Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) war ein Gremium, das unter Einbindung von Praktikern, Wissenschaftlern und weiteren gesellschaftlichen Akteuren, Empfehlungen für eine praxistaugliche Transformation hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft zusammentragen sollte. Die ZKL wurde nach Bauerndemonstrationen am 2. Dezember 2019 von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel an einem „Agrargipfel“-Gespräch mit 40 Verbänden und Organisationen initiiert.
Am 6. Juli 2021 übergab der ZKL-Vorsitzende Peter Strohschneider Merkel den Abschlussbericht. Im September 2022 bat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Kabinett Scholz) die Mitglieder, ihre Arbeit fortzusetzen.
Am 11. April 2024 traf sich die Kommission auf Einladung des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz im Kanzleramt. Sie wollte im Sommer 2024 eine Erweiterung ihres Abschlusspapiers vorstellen, die Ende 2024 weiter mit Kanzler Scholz besprochen werden sollte. Am 22. November 2024 stellte die Kommission ihren Bericht unter dem Titel „Zukunft Landwirtschaft. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe in schwierigen Zeiten – Strategische Leitlinien und Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft“ vor.
Am 6. November 2024 brach die Ampelkoalition. Die Zukunftskommission Landwirtschaft wurde von dem im Mai 2025 gebildeten Kabinett Merz nicht weitergeführt.
Hintergrund und Gründung Nach Bauerndemonstrationen im Herbst 2019 hatten am 2. Dezember 2019 Bundeskanzlerin Merkel und Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner 80 Vertreter aus 40 Verbänden, Initiativen und Organisationen der Agrarbranche zu einem Agrardialog („Agrargipfel“) im Kanzleramt eingeladen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, wie eine gesellschaftlich akzeptierte Nutztierhaltung und ein zukunftsfähiger Ackerbau aussehen können. Ein Ergebnis der Gespräche war die Gründung der 'Zukunftskommission Landwirtschaft'.
Merkel hatte den Deutschen Bauernverband (DBV) und die Initiative Land schafft Verbindung (LsV) beauftragt, ein Konzept für die Zusammensetzung des Gremiums zu erarbeiten.
Das Kabinett Merkel IV beschloss am 8. Juli 2020 die Einsetzung der Kommission. Am 7. September 2020 fand die konstituierende Sitzung statt. Zur organisatorischen Unterstützung des Gremiums wurde beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Geschäftsstelle geschaffen.
Aufgaben und Ziele Die Zukunftskommission hatte die Aufgabe, Empfehlungen und Vorschläge für die Bundesregierung zu erarbeiten, um eine nachhaltige, d. h. ökologisch und ökonomisch tragfähige sowie sozial verträgliche Landwirtschaft in Deutschland auch in Zukunft zu ermöglichen. Ziel ihrer Arbeit war es, die Bundesregierung dabei zu unterstützen, die bestehenden Zielkonflikte aufzulösen zwischen: einer wirtschaftlich tragfähigen Lebensmittelproduktion versus Klima- und Umweltschutz, Preisbewusstsein versus steigende Verbrauchererwartungen.
Mitglieder Vorsitzender: Peter Strohschneider
Aus dem Bereich Landwirtschaft: Hubertus Paetow (Präsident Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) Joachim Rukwied (Präsident Deutscher Bauernverband) Petra Bentkämper (Präsidentin Deutscher Landfrauenverband) Stefan Mann (Bundesvorsitzender Bundesverband Deutscher Milchviehhalter) Kathrin Muus (Bundesvorsitzende Bund der Deutschen Landjugend) Dirk Andresen (Sprecher Land schafft Verbindung) Felix Prinz zu Löwenstein (Vorstandsvorsitzender Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft) Elisabeth Fresen (Bundesvorsitzende Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) Jürgen Mertz (Präsident Zentralverband Gartenbau) Ute Volquardsen (Vizepräsidentin des Verbandes der Landwirtschaftskammern)
Aus den Bereichen Wirtschaft und Verbraucher: Franz-Josef Holzenkamp (Präsident Deutscher Raiffeisenverband) Manfred Hudetz (Präsident Industrieverband Agrar) Stephanie Franck (Vorsitzende Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter) Philipp Hengstenberg (Präsident Lebensmittelverband Deutschland) Christian von Boetticher (Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie)
Miriam Schneider (Leiterin Büro Brüssel des Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels) Susanne Dehmel (Mitglied Sachverständigenrat für Verbraucherfragen)
Aus den Bereichen Umwelt und Tierschutz: Kai Niebert (Präsident Deutscher Naturschutzring) Jörg-Andreas Krüger (Präsident Naturschutzbund Deutschland) Olaf Bandt (Vorsitzender Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Christoph Heinrich (Vorstand Naturschutz WWF Deutschland) Thomas Schröder (Präsident Deutscher Tierschutzbund) Myriam Rapior (Mitglied im Bundesvorstand BUNDjugend) Martin Kaiser (Geschäftsführung Greenpeace) – ausgetreten im März 2021
Wissenschaft Manfred Niekisch (stellvertretender Vorsitzender Sachverständigenrat für Umweltfragen) Achim Spiller (Universität Göttingen) Hiltrud Nieberg (Johann Heinrich von Thünen-Institut) Ute Knierim (Universität Kassel) Ramona Teuber (Universität Gießen) Vera Bitsch (Technische Universität München)
Ergebnisse Der Abschlussbericht der ZKL, der am 6. Juli 2021 der Bundeskanzlerin übergeben wurde, enthält Empfehlungen und 12 Leitlinien für den Transformationsprozess des Landwirtschafts- und Ernährungssystems. Die zwei jüngsten Mitglieder der Kommission, Kathrin Muus vom Bund der Deutschen Landjugend und Myriam Rapior von der Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland haben darin eine gemeinsame Vision zur Zukunft der Landwirtschaft formuliert, die konkret auf die Punkte Berufsstand und Betriebe, Umwelt, Natur und Klima, Wirtschaftsbedingungen, Regionalität, Ernährung und Verbraucher, Ausbildung und Berufseinstieg, Politische und institutionelle Zusammenarbeit, Tierhaltung, Digitalisierung und die Globalen Auswirkungen der deutschen Landwirtschaft eingeht.ZKL-Abschlussbericht Seiten 55–59.
Ausführlich werden Empfehlungen und Politikoptionen in sozialen, ökologischen und ökonomischen Handlungsfeldern beschrieben. Für ihren Beitrag zum Zustandekommen des Abschlussberichts erhielten Muus und Rapior 2022 gemeinsam den Ehrenpreis des Deutschen Umweltpreises.
Kritik Greenpeace zog sich im März 2021 aus der ZKL zurück. Martin Kaiser, begründete den Rückzug in einem Schreiben an die Bundeskanzlerin und den Vorsitzenden der Kommission mit der fehlenden Bereitschaft in Teilen der Bundesregierung, die Empfehlungen der Kommission zur anstehenden Umsetzung der EU-Agrarförderung in Deutschland zu berücksichtigen.
Der Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes gab im Oktober 2023 bekannt, er lasse seine Mitarbeit aus Kritik an der mangelnden Umsetzung des Abschlussberichts durch die Bundesregierung ruhen.Pressemeldung des Tierschutzbunds: Tierschutzbundpräsident Thomas Schröder lässt seine Mitarbeit in der Zukunftskommission Landwirtschaft ruhen, 19. Oktober 2023
Weblinks Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft
Einzelnachweise
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