Japan hat eine industrialisierte, freie Marktwirtschaft. Einige Elemente weisen immer noch auf Japans Vergangenheit als gelenkte Volkswirtschaft hin. In den letzten Jahren jedoch wurden viele Wirtschaftszweige zunehmend dereguliert und Unternehmen wurden privatisiert. Infolgedessen wurde im Oktober 2007 die umstrittene Privatisierung der Japanischen Post vollzogen.
Wirtschaftsdaten Bruttoinlandsprodukt und Export Nach Kaufkraftparität steht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Japans an vierter Stelle (4.230,8 Mrd. US-Dollar, 2023) nach den Vereinigten Staaten (USA), der Volksrepublik China und Deutschland. Rechnet man die Europäische Union (EU) als eine Volkswirtschaft, ist Japan vierter. Der Export im Jahr 2021 betrug 756,03 Milliarden US-Dollar. Damit liegt Japan auf Platz 5 der exportstärksten Länder hinter der Volksrepublik China, den USA, Deutschland und den Niederlanden. Im Vergleich mit dem BIP pro Kopf der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreichte Japan 2015 einen Indexwert von 99 (EU-28:100) und damit etwa 79 % des deutschen Wertes.
Produktivität Die japanische Wirtschaft ist hocheffizient, ihre Stärken liegen besonders im internationalen Handel und der forschungsintensiven Hochtechnologie. Der Agrarsektor hingegen ist trotz hoher Effizienz, wie auch in der EU und den USA, stark subventioniert. Auf Grund des hohen Lohnniveaus haben japanische Unternehmen schon in den 1970er-Jahren begonnen, ihre Produktion auszulagern, besonders die südostasiatischen Länder wie Singapur und Malaysia wurden die verlängerte Werkbank Japans. Die in diesen Ländern geschaffene Infrastruktur hat es aber in den letzten Jahren auch dortigen einheimischen Unternehmen erlaubt, zu ausgewachsenen Konkurrenten für die japanische Industrie heranzuwachsen, etwa Lenovo in China und Samsung in Südkorea.
Arbeitslosigkeit Nachdem die japanische Wirtschaft über Jahrzehnte nahezu Vollbeschäftigung vorweisen konnte, wurde die Arbeitslosigkeit in den 1990er-Jahren zu einem gesellschaftlichen Problem. Während die offiziellen Statistiken weiterhin im Vergleich zu anderen Industrieländern niedrige Arbeitslosenzahlen angaben, lag die Dunkelziffer deutlich höher.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung-standardisierte Arbeitslosenquote (SUR), die nach Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen berechnet wird, betrug im November 2007 4,0 % und lag damit unter dem OECD-Schnitt von 5,6 %.OECD Standardised Unemployment Rate remains stable at 5,6 % in September 2007, OECD, 9. November 2007
Vermögen Japan stand, laut einer Studie der Bank Credit Suisse aus dem Jahre 2017, auf Rang 3 weltweit beim nationalen Gesamtvermögen. Der Gesamtbesitz an Immobilien, Aktien und Bargeld belief sich auf insgesamt 23.682 Milliarden US-Dollar. Je erwachsene Person beträgt es 225.057 Dollar im Durchschnitt und 123.724 Dollar im Median (in Deutschland: 203.946 bzw. 47.091 Dollar). Beim Median-Vermögen zählen die Japaner damit zu den Top 10 der wohlhabendsten Nationen.
Insgesamt war 61,1 % des gesamten Vermögens der Bevölkerung finanzielles Vermögen und 38,9 % nicht-finanzielles Vermögen. Der Gini-Koeffizient bei der Vermögensverteilung lag 2017 bei 60,9, was auf eine relativ niedrige Vermögensungleichheit hindeutet. Die obersten 10 % der japanischen Bevölkerung besaßen 45,2 % des Vermögens und die obersten 1 % besaßen 14,5 % des Vermögens. Japan zählt damit zu den Industrieländern mit der niedrigsten Vermögensungleichheit. Insgesamt 7,9 % der Bevölkerung hatten ein privates Vermögen von weniger als 10.000 Dollar und 2,5 % hatten ein Vermögen von mehr als 1 Million Dollar. Eine derartige Vermögensverteilung lässt auf eine breite Mittelschicht schließen. Mitte 2018 lebten in Japan 33 Milliardäre. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung des Landes gibt es damit relativ wenige Milliardäre.
