Geestgottberg ist ein Ortsteil der Hansestadt Seehausen (Altmark) im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.
Geographie Lage Das Reihendorf Geestgottberg liegt im Urstromtal der Elbe zwischen den Flüssen Elbe und Aland im äußersten Norden des Landkreises bzw. des Bundeslandes Sachsen-Anhalt im Biosphärenreservat Mittelelbe. In Geestgottberg überquert die Bundesstraße 189 und die Bahnlinie Magdeburg–Wittenberge die Elbe. Auf der gegenüberliegenden, nördlichen Elbseite liegt die brandenburgische Stadt Wittenberge.
Ortsteilgliederung Zum Ortsteil gehören:
Am Aland, Wohnplatz am Fluss Aland, im Süden des Ortsteils , Wohnplatz: Eickhof, ehemaliges Rittergut Gottberg, ehemaliges Rittergut Hohe Geest, früher Freigut Geesterhof, im Osten des Ortsteils Märsche, im äußersten Norden des Ortsteils Krug, oder Burghof, ehemaliger Wohnplatz an einem alten Alandarm am südlichen Alanddeich
Klima In Geestgottberg herrscht gemäßigtes Klima. Dieses wird von Osten vom Kontinentalklima und vom Westen vom atlantischen Seeklima beeinflusst. Der durchschnittliche jährliche Niederschlag für Geestgottberg liegt bei 552 mm. Trockenster Monat ist der Februar mit einer Niederschlagsmenge von 32 mm, wohingegen der meiste Niederschlag im Juni mit durchschnittlich 63 mm fällt. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 8,9 °C. Der statistisch wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlichen 17,8 °C. Der Monat Januar, als kältester Monat im Jahr, weist eine Durchschnittstemperatur von 0 °C auf.Climate-Data.org. berechnet aus den Daten von 1982 bis 2012.
Geschichte Herkunft des Ortsnamens Für Geest gibt es zwei Erklärungen: Geest heißt im Niederländischen Geist. Als Geest wird aber auch ein höhergelegenes, nichtfruchtbares Land (Flugsandansammlung) bezeichnet. Da hier aber schwerer fruchtbarer Wischeboden vorherrscht, erscheint die zweite Deutung unpassend.
Gottberg kann als Himmelsgott oder als Eigenname verstanden werden."Kunstdenkmale-Osterburg". Im Jahr 1246 wurde ein Bolde de Gotberge in Wittenberge als Zeuge genannt. Das Dorf Gottberg könnte auch nach einer Familie gleichen Namens benannt sein oder umgekehrt. Aus beiden Bezeichnungen entstand der Ortsname Geest-Gottberg und später Geestgottberg.
Vorgeschichte Der mittelalterliche Burgwall ist abgetragen. Wahrscheinlich lag dieser Wall beim Burgkrug. In der Nähe von Geestgottberg hatte man ein Leuchtermännchen aus dem 14. Jahrhundert gefunden, das sich am Anfang des 20. Jahrhunderts im Altmärkischen Museum in Stendal befand.
Mittelalter bis Neuzeit Die Besiedlung der Region erfolgte nach der Eindeichung der Elbe durch niederländische Kolonisten etwa im 13./14. Jahrhundert. Gottberg wurde 1305 als Dorf Gotberg erwähnt.
Im Jahre 1541 wurde die ghest zu Gotbergk genannt, 1600 hieß es Ufm Geist zu Gottberge. 1686 dann Das Dorff Geist Gottberg, so auch von Bauscherege, Sengepels und die Alintschen genannt wirdt.Zitiert nach Rohrlach: LHASA, Rep. Da Dambeck, L 2, Nr. 2, fol 10. Weitere Nennungen sind 1720 Büschewehr, Sengebeltz und 1722 Geist-Gottberg. 1804 ist Geest-Gottberg oder Geist-Gottberg ein Dorf und ein Gut mit einem Krug und zwei Windmühlen an der Elbe. Sie standen im heutigen Wohnplatz Märsche.
Märsche und Wiesen im Vorland des Elbdeiches tragen Namen wie Sengepeck oder Hexenmärsche. Dort haben Hexenverbrennungen stattgefunden.
