thumb|right|Müllverbrennungsanlage Bullerdeich, um 1896 Die Müllverbrennungsanlage Bullerdeich in Hamburg-Hammerbrook war die erste in Deutschland und die erste auf dem europäischen Festland in Betrieb genommene Müllverbrennungsanlage. Sie wurde ab 1892 als Folge der Choleraepidemie errichtet, um zu einer hygienischeren Abfallbeseitigung zu führen. 1894 begann der Versuchsbetrieb. Die Anlage wurde nach dem Vorbild der britischen Horsfall-Öfen errichtet, bei welchen die Verbrennung mit vorgewärmter Luft erfolgte, um eine bessere Verbrennung mit weniger Ruß zu erreichen.
Am 1. Januar 1896 begann der Regelbetrieb der Anlage, deren Bau eine halbe Million Reichsmark kostete. Sie verfügte über einen 48,61 m hohen Schornstein und 36 Öfen, in welche Arbeiter den zu verfeuernden Müll von Hand stopften, während in der unteren Ebene die Schlacke von anderen Arbeitern entfernt wurde. Die Schlacke wurde als Füllmaterial in Decken- und Wandzwischenräumen genutzt. Zuvor wurden noch mit Hilfe eines Magneten ferromagnetische Gegenstände aus der Asche gezogen.
Der Betrieb der Anlage erfolgte zuerst im Zweischicht-, bald aber wegen des großen Bedarfs im Dreischichtbetrieb.
Da keine Abgasreinigung und auch keine Staubfilter existierten, führte der Betrieb im Umfeld zu einer starken Verschmutzung mit Flugasche. Trotzdem wurden in den Jahren 1910 und 1913 weitere Müllverbrennungsanlagen im Umland von Hamburg in Betrieb genommen, 1910 am Alten Teichweg in Barmbek und 1913 in der Ruhrstraße in Altona, das jedoch damals noch nicht zu Hamburg gehörte.
Die Anlage am Bullerdeich wurde 1924 stillgelegt.
Nachnutzung und Parkentwicklung Das Gelände der ehemaligen Müllverbrennungsanlage am Bullerdeich wurde später von der Stadtreinigung Hamburg unter anderem als Recyclinghof genutzt. Der ehemalige Recyclinghof am südlichen Ende des Hochwasserbassins zwischen Bullerdeich und Bille ist nach Angaben des Bezirksamts Hamburg-Mitte bis heute mit Schadstoffen belastet. Auf dem Gelände befinden sich unter anderem eine multifunktional nutzbare Halle sowie das erhaltene ehemalige Betriebsleitergebäude am Bullerdeich 6.
Seit 2019 wird das Areal im Rahmen des Projekts Alster-Bille-Elbe PARKS schrittweise als öffentlicher Freiraum entwickelt. Das Projekt entstand im Zusammenhang mit dem Hamburger Grünen Netz und der Stadtentwicklungsstrategie „Stromaufwärts an Elbe und Bille“. Ziel ist es, gemeinsam mit Anwohnern, Vereinen, Künstlern und weiteren lokalen Akteuren unterschiedliche Formen der Nutzung und Gestaltung öffentlicher Grün- und Freiräume zu erproben. Auf dem ehemaligen Recyclinghof wurden unter anderem Gemeinschaftsgärten, temporäre Aufenthaltsbereiche sowie kulturelle, soziale und sportliche Nutzungen eingerichtet. Seit 2021 wird die Fläche vom Hallo: Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V. betreut und saisonal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Gebäude Bullerdeich 6 dient dabei der Koordination der Nutzungen.
PARKS ist zugleich eine Zwischennutzung und Teil der vorbereitenden Entwicklung des geplanten Parks am Hochwasserbassin. Der ehemalige Recyclinghof bildet dessen südlichen Abschluss und wird von der Stadt als ein zentraler Bestandteil des künftigen Parks bezeichnet. Nach der derzeitigen Planung soll das PARKS-Projekt Ende 2027 auslaufen; vergleichbare gemeinschaftliche Nutzungen sollen jedoch nach Möglichkeit auch anschließend weitergeführt werden.
Der Park am Hochwasserbassin ist wiederum Bestandteil des geplanten rund vier Kilometer langen Alster-Bille-Elbe-Grünzugs, der eine durchgehende Grünverbindung von der Außenalster über Hammerbrook und Rothenburgsort bis zum Elbpark Entenwerder herstellen soll. Der etwa einen Kilometer lange Parkabschnitt soll sich vom Anckelmannplatz beziehungsweise dem Berliner Bogen im Norden bis zum ehemaligen Recyclinghof am Bullerdeich im Süden erstrecken. Vorgesehen sind unter anderem eine durchgehende Wegeverbindung für Fuß- und Radverkehr, eine Aufwertung und Verbreiterung bestehender Grünflächen, Sport- und Freizeitangebote sowie neue Zugänge zum Wasser.
Für die Gestaltung des Parks führte das Bezirksamt Hamburg-Mitte 2022 einen freiraumplanerischen Wettbewerb durch. Im Januar 2023 erhielt der Entwurf „Park in Progress“ der Arbeitsgemeinschaft aus dem Landschaftsarchitekturbüro atelier le balto und C/O Zukunft – Stadtplanung und Stadtentwicklung den ersten Preis. Die anschließenden Planungen wurden Ende 2024 vorübergehend unterbrochen und im April 2025 wieder aufgenommen. Nach dem Planungsstand von 2026 wird mit einem Baubeginn im dritten Quartal 2027 und einer Fertigstellung in der ersten Jahreshälfte 2029 gerechnet.
Parallel dazu wird mit dem Bebauungsplanverfahren Hammerbrook 9 die langfristige Nutzung des Gebiets neu geordnet. Das etwa 21 Hektar große Plangebiet reicht vom Anckelmannplatz bis zur Bille. Ein Großteil soll dauerhaft als öffentliche Parkanlage gesichert werden; zugleich sollen bestehende Sportanlagen sowie der Kunst- und Kreativstandort an der Süderstraße erhalten und weiterentwickelt werden. Auch das östlich der Bahnstrecke gelegene ehemalige Kraftwerk Bille ist in die Planung einbezogen. Eine öffentliche Plandiskussion zum neuen Bebauungsplanentwurf fand im Februar 2026 statt.
Weblinks NDR: Müllverbrennung: Seit aus Abfall Strom und heiße Luft wird Geschichte Stadtreinigung Hamburg
Einzelnachweise
Bullerdeich Kategorie:Erbaut 1894 Kategorie:Zerstört in den 1920er Jahren Kategorie:Hamburg-Hammerbrook Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Hamburg