Bocksbärte (Tragopogon) sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Cichorioideae innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie besiedeln Areale in weiten Teilen Eurasiens und in Nordafrika. Einige Arten sind weltweit anzutreffende invasive Pflanzen und manche werden als Wildgemüse genutzt (Wiesen-Bocksbart) und angebaut (Haferwurzel).
Beschreibung mini|links|Illustration von Tragopogon porrifolius mini|Illustration des Großen Bocksbarts (Tragopogon dubius) mini|Illustration des Wiesen-Bocksbarts (Tragopogon pratensis)
Vegetative Merkmale Die Tragopogon-Arten sind selten ein-, meist zweijährige bis manchmal ausdauernde krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 15 bis meist 50 bis 150 Zentimetern erreichen. Sie bilden oft starke Pfahlwurzeln. Es ist Milchsaft vorhanden. Die Stängel sind meist, besonders im unteren Bereich, wenig verzweigt und kahl bis wollig behaart.
Die in grundständigen Rosetten und wechselständig am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter sind sitzend. Die einfachen Blattspreiten sind ganzrandig und oft mit grasartiger, linealischer oder linealisch-lanzettlicher bis länglicher Form. Der Blattrand ist glatt oder gewellt. Es ist eine auffallende Mittelrippe erkennbar.
Generative Merkmale Der relativ lange Blütenstandsschaft ist unbeblättert und manchmal aufgeblasen. Die Blütenkörbe stehen einzeln an den Zweigenden und schließen sich meist in der zweiten Tageshälfte. Die kahle bis wollig behaarte Korbhülle Involukrum ist im knospigen Zustand zylindrisch, urnenförmig bis schmal-kegelförmig; während die Blüten geöffnet sind, ist es mehr oder weniger glockenförmig mit Durchmessern von meist 10 bis über 20 Millimetern. Die gleich großen meist 8 bis 12 (5 bis 16) in einer Reihe angeordneten Hüllblätter sind dreieckig, länglich oder linealisch bis lanzettlich mit spitzem oberen Ende; sie sind während der Fruchtzeit zurückgebogen. Der Korbboden ist flach bis konvex. Es sind keine Spreublätter vorhanden. Die Pollenkörner sind echinolophat und tricolporat.
In den Blütenkörben sind nur Zungenblüten vorhanden; sie enthalten 20 bis 30 bis 50 bis 180 (oder mehr) Zungenblüten in einer Reihe oder selten zwei Reihen angeordnet. Die Blütenkronen sind gelb bis bronze- oder purpurfarben.
Die Achänen stehen zu einem mit Durchmessern von 4 bis 5 Zentimetern Kugel zusammen. Die Achänen sind bei einer Länge von 2,5 bis 3 (0,9 bis 5,5) Zentimetern zylindrisch oder mehr oder weniger spindelförmig mit fünf oder zehn Rippen. Die dunkel- bis hellbraunen Achänen bestehen bei den meisten Arten aus einem fruchttragenden Körper und einem gedrungenen, mehr oder minder langen dünnen Schnabel. Der große Pappus (Haarkranz) besteht aus 0,6 bis 4 Zentimeter langen, leicht gefransten, im unteren Bereich fedrigen und im oberen Bereich schuppigen, oder robusten weißen, schmutzig-weißen, gelblichen bis bräunlichen Borsten.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 6. Es wurde Diploidie, Tetraploidie sowie Hexaploidie ermittelt.
Ökologie Der Pappus dient als Flugfallschirm.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Tragopogon wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 2, Seite 789 und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage, Seite 346 aufgestellt. Der Gattungsname Tragopogon setzt sich aus den altgriechischen Wörtern τράγος = tragos für „Geißbock“ und πώγων = pogon für „Bart“ zusammen und bezieht sich auf die Form des Pappus. Der Wiesen-Bocksbart wurde bereits früher als Bocksbart (mittelhochdeutsch bockes bart) und gleichbedeutend lateinisch Barba hircina bezeichnet.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 161. Als Lectotypus der Gattung wurde Tragopogon porrifolius festgelegt.
Die Gattung Tragopogon gehört zur Subtribus Scorzonerinae aus der Tribus Cichorieae in der Unterfamilie Cichorioideae innerhalb der Familie Asteraceae (Asteraceae). Die Monophylie der Gattung Tragopogon ist auch durch viele molekulargenetische Untersuchungen gesichert. Die monotypische Gattung Geropogon mit der einzigen Art Geropogon hybridus , die auch bei manchen Autoren zur Gattung Tragopogon ist diese Schwestergattung.
