mini|Leopold Hahn, arbeitend in seinem Atelier an dem Kruzifix für die Abtei St. Gertrud, Tettenweis, 1944, Foto Hugo Schnell Leopold Hahn (* 21. November 1894 in Heufurt (heute Stadtteil der Gemeinde Fladungen in der Rhön); † 16. Mai 1970 in Krailling / Landkreis Starnberg) war ein deutscher Bildhauer.

mini|Büste Max Winters, 1923, Foto: Wolfgang Hahn

Leben und Wirken 1894–1916, Kindheit, Lehre und Kriegsdienst Leopold Hahn wurde als der Älteste von acht Geschwistern des Dorfschreinermeisters Andreas Hahn und dessen Frau Agathe in einem katholischen Elternhaus geboren. Nach Abschluss der Volksschule absolvierte er eine dreijährige Schreinerlehre und arbeitete anschließend in wechselnden Arbeitsstellen bis zu seiner Einberufung zum Deutschen Heer im Dezember 1914.

mini|links|Bronze Agathe Hahn, 1926, Foto: Christopher Hahn

1916–1945, Ausbildung und selbstständiges Schaffen mini|Heilige Familie, Kirschbaumholz; 1963, Foto: Christopher Hahn

Als schwer Kriegsversehrter 1916 entlassen, bildete er sich neben seiner handwerklichen Tätigkeit an der Gewerbe-, Zeichen- und Modellierschule zu Würzburg fort und besuchte ab 1917 die Holzschnitzschule in Bischofsheim in der Rhön. In nur zwei Jahren schloss er als Jahrgangsbester mit der Gesellenprüfung ab (das sicherte ihm einen freien Studienplatz an der Staatlichen Kunstschule in Nürnberg) und schrieb sich daselbst 1919 ein. Er erlernte dort auch den Umgang mit Stein, sein erstes Meisterwerk in diesem Material gelang ihm mit einem Grabmal, mit dem er den ersten Preis der Stadt Nürnberg gewann.Nürnberger Zeitung v. 9. Juli 1921 Das Ergebnis eines Wettbewerbs, auch in: Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Abb. Seiten 124, 328 u. 418 Er wurde Meisterschüler bei Prof. Nida-Rümelin.DAS MÜNSTER, 3. Jg. 1950, Heft 9–10, Busch K.M.: Karl Hemmeter, Seite 292, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seite 392 Während seiner Studienzeit arbeitete er bereits selbstständig zur Sicherung seines Lebensunterhalts. Sie endete 1926. Der Verkauf der Plastik „Christus auf dem Ölberg“Nürnberger Kurier v. 8. Januar 1925 Ausstellung der Staatlichen Kunstgewerbeschule Nürnberg, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Abb. Seite 128 brachte ihm so viel Geld ein, dass er beschloss, in München an der Akademie der Bildenden Künste weiter zu studieren (1926–1933). Auch hier arbeitete er in einem ihm zugewiesenen Arbeitsraum in der Akademie selbstständig, seine Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Er machte sich einen Namen in der PorträtkunstDAS MÜNSTER, 23. Jg. 1970, Heft 3, Seite 217f und beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen. Nach eigener Aussage war das 1926 geschaffene Porträt seiner Mutter das ihm Wichtigste und Teuerste in all seinen Schaffensjahren.Münchner Merkur v. 21./22. November 1964, Beilage Starnberger See-Ammersee, Dr. W.: Vom Handwerker zum Künstler, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seite 24

