Digitaler Euro (D€) ist das im Juli 2021 beschlossene Projekt des Eurosystems zur möglichen Einführung von digitalem Zentralbankgeld. Damit soll ein schnelles und sicheres gesetzliches Zahlungsmittel auf digitaler Basis gestaltet werden, das den Euro für Privatpersonen und Unternehmen in der bestehenden Form als Bargeld und auf Bankkonten ergänzt und vom Europäischen System der Zentralbanken des Euroraums ausgegeben würde. Funktional vergleichbar ist der D€ als digitaler Zwilling des Euro-Bargelds mit digitalen Mobile-Payment-Zahlungssystemen wie Apple Pay, PayPal und Google Pay. Der D€ hat für Kundeneinlagen im Gegensatz zu Buchgeld eine Zentralbank als Schuldner und Garant, während bei Buchgeld Kreditinstitute wie Geschäftsbanken, Sparkassen oder Genossenschaftsbanken für die entsprechenden Einlagen haften. Bei Mobile-Payment-Zahlungssystemen lauten in der Regel die entsprechenden Konten indirekt auf Buchgeld bei Kreditinstituten.

Die Entscheidung, ob ein D€ tatsächlich eingeführt wird, soll erst nach Abschluss der Untersuchungs- und Vorbereitungsphase getroffen werden. In jedem Fall solle ein D€ das Bargeld nur ergänzen, es aber nicht ersetzen. Nachdem sich der Europäische Rat im Dezember 2025 für die Einführung aussprach, soll das EU-Parlament im Mai 2026 zur Einführung des D€ abstimmen können. Frühestens 2029 könnte dann der Digitale Euro nach einem Pilotprojekt der EZB eingeführt werden.

Sollte Ende der 2020er Jahre ein D€ als vermutlich infrastrukturseitig kostengünstigere gesetzliche Zahlungsalternative zu Bargeld verfügbar werden, würde vermutlich eine beträchtliche Anzahl von Händlern aus Kostengründen keine Bargeldoption mehr anbieten. Bestünde weiterhin der politische Wunsch, die Wahlfreiheit aufrechtzuerhalten, müssten, wie in Schweden, gesetzliche Standards für eine Grundversorgung mit Bargeld festgelegt werden.

Argumente und Motive für die Einführung eines D€

Argumente und Motive für die Einführung eines D€ sind laut EZB:

