mini|Staaten zur Zeit der Streitenden Reiche. Chu in Rot|300x300px Chu (, Altchinesisch *s-r̥aʔ) war ein Königreich im Gebiet des heutigen Süd-China während der Westlichen Zhou-Dynastie (1046 bis 771 v. Chr.), der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen (722 bis 481 v. Chr.) und der Zeit der Streitenden Reiche (475 bis 221 v. Chr.). Ursprünglich war das Land als Jing () und nachfolgend als Jingchu () bekannt. Die größte Ausdehnung bildete ein umfangreiches Gebiet, einschließlich das der heutigen Provinzen Hunan, Hubei, Chongqing, Henan, und Teilen der Provinz Jiangsu.

Kennzeichnend für den Staat Chu war die auf den chinesischen Schamanismus aufbauende Kultur und Politik. Die Gedichtesammlung Chuci, welche als das früheste vollkommene schriftliche Zeugnis der schamanistischen Kultur Zentralasiens gilt, entstand im Staat Chu.

Historische Überlieferung 350x350px|mini|Lage des Staates Chu um 260 v. Chr. Als erstem Vasallen der Zhou-Könige gelang es dem Fürst Chu Wuwang (König Wu von Chu) im Jahr 703/704 vor Christus, sich selbst dauerhaft als König zu etablieren und sich damit gleichrangig zum Herrscher der regierenden Zhou-Dynastie zu machen.Anmerkung: So das Shiji von Sima Qian; nach Falkenhausen in Band 40, S. 1692/1695. Hintergrund dafür war die Lage des nie voll unterworfenen, teilautonomen Flächenlandes im südlichsten Teil des Zhou-Herrschaftsbereichs. Historiker erklären diese Selbsterhöhung mit diplomatischen Schwierigkeiten, welche der Zi (子, übersetzt meist als Vizegraf) von Chu mit seinen südlichen Nachbarn gehabt haben müsse. Führer jener nichtchinesischen Regionen und Stammestümer bezeichneten sich ebenfalls als Könige. Nachdem dem Fürsten von Chu ein gebührender Rang (etwa der eines Gongs) durch die regierenden Zhou jahrzehntelang trotz inständigen Bittens verweigert worden war, sei die Königs-Ernennung weniger als Akt der Rebellion gegen die Zhou-Könige zu verstehen, denn als Bemühung, sich den Respekt der Vasallen und Nachbarreiche zu erhalten. Für lange Zeit blieb Chu das einzige chinesische Fürstentum, welches von einem dem Zhou-König formell gleichrangigen Herrscher regiert wurde, und beanspruchte auch bald in vielerlei weiteren politischen Gesten den Status eines unabhängigen Staates, der nicht länger Vasall der Zhou sei. Erst zur Zeit der Streitenden Reiche wagten es weitere mächtige Gongs, sich ebenfalls als Könige zu bezeichnen, angefangen in der Mitte des 6. Jahrhunderts in den Staaten Wu und Yue.

Das südliche Chu war damit seit Beginn der Frühlings- und Herbstannalen eine stetige Bedrohung für die brüchigen Bündnispartner rund um den Zhou-Hof des Nordens. Chu blieb darum auch lange einer der mächtigsten Staaten Chinas; der spätere König Zhuang (um die Jahrhundertwende 600 v. Chr.) wird meist zu den Fünf Hegemonen gezählt und somit zu den Garanten für die Aufrechterhaltung der feudalen Ordnung Chinas in dieser Zeit.

Chu wurde dafür bekannt, seine Verbündeten und Vasallen (zumeist kleine bis sehr kleine Staaten in seinen Randgebieten) zu annektieren und auf diese Weise seinen direkten Herrschaftsbereich langsam auszudehnen. Dazu gehörten (alle Jahreszahlen vor Christus): E (863), Quan (704), Luo (690), Shen und Xi (zwischen 688 und 680), Deng (678), Huang (648), Dao (nach 643), Jiang (623), Liao und Lù (622), Ruo (nach 622), Yong (611), Shuliao (601), Sui (nah 506), Shuyong (574), Lai (538), Xu (512), Chen (479), Cai (447), Qi (445), Ju (431), Pi (nach 418), Zou, Yue (334) und Lu (249).

223 wurde Chu im Zuge der Reichseinigung als einer der letzten chinesischen Staaten durch Qin erobert.

Hauptstädte

In den 1200 Jahren des Bestehens von Chu wurde die Hauptstadt mehrfach verlegt. Zunächst befand sich die Hauptstadt in Danyang (), anschließend in Yanying (), Jiying (), Chenying (), Shouying (), und schlussendlich in Pengcheng (); verlinkt sind die heutigen Namen der jeweiligen Standorte.

