mini|Napoleonsbuche bei Lünen-Gahmen
Die sogenannte Napoleonsbuche (auch Napoleonbuche) ist eine unter Naturschutz stehende Rotbuche (Fagus sylvatica) im Ortsteil Gahmen der Stadt Lünen, deren Besonderheit es ist, dass sie zwei Stämme besitzt, die in drei Metern Höhe zusammengewachsen sind. Sie ist vermutlich in den 1810er Jahren gepflanzt worden, ist 18 Meter hoch und hat einen Kronendurchmesser von etwa 14 Metern.Kreis Unna: Landschaftsplan Nr. 1 Raum Lünen (PDF; 5,8 MB), Stand 1985 / angepasst August 2019, S. 149 (Nr. 46), abgerufen am 13. Juli 2021. Die beiden Stämme haben einen Brusthöhenumfang von 4,07 und 3,44 Metern (2025).
Im Jahr 1935 wurde der Baum zum Naturdenkmal erklärt.Fredy Niklowitz: Lünen 1918–1966. Beiträge zur Stadtgeschichte. Lünen 1991, S. 656, abgerufen am 13. Juli 2021. Er zählt zu den bekanntesten Bäumen im Kreis Unna und darüber hinaus.
Die Rotbuche, die noch mindestens bis 1930 von anderen Bäumen und Buschwerk umgeben war, steht frei in der Nähe einer Windkraftanlage. Ein direkter Zugang auf einem Weg ist nicht gegeben; der Baum ist nur über Felder zu erreichen, am besten, wenn sie abgeerntet sind. Durch die Dürre der Sommer 2018–2020 war die Napoleonsbuche in ihrem Bestand gefährdet, so dass der zuständige Kreis Unna 2019 eigens Bewässerungsmaßnahmen für sie veranlasste, die im folgenden Jahr von privater Hand fortgeführt wurden. Im Jahr 2023 brach infolge eines mehrere Meter langen Längsrisses im Bereich des schwächeren östlichen Stammes ein Teil der unteren Krone aus.
Entstehung In unmittelbarer Nähe der Buche befand sich ein Teil einer Landwehr, die aus Gräben und einem Wall bestand. Um Feinden das Durchkommen zusätzlich zu erschweren, waren solche Wälle mit Dornensträuchern und Bäumen bepflanzt, deren Äste zu einem undurchdringlichen Dickicht verflochten wurden. Dadurch kam es zu Verwachsungen nahe beieinanderstehender Bäume. Nach der Aufgabe der Landwehren im 19. Jahrhundert entstanden Lücken, und die Bäume sind hoch aufgeschossen. Insofern ist bei der Napoleonsbuche die Extremform eines Baumkusses verwirklicht. Eher unwahrscheinlich ist hingegen, dass in den Jugendjahren des Baumes ein Ast abknickte, den Boden erreichte und neue Wurzeln schlug; die Bruchstelle wäre dann später verwachsenRalf Sänger: Bäume – Wunderbare Wesen im Kreis Unna. Kettler, Bönen 1998, ISBN 3-925608-53-2, S. 66–68. (siehe im untenstehenden Bild die innen spitzwinklig zulaufende Vereinigungsstelle der beiden Stämme, die diese Möglichkeit unwahrscheinlich erscheinen lässt).
Sage Der Sage nach soll Napoleon Bonaparte auf seinem Rückweg vom Russlandfeldzug 1812 unter der Buche gerastet haben und dann, nachdem sein Pferd in einem nahegelegenen Teich getrunken habe, zwischen den beiden Stämmen hindurch weiter geritten sein. Dagegen spricht allerdings, dass der Baum, wenn er zu dieser Zeit überhaupt schon existierte, noch sehr klein gewesen sein muss, so dass er Napoleon nicht aufgefallen wäre und ein Hindurchreiten zwischen den weiter oberhalb verbundenen Stämmen unmöglich gewesen wäre. Außerdem ist nichts davon bekannt, dass Napoleon, als er nach der Schlacht an der Beresina im Dezember 1812 von Wilna nach Paris ritt, hier vorbeigekommen wäre.Ralf Sänger: Bäume – Wunderbare Wesen im Kreis Unna. Kettler, Bönen 1998, ISBN 3-925608-53-2, S. 65–66.Napoleonsbuche in Lünen/Gahmen, Website Europäische Holzroute, abgerufen am 13. Juli 2021.