Die etwa 150 Tragopogon-Arten sind in der „Alten Welt“ von weiten Teilen Europas und dem gemäßigten Asien vom Atlantischen bis zum Pazifischen Ozean und in Nordafrika weitverbreitet. Das Zentrum der Artenvielfalt reicht von Osteuropa bis Westasien. Einige Arten sind schon lange Neophyten beispielsweise in Nordamerika, dort neigen wenige Arten zur Bildung von Hybriden. Die klare Unterscheidung der Arten ist oft schwierig.
mini|Blütenkorb von Tragopogon balcanicus mini|Habitus, Laubblätter und Blütenkorb von Tragopogon buphthalmoides mini|Tragopogon collinus mini|Tragopogon crocifolius mini|Blütenkorb von Tragopogon coelesyriacus mini|Großer Bocksbart (Tragopogon dubius) mini|Tragopogon porrifolius subsp. eriospermus mini|Tragopogon porrifolius subsp. longirostris mini|Habitus, Laubblätter und Blütenkorb von Tragopogon reticulatus mini|Fruchtstand
Es gibt etwa 150 Arten in der Gattung Bocksbärte (Tragopogon) (Auswahl): Tragopogon acanthocarpus : Sie kommt von Nachitschewan über Armenien sowie Aserbaidschan bis zum Iran vor. Tragopogon albinervis : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei vor. Tragopogon altaicus : Sie kommt in Russland, in der Mongolei, in Kasachstan und in Xinjiang vor. Tragopogon anatolicus : Sie wurde 2014 aus dem asiatischen Teil der Türkei erstbeschrieben. Tragopogon angustifolius : Sie kommt in Marokko, Spanien, Andorra, Frankreich und Italien vor. Tragopogon armeniacus : Sie kommt nur in Armenien vor. Tragopogon artvinensis : Sie wurde 2016 aus dem asiatischen Teil der Türkei erstbeschrieben. Tragopogon aureus : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei vor. Tragopogon balcanicus : Sie kommt in Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Bulgarien, Rumänien, Nordmazedonien, Griechenland sowie im europäischen Teil der Türkei vor. Tragopogon bjelorussicus : Sie kommt in Belarus und in der Ukraine vor. Tragopogon bombycinus : Sie kommt in Spanien vor. Tragopogon borystenicus : Sie kommt in Rumänien und in der Ukraine vor. Tragopogon brevirostris : Sie kommt im Kaukasusraum, in Georgien und in Aserbaidschan vor. Tragopogon buphthalmoides (Syn.: Tragopogon palaestinus , Tragopogon persicus , Tragopogon plantagineus , Tragopogon tasch-kala ): Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei, im Nahen Osten und im Kaukasusraum vor. Tragopogon capitatus : Sie kommt in Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan und in Xinjiang vor. Tragopogon castellanus : Sie kommt in Spanien vor. Tragopogon cazorlanus : Sie wurde 2004 aus Spanien erstbeschrieben. Tragopogon charadzeae : Sie kommt nur in Georgien vor. Tragopogon colchicus : Sie kommt nur in Georgien vor. Tragopogon collinus : Sie kommt im Nahen Osten und im Kaukasusraum vor. Tragopogon coloratus : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei und im Kaukasusraum vor. Tragopogon cretaceus : Sie kommt im europäischen Teil Russlands vor. Tragopogon crocifolius : Sie kommt in Marokko, Algerien, Spanien, Portugal, Frankreich, Italien und auf Sizilien vor. Tragopogon dasyrhynchus : Sie kommt im europäischen Teil Russlands, im Kaukasusraum, in der Ukraine und auf der Krim vor. Tragopogon dshimilensis : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei vor. Großer Bocksbart (Tragopogon dubius , Syn.: Tragopogon dubius subsp. campestris , Tragopogon major ): Es kommt von Europa über das westliche Russland bis Kasachstan und Xinjiang verbreitet. In weiten Gebieten Nordamerikas ist er ein Neophyt. Tragopogon elatior : Sie kommt wohl nur auf der Krim vor. Tragopogon elongatus : Sie kommt in Kasachstan, Kirgisistan, Xinjiang und Qinghai vor. Tragopogon fibrosus : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei vor. Tragopogon filifolius : Sie kommt im Kaukasusraum, in Georgien, Aserbaidschan und Armenien vor. Tragopogon floccosus : Sie kommt in Ungarn, Serbien, Rumänien, Bulgarien