Das 78-ha-Gut Geestgottberg besaß Anfang der 1920er Jahre der Landwirt Friedrich Dittmar. Der Gutsbezirk gehörte damals schon zur Gemeinde, was untypisch für Gemeinden in preußischen Provinzen. Ein zweiter örtlicher Gutsbetrieb hatte Anteile in der Gemarkung von Seehausen. Eigentümer dieser 137 ha war Walter Granzow.Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen, Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 58–59.
Ende der 1920er und 1930er Jahre befanden sich auf der Gemarkung von Geestgottberg noch weitere größere landwirtschaftliche Betriebe, u. a. der Erbhof Deichhof.Vgl. Esther von Schwerin: Kormorane, Brombeerranken. Erinnerungen an Ostpreussen. 1. Auflage, Langen Müller, München/Wien 1986, ISBN 3-7844-2119-9, S. 230. Dieser wurde durch den Landwirt Wilhelm Freiherr von Lyncker und seiner Frau Illa von Lyncker, geb. von der Marwitz, bewirtschaftet. Alle Familienangehörigen, sämtlich direkte Nachkommen von preußischen Generälen, auch die Mutter Helene, geb. von Kameke, starben am 18. April 1945.Vgl. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Elsa Freifrau von Bethmann, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel nach 1400 nobilitiert). 1954. Band I, Band 7 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1954, , S. 242–243.Vgl. Matthias Graf von Schmettow: Gedenkbuch des deutschen Adels. (Hauptband). In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv, Band 3, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1968, S. 203.
Landwirtschaft nach 1945 Bei der Bodenreform 1945 wurde festgestellt: 30 Besitzungen unter 100 Hektar hatten zusammen 941 Hektar, 2 Kirchenbesitzungen hatten zusammen 38 Hektar, eine Gemeindebesitzung hatte 3 Hektar. Drei Besitzungen mit zusammen 585 Hektar wurden von der SMAD verwaltet und bewirtschaftet. Enteignet wurden 3 Betriebe: ein Ackerhof, wohl der Burghof, die Rittergüter Gottberg und Eickhof. 1948 hatten aus der Bodenreform 55 Vollsiedler jeder über 5 Hektar erworben und 16 Kleinsiedler jeder unter 5 Hektar. Im Jahre 1953 entstand die erste LPG, die LPG Typ III Neues Deutschland. 1959 entstanden die zweite, eine LPG Typ I Neues Leben und eine dritte, die LPG Typ I Fortschritt. Viele Bauern wurden am Anfang der 1950er Jahre gezwungen, in die LPG einzutreten. Im Juni 1953 war bereits eine Zwangsenteignung und Zwangsdeportation von Großbauern vorbereitet worden. Der Erlass wurde aufgrund der Ereignisse um den Aufstand vom 17. Juni 1953 von der Regierung wieder aufgehoben.
1960 gehörten zur LPG Typ III Neues Deutschland 130 Mitglieder, die LPGn vom Typ I Neues Leben, Fortschritt und Aland hatten mit 29 Mitglieder. 1961 wurden die drei LPGn vom Typ I an die LPG Typ III angeschlossen und diese 1970 an die LPG Typ III Thomas Müntzer Krüden angeschlossen. Durch weitere Zusammenschlüsse entstand die LPG Lenin. Sie verfügte 1986 im Ort über eine Jungrinderanlage und eine Milchviehanlage.
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde die LPG in die Landwirtschaft-, Erzeuger-, Bezugs- und Absatzgenossenschaft Geestgottberg (LEBAG) umgewandelt, deren Liquidation von 1991 bis 2004 dauerte."HOB-12". Karsten Dittmer berichtete im Jahre 2008 aus jener Zeit in Geestgottberg über die Verhaftung von Bauern wegen Wirtschaftsspionage.
Politische Geschichte und Eingemeindungen Bis 1807 gehörte das Dorf zum Seehausenschen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Zwischen 1807 und 1813 lag es im Kanton Seehausen auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Ab 1816 gehörte die Gemeinde zum Kreis Osterburg, dem späteren Landkreis Osterburg.
Am 30. September 1928 wurde ein Teil vom Gutsbezirk Eickhof mit der Landgemeinde Geestgottberg vereinigt, der andere Teil, die Flächen des Gastwirts Schatz, wurden mit der Landgemeinde Losenrade vereinigt.
