Bei den bayerischen AB Bay 72 handelt es sich um zweiachsige Abteilwagen für den Einsatz in Personenzügen nach dem Blättern 49 (als Gattung AB) und 96 (als Gattung B) aus dem Wagenstandsverzeichnis (WV) für die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen vom 31. März 1913 (weitere Angaben siehe untenstehende Liste). Sie wurden ursprünglich von den Königlich privilegierten Bayerischen Ostbahnen (B.O.B.) als Wagen der Gattung A.B. beschafft.
Geschichte Für die Personenbeförderung auf den von ihr betriebenen Linien beschaffte die B.O.B. in den Jahren zwischen 1856 (erstes Geschäftsjahr) und 1875 (letztes Geschäftsjahr und Übernahme durch die K.B.E.) ca. 100siehe die Wagenverzeichnisse der B.O.B. von 1872 und 1875 Wagen der Gattung A.B. bzw. A.B.br. Von diesen wurden 1876 noch insgesamt 91 Stück von den K.B.Sts.B übernommensiehe Konrad, Reisezugwagen der deutschen Länderbahnen, Band II, Seite 11 und in ihren Wagenpark ebenfalls als Gattung AB eingereiht.
Beschaffung Als sechste Serie von Personenwagen der Gattung A.B. wurden in den Jahren 1872 und 1873siehe Angaben in den Wagenverzeichnissen zu dem Wagentyp insgesamt vierundzwanzig ungebremste Wagen beschafft. Der Stückpreis der Wagen lag bei 4.600 Gulden, Lieferant war die Fa. Eisengießerei Klett & Comp.siehe handschriftlicher Vermerk auf der Seite 19 des B.O.B.-Wagenverzeichnisses von 1875 Die Wagen waren baugleich zu den Wagen der fünften Beschaffungsserie (siehe B Bay 70), wobei allerdings die Anzahl der Abteile der jeweiligen Klasse getauscht wurde.
Verbleib Im amtlichen Bestandsverzeichnis der K.B.Sts.B. von 1913 wird noch ein Wagen als Gattung AB geführt, während elf Wagen als Gattung B. aufgeführt werden. Dabei wurde die ursprüngliche Sitzaufteilung beibehalten. Auf Grund ihres Alters und da im amtlichen Verzeichnis der Reichsbahn von 1930 keine Wagen des Typs AB Bay 72 bzw. B Bay 72 verzeichnet sind, ist davon auszugehen, dass sie alle bis zu diesem Termin ausgemustert waren.
Konstruktive Merkmale Untergestell Der Rahmen der Wagen war komplett aus Profileisen aufgebaut. Als Zugeinrichtung hatten die Wagen Schraubenkupplungen nach VDEV. Die Zugstange war durchgehend und mittig gefedert. Als Stoßeinrichtung besaßen die Wagen in der Lieferversion Stangenpuffer der B.O.B.-Bauart mit einer Einbaulänge von 555 mm und 360 mm für die Pufferteller. Diese wurden später durch solche mit einer Einbaulänge von 620 mm ersetzt, wodurch sich auch die LüP der Wagen entsprechend änderte.
Laufwerk Die Wagen hatten aus Blechen und Winkeln genietete Achshalter der kurzen, geraden Bauform. Gelagert waren die Achsen in Gleitachslagern. Die Räder hatten Speichenradkörper des bayerischen Typs 24 mit einem Durchmesser von 1.024 mm. Die jeweils 1.480 Millimeter langen Tragfedern hatten je sechs Blätter. Der Querschnitt der Blätter betrug 96 × 13 Millimeter.
In der Lieferversion waren alle Wagen ungebremst. Im Verzeichnis von 1891 wird für drei Wagen (Nr. 17 823 bis 17 825) eine Verbindungsbremsees dürfte sich dabei um eine Friktionsbremse in der Art wie die Bremsen nach Bauart Heberlein gehandelt haben ausgewiesen. Im Verzeichnis von 1897 wird für insgesamt fünf Wagen der Einbau von Luftleitungen für eine durchgehende Druckluftbremse ausgewiesen. Im Verzeichnis von 1913 wird für eben diese fünf Wagen der Einbau einer Westinghouse-Bremse ausgewiesen.
Wagenkasten Der Rahmen des Wagenkastens bestand aus einem hölzernen Ständerwerk. Die Wände waren außen mit Blechen und innen mit Holz verkleidet. Die Stirnwände waren gerade, die Seitenwände ab der Höhe der Griffstangen für die Laufbretter nach unten leicht eingezogen. Das flache Tonnendach ragte nur leicht über die Seitenwände. Die Wagen hatten alle lange, seitliche Laufbretter mit Anhaltestangen. Die Halbabteile der ersten Klasse hatten als Besonderheit zusätzliche Fenster in der dazugehörenden Stirnwand.