Archäologischer Befund mini|300px|Eine Lackmalerei aus dem Jingmen-Grab () des Staates Chu, die Männer in den Vorläufern des Hanfu darstellen. (d. h. traditionelle Seidenkleidung) und in einem zweispännigen Streitwagen mini|300px|Eines der ausgegrabenen Ding-Gefäße (ein traditioneller chinesischer Kultgegenstand), ausgestellt im Henan-Museum Archäologisch wurde durch Auswertung von Grabgestaltung und -beigaben erwiesen, dass der Staat Chu um 600 v. Chr., also in der mittleren Zeit der Frühlings- und Herbstannalen, hinsichtlich seiner Sitten und Kultur voll unter dem Einfluss der Zhou-Könige stand, während seine Führer zugleich politische Souveränität und Gleichrangigkeit zu den Zhou beanspruchten. Ob die Chu-Herrscher und ihre Kultur allerdings einer einheimischen Führerschaft entstammten oder aber ob und unter welchen Umständen sie aus dem Zhou-Reich im Norden gekommen waren, ließ sich bislang nicht feststellen. Auch die erste Hauptstadt Danyang ist bislang nicht gefunden worden.

Ausgrabungsstätten Es existieren heutzutage mehrere Ausgrabungsstätten, in denen Artefakte des Staates Chu gefunden wurden. Bei den beiden größten handelt es sich um:

Die Gruppe alter Gräber am Xia-Tempel (; auch genannt): Eine Sammlung von Gräbern des Chu-Adelsgeschlechts der mittleren und späten Zeit der Frühlings- und Herbstannalen, welche 1978 entdeckt wurde. Insgesamt wurden 25 Gräber und 5 Wagengruben ausgegraben, sowie mehr als 6.000 Grabbeigaben aus Bronze und Jade. Der Premierminister des Chu Staats Zigeng ist dort begraben worden. Die gesamte Grabfläche erstreckt sich über 100.000 Quadratmeter. Die Ausgrabungsstätte befindet sich im heutigen Kreis Xichuan in der Provinz Hunan.

Die Gruppe der Mönchsgräber und der Xu-Familie (): Zwei sehr nahe beieinander liegende Gräbergruppen, welche zusammengenommen nach den Gräbern am Xia-Tempel die zweitgrößte Gruppe an entdeckten Gräbern des Chu-Adelsgeschlechts bilden. Eine große Anzahl an Bronze-Artefakten wurden ebenfalls gefunden. Die Ausgrabungsstätte liegt unweit der Gräbern am Xia-Tempel, ebenfalls im heutigen Kreis Xichuan, Hunan. 1992 und 2007 wurden die Grabstätten in die Liste der Top Ten der archäologischen Entdeckungen in China vom Staatlichen Büro für Denkmalschutz aufgenommen. Die Erkenntnisse aus den Ausgrabungen wurden als von höchster Relevanz für das Verständnis der Entwicklung, Geschichte und Kultur (insbesondere das stark ausgeprägte Ritual- und Musiksystem sowie die alte Schrift und Kalligraphie) des Staates Chu, als auch für Erkenntnisse über die Beziehungen zu den umliegenden Vasallenstaaten eingestuft.

Sprache Obwohl Bronzeinschriften aus dem Staat Chu kaum schriftsprachliche Unterschiede zu der in der Zentralchinesische Ebene verwendeten Sprache () zur Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie aufweisen, wird seit langem angenommen, dass die in Chu gesprochene Varietät des Altchinesischen lexikalische Entlehnungen und syntaktische Interferenzen aus nicht-sinitischen Substraten reflektiert. Im Zuozhuan wird jedoch berichtet, dass es so große Unterschiede in der gesprochenen Sprache der Chu und den Varietäten in der Zentralchinesische Ebene gab, dass die Kommunikation mit Chu Soldaten schwierig war.

Es besteht die Hypothese, dass die Sprache der Chu die genannten Entlehnungen möglicherweise im Zuge einer Südwanderung in das vermuteten Ursprungsgebiet der Kra-Tai oder (Para-)Hmong-Mien in Südchina, erworben hat.

Es existieren konkurrierende Hypothesen über ihre genealogische Zugehörigkeit der Sprache der Chu: Überbleibsel frühchinesischer Dialekt, ursprünglich aus dem Norden Chinas Austroasiatisch (Norman & Mei 1976, Boltz 1999) Hmong-Mienisch (Erkes 1930, Long & Ma 1983, Brooks 2001, Sagart et al. 2005) Tai-Kadaisch (Liu Xingge 1988, Zheng-Zhang Shangfang, 2005) Tibeto-Burmanisch (Zhang Yongyan 1992, Zhou Jixu 2001) Mischung aus Austroasiatisch oder Hmong-Mienisch (Pullyblank 1983) Mischung aus Austroasiatisch und Tibeto-Burmanisch (Schuessler 2004, 2007) Unbekannt

Möglicherweise handelt es sich bei dem Nachnamen Mi (), den die Herrscherfamilie trug, um ein Wort, welches ursprünglich aus der Chu Sprache stammt und "Bär" bedeutet.

