Tour der Springboksnach Neuseeland und in die USA 1981 Übersicht S G U N Test Matches 2 2 0 2 Sonstige Spiele 15 12 1 0 Gesamt 17 14 1 2 3 1 0 2 1 1 0 0

Die Tour der südafrikanischen Rugby-Union-Nationalmannschaft nach Neuseeland und in die USA 1981 umfasste eine Reihe von Freundschaftsspielen der Springboks, der Nationalmannschaft Südafrikas in der Sportart Rugby Union. Das Team reiste von Juli bis September August 1981 durch Neuseeland und die Vereinigten Staaten, wobei es 17 Spiele bestritt. Dazu gehörten drei Test Matches gegen die neuseeländische Nationalmannschaft (die All Blacks), ein Test Match gegen die amerikanische Nationalmannschaft sowie 13 weitere Begegnungen mit regionalen Auswahlteams. Die Springboks mussten in zwei Niederlagen gegen die All Blacks hinnehmen, hinzu kam ein Unentschieden gegen die Auswahl der Māori.

Angesichts der Ablehnung der Apartheid in Teilen der Bevölkerung bildete sich insbesondere in Neuseeland eine breite Protestbewegung. Rugby Union war (und ist) ein sehr populärer Sport in Neuseeland, und das südafrikanische Team gilt als Neuseelands stärkster Gegner. Daher gab es eine große Meinungsverschiedenheit in Neuseeland darüber, ob die Politik den Sport auf diese Weise beeinflussen sollte und ob die Springboks auf Tournee gehen dürfen. Trotz der Kontroverse beschloss der neuseeländische Rugbyverband, die Tournee durchzuführen. Die Regierung von Premierminister Robert Muldoon war aufgefordert worden, sie zu verbieten. Sie war aber der Auffassung, dass die Verpflichtungen aus dem Gleneagles-Vereinbarung die Regierung nicht dazu verpflichteten, die Tour zu verhindern. Ebenso vertrat sie den Standpunkt, dass die Politik sich nicht in den Sport einmischen dürfe. In der Folge kam es zu landesweiten Protesten während der gesamten Tour der Springboks, die zum Teil derart heftigen waren, dass zwei Spiele abgesagt werden mussten.

Ereignisse

Hintergrund mini|Ankündigung einer Protest­versammlung der Citizens' All Black Tour Association (1960). Sie forderte, die Mannschaft vor Spielen gegen Südafrika nicht aufgrund der Kriterien der Apartheid aufzustellen. Die Rugby-Union-Nationalmannschaften Südafrikas und Neuseelands, die Springboks und die All Blacks, besitzen eine lange Tradition intensiver und freundschaftlicher sportlicher Rivalität. Seit den 1920er Jahren beeinflusste die südafrikanische Apartheidpolitik die Zusammenstellung des Kaders der All Blacks: Die New Zealand Rugby Football Union (NZRFU) überging Māori-Spieler und nahm sie nicht auf Touren der All Blacks nach Südafrika mit. In den 1950er und 1960er Jahren wuchs der Widerstand gegen die Entsendung von Mannschaften, die aus Rücksicht auf rassistische Kriterien zusammengestellt wurden. Vor der Südafrika-Tour 1960 der All Blacks unterzeichneten 150.000 Neuseeländer eine Petition, die unter dem Motto „No Māoris, no Tour“ vergeblich einen Verzicht auf die Tour forderte. 1969 erfolgte die Gründung der antirassistischen Organisation Halt All Racist Tours (HART), die danach strebte, sämtliche sportlichen Kontakte mit Südafrika zu unterbinden.

In den 1970er Jahren stellten Proteste und politischer Druck die NZRU vor die Wahl, entweder eine Mannschaft aufzustellen, die nicht nach Rasse ausgewählt wurde, oder auf Touren nach Südafrika zu verzichten. Obwohl es 1969 in Großbritannien und Irland sowie 1971 in Australien zu massiven Anti-Apartheid-Protesten gekommen war, blieb der Verband stur und die südafrikanischen Behörden bestanden weiterhin darauf, ihre rassistischen Kriterien auch auf ausländische Teams anzuwenden. Daraufhin übte die sozialdemokratische Regierung von Norman Kirk Druck auf die NZRFU aus, die eine für 1973 geplante Tour der Springboks nach Neuseeland auf unbestimmte Zeit verschob (offiziell abgesagt wurde sie nie). Währenddessen beklagte die konservative Opposition um Robert Muldoon die „Einmischung der Politik in den Sport“.