Ausstattung Die Wagen hatten 1 ½ Abteile der Zweiten und zwei Abteile der Ersten Klasse. Beide Klassen hatten gepolsterte Sitzbänke, wobei die der Ersten Klasse höherwertig ausgeführt waren. In der Ersten Klasse gab es außerdem nur drei Sitze pro Reihe. Zwischen 1897 und 1913 wurden fast alle Wagen (Details siehe untenstehende Liste) zu solchen der zweiten Klasse unter Beibehaltung der Sitzaufteilung und Ausstattung umgewidmet. Die Wagen erhielten dann auch die Gattungsbezeichnung B.
Beleuchtet wurden die Wagen in der Lieferversion mit Öl-Lampen. Ab dem Verzeichnis von 1897 wird für alle Wagen eine Gasbeleuchtung nachgewiesen. Die für das Leuchtgas benötigten Gasbehälter mit einem Volumen von 560 ltr. waren in Längsrichtung unter dem Untergestell aufgehängt. Ebenfalls ab dem Verzeichnis von 1897 ist für alle Wagen eine Dampfheizung eingetragen. Zur Belüftung gab es Lamellenlüfter über den Abteiltüren sowie herablassbare Fenster.
Bei dem Umbau in den Jahren zwischen 1897 und 1913 wurden zusätzlich auch zwei Toiletten eingebaut. Diese lagen jeweils seitlich zwischen zwei Abteilen, so dass sie von beiden Seiten her benutzt werden konnten. Durch den Einbau der Toiletten verringerte sich die Anzahl der Sitze auf achtzehn Stück.
Skizzen, Musterblätter, Fotos
Wagennummern Blatt-Nr.Herstelld. Gattungszeichen je EpocheWagennummern je Epoche (mit Direktionsangaben) Fahrwerk / Ausstattung / Zusatzinfos(siehe jeweilige Legende) Bau-jahr Her- steller Anz. B.O.B.bis1872 B.O.B.ab1872 KBEab1876 KBEab1884 KBEab1893 KBEab1894 KBEab1907 DR(ab 1923) Ausge-mustert Anz.Ach-sen Brem-sen Bl. Hz. Art u. Anz. Abteile(Sitze) Mil. Bemer-kung Blatt-Nr.aus WV vonGattung1872191875AB.191879P.II.361891P.II.Plan1893AB.451897AB.961913B.B Bay 72fiktive Bezeichnung gemäß den Gattungskonventionen, da sehr wahrscheinlich nie ein Wagen zur Deutschen Reichsbahn kam A 1. 2. 3. O M Radstand für alle Wagen 4.370 Millimeter1872Klett48717 82617 826448448448<19302(Wsbr)Öl(G)(D)(2)2(12)1 ½(12)18lt.WV 1891 mit Verbindungsbremse8917 82817 828450450450<19309017 82917 829451451451<19309217 83117 831453453453<19301873Klett149317 83217 832454454454<19302(Wsbr)Öl(G)(D)(2)2(12)1 ½(12)189417 83317 833455455455<1930(Ll)9517 83417 834456456456<19309617 83517 835457457457<19309717 83617 836458458458<19309817 83717 837459459459<1930(Wsbr)10017 83917 839461461461<1930(Ll)10117 84017 840462462462<193010217 84117 841463463463<193010317 84217 842464464464<1930(Wsbr)10417 84317 843465465465<1930(Ll)10517 84417 844466466466<193010617 84517 845467467467<193010717 84617 846468468468<1930 Blatt-Nr.aus WV vonGattung1872191875AB.191879P.II.361891P.II.Plan1893AB.451897AB.961913B.B Bay 72fiktive Bezeichnung gemäß den Gattungskonventionen, da sehr wahrscheinlich nie ein Wagen zur Deutschen Reichsbahn kam A 1. 2. 3. O M Radstand für alle Wagen von 4.370 Millimeter auf 5.000 Millimeter erhöht1872Klett28817 82717 827449449449<19302(Wsbr)Öl(G)(D)(2)2(12)1 ½(12)18Lt. WV 1897 Radstand auf 5.000 mm erhöht9117 83017 830452452452<1930lt. WV 1891 Radstand auf 5.000 mm erhöht1873Klett310817 84717 847469469469<19302(Wsbr)Öl(G)(D)(2)2(12)1 ½(12)18Lt. WV 1897 Radstand auf 5.000 mm erhöht10917 84817 848470470470<193011017 84917 849471471471<1930 Blatt-Nr.aus WV vonGattung1872191875AB.191879P.II.361891P.II.Plan1893AB.451897AB.491913AB.AB Bay 72fiktive Bezeichnung gemäß den Gattungskonventionen, da sehr wahrscheinlich nie ein Wagen zur Deutschen Reichsbahn kam A 1. 2. 3. O M Radstand für alle Wagen von 4.370 Millimeter auf 5.000 Millimeter erhöht1873Klett19917 83817 838460460460<19302(Wsbr)Öl(G)(D)(2)2(12)1 ½(12)18
Anmerkungen
Einzelnachweise
Weblinks Digitalisat des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Blatt 49 aus dem Wagenstandsverzeichnis von 1913 Digitalisat des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Blatt 96 aus dem Wagenstandsverzeichnis von 1913
Literatur
Kategorie:Reisezugwagen (Bayerische Staatseisenbahnen) Kategorie:Reisezugwagen (Bayerische Ostbahnen)