Rezeption Im Jahr 2012 zierte ein Foto der Napoleonsbuche eine englischsprachige Broschüre für Entwicklungspraktiker, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Kooperation mit dem Zivilen Friedensdienst und dem Deutschen Institut für Menschenrechte erstellt wurde. Der Baum wurde hier als ein Symbol für das Zusammenwachsen des menschlichen Zusammenlebens aus getrennten Hintergründen hin zu einer Gemeinschaft gedeutet.
Bilder
Andere gleichnamige Bäume Bei Dorsten auf dem Galgenberg am Napoleonsweg stand 400 Jahre lang eine Buche, die eine Höhe von 28 Metern erreichte. Bei einem Sturm im Jahr 1970 verlor sie ihre Krone und ging später ein. Heute sind nur noch modernde Reste vorhanden.
Um 2007 abgestorben ist eine Napoleonsbuche im Kaldauer Wald bei Siegburg. Sie erreichte 40 Meter Höhe bei einem Stammumfang von 5,10 Metern und wurde rund 190 Jahre alt.
Vergleichbare Bäume: Zwillingsbuchen Buchen wie die Napoleonsbuche werden auch als Zwillingsbuchen bezeichnet, wobei dieser Begriff allerdings nicht einheitlich verwendet wird:
Zum einen sind solche (unten) doppelstämmigen Bäume gemeint, die sich – ebenso wie die Napoleonsbuche – komplett vereinigen und eine einzige Krone bilden, deren Anteile von außen nicht mehr einem der beiden Stämme zugeordnet werden können. Dies kann insbesondere dann vorkommen, wenn die beiden Stämme im Sinne eines „echten“ Zwiesels dicht nebeneinander aufwachsen. In solchen Fällen bildet sich ein sogenanntes Elfenauge aus. Beispiele hierfür sind die Zwillingsbuchen am Rennstieg in der Nähe der Burg Haineck bei Nazza und bei Sudwalde in der Wildeshauser Geest. In keinem dieser Fälle stehen die Stämme allerdings so weit auseinander wie bei der Napoleonsbuche.
Andererseits werden unter Zwillingsbuchen auch solche Bäume verstanden, bei denen sich „lediglich“ ein Ast (bzw. Stämmling) eines Baumes mit dem Stamm eines anderen vereinigt, wodurch für den Betrachter der Eindruck zweier gut unterscheidbarer, wenngleich fest miteinander verbundener Bäume entsteht; als Extremform dieser Variante ist der Baumkuss anzusehen. Solche Bäume stehen beispielsweise bei Gonzerath, am Kockelsberg in der Nähe von Trier sowie bei Gurzelen (Schweiz).
Schließlich sind auch „echte“ Buchenzwiesel unter dem Namen Zwillingsbuche bekannt, z. B. im Reinhardswald oder im Ith bei Lauenstein.
Literatur Ralf Sänger: Bäume. Wunderbare Wesen im Kreis Unna. Hrsg.: Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna, Umweltzentrum Westfalen. Kettler, Bönen 1998, ISBN 3-925608-53-2, S. 65–69.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Einzelbaum in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Geographie (Lünen) Kategorie:Einzelbaum in Europa Kategorie:Individuelle Buche oder Baumgruppe mit Buchen Kategorie:Napoleon Bonaparte als Namensgeber Kategorie:Naturdenkmal im Kreis Unna