Trotz massiver Kritik tourten die All Blacks 1976 durch Südafrika, mit der ausdrücklichen Billigung durch den neu gewählten Premierminister Muldoon.Gregory Fortuin: It's time to close the final chapter. In: The New Zealand Herald, 20. Juli 2006. Mehrere afrikanische Staaten protestierten dagegen und forderten das Internationale Olympische Komitee (IOC) ultimativ auf, Neuseeland von den gleichzeitig stattfindenden Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal auszuschließen. Als das IOC dieser Forderung nicht nachkam, boykottierten 28 Staaten die Spiele. Ihrer Ansicht nach unterstützte die Tour der All Blacks stillschweigend das südafrikanische Apartheid-Regime. Die negativen Erfahrungen der Tour von 1976 führten ein Jahr später zur Verabschiedung der Gleneagles-Vereinbarung durch die Regierungschefs des Commonwealth of Nations.

Proteste in Neuseeland Anfang der 1980er Jahre erreichte der Druck aus anderen Ländern und von Protestgruppen in Neuseeland wie HART einen Höhepunkt, als die NZRFU eine Springbok-Tour für 1981 ankündigte. Diese entwickelte sich aufgrund des internationalen Sportboykotts zu einem politischen Streitthema. Der australische Premierminister Malcolm Fraser verweigerte den Flugzeugen der Springboks die Erlaubnis, in Australien aufzutanken, sodass die Flüge der Springboks von und nach Neuseeland über Los Angeles und Hawaii gingen.Chapple: 1981: The Tour. S. 60. Trotz des Drucks auf die Regierung Muldoon, die Tour abzusagen, wurde die Erlaubnis erteilt, und die Springboks trafen am 19. Juli 1981 in Neuseeland ein. Muldoon wurde beschuldigt, die Gleneagles-Abkommen gebrochen zu haben. Er vertrat jedoch in einem Artikel in der Times die Meinung, dass man von einem demokratischen Staat wie Neuseeland nicht verlangen könne, die Freiheit seiner Sportler einzuschränken und von unabhängigen Verbänden vereinbarte sportliche Kontakte zu verbieten.Robert Muldoon: Why My Small Country is Now Being Rent Asunder. In: The Times, 28. Juli 1981. Verschiedene Rugbyjournalisten stimmten mit ihm überein, dass Sport und Politik nicht vermischt werden sollten. Andere hielten dem entgegen, dass es bei einer Absage der Tour keine Berichterstattung über die weit verbreitete Kritik an der Apartheid in den kontrollierten südafrikanischen Medien geben würde. Muldoons Kritiker waren der Meinung, dass er die Tour vor allem deshalb zuließ, damit seine National Party bei den bevorstehenden Parlamentswahlen die Stimmen der Konservativen in ländlichen Gebieten sichern könne.

mini|Platzsturm in Hamilton, rechts der Aktivist Tom Newnham Die darauf folgenden öffentlichen Proteste polarisierten das Land: Während die Rugbyfans die Stadien füllten, versammelten sich die Apartheid-Gegner oft zu Tausenden in den umliegenden Straßen und sorgten für massive Störungen. Die Protestbewegung setzte zunächst auf gewaltlosen zivilen Ungehorsam, Demonstrationen und direkte Aktionen. Zum Schutz der Springboks und ihrer Begleiter schuf die neuseeländische Polizei zwei Bereitschaftseinheiten namens Blue Squad und Red Squad. Gleich beim ersten Spiel am 22. Juni in Gisborne gelang es Demonstranten, den Zaun um das Stadion zu durchbrechen, aber das schnelle Eingreifen der Zuschauer und der Sicherheitskräfte vor Ort verhinderte eine Spielunterbrechung. Drei Tage später in Hamilton gelang rund 350 Demonstranten ein Platzsturm, nachdem sie den Zaun niedergerissen hatten. Die Polizei verhaftete etwa 50 von ihnen innerhalb einer Stunde, war aber besorgt, dass sie die randalierenden Fans, die Flaschen und andere Gegenstände auf die Demonstranten warfen, nicht kontrollieren konnte. Nach Meldungen, dass sich ein gestohlenes Kleinflugzeug dem Stadion näherte, sagte die Polizei das Spiel ab. Die Demonstranten wurden vom Platz geführt und angewiesen, alle Anti-Tour-Insignien von ihrer Kleidung zu entfernen, wobei wütende Zuschauer auf sie einschlugen. Gruppen von Rugbyfans warteten vor der Polizeiwache in Hamilton darauf, dass die verhafteten Demonstranten abgefertigt und freigelassen wurden, und griffen einige an.

