Das Kümbet-Plateau (türkisch: Kümbet Yaylası) ist als Teil der Giresun Dağları eine in großen Teilen flächenhafte Hochgebirgslandschaft in der Nordost-Türkei innerhalb der nordostpontischen Randgebirge (Teil des Pontischen Gebirges) im Hinterland von Giresun.
Hauptmerkmale und geographische Lage Das Kümbet-Plateau erstreckt sich auf einem kuppelförmigen Gebirgskamm, worauf auch der Name des Ortes Kümbet und der Plateaulandschaft basiert: Das Wort Kümbet bedeutet Kuppel, bezeichnet ein Bauwerk mit kuppelförmigem Dach, einen gedrungenen Grat in Form einer Kuppel. Im geographischen Sinne wird der Begriff „Kümbet“ als kuppenförmiger Hügel oder Grat verwendet, der aus einer Ansammlung dunkler Laven aufgebaut ist. Er unterstreicht also im Vergleich zu seiner Umgebung die besondere Bedeutung der geographischen, historischen oder allgemeinen Merkmale der Region, wie sie nomadische, halbnomadische und sesshafte türkische Gemeinschaften als aussagekräftige Namen seit frühester Zeit bei der Bezeichnung von Bergen, Hochebenen, Seen, Flüssen, Passagen, kleinen Landstücken, Dörfern und Städten benutzten. Das Kümbet-Plateau ist dafür fraglos ein klassisches Beispiel. Im Gegensatz zu den umgebenden Yayla-Oba-Siedlungen (siehe weiter unten), die eher einen typischen Streusiedlungscharakter aufweisen, wurde der Ort Kümbet als Haufensiedlung auf einem Hügel errichtet, wobei das dort aus Fichten bestehende Waldgebiet gerodet wurde, und bildete als Einkaufsmarkt den Mittelpunkt aller anderen Oba-Yayla-Siedlungen, aus dem sich nach und nach ein touristisches Zentrum kristallisierte, während an den anderen Plätzen des Plateaus dagegen die traditionelle Wanderweidewirtschaft auf der Grundlage der Viehhaltung (Transhumanz) im Vordergrund blieb.
Das mit wechselnder Breite (etwa 10–15 km) parallel zur Schwarzmeerküste ausgerichtete Kümbet-Plateau zwischen Şebinkarahisar am Büyük Irmak am Nordrand der Kelkit-Senke im Süden und Giresun an der Küste im Norden erstreckt sich innerhalb der türkischen Provinz Giresun über etwa 30 km Länge in den Hochlagen der Giresun Dağları etwa 60 km südlich von Giresun. Seine beiden dörflichen Zentren am Nordrand der Plateauregion 26 km südlich der Kreisstadt Dereli sind die Siedlungen Kümbet und Uzundere. Seine zentralen Teile liegen in Höhen zwischen 1750 und 1950 m weitgehend im Kreis Dereli, Kümbet selbst auf 1400–1600 m Höhe. Weitläufig umrahmt wird das etwa 2000 m hohe Plateau von einzelnen deutlich höher aufragenden Gipfeln: Ermez Tepesi (2701 m), Akılbaba Tepesi (2826 m), Çakıl Dağı (2476 m), Tutak Dağı (2637 m), Karagöl Dağı (3092 m), Kara Dağ (3392 m/3331 m). Erreichbar ist die Region über die Staatsstraße D865 von Norden (Giresun) und von Süden (Şebinkarahisar) über den 2200 m hohen Eğribel-Pass (Eğribel Gecidi) bzw. auf einer Nebenstrecke über den 2260 m hohen Şehitler-Pass (Şehitler Gecidi). links|mini|Blick vom 2260 m hohen Şehitler-Pass auf die typischen Streusiedlungen auf der Plateaulandschaft der Kümbet Yaylası bei Kümbet. mini|Die meisten der Sommer-Unterkünfte der saisonalen Oba-Siedlungen auf dem Kümbet-Plateau sind einfachste Bauten aus lokalen Materialien, zeigen aber mit ihren Wellblechdächern moderne Ansätze gegen die hohen Niederschläge in Form von Regen im Sommer- und Schnee im Winterhalbjahr. Das gesamte Plateau um Kümbet und den 3 km entfernten Nachbarort Uzundere wird in temporären Yayla-Orten (Yayla: feste Sommersiedlung) und Oba-Gruppen (Oba: temporäre Siedlung aus primitiven Häusern auf Hochlandweiden, wo Transhumanz betreibende Bevölkerung im Sommer mit ihren Tieren wohnt) als Sommeraufenthalt genutzt. Dazu zählen unter anderem Erenler Yaylası, Can Obası, Çeğerli Yaylası, Tekke Yaylası, Çomakkonağı Obası, Yağmurca Yaylası, Çeğerçukur Obası, Köyyeri Obası, Hamurlu Obası und Elemeği Obası. Der Ort Kümbet selbst bildet während der Transhumanz-Saison das Marktfunktionszentrum dieser temporären Siedlungen. In verschiedenen Regionen der Türkei hat der Begriff „Oba“ unterschiedliche Bedeutungen, die aus der zentralasiatisch-türkischen Kultur nach Anatolien übernommen wurden: Nomade, Nomadenfamilie, Nomadenstamm bestehend aus fünf oder zehn Zelten, in denen ein Stamm sitzt, Zeltgemeinschaft, Laube, großes Zelt, geteiltes Zelt. links|mini|540x540px|Die Kartenskizze zeigt grob die topographisch-geologische Situation des Kümbet-Plateaus in den Östlichen Pontusgebirgen der Türkei.