Die Gemeinde Geestgottberg kam am 25. Juli 1952 zum neu gebildeten Kreis Seehausen. Am 2. Juli 1965 war dieser Kreis wieder aufgelöst worden und Geestgottberg ist in den Kreis Osterburg umgegliedert worden. Ab dem 1. Juli 1994 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Stendal. Bis zum 31. Dezember 2009 war Geestgottberg eine selbstständige Gemeinde mit den Wohnplätzen Eickhof, Hohe Geest und Märsche und gehörte der aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Seehausen (Altmark) an. mini|Östlicher Ortseingang Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Beuster (am 8. Juni 2009), Geestgottberg (am 9. Juni 2009), Losenrade (am 22. Juni 2009) und der Hansestadt Seehausen (Altmark) (am 29. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Hansestadt Seehausen (Altmark) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft. mini|Jugendliche helfen beim Drusch in der LPG „Neues Deutschland“ (1958) mini|Bau eines Rinderoffenstalls in Geestgottberg (1958)
Im Jahre 1982 wurde der Jugendbahnhof Geestgottberg der Deutschen Reichsbahn mit einem Kampfappell eingeweiht. Zu der Zeit wurde die Bahnstrecke Stendal–Wittenberge elektrifiziert und der Oberbau erneuert. Dafür hatte die Reichsbahndirektion Magdeburg gezielt junge Leute ausgewählt, die durch ihre ökonomische und gesellschaftliche Arbeit im gesamten Reichsbahnbereich einen guten Namen hatten.
Einwohnerentwicklung JahrEinwohner17342391775257178919817982491801214181826518404111864541JahrEinwohner1871458188538618924671895399190036019053481910354"Zahn-1928". 1925518JahrEinwohner19395171946894196451619715521981501199349320063952008382 (Bitte Jahr anklicken).JahrEinwohner2011350201233520143372020329202133220223202023312 Quelle, wenn nicht angegeben, bis 2006:
Religion Die evangelischen Christen aus Geestgottberg gehörten früher zur Kirchengemeinde Groß Beuster und damit zur Pfarrei Groß Beuster in der Altmark. Sie gehören heute zur Kirchengemeinde Beuster und werden betreut vom Pfarrbereich Beuster des Kirchenkreises Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Groß Beuster mit Angaben zu Geestgottberg stammen aus dem Jahre 1673.
Politik Bürgermeister Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Geestgottberg war Karlheinz Kallmeter.Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt - Gebiet und Wahlen (Hrsg.): Bürgermeisterwahl am 17. Februar 2008 - Gemeinde Geestgottberg - Landkreis Stendal. 17. März 2008.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die evangelische Dorfkirche GeestgottbergEvangelische Kirche Nordostmark (Hrsg.): Kirche Geestgottberg. ist eine ehemalige Baubaracke aus den 1980er Jahren mit einem 2002 von einer Tischlerei aus Beuster errichteten Fachwerk-Glockenturm. Das Geestgottberger Schöpfwerk, ein Pumpenhaus, ist ein technisches Denkmal am Geestgottberger Polder im Westen des Ortsteils. Der Gutshof Eickhof steht unter Denkmalschutz. Der Ortsfriedhof liegt im Osten des Ortsteils an der Straße nach Beuster. In Geestgottberg steht ein Denkmal aus Granitblöcken für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.
Infrastruktur Verkehr mini|Radwegweiser nördlich des Dorfes
Der Haltepunkt Geestgottberg liegt an der Bahnstrecke Magdeburg–Stendal–Wittenberge und wird von der Linie S1 (Schönebeck-Salzelmen–Magdeburg–Stendal–Wittenberge) der S-Bahn Mittelelbe im Stundentakt bedient. Außerdem zweigt in Geestgottberg eine Nebenbahn nach Salzwedel ab, auf der seit 2004 kein regelmäßiger Verkehr mehr stattfindet. Die Gemeinde liegt an der Nord-Süd-Hauptverbindung durch das nördliche Sachsen-Anhalt (Bundesstraße 189). Es verkehren Linienbusse und Rufbusse von stendalbus. Nördlich des Dorfes verläuft der Fernradweg Altmarkrundkurs.
Sage