Die harsche Eingreifen während des Spiels in Hamilton sowie brutale Attacken von Polizisten auf Demonstranten in Wellington in der darauf folgenden Woche führten zu einer Radikalisierung der Protestbewegung. Viele Demonstranten begannen, Motorrad- oder Fahrradhelme zu tragen, um sich vor Kopfverletzungen durch Schlagstöcke zu schützen. Die Behörden verstärkten die Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Einrichtungen, nachdem Demonstranten die Telekommunikation gestört hatten, indem sie einen Wellenleiter an einem Mikrowellen-Repeater beschädigten und so Telefon- und Datendienste unterbrachen (die Fernsehübertragungen liefen jedoch weiter, da sie von einem separaten Wellenleiter am Turm übertragen wurden).Lecturer admits 1981 tour sabotage. In: The Press, 14. Juli 2001. Die verbleibenden Stadien wurden mit Stacheldraht und Schiffscontainer-Barrikaden umgeben, um die Chancen eines weiteren Platzsturms zu verringern. Im Eden Park in Auckland baute man einen geheimen Fluchtweg von den Umkleidekabinen ins Freie, den die Südafrikaner nutzen konnten, sollte das Stadion von Demonstranten überrannt werden.

mini|Rauchgranate im Eden Park Vor dem ersten Test Match im Lancaster Park von Christchurch am 15. August gelang es etlichen Demonstranten, eine Sicherheitsabsperrung zu durchbrechen, wobei einige von ihnen bis auf das Spielfeld vordrangen. Sie konnten rasch von Sicherheitspersonal und Zuschauern aus dem Stadion vertrieben werden. Einem großen Demonstrationszug gelang es, die an das Gelände angrenzende Straße zu besetzen und die Bereitschaftspolizei zu konfrontieren. Die Zuschauer mussten im Stadion bleiben, bis sich die Demonstration aufgelöst hatte. Am 29. August, vor dem zweiten Test Match in Wellington, begannen die Protestaktionen bereits am frühen Morgen, als sich rund 7.000 Demonstranten im Stadtzentrum versammelten. Die Menschenmenge blockierte die Autobahnausfahrten in die Stadt sowie die Straßen und Fußwege zum Athletic Park. Die Polizei reagierte, indem sie menschliche Keile bildete, um die Zuschauer durchzulassen. Es gab viele Handgemenge, als die Demonstranten weggezerrt wurden. Einige Rugbyfans schlugen mit Fäusten und Stiefeln auf sie ein. Eine tief fliegende Cessna 172 unterbrach das dritte Test Match am 12. September in Auckland durch das Abwerfen von Mehlsäcken, Rauchgranaten und eines Transparents zu Ehren von Steve Biko auf das Spielfeld. Trotzdem konnte das Spiel fortgesetzt werden. Außerhalb des Stadions kam es zu weiteren Ausschreitungen.

Die Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika wurde durch die Ereignisse in Neuseeland beflügelt. Als Nelson Mandela, der auf Robben Island inhaftiert war, vom Abbruch des Spiels in Hamilton erfuhr, sei dies für ihn gewesen, „als ob die Sonne herausgekommen wäre“. In Neuseeland wiederum kritisierten vor allem konservative Kreise, dass die Art und Weise, wie die Südafrikaner ihr Land regierten, sie nichts angehe. Die Anti-Tour-Bewegung sei von „Dauerprotestlern“ und „Berufsrandalierern“ angeführt worden, die nur daran interessiert seien, die Polizei zu bekämpfen. Kurzfristig gingen die Konservativen als Sieger in der Auseinandersetzung hervor: Die Tour konnte zu Ende geführt werden, die Apartheid blieb bestehen und die ländlichen Regionen sicherten der National Party einen knappen Sieg bei den Parlamentswahlen im November (wenn auch mit der knappstmöglichen Mehrheit von einem Sitz). 1981 war das letzte Mal, dass die Springboks während der Apartheid-Ära in Neuseeland zu Gast waren. 1985 musste die NZRFU eine geplante Südafrika-Tour absagen, nachdem der High Court of New Zealand zugunsten einer Klage von Anti-Apartheid-Aktivisten entschieden hatte. Ein Jahr darauf fand eine äußerst kontroverse, nicht vom Verband sanktionierte „Rebellentour“ der New Zealand Cavaliers statt.

Geheimhaltung in den USA