Der Artikel Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche nach Ländern behandelt das Thema des sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche auf der Ebene einzelner Staaten, geordnet nach Kontinenten. Allgemeinere Informationen sind im Artikel Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche zu finden.

Europa Belgien Der Pfarrer von Kinkempois bei Lüttich, Louis Dupont, der in ein pädophiles Netzwerk verwickelt war und über Jahre sexuelle Kontakte zu Minderjährigen hatte, wurde am 25. September 1992 zu lediglich drei Jahren Haft verurteilt, die auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden.Le Bureau de Liaison des Comités Blancs. Colloque du 21 octobre 2000, S. 9.

Fälle von sexuellem Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche von Belgien wurden erstmals 1997 in größerem Ausmaß öffentlich diskutiert und führten zur Einrichtung von Beratungstelefonen für Opfer durch die Bischöfe.Chronologie kirchlicher Maßnahmen gegen Missbrauch (1997–2002), kna.de, archivierte Webseite.

Die Diskussion in Belgien wurde durch den 1996 beginnenden Fall Dutroux und ab 1998 durch einen von dem Aktivisten Marcel Vervloesem ausgelösten Kinderpornografie-SkandalSpuren eines Mordes führten zu Kinderporno-Ring. In: Berliner Zeitung, 17. Juli 1998 (online). überlagert.

André Vanderlyn, der frühere Pfarrer von Saint-Gillis im Erzbistum Mecheln-Brüssel wurde am 20. Juni 1997 verhaftet und bekannte sich zu sieben Missbrauchsfällen zwischen 1968 und 1997.Pedophilie chez les pretres. La loi du silence. In: Télémoustique, Nr. 4281, 30. Dezember 2009 (). Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt; außerdem wurden die zuständigen Kirchenverantwortlichen, Kardinal Godfried Danneels und der Weihbischof Paul Lanneau, jeweils zu umgerechnet 12.500 Euro Geldbuße verurteilt. Im Oktober 1998 hob ein Berufungsgericht das Urteil gegen Danneels mit der Begründung auf, dass zwischen einem Bischof und einem Pfarrer kein Abhängigkeitsverhältnis bestehe, das eine Verurteilung begründen könne.„Schwarzer Tag für die Kirche in Belgien“ Belgischer Bischof gesteht sexuellen Missbrauch und tritt zurück. In: Domradio, 23. April 2010 ().(Mehr als) sieben Jahre lang krähte der Hahn Verschweigen – Vertuschen – Verleugnen – Verschleppen. Dokumentation der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ zum Umgang mit sexuellem Missbrauch, 2002 (; PDF; 275 kB).

1997 wurde der Priester Leo A. wegen Missbrauchs von Minderjährigen zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.Dauphiné Libéré, 18 December 1996.Dauphiné Libéré, 13 May 1997.

André Louis, Priester in Ottré im Bistum Namur, wurde am 25. Oktober 2000 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er 26 Kinder über einen langen Zeitraum missbraucht hatte.Le Monde, 29 December 1997.Lourdes condamnations pour pédophilie. Oktober 2000 (online).

Im Herbst 2005 wurde der Fall der siebzigjährigen Belgierin Eva Dubuisson bekannt, die als Vierzehnjährige von einem Genter Priester und drei weiteren Männern vergewaltigt worden war. Die Kommission zur Aufklärung von Fällen sexuellen Missbrauchs sprach ihr 55 Jahre nach der Tat ein Schmerzensgeld von 50.000 Euro zu.Belgische Kirche entschädigt Vergewaltigungsopfer. In: Netzeitung, 17. September 2005 ().Gottes Geldsegen. In: Der Spiegel, 21. November 2005 (online).

Im November 2005 wurden zwei frühere Ordensbrüder der Kongregation der Fratres Van Dale zu jeweils zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Beide hatten geistig behinderte Menschen missbraucht, einer von ihnen, Luc D., mehr als 20 Opfer in einem Zeitraum von 16 Jahren.België: ex-broeder veroordeeld voor seksueel misbruik. In: Katholiek Nederland, 2005 ().

Der Priester Gilbert Hubermont aus der Diözese Namur missbrauchte von 1987 bis 1991 einen Jungen, der Mitglied im Chor von Aubagne war. Obwohl der Täter einen Teil der Vorwürfe eingestanden hatte, wurde das Verfahren wegen Verjährung eingestellt, nachdem das Opfer die Taten knapp zehn Jahre nach den Vorfällen zur Anzeige gebracht hatte. Am 5. Juni 2007 wurde durch das Gericht von Arlon die frühere Entscheidung korrigiert und eine strafrechtliche Verfolgung der Taten ermöglicht.Devillet, Joël, Violé par un prêtre, Les Editions de l’Arbre, 2010, ISBN 978-2-87462-021-8.