Erhalt der Rolle des Zentralbankgeldes als monetärer Anker für das Zahlungssystem Bereitstellung eines kostenlosen digitalen Zugangs zu einem sicheren gesetzlichen Zahlungsmittel im EuroraumDas Thema Sicherheit wird von einigen Zentralbanken (zuerst Bank of England 2014, 2015, dann IWF 2016) dahingehend thematisiert, dass allein die private Giralgeldschöpfung für Boom-Bust-Zyklen ursächlich verantwortlich sei. (Das Geld der Einleger bei privaten Geschäftsbanken, aufgrund der als getrieben postulierten Zyklen und des Insolvenzrisikos, unsicher sei.) Dem entgegnet die Deutsche Bundesbank (2017) wie folgt: „Trotz dieser die Geld- und Kreditschöpfung begrenzenden Faktoren wird die Geldschöpfung des Bankensystems durch Kreditvergabe mitunter als eine der Ursachen für Kreditbooms und darauffolgende Finanzkrisen gesehen. Während die Mehrheit den Ökonomen der Gefahr von kreditgetriebenen Boom-Bust-Zyklen durch makroprudenzielle Regulierung begegnen will, wurden bereits im Zusammenhang mit der Großen Depression in den 1930er Jahren auch Vorschläge diskutiert, die darauf abzielen, die Fähigkeit des Bankensystems zur Geldschöpfung zu eliminieren. Ein diesbezüglicher Ansatz sieht vor, die Banken zu zwingen, ihre Kundeneinlagen durch Zentralbankguthaben zu decken. Eine vollständige Deckung wäre beispielsweise durch einen Mindestreservesatz von 100% erreicht. Allerdings ist sehr fraglich, ob dies für sich genommen Finanzzyklen vermeidet – hierzu bedarf es weiterhin einer effektiven mikroprudenziellen Regulierung, einer konsequenten Aufsicht über den Bankensektor und einer makroprudenziellen Politik. Eine Anhebung des Reservesatzes auf 100% könnte darüber hinaus wichtige volkswirtschaftliche Funktionen des Bankensektors einschränken, was zu (realwirtschaftlichen) Effizienzverlusten führen dürfte.“ (S. 26) und S. 15: „Für Kritiker ist die Geldschöpfungskapazität des Bankensystems eine der zentralen Ursachen für destabilisierende Finanzzyklen und Finanzkrisen. Deshalb werden seit einiger Zeit Vorschläge diskutiert, die auf einer vollständigen Deckung von Einlagen durch Zentralbankgeld basieren und so die Kreditschöpfungsmöglichkeiten des Bankensektors begrenzen wollen. Es ist jedoch nicht erkennbar, dass diese Beschränkungen tatsächlich zu einem insgesamt stabileren Finanzsystem führen, als dies über eine zielführende Regulierung ohnehin auch möglich wäre.“ (Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017 [PDF]). erweiterte Zahlungsmöglichkeit durch alternatives Zentralbankgeld neben dem Bargeld und dem Buchgeld auf den Konten bei GeschäftsbankenDie EZB erklärt 2022, es gebe zwei Arten von Geld („There are actually two types of money“) und, statt von Buch- oder Giralgeld (als Forderungen auf Zentralbankgeld an die jeweilige Geschäftsbank) zu sprechen, verwendet sie unübliche Begriffe, nennt Giralgeld „privates“ Geld, das von privaten Banken bei (jeder) Kreditvergabe geschaffen würde. Vgl. ECB, 5. Oktober 2022: The digital euro and the importance of central bank money: „Commercial banks also create money. That’s actually what they do when they grant you a new loan and the money appears in your bank account. This kind of money is called private money. This also includes the balance you see on your bank statement and the savings in your account. The payments you make with your debit or credit cards, or via an online payment service, are all transfers of private money, because you are using money created by your bank.“ Vgl. Kreditmechanik. als Beitrag zu Verfügbarkeit und InklusionVgl. etwa Ekathimerini, 14. August 2023: Forced limitations on cash use for welfare benefit recipients Schaffung von Vertrauen in digitales Bargeld durch hohen Schutz der Privatsphäre Treiber für Innovationen im Massenzahlungsverkehr Eindämmung der Verbreitung von Kryptowährungen und Stablecoins zur Sicherung der finanziellen Stabilität und geldpolitischen Souveränität der Eurozone

EZB-Chefökonom Philip R. Lane sieht die Einführung eines D€ als Möglichkeit, die erhebliche Abhängigkeit Europas von ausländischen Anbietern im Zahlungsverkehr zu reduzieren.EZB-Chefökonom wirbt mit Autonomie-Argument für digitalen Euro In: Finanz & Wirtschaft 20. März 2025. Abgerufen am 20. März 2025 Neben diesen Motiven spielt die Möglichkeit eines weiteren Rückgangs der Nutzung von Bargeld als Zahlungsmittel eine Rolle in der Diskussion um den D€.

Phasen der möglichen Einführung des digitalen Euros Das Eurosystem hat folgende Phasen für die mögliche Einführung des digitalen Euros geplant:

Untersuchungsphase (Juli 2021 – Okt. 2023): Erste Prüfung des Konzepts, des Designs und der Auswirkungen.

Vorbereitungsphase (Nov. 2023 – Okt. 2025): Entwicklung des Regelwerks (Rulebook), Auswahl von Anbietern für die technische Infrastruktur und Tests zur Funktionalität.

Umsetzungsphase (ab Nov. 2025): Die EZB hat beschlossen, die technische Umsetzung zu vertiefen. Dies beinhaltet die finale Entwicklung, das Testen der Komponenten und die Vorbereitung auf die Pilotierung.

Pilotphase / Testphase (ab Mitte 2027 geplant): Durchführung erster Transaktionen unter realen Bedingungen, um die technische Infrastruktur und das Nutzererlebnis zu testen.

Entscheidung und Einführung (für 2029 angestrebt): Nach Abschluss der rechtlichen Grundlagen durch den EU-Gesetzgeber (erwartet 2026/2027) entscheidet der EZB-Rat über die endgültige Ausgabe.

Die Einführung des digitalen Euros ist kein Selbstläufer, sondern hängt von der Verabschiedung der notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen auf EU-Ebene ab.