Wirtschaftsgeschichte
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Industrie, eine starke „Arbeitermentalität“, die Beherrschung von Hightech, ein großes Augenmerk des Staates auf Ausbildung und ein vergleichsweise geringes Verteidigungsbudget (1 % des Bruttoinlandproduktes) haben Japan geholfen, 1968 die BRD zu überholen und hinter den USA sowie der Sowjetunion die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt zu werden. Über drei Jahrzehnte hinweg hatte Japan durchgehend nur Wirtschaftswachstum zu verzeichnen: ein Durchschnitt von 10 % in den 1960er Jahren, durchschnittlich 5 % in den 1970er Jahren und 4 % Wirtschaftswachstum in den 1980er Jahren.
Nachkriegsentwicklung Nach dem Zweiten Weltkrieg waren alle japanischen Großstädte mitsamt ihren Industrieanlagen zerstört, das BIP lag nur noch auf der Hälfte des Vorkriegswerts. Die Arbeitslosigkeit lag bei über 30 Prozent und wurde nur dadurch gemildert, dass viele Arbeiter zurück aufs Land gingen.
Zusätzlich ließ der Supreme Commander for the Allied Powers (SCAP) die gesamte Rüstungsindustrie auf zivile Produktion umstellen oder auflösen. So wurde zum Beispiel der Aufbau der japanischen Automobilindustrie durch ehemalige Luftfahrtingenieure geprägt. Die Zaibatsu, die dominierenden Industriekonglomerate der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurden als Unterstützer des japanischen Nationalismus ausgemacht und 1947 aufgelöst. Holdinggesellschaften wurden (bis 1997) verboten. Die ehemals in den Zaibatsu zusammengeschlossenen Unternehmen begannen daraufhin, sich durch Überkreuzbeteiligungen gegen Übernahmen abzusichern, und schufen so neue Strukturen, die Keiretsu.
Die japanische Wirtschaftspolitik der Nachkriegszeit war von planwirtschaftlichen Ideen geprägt. Die japanische Regierung setzte in ihrem ersten Fünfjahrplan alle Kräfte auf den Wiederaufbau der Schwerindustrie und konnte bereits Anfang der fünfziger Jahre das Vorkriegsniveau wieder erreichen. Im 1950 einsetzenden Koreakrieg wurde Japan zum Alliierten und zur Nachschubbasis der Vereinigten Staaten, was das Wirtschaftswachstum stützte und Japan 1952 zur Wiedererlangung der Souveränität verhalf.
Die anfänglichen planwirtschaftlichen Tendenzen wurden Mitte der 1950er Jahre durch die zunehmende Dominanz der Liberalen und Demokraten, die sich 1955 zur Liberaldemokratischen Partei zusammenschlossen, zurückgedrängt.
Das japanische Wirtschaftswunder
Vom Beginn der 1960er Jahre bis zur ersten Ölkrise 1973 erlebte Japan eine Phase des Hochwachstums (Nachkriegsboom), die durch mehrere Faktoren begünstigt wurde. Zum ersten verfolgte die japanische Regierung eine prozyklische Politik und erhöhte noch im Wachstum die Staatsausgaben. Zweitens war der japanische Markt nach innen zwar durch heftige Konkurrenz mehrerer gleich starker Wettbewerber angeheizt, nach außen hin aber abgeschirmt, was japanischen Unternehmen eine sichere Basis gab. Drittens verstanden es japanische Unternehmen, Schlüsseltechnologien aus dem Ausland zu übernehmen, kontinuierlich zu verbessern (Kaizen) und Schritt für Schritt international Marktanteile zu erobern. Viertens sicherten sich die Unternehmen durch das System der lebenslangen Beschäftigung eine gut ausgebildete und loyale Stammbelegschaft (rund 30 % aller Beschäftigten), während gleichzeitig eine große Zahl Kleinunternehmen als Zulieferer fungierte (duale Struktur) und mit geringen Löhnen die Preise drückte. Die Lohnentwicklung hielt mit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt, was zum Slogan „reiches Japan – arme Japaner“ führte.
Ölkrise und Bubble Economy lang=de|mini|Immobilienpreise in Japan 1965–2008, Büroimmobilien rot
Die Ölkrise 1973 sorgte für einen ersten Einsturz der japanischen Konjunktur. Japan war ohne eigene Ölreserven mehr als jede andere Industrienation vom Öl aus den Golfstaaten abhängig. Die Ölkrise führte zu einem Umdenken, unter anderem wurde nun verstärkt auf Öl aus Südostasien und auf Atomkraft gesetzt. Die zweite Ölkrise überstand Japan nahezu unbeschadet. Insgesamt waren die 1970er Jahre eine Phase stabilen Wachstums und eine Phase steigender Außenhandelsüberschüsse.