und in der Ukraine vor. Tragopogon gorskianus : Dieser Endemit kommt nur in Litauen vor. Tragopogon gracilis : Sie kommt in Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan, Afghanistan, im nördlichen Indien, in Nepal, Tibet und Xinjiang vor. Tragopogon graminifolius : Sie kommt in Rumänien, im asiatischen Teil der Türkei und im Kaukasusraum vor. Tragopogon heteropappus : Die Erstbeschreibung erfolgte 1999. Über diese Art ist wenig bekannt; sie gedeiht in der Halbwüste an steinigen Standorten in Höhenlagen von 1000 bis 1300 Metern nur im chinesischen Xinjiang. Tragopogon heterospermus : Es gibt Fundorte in Lettland, Litauen und Kaliningrad. Tragopogon idae : Sie kommt nur in Armenien vor. Tragopogon karjaginii : Sie kommt nur in Aserbaidschan vor. Tragopogon kasachstanicus : Sie kommt in Kasachstan, Kirgisistan sowie Xinjiang vor. Tragopogon kemulariae : Sie kommt im Kaukasusraum vor. Tragopogon ketzkhovelii : Sie kommt in Armenien und Georgien vor. Tragopogon kindingeri : Dieser Endemit kommt nur in Nordmazedonien vor. Tragopogon lainzii : Sie kommt in Spanien vor. Tragopogon lassithicus : Dieser Endemit kommt nur auf Kreta vor. Tragopogon latifolius : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei, in Armenien und in Nachitschewan vor. Tragopogon longifolius (Syn.: Tragopogon brevirostris subsp. longifolius ): Sie kommt in Griechenland vor. Tragopogon macropogon : Sie kommt nur in Aserbaidschan vor. Tragopogon makaschwilii : Sie kommt nur in Georgien vor. Tragopogon marginatus (Syn.: Tragopogon flexuosus ): Sie kommt im Kaukasusraum vor. Tragopogon marginifolius (Syn.: Tragopogon gonocarpus ): Sie kommt im europäischen Teil Russlands, in Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Xinjiang vor. Tragopogon meskheticus : Sie kommt nur in Georgien vor. Tragopogon mirus : Sie gedeiht an gestörten Standorten in Höhenlagen von 700 bis 800 Metern in den US-Bundesstaaten Arizona, Idaho und Washington vor. Tragopogon miscellus : Sie gedeiht an gestörten Standorten in Höhenlagen von 700 bis 800 Metern in den US-Bundesstaaten Arizona, Idaho, Washington und Wyoming vor. Tragopogon montanus : Sie kommt in Südwestasien, Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan und Xinjiang vor. Tragopogon oligolepis : Sie wurde 1987 aus dem asiatischen Teil der Türkei erstbeschrieben. Tragopogon olympicus : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei vor. Tragopogon otschiaurii : Sie kommt nur in Georgien vor. Tragopogon pichleri : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei und auf Inseln der Ägäis vor. Tragopogon podolicus (Syn.: Tragopogon artemczukii , Tragopogon brevirostris var. podolicus , Tragopogon brevirostris subsp. podolicus , Tragopogon brevirostris var. volgensis , Tragopogon brevirostris subsp. volgensis , Tragopogon leiorhynchus , Tragopogon volgensis , Tragopogon stepposus , Tragopogon podolicus subsp. stepposus ): Sie ist in Rumänien, Moldawien, Belarus, im östlichen europäischen und im westlichen asiatischen Russlands, in der Ukraine, in Kasachstan und Xinjiang verbreitet. Haferwurzel (Tragopogon porrifolius , Syn.: Tragopogon sinuatus , Tragopogon porrifolius subsp. australis ) Sie kommt in Europa und Nordafrika vor. In weiten Gebieten Nordamerikas, in Hawaii und Australien ist er ein Neophyt. Tragopogon porrifolius subsp. cupanii (Syn.: Tragopogon cupanii ): Sie kommt nur in Italien, Sizilien und Malta vor. Tragopogon porrifolius subsp. eriospermus (Syn.: Tragopogon sinuatus auct. non , Tragopogon porrifolius subsp. australis auct. non , Tragopogon eriospermus , Tragopogon brachyphyllus , Tragopogon porrifolius var. brachyphyllus ): Sie kommt von Italien, auf Korsika, Sizilien, Malta, im ehemaligen Jugoslawien, Griechenland und auf Inseln der Ägäis sowie in der Türkei vor. Tragopogon porrifolius subsp. macrocephalus : Sie kommt in Algerien und Marokko vor.