Die jüdische Gemeinde Appenheim im rheinland-pfälzischen Landkreis Mainz-Bingen bestand vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 1930.

Geschichte Bereits im 16. Jahrhundert siedelten Juden auf dem Gebiet von Appenheim. Die Quellen nennen hier allerdings keine Zahlen. Erste Zahlen liegen hier erst ab dem 19. Jahrhundert vor. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl an und erreichte 1830 ihren höchsten Stand. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder relativ konstant. Ab dann ging die Zahl zurück. 1930 wurde die Gemeinde aufgelöst und an die jüdische Gemeinde Bingen angeschlossen. Ab 1933, nach der Machtergreifung Adolf Hitlers, wurden die jüdischen Einwohner immer mehr entrechtet. Zudem kam es immer wieder zu antijüdischen Aktionen, was dazu führte, dass weitere Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft Appenheim verließen. Nach den Novemberpogromen 1938 lebte 1939 nur noch eine jüdische Familie in Appenheim.Stefan Fischbach, Ingrid Westerhoff: „… und dies ist die Pforte des Himmels“. Synagogen Rheinland-Pfalz und Saarland. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Staatliches Konservatoramt des Saarlandes, Synagogue Memorial Jerusalem. (Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland, 2). Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3313-7, S. 82.

Entwicklung der jüdischen Einwohnerzahl Jahr Juden Jüdische Familien Bemerkung1804131808518243118303819003019311019391 Quelle: alemannia-judaica.de; jüdische-gemeinden.de;; „… und dies ist die Pforte des Himmels“

Einrichtungen Synagoge

Die Synagoge wird erstmals 1908 erwähnt. Sie befand sich in einem Gebäude in der Obergasse. Im Jahr 1930 wurde die Synagoge, nach Auflösung der Gemeinde, verkauft.

Schule Ob die Gemeinde über eine eigene Schule oder sonstige Räumlichkeiten für den Religionsunterricht verfügte, ist nicht bekannt. Ebenso geben die Quellen keine Auskunft darüber ob die Gemeinde einen Lehrer angestellt hatte.

Mikwe Die jüdische Gemeinde Appenheim verfügte über eine Mikwe. Der Standort ist in den Quellen nicht überliefert.

Friedhof Die Toten der Gemeinde wurde ab 1850 auf dem Jüdischer Friedhof (Appenheim) beigesetzt.

Opfer des Holocaust Das Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 und die Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer von Yad Vashem führen15 Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft Appenheim (die dort geboren wurden oder zeitweise lebten) auf, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Name Vorname Todeszeitpunkt Alter Ort des Todes Bemerkung QuellenBachrachKlara3. Juni 194249 JahreVernichtungslager SobiborDeportation am 1. Juni ab Kassel nach Vernichtungslager SobiborYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11460699) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandGrünewaldIdaunbekanntunbekanntVernichtungslager SobiborDeportation am 11. Juni ab Frankfurt am Main nach Vernichtungslager SobiborYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11511747, Nr. 1962900, Nr. 620580, Nr. 637150 und Nr. 874837) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandHermannRoseunbekanntunbekanntKonzentrationslager AuschwitzNach Frankreich emigriert. Deportation am 6. November 1942 ab Sammellager Drancy nach Konzentrationslager Auschwitz.Yad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11519519 und Nr. 3184518) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandKehrJenny11. Dezember 194247 JahreBarcelonaSuizidYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 585540 und Nr. 5581969) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandLazarusBerta25. Oktober 194288 JahreGhetto TheresienstadtDeportation ab Darmstadt am 27. September 1942 nach Ghetto TheresienstadtYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11571012) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandLazarusEmma14. Januar 194381 JahreGhetto TheresienstadtDeportation ab Darmstadt am 27. September 1942 nach Ghetto Theresienstadt (Transport XVII/1, Zug Da 520)Yad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 4778674 und Nr. 11571027) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandLazarusJettchenunbekanntunbekanntInternierungslager GursYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 5249342)MarxFranziska2. November 194267 JahreGhetto TheresienstadtDeportation ab Darmstadt am 27. September 1942 nach Ghetto TheresienstadtYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11589644) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandMayerSimon12. September 194279 JahreGhetto TheresienstadtDeportation ab Frankfurt am Main am Deportation am 1. September 1942 nach Ghetto TheresienstadtYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 1746916, Nr. 1728735, Nr. 11591526 und Nr. 11591514) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandSchneebergBertha23. Juli 194349 JahreVernichtungslager SobiborAm 2. September 1934 in die Niederlande emigriert. Bis 24. Mai 1943 im Konzentrationslager Vught-Hertogenbosch interniert. Vom 24. Mai 1943 bis 20. Juli 1943 im Durchgangslager Westerbork interniert. Am 20. Juli 1943 Deportation nach Vernichtungslager SobiborYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 4291244 und Nr. 11627839) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandStraußEmma23. April 194464 JahreGhetto TheresienstadtDeportation ab Darmstadt am 27. September 1942 nach Ghetto TheresienstadtYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11643371) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandWeinthalMarthaunbekanntunbekanntGhetto PiaskiDeportation ab Mainz / Darmstadt am 25. März 1942 nach Ghetto PiaskiYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11652886) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandWeinthalRosaunbekanntunbekanntGhetto PiaskiDeportation ab Mainz / Darmstadt am 25. März 1942 nach Ghetto PiaskiYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11652888) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandWeinthalWilhelm19. November 194245 JahreKonzentrationslager MajdanekDeportation ab Mainz / Darmstadt am 25. März 1942 nach Ghetto Piaski. Zu unbekanntem Zeitpunkt nach Konzentrationslager MajdanekYad Vashem (Datenbank, Datensatz Nr. 11652894) / Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in DeutschlandDer Sohn von Ida Grünewald hat insgesamt drei Gedenkblätter bei Yad Vashem eingereicht. In jedem ist ein anderer Todesort angegeben. Hier wurde Sobibor übernommen wie im Datensatz Nr. 11511747 Yad Vashem und dem Gedenkbuch angegeben. In den von der Tochter und der Schwägerin bei Yad Vashem eingereichten Gedenkblättern werden als Todesorte das Internierungslager Gurs respektive ein Gefängnis in Andorra sowie unterschiedliche Todeszeitpunkte angegeben. Hier wurden die Angaben aus dem Gedenkbuch übernommen Zu Bertha Lazarus liegen in der Datenbank von Yad Vashem zwei weitere Gedenkblätter vor (Nr. 1396864 und Nr. 1057828). Da sich diese im Geburtsjahr und Geburtsort zu den Angaben kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich hier um eine andere Person handelt. Hier wurden die Angaben aus dem Gedenkbuch und dem Datensatz Nr. 11571012 von Yad Vashem übernommen.

Literatur Stefan Fischbach, Ingrid Westerhoff: „… und dies ist die Pforte des Himmels“. Synagogen Rheinland-Pfalz und Saarland. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Staatliches Konservatoramt des Saarlandes, Synagogue Memorial Jerusalem. (Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland, 2). Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3313-7.

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Einzelnachweise

Appenheim Gemeinde