Geologisch-geographischer Rahmen links|mini|Blick auf einen Teil des vulkanischen Berglandes der Balaban Dağları bei Şebinkarahisar auf dem Weg zum Kümbet-Plateau. mini|Große Teile des Kümbet-Plateaus sind aus Vulkaniten mit einer abwechslungsreichen und bunten Musterung aufgebaut. Die parallel zur Küste des Schwarzen Meeres verlaufende Küstengebirgszone der Giresun Dağları zeigt aufgrund ihres relativ einfachen tektonischen Baus und der Gesteinszusammensetzung einen massiv ausgeprägten, einheitlichen Hochgebirgscharakter. Die höchsten Erhebungen werden aus Intrusivgesteinen tertiären Alters aufgebaut, hauptsächlich aus Granit, Granodiorit und Syenit, wobei die Gebirgsflanken und auch die Hauptkammregionen aus einer Mischung aus vulkanischen und sedimentären Gesteinen bestehen. Während sich die Sedimentgesteine hauptsächlich aus Mergel-, Sand- und Kalksteinen kretazischen bis eozänen Alters zusammensetzen, bilden Andesite, Basalte, Tuffe, Fanglomerate und Brekzien die Hauptmasse der Vulkanite, deren Mächtigkeit 3000 m erreichen kann. Diese vulkanischen, teils sedimentären Gesteine wurden bei vorwiegend submarinem Vulkanismus während einer Transgressionsperiode des Tethysmeeres gebildet, die von der Kreide bis zur Mitte des Tertiärs andauerte. Ihr folgte eine von Bruchtektonik begleitete Gebirgsbildung, bei der das Gebirge in ein Graben- und Horstsystem zerlegt wurde, dessen Schollen bis zur Mitte des Quartärs von der Küste des Schwarzen Meeres her südwärts staffelartig in ihre heutige Höhe gehoben wurden. Zusätzlich wurde dabei das Nordanatolische Randgebirge entlang der nordanatolischen Störungszone seit der Mitte des Tertiärs horizontal versetzt. Dabei kam es im Eozän und Oligozän in der Region, die diesen starken tektonischen Bewegungen ausgesetzt war, zu massiven Intrusionen. Erosionsflächen und junge Vulkanite in den Hochlagen der Berge signalisieren, dass im Neogen weitere Eruptionen und signifikante Erosion auftraten, wodurch die Landschaft im Hinterland von Giresun ihren rezenten morphologischen Charakter erhielt. Dieser ostpontische Teil des Nordostanatolischen Gebirgsbogens ist durch seine zahlreichen 3000 m überschreitenden Gipfel geprägt und beginnt im Westen mit dem Kara Göl Dağı (3092 m) westlich des ins Schwarze Meer mündenden Kızıldere (Melet) und setzt sich über die Plateaus der Kümbet Yaylası nach Osten allmählich ansteigend bis zu den Dilek Dağları (Kaçkar Dağı, 3932 m) fort. Relikte einer weitgehenden Vergletscherung während der Glazialzeiten der Nordostanatolischen Gebirgsmassive sind zudem eines ihrer wesentlichsten Merkmale, dessen westlichstes Gebirgsmassiv das Kara Göl Gebirge (Kara Göl Dağları) südlich von Giresun ist.