mini|Grabstein Franz Huber, 1926, Foto: Bernward Hahn

mini|links|Bronze „Der Auferstehende“, 1959, Foto: Bernward Hahn

mini|Grabmal Schmieger, 1938, Foto: Hugo Schnell

mini|Schutzmantelmadonna Gipsmodell, 1940, Foto: Leopold Hahn

1931 war er als Mitglied in der Künstlervereinigung Secession und der Abteilung für Christliche Kunst der Gesellschaft für Christliche Kunst auch vom Brand des Glaspalastes betroffen. Von seinen Werken konnte u. a. die Porträtbüste von Magnus Wehner gerettet werden, sie wurde von der Städtischen Galerie München angekauft.Bayerischer Kurier u. Münchner Fremdenblatt v. 6. Oktober 1931, Hugo Schnell: Die Verkäufe in der Glaspalast-Ersatzausstellung München 1931, auch in: Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 36 und 345 Eine in Stein ausgeführte Plastik, eine „Kreuzschleppergruppe“, gefertigt 1931, erhielt den Jubiläumspreis der Akademie der Bildenden Künste. Das Jahr der Preisverleihung konnte bislang nicht festgestellt werden. 1944 und 1945 verbrannten eine Fülle an Dokumenten bei einem Fliegerangriff, sein Atelier wurde zerstört, ebenso wurde das Archiv der Akademie der Bildenden Künste in München ein Opfer der Bombardierungen. Erstmalig wurde 1935 über die Preisverleihung berichtet.Fränkisches Volksblatt, Würzburg v. 18. Mai 1935, Seite 10, Sepp Pickel: Leopold Hahn, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seite 29 Prof. Joseph Wackerle von der Akademie der Bildenden Künste ernannte ihn zum Meisterschüler.Völkischer Beobachter v. 30. Juni 1934, H.H.: Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seite 44 Leopold Hahn nahm an zahlreichen Ausstellungen teil, beginnend 1925 in Nürnberg, 1929 und dann fortlaufend von 1931 bis 1938 an Münchner Kunstausstellungen. 1938 stellte er eine Büste auf der Großen Deutschen Kunstausstellung aus. Von da an lehnte er es wegen der nationalsozialistischen Politik und deren Kunstauffassung ab, sich weiter zu beteiligen. 1943 kam seine Bronzebüste von Magnus Wehner in Köln noch einmal zu einer Ausstellung.Der Mittag, Düsseldorf v. 31. Januar 1943, Heifert Kurt: Inseln der Rast – Gedanken zur „Ausstellung Münchner Künstler der Gegenwart“, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 75 und 384f Nach 1945 beteiligte er sich nur noch vereinzelt an Ausstellungen.Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Ausstellungsbeteiligungen, Seite 413f und Dokumente, Ausstellungskataloge – Seiten 339, 342f, 349, 351, 361, 371, 384, 399f, 406 Leopold Hahn verließ die Akademie 1933 und machte sich mit einem eigenen Atelier in München selbstständig und heiratete 1936 Elisabeth Schnell. 1936 entstand eine große Plastik der Hl. Dreifaltigkeit, zusammen mit einem dreiteiligen Fries, der Szenen aus dem Handwerkerleben zeigt. Das Werk fiel Bombenangriffen zum Opfer.Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 54f und 184ff Da öffentliche Aufträge in der nationalsozialistischen Zeit immer seltener wurden, er bekam nur noch einen großen Auftrag zur Ausgestaltung der Eingangshalle des Münchner Flughafens,Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Verträge der Bauleitung des Flughafens München-Riem, Herr Architekt Prof. Sagebiel mit Leopold Hahn, Seite 374ff wandte er sich mehr kirchlichen Ausstattungen zu. Für St. Emmeram in München-Englschalking schuf er u. a. eine tief empfundene Schutzmantelmadonna, in deren Figuren er sich und seine Familie in den Schutze Mariens begab.DAS MÜNSTER, 3. Jg. 1950, Heft 9–10, Busch K.M.: Leopold Hahn, Seite 290, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 69 und 390 Für zwei Kirchen entstanden völlig unterschiedliche Taufsteine. Einer für die Kristus Konungen Kyrka in Göteborg, ein anderer für Maria Heimsuchung in München.Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seite 58f, 61f, 199ff, 203 Sein Atelier wurde 1945 ein zweites Mal ausgebombt, es war nichts mehr zu retten.

mini|Verzierte Türen eines Kleiderschranks, 1927, Foto: Christopher Hahn

1945–1951 Erst 1951 fand er in Krailling wieder eine passende Räumlichkeit und konnte sich ein neues Atelier schaffen. Seine Schaffenstätigkeit bis 1951 war sehr eingeschränkt. Anfragen von Institutionen und Kirchenbauverwaltungen konnten wegen des mangelnden Arbeitsraumes nicht angenommen werden, dennoch entstand ein großes Werk, der Altar in der Klosterkapelle des Angerklosters in München.DAS MÜNSTER, 3. Jg. 1950, Heft 9–10, K. M. Busch: Leopold Hahn, Seite 291f, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 85ff und 260ff