Priester Bart Aben wurde am 27. November 2009 wegen Missbrauchs verhaftet, den er gestand.Overpeltse pedofiele pastoor nog zeker maand in cel – Binnenland – De Morgen

Robert Borremans wurde 2010 zu fünf Jahren Gefängnis wegen des Missbrauchs eines 6 Jahre alten Jungen verurteilt. Er war bereits 2005 und 2006 wegen ähnlicher Tatbestände verurteilt worden.Sudpresse.be: L’abbé Borremans condamné à 5 ans pour viol sur un gamin de 6 ans, 21. April 2010 (online)

Im April 2010 bot Roger Vangheluwe dem Vatikan an, als Bischof von Brügge zurückzutreten. Gleichzeitig gab er zu, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs zutreffen.Roger Vangheluwe, Belgian Bishop, Quits Over Abuse. In: The Huffington Post, 23. April 2010 () Am 23. April 2010 nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch gemäß can. 401 § 2 CIC (Krankheit oder ‚andere schwerwiegende Gründe‘) anRinuncia del Vescovo di Brugge (Belgio). In: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin, 23. April 2010 (online)., laut Medienberichten nur eine Stunde nach dessen Bekanntwerden. Der Vorsitzende der Belgischen Bischofskonferenz, Erzbischof André-Joseph Léonard, sagte am Tag des Rücktritts, dass die belgischen Bischöfe beim Vatikan ein Amtsenthebungsverfahren gegen Vangheluwe beantragt hätten, wenn der Bischof seinen Rücktritt nicht angeboten hätte. Es ist das erste Rücktrittsgesuch eines Bischofs, das offiziell mit selbst begangenem Kindesmissbrauch begründet wurde. Am 14. April 2011 gestand Vangheluwe eine weitere Tatserie und räumte ein, einen weiteren Neffen sexuell missbraucht zu haben. Vor dem Geständnis hielt sich Vangheluwe auf Anregung des Vatikans in einem Kloster im französischen Loiretal auf.Entrüstung in Belgien, Katholische Nachrichten-Agentur, 15. April 2011. Dies löste in Belgien eine Welle der Empörung aus, in der von der belgischen Kirche eine deutliche Distanzierung von Vangheluwe gefordert wurde. Vor allem wurde Vangheluwe vorgeworfen, nicht die Schwere seiner Taten zu begreifen. Seinen Aufenthaltsort in Frankreich hat er unterdessen verlassen.domradio.de Im August 2012 wurde ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen Vangheluwe eingeleitet. Gegenstand der Ermittlungen ist der Vorwurf, Vangheluwe habe in den 1990er Jahren in Lokeren (Westflandern) ein Heimkind missbraucht. Vangheluwe bestreitet die Vorwürfe.Belgien: Ordensschwestern verteidigen Ex-Bischof Vangheluwe, Domradio, 17. August 2012.

Im Juni 2010 wurde nach einer Razzia der belgischen Behörden in Einrichtungen der römisch-katholischen Kirche im belgischen Parlament ein Missbrauchs-Sonderausschusses eingerichtet. Dieser Ausschuss beendete seine Arbeit Ende März 2011 und schlug vor, ein unabhängiges Schiedsgremium für Fälle sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche einzurichten. Außerdem wurden Gesetzesänderungen und strukturelle Reformen bei Polizei und Justiz verlangt. In Rede stand etwa die Möglichkeit, dass Staatsanwaltschaft und Polizei Arbeitgeber von verurteilten Missbrauchstätern bei Rückfallgefahr über deren Vergangenheit in Kenntnis setzen können sollen. Die belgischen Bischöfe erklärten, dass sie die Opfer in den Mittelpunkt stellen und daher die Empfehlungen genau prüfen wollten. Die Rechtmäßigkeit der durchgeführten Razzia wird derweil von belgischen Gerichten geprüft.KathWeb: Belgien: Parlament einigte sich auf Missbrauchs-Abschlussbericht, 31. März 2011 (online)