Nach dem Plaza-Abkommen 1985 floss in Erwartung einer Yen-Aufwertung spekulatives Kapital nach Japan und setzte dort eine Spirale in Gang: Aktienmarkt und Immobilienpreise zogen an, in Erwartung weiterer Spekulationsgewinne wurden Immobilien beliehen und das Kapital in Aktien investiert (Bubble Economy). Der Yen-Kurs stieg tatsächlich und verdoppelte sich im Zeitraum von nur etwa einem Jahr. Der reale Wirtschaftsboom wurde durch die Spekulationen überhitzt, und eine Spekulationsblase entstand. Japanische Unternehmen hatten nun sehr viel Kapital zur Verfügung, das teilweise zur Akquisition von Unternehmen außerhalb Japans, vor allem in den USA, verwendet wurde.
Zusammenbruch und Deflationsspirale
miniatur|250px|Preisindizes des Privaten Konsums und des Bruttoinlandsprodukts von Japan, 2000=100, nach Daten von Ameco erstellt. Ab 1993 sind diese Preisindizes rückläufig. Anfang der 1990er Jahre platzte dann die Blase. Die Immobilienpreise fielen um drei Viertel, die Aktienmärkte stürzten ab und Banken saßen auf faulen Krediten („bad loans“), deren Höhe die des Wertes der hinterlegten Grundstücke und Gebäude überstieg. Faktisch waren viele Banken und Unternehmen von Insolvenz bedroht, diese wurde oft aber nicht vollzogen beziehungsweise durch künstliche Überbewertung von Vermögenswerten über Jahre verschleppt.
In den 1990er Jahren befand sich Japan in einer Deflationsspirale. Die Binnennachfrage blieb schwach; der Wechselkurs des Yen war relativ stabil. Die Zentralbank Japans versuchte vergeblich, durch ihre jahrelange Nullzinspolitik Investitionsanreize zu setzen. Auch die Asienkrise 1997/98 erschwerte eine Gesundung, und einige große Banken und Versicherer gingen in Konkurs. Aufgrund der langanhaltenden Wachstumsschwäche der japanischen Wirtschaft in den 1990er Jahren wird in diesem Zusammenhang oft vom „verlorenen Jahrzehnt“ gesprochen.
Politische Reformen und wirtschaftliche Erholung
Zu Beginn des Millenniums erließ die Regierung von Jun’ichirō Koizumi neue Gesetze zur Privatisierung und Deregulierung, die insbesondere den Finanzsektor betrafen. Damit versuchte sie, die noch schwächelnde japanische Wirtschaft anzuregen. Wie schon in früheren (kleineren) konjunkturellen Krisen setzte die Regierung auf umfangreiche staatliche Investitionsprogramme, welche jedoch die Staatsverschuldung weiter erhöhten.
Hinweise auf eine Besserung der Lage gaben der um 2000/2005 einsetzende China-Boom und Fortschritte in der Robotik-Forschung. Ab 1995 gelang es den Banken, über einen Zeitraum von gut 15 Jahren eine Vielzahl der faulen Kredite abzuschreiben und den Bankensektor durch Fusionen zu stabilisieren. Japan hatte von 2003 bis 2008 ein reales Wirtschaftswachstum von über einem Prozent. Der innerasiatische Handel, welcher 55 % des Gesamthandels der Region ausmachte, erreichte rund zwei Drittel des EU-Binnenhandels.
Wichtiger Stabilitätsanker des Aufschwungs wurde zunehmend der Binnenkonsum. Viele japanische Haushalte sind Nettosparer; insbesondere ältere Konsumenten wurden angesichts der hohen Sparquote und der Überalterung als kaufkräftige Zielgruppe für die Unternehmen von zunehmendem Interesse. Die Wirtschaft hat sich gesund geschrumpft, faule Kredite abgebaut, Lohnkosten der Arbeitsproduktivität angepasst bzw. im Rahmen innerbetrieblicher Abmachungen erfolgsorientierte Lohnbestandteile eingeführt und gleichzeitig in Forschung und Entwicklung investiert. Innovationen wurden auch aufgrund des bestehenden hohen Wettbewerbdrucks schneller als beispielsweise in Deutschland in Produkte umgesetzt (Stand 2009).
Japanische Unternehmen wurden wieder international wettbewerbsfähig, in vielen Branchen Weltmarktführer und eroberten alte verlorengegangene Positionen zurück. Das Vertrauen der Unternehmen und Konsumenten in die Zukunft, das regelmäßig in den so genannten Tankan-Umfragen abgefragt wird, ist seit langem sektorübergreifend größer geworden. Dazu trägt auch die niedrige Arbeitslosigkeit von 4,4 % bei (Stand 2005).oecd.org