1951–1970 Da die Porträtkunst an Bedeutung verloren hatte, wandte er sich auch der Kunst am Bau zu. 1952 vollendete er eine 3,3 m hohe, in Ton gebrannte St. Michaelsfigur für eine Hauswand in München.Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 91f und 272 In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre wirkte er bei den Restaurierungsarbeiten am Münchner Residenzmuseum mit.Süddeutsche Zeitung, Nr. 172 v. 19. Juli 1958, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seite 99f Eine Familiengruppe (Hl. Familie), entstand für ein Altenheim in München.DAS MÜNSTER, 1964 Heft 11–12, Personalia Seite 425, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 106 und 295 Neben einigen profanen Aufträgen und Grabmälern bestimmten nun weitgehend Arbeiten für Kirchenausstattungen sein Schaffen. So die Gestaltung des Auferstehenden in der von Dominikus Böhm geschaffenen Auferstehungs- und Kriegergedächtniskapelle von St. Johann Baptist in Neu-UlmNeu-Ulmer Stadt- und Landanzeiger v. 19. Juni 1959, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 102f und 289 und das Bronzeporträt Papst Pius X.Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 108 und 299 Für seinen Heimatort Krailling schuf er u. a. ein Kriegerdenkmal, eine trauernde Frau, das Gemeindearbeitern bei einer Umlagerung zerbrach.Münchner Merkur, Beilage Starnberger See-Ammersee, Nr. 280, 21./22. November 1964, auch in Bernward Hahn, Deutsche Nationalbibliothek: Leopold Hahn – Ein Leben für die Kunst, Seiten 93 und 298

Werk (Auswahl) Skulpturen, Plastiken, sonstige Arbeiten Holz, Kleinplastik, Christus auf dem Ölberg, 1924 Bronze, Brunnenfigur „Zwerg Perkeo“, 1930 Holz, Betstuhl mit seitlichen Engeln, 1934 Tuffstein, drei Reliefarbeiten an einem Brunnen, Waldfriedhof München, 1935 Terrakotta, Hl. Dreifaltigkeit, Bernried am Starnberger See, 1938 Tridentiner Marmor, Taufstein, Göteborg, 1937/38 Jura-Dolomit, 18 Städtewappen, heute: Wappensaal Messestadt München-Riem, 1939 Holz, Schutzmantelmadonna St. Emmeram, München Englschalking, 1940 Holz, Altar, Angerkloster, München, 1950 Terrakotta, Erzengel Michael, München, 1952 Familienwappen Familie Walterspiel, 1954 Bronze, der Auferstehende, St. Johann Baptist, Neu-Ulm, 1959 Bronze, Entengruppe-Brunnen, Krailling, 1962 Holz, Kleinplastik Hl. Familie, Kath. Familien- und Pflegewerk e.V. München, 1962–63 Holz, St. Josef, Mariä Himmelfahrt, Kempten-Kottern, 1967 Holz, St. Petrus, St. Pius, Pöcking am Starnberger See, 1968–69

Porträtbüsten Holz, Konzertmeister Max Winter, 1923 Bronze, Admiral August, Ludwig von Schröder, vor 1926 Bronze, Agathe Hahn, 1926 Bronze, Harald Weber, 1930 Bronze, Magnus Wehner, 1931 Silberplatte getrieben, Rückseite eines Spiegels, dornengekröntes Haupt Christi, 1934 Terrakotta, Hermann Josef Schnell, 1935 Bronze, Ignaz Westner, 1936 Bronze, Fr. Sobodda, 1938 auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München Bronze, Richard Fackeldey, 1953 Bronze, Waltraud Pilowski, 1956 Bronze, Dr. Karl Pilowski, 1962 Bronze, Papst Pius X., 1962–65

Gräber mini|links|Grabmal Familie Breunig in Heufurt, 1945, Foto: Christopher Hahn Muschelkalkdolomit, Grabmal Wilhelm Eckstein, Nürnberg, 1921 Kunststein, Grabmal Franz A. Huber, Fladungen 1926 Bronze, Kruzifix, Gemeinschaftsgrab Rüdenschwinder Pfarrer, 1930 Stein, Auferstandener, Grabmal Kraft, 1934 Muschelkalkstein, Kruzifix, Begräbnisstätte Graf von Bray-Steinburg, Irlbach, 1934 Stein, Portalumrahmung mit fränkischen Motiven, Kitzingen, 1937 Stein, Kreuzschleppergruppe, 1937/38 Holz, Grabmal Breunig, heute Friedhof Kloster Bildhausen/Münnerstadt, 1945 Holz, Kruzifix, Friedhof Abtei St. Gertrud, Tettenweis, 1944–46