Eine Kommission zur Aufklärung der Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Angehörige der römisch-katholischen Kirche in Belgien unter der Leitung des Kinderpsychiaters Peter Adriaenssens veröffentlichte im September 2010 ihren Abschlussbericht.Der Bericht kann in Französisch oder Niederländisch auf der der „Commission pour le traitement des plaintes pour abus sexuels dans une relation pastorale“ eingesehen werden. Er enthält auch 124 Zeugenaussagen. Vgl. Commission pour le traitement des plaintes pour abus sexuels dans une relation pastorale: Rapport des activités de la Commission pour le traitement des plaintes pour abus sexuels dans une relation pastorale, 10. September 2010, französisch (PDF; 2,1 MB) oder niederländisch (PDF; 2,2 MB). Danach wurden 475 Fälle sexuellen Missbrauchs seit den 1960er Jahren ermittelt. Opfer waren vor allem Jungen. Sie wurden meist im Alter von zwölf Jahren missbraucht. Die Kommission stellte außerdem fest, dass Eltern von Opfern häufig Kenntnis von dem Missbrauch hatten, sich jedoch für den Schutz des Täters entschieden und schwiegen.Belgischer Rundfunk: Adriaenssens: 475 Fälle von sexuellem Missbrauch, 10. September 2010 (online) Als Konsequenz wurde die Gründung eines neutralen Vertrauenszentrums, das alle Missbrauchs- und Gewaltopfer betreut, gefordert.Belgischer Rundfunk: Belgische Kirche gibt Montag Pressekonferenz, 11. September 2010 (online)

Im Juni 2011 berichtete das österreichische Nachrichtenmagazin profil, dass etwa 80 Missbrauchsopfer eine Sammelklage zur Feststellung der Mitverantwortung der römisch-katholischen Kurie für die innerhalb der römisch-katholischen Kirche geschehenen Missbrauchsfälle eingereicht hatten. In der Klageschrift wurden die Bischöfe und Ordensoberen in Belgien als Mitverantwortliche bezeichnet. Laut profil entstand die Klage in Zusammenarbeit mit Opferanwälten aus den Vereinigten Staaten von Amerika, die dort ein ähnliches Verfahren anstrengten.Martin Staudinger, Robert Treichler: Die Spur führt nach Rom, profil, 6. Juni 2011 (online)

Die römisch-katholische Kirche Belgiens erklärte im Mai 2011, die Opfer sexuellen Missbrauchs entschädigen zu wollen.Aargauer Zeitung: Katholische Kirche in Belgien will Missbrauchsopfer entschädigen, 30. Mai 2011 (online) Geplant sind Entschädigungen zwischen 2.500 und 25.000 Euro, über deren Vergabe eine Schiedskommission entscheiden soll.Stern.de: Katholische Kirche Belgien kündigt Zahlungen an Missbrauchsopfer an, 14. Dezember 2011 ()

Im April 2015 wurde der Primas der römisch-katholischen Kirche in Belgien, André-Joseph Léonard, wegen seiner Untätigkeit im Fall Hubermond vom Berufungsgericht in Lüttich zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro verurteilt. Der Betrag wurde dem Opfer des Priesters als Entschädigung ausgezahlt.Primas von Belgien in Missbrauchsfall verurteilt. Österreichischer Rundfunk, 24. April 2015.

Bosnien und Herzegowina Im April 2009 wurde ein suspendierter peruanischer Priester wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines italienischen Kindes auf einer Pilgerreise nach Međugorje in Bosnien und Herzegowina vom Strafgericht in Rimini zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt., Romagna Oggi, 28. April 2009. Das Berufungsgericht in Bologna reduzierte die Strafe im März 2010 auf vier Jahre, bestätigte aber die Verurteilung des Priesters zu einer Schadenersatzzahlung in Höhe von 350.000 Euro und verfügte seine sofortige Inhaftierung.Pedofilia. Corte d’appello prima dimezza la pena poi arresta ex prete, Blitz Quotidiano, 20. März 2010.

Dänemark Die Verjährungsfrist wegen sexuellen Missbrauchs beträgt in Dänemark 15 Jahre ab dem 18. Geburtstag eines minderjährigen Opfers. Im Frühjahr 2010 erhoben zunächst 15 Personen Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Priester und bezogen sich dabei auf den Zeitraum der 1960er und 1970er Jahre. Der Bischof von Kopenhagen, Czeslaw Kozon, lehnte Anfang März 2010 eine Untersuchung der Missbrauchsfälle zunächst ab, änderte jedoch nach einem Besuch bei Papst Benedikt XVI. in Rom seine Haltung.Dänemark: 15 Opfer mit Missbrauchsvorwürfen. In: Nachrichten.at, 3. April 2010 (online).

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