalversammlung gewählt werden und aus deren ordentlichen Mitgliedern stammen.Hudā Schaʿrāwī: muḏakirāt hudā šaʿrāwī. Hindawi Foundation for Education and Culture. 2013, S. 168.

Den Begründerinnen der EFU gehörten muslimische und christliche sowie verheiratete und unverheiratete Frauen an. Die Mehrheit waren in den Dreißigern und Vierzigern; während Schaʿrāwī vierundvierzig war, war Nabawiyya Mūsā siebenunddreißig und Nabarāwī sechsundzwanzig.Margot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 96. Die von EFU geführte feministische Bewegung zielte darauf ab, allumfassend „all-inclusive“ zu sein. Dazu sagte Nabarāwī: „Nicht individuell, sondern kollektiv wollen wir unsere Freiheit erlangen. […] Die Emanzipation, die wir uns vorstellen, ist riesig. […] Unter Berücksichtigung der Millionen ignoranter Frauen müssen wir voranschreiten, ohne jemals die Bewegung zu beeinträchtigen, um unsere Ziele zu erreichen.“Zitiert nach: Margot Badran; Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 95.

L’Egyptienne

Im Jahr 1925 führte die EFU die erste feministische Zeitschrift Ägyptens in französischer Sprache unter dem Titel L’Egyptienne (die Ägypterin). Diese war die erste und letzte Zeitschrift Ägyptens, welche in Französisch herausgegeben wurde. Hierbei verwendete die EFU die französische Sprache, da die Zeitschrift sich an die Leserschaft der Oberschicht und der oberen Mittelschicht Ägyptens richtete. Darüber hinaus zielte die EFU darauf ab, in Kontakt mit der internationalen feministischen Gemeinschaft zu treten. Ein anderer Grund, warum diese Zeitschrift auf Französisch veröffentlicht wurde, geht darauf zurück, dass Nabarāwī und Schaʿrāwī, die oft Beiträge in der Zeitschrift verfassten, nicht in der Lage waren, auf Arabisch zu schreiben. Außerdem war die Mehrheit der Frauen der Oberschicht und der oberen Mittelschicht Ägyptens nicht fähig, arabisch zu lesen, da die meisten ihr Studium im Ausland abgeschlossen haben.Margot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 102.

Nabarāwī war die erste Editorin der L’Egyptienne-Zeitschrift und blieb fünfzehn Jahre lang Chefredaktorin dieser Zeitschrift.Margot Badran: Feminists, Islam, and Nation; Gender and The making of the modern Egypt. 1995, S. 103.

al-Maṣriyya