Herrscher

Frühe Herrscher Ji Lian (), verheiratet mit Bi Zhui (), Enkelin des Shang-Dynastie-Königs Pan Geng; nahm Mi () als Ahnennamen an Ying Bo (𦀚伯), Sohn von Jilian Yu Xiong (), regierte 11. Jh. v. Chr.: auch Xuexiong genannt (), Lehrer von König Wen von Zhou Xiong Li (), regierte 11. Jh. v. Chr.: Sohn von Yuxiong, erste Verwendung des Ahnennamen Yan (), später geschrieben als Xiong () Xiong Kuang (), regierte im 11. Jh. v. Chr.: Sohn des Xiong Li

Monarchen Xiong Yi (), regierte 11. Jh. v. Chr.: Sohn von Xiong Kuang, belehnt von König Cheng von Zhou Xiong Ai (), regierte ca. 977 v. Chr.: Sohn von Xiong Yi, besiegte und tötete König Zhao von Zhou Xiong Dan (熊䵣), regierte ca. 941 v. Chr.: Sohn von Xiong Ai, besiegte König Mu von Zhou Xiong Sheng (), Sohn von Xiong Dan Xiong Yang (), jüngerer Bruder von Xiong Sheng Xiong Qu (), Sohn von Xiong Yang, gab den Titel König an seine drei Söhne Xiong Kang (), Sohn von Xiong Qu.Anmerkung: Die Aufzeichnungen des Chronisten berichtet, dass Xiong Kang früh starb, ohne den Thron zu besteigen, aber das Tsinghua Bambus-Manuskript verzeichneten ihn als Nachfolger von Xiong Qu. Xiong Zhi (), Sohn von Xiong Kang, dankte wegen Krankheit abAnmerkung: In den Aufzeichnungen des Chronisten wird er als Xiong Zhihong (熊摯紅) geführt, außerdem soll der jüngere Xiong Yan ihn getötet und den Thron usurpiert haben. DasZuo Zhuan und Guoyu behaupten beide, dass Xiong Zhi aufgrund von Krankheit abdankte und von seinem Bruder Xiong Yan abgelöst wurde. Die Aufzeichnungen des Chronisten erwähnen des Weiteren, dass er der jüngere Bruder von Xiong Kang war. Aktueller Konsensus unter Historikern ist jedoch, dass er der Sohn von Xiong Kang war. Xiong Yan (älter) (), regierte ?–848 v. Chr.: jüngerer Bruder von Xiong Zhi Xiong Yong (), regierte 847–838 v. Chr.: Sohn von Xiong Yan Xiong Yan (jünger) (), regierte 837–828 v. Chr.: Bruder von Xiong Yong Xiong Shuang (), regierte 827–822 v. Chr.: Sohn von Xiong Yan Xiong Xun (), regierte 821–800 v. Chr.: jüngster Bruder von Xiong Shuang Xiong E (), regierte 799–791 v. Chr.: Sohn von Xiong Xun Ruo'ao () (Xiong Yi 熊儀), regierte 790–764 v. Chr.: Sohn von Xiong E Xiao'ao () (Xiong Kan 熊坎), regierte 763–758 v. Chr.: Sohn von Ruo'ao Fenmao () (Xiong Xuan 熊眴), regierte 757–741 v. Chr.: Sohn von Xiao'ao

Könige König Wu von Chu () (Xiong Da 熊達), regierte 740–690 v. Chr.: entweder jüngerer Bruder oder jüngster Sohn von Fenmao, ermordete Sohn von Fenmao und usurpierte den Thron. Erklärte sich zum ersten König von Chu. König Wen von Chu () (Xiong Zi 熊貲), regierte 689–677 v. Chr.: Sohn von König Wu, verlegte die Hauptstadt nach Ying Du'ao () oder Zhuang'ao () (Xiong Jian 熊艱), regierte 676–672 v. Chr.: Sohn von König Wen, getötet von jüngerem Bruder, dem zukünftigen König Cheng König Cheng von Chu () (Xiong Yun 熊惲), regierte 671–626 v. Chr.: Bruder von Du'ao. Niederlage gegen den Staat Jin in der Schlacht von Chengpu. Ehemann von Zheng Mao. Er wurde von seinem Sohn ermordet, dem zukünftigen König Mu. König Mu von Chu () (Xiong Shangchen 熊商臣) regierte 625–614 v. Chr.: Sohn von König Cheng König Zhuang von Chu () (Xiong Lü 熊侶) regierte 613–591 v. Chr.: Sohn von König Mu. Besiegte den Staat Jin in der Schlacht von Bi und wurde als Hegemon anerkannt. König Gong von Chu () (Xiong Shen 熊審) regierte 590–560 v. Chr.: Sohn des Königs Zhuang. Wurde vom Staat Jin in der Schlacht von Chengpu besiegt. König Kang von Chu () (Xiong Zhao 熊招) regierte 559–545 v. Chr.: Sohn des Königs Gong Jia'ao () (Xiong Yuan 熊員) regierte 544–541 v. Chr.: Sohn von König Kang, ermordet von seinem Onkel, den zukünftigen König Ling. König Ling von Chu () (Xiong Wei 熊圍, geändert in Xiong Qian 熊虔) regierte 540–529 v. Chr.: Onkel von Jia'ao und jüngerer Bruder von König Kang, wurde von seinen jüngeren Brüdern gestürzt und beging Selbstmord. Zi'ao () (Xiong Bi 熊比) regierte 529 v. Chr. (weniger als 20 Tage): jüngerer Bruder von König Ling, beging Selbstmord.