Viele Gewässer haben mit und nach dem tektonischen Aufstieg aufgrund der hohen Reliefenergie auf kurze Entfernungen zu den Vorflutern Kelkit Çayı und Schwarzem Meer die Nord- und Südflanken der Giresun Dağları und damit auch des Kümbet-Plateaus vor allem durch markante Tiefenerosion geprägt. Die dortigen Gipfel der Giresun Dağları liegen zum Kelkit-Tal näher als zur Schwarzmeerküste. Richtung Süden nach Şebinkarahisar fallen die Hänge deshalb steiler ab, und auf der von Tälern zerschnittenen Schwarzmeerseite ist die Steigung geringer. In Abständen von etwa 5–7 km gibt es auf der Nordseite der Giresun Dağları reichlich wasserführende Bäche, die aus den hohen Teilen des Gebirges stammen. Sie erreichen nach 60–70 km das Schwarze Meer. Der 60 km lange Aksu Çayı und seine Nebenflüsse, Kümbet Çayı, Akkaya Deresi, Kürtün Deresi, Tamdere Deresi, Sarıyakup Deresi, Yıldız Deresi, Kızıltaş Deresi, Çalca Deresi, Çubuk Deresi (Maden) und Hisar Deresi, bilden dabei die wichtigsten Gewässer. Die Fließgeschwindigkeit des Aksu Çayı beträgt 117 m³/s, und die Wasserqualität ist im Allgemeinen gut (wenig mit Salz belastet, geringer Natriumgehalt) und für Bewässerung geeignet. Das Kümbet-Plateau und seine Umgebung wurden vor allem durch den Aksu Çayı und seine Tributäre geprägt, die durch den Zusammenschluss vieler Quellen und Nebenbäche entstanden. Sie verursachten durch die tiefen Einschnitte randlich eine raue topografische Struktur, die die eigentliche Plateaulandschaft umso deutlicher erscheinen lässt. Viele dieser Gewässer gehen von der Kammlinie aus. Der Aksu Çayı entspringt auf den Hochebenen des Karagöl Dağı und der Kazankaya Yaylası und mündet in den Tamdere in der Ortschaft İkisu. Er bildet die NW-Grenze des Kümbet-Hochlandes und nimmt, ausgehend von Kuzalan, den İndaş Çayı auf, der mit seinen Zuflüssen aus dem Osten des Hochlandes kommt. Somit ist die Kernregion der Kümbet Yaylası tief durch ein dichtes Flussnetz gespalten und liefert einen der Hauptgründe dafür, dass viele Oba-Hochlandsiedlungen in und um das Kümbet-Plateau aus gestreuten Siedlungsclustern in Form von Oba-Gemeinden mit 10–15, 50–100 und mehr Häusern mit einer weiten Streuung bestehen (regionaltypische Streusiedlung). Dieser hoch aufragende Gebirgsgürtel trennt zugleich geologisch und geomorphologisch das ostanatolische Landesinnere von der östlichen Schwarzmeerregion und bildet eine auffällige Klimascheide.
Klimatische Aspekte Da es in und um die Kümbet-Hochebene kaum eine geeignete meteorologische Station gibt, wurden bei der klimatischen Bestimmung von Temperatur- und Niederschlagsmengen die monatlichen und jährlichen Temperaturwerte anhand der Daten der meteorologischen Station Giresun nach der Methode der kleinsten Quadrate bestimmt (mathematisches Standardverfahren zur Ausgleichungsrechnung), während die jährlichen und monatlichen Niederschläge auf den Formeln von H. Schreiber basieren. Zudem wurden die Daten der am nächsten gelegenen Meteorologiestation Yavuzkemal (1711 m) verwendet. Demnach beträgt die Jahresdurchschnittstemperatur von Giresun 14,2 °C und den Berechnungen zufolge auf dem Kümbet-Plateau 6,2 °C. Während die monatlichen Durchschnittstemperaturen in Giresun 7,0 °C nicht unterschreiten, weist die Januar-Durchschnittstemperatur im Kümbet-Plateau mit −7,5 °C den niedrigsten Wert auf. Ein weiteres wichtiges Thema in Bezug auf die Temperaturwerte sind die Durchschnittswerte der Sommermonate: Wenn zwischen den Küstengebieten und dem Kümbet-Plateaus Transhumanz-Aktivitäten stattfinden und die Küstenbewohner aufgrund des heißen und schwülen Wetters im Küstenteil auf die Hochebenen ausweichen, wurden 21,7 °C in Giresun und 15,0 °C auf der Kümbet-Hochebene berechnet. Die Monate mit der höchsten Durchschnittstemperatur sind Juni (13,2 °C), Juli (14,6 °C) und August (16,4 °C), die Monate mit den niedrigsten Durchschnittstemperaturen sind Januar (−1,1 °C) und Dezember (−0,4 °C). links|mini|Blick über die weitgehend baumlose Hochflächenlandschaft des Kümbet-Plateaus am 2200 m hohen Eğribel-Pass, ein ideales Sommer-Weidegiet für die Kleintierherden der Viehhalter aus den tiefer gelegenen pontischen Dörfern. mini|243x243px|Blick in das dicht mit Fichten und Nordmannstannen bewaldete obere Aksutal bei Pınarlar am Nordrand des Kümbet-Plateaus beim Kuzalan-Naturpark.