Maßnahmen und Stellungnahmen zur möglichen Einführung des digitalen Euros Chronologisch absteigend:

2026

Die Europäische Zentralbank wählte 36 Banken, Institute sowie digitale Anbieter aus, welche das neue Zahlungsmittel ab der zweiten Hälfte des Jahres 2027 12 Monate lang testen sollen. Neben den Unternehmen, die aus 16 der 21 Euro-Staaten kommen, sollen an dem Test auch alle nationalen Zentralbanken – mit Ausnahme deren von Malta und Bulgarien – mitarbeiten.

Am 9. Juli hat das Europäische Parlament mit 416 gegen 169 Stimmen der Aufnahme von Verhandlungen (Trilog) zur Einführung des digitalen Euro zugestimmt.

Am 23. Juni hat der Finanz-Ausschuss des Europäischen Parlaments für die Aufnahme von Verhandlungen mit EU-Kommission und Ministerrat zur Einführung des digitalen Euros gestimmt.

Im Juni veröffentlichte die Deutsche Bundesbank eine Studie zum Zahlungsverhalten in Deutschland im Jahr 2025. Bundesbank-Vorstandsmitglied Balz wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Strategie des Eurosystems für den bargeldlosen Zahlungsverkehr neben der Entwicklung des digitalen Euros auch auf die Unterstützung europäischer Bezahlverfahren wie Wero und die stärkere Förderung der Verbreitung von Echtzeitüberweisungen abziele.

Im Juni einigten sich die Abgeordneten im Europaparlament laut ECON-Vizevorsitzendem Damian Boeselager (Volt) auf ein integriertes Anwendungssystem, dass eine offline wie online Bezahlung ermöglichen soll. Im Mai wurde auf dem Gipfel des 2010 von David Marsh gegründeten Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF) über die mögliche Einführung eines digitalen Euros diskutiert. Ohne klare Nutzungsbegründung für Bürgerinnen und Bürger und ohne definierte Erfolgskriterien könnte der digitale Euro politisch leicht als Fehlschlag dargestellt werden. Das würde nicht nur das konkrete Projekt beschädigen, sondern auch künftige EZB-geführte Zahlungsinnovationen erschweren.

Anfang April stellte die EZB eine umfassende, ganzheitliche Zahlungsverkehrstrategie des Eurosystems vor, in welcher der digitale Euro eine Schlüsselrolle einnimmt. Ab September 2026 soll eine erste Wholesale-CBDC-Version des digitalen Euros verfügbar sein.

In einer Rede vor einem italienischen parlamentarischen Ausschuss am 19. Februar warnt EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone eindringlich vor Verzögerungen in der Gesetzgebung. Ohne einen robusten Rechtsrahmen könne die EZB das Projekt nicht umsetzen. Der digitale Euro stelle eine strategische Notwendigkeit dar, um die massive Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsanbietern zu beenden.

Mitte Februar warnt der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil, dass eine Verzögerung bei der Einführung des digitalen Euro Europa schaden würde.Joachim Nagel, der Präsident der Deutschen Bundesbank und EZB-Ratsmitglied, spricht sich ebenfalls klar für den digitalen Euro aus. Darüber hinaus sieht er auch Vorteile bei Euro-denominierten Stablecoins.

Anfang Februar signalisiert die Mehrheit der Abgeordneten des Europäischen Parlaments, den Aufbau einer Digitalwährung zu unterstützen.

Anfang Februar begrüßt der Handelsverband Deutschland grundsätzlich die Einführung des digitalen Euros, warnt aber vor zu großer Komplexität und zu hohen Kosten. Im Gespräch mit BR24 geht der Ökonom Ralf Fendel davon aus, dass der digitale Euro mit hoher Wahrscheinlichkeit realisiert werden wird. Ende Januar sagt Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Bundesbank, dass es nach derzeitigem Stand im Einzelhandel eine Annahmepflicht für Bargeld geben soll.

Anfang Januar argumentiert Klaus Fleischer, emeritierter Professor an der Hochschule München in einem Gastbeitrag in der Börsen-Zeitung, dass das EZB-Projekt für die Souveränität Europas unabdingbar sei.

2025

Am 19. Dezember beschließt der Rat der Europäischen Union seine Verhandlungsposition, um die Einführung eines digitalen Euros zu ermöglichen und die Rolle des Euro-Bargeldes zu stärken. Anfang Dezember fordert die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, dass sich die Bundesregierung dafür einsetzen solle, den digitalen Euro nicht einzuführen. Über die Einführung des digitalen Euro müsse es eine Volksabstimmung geben. Außerdem soll die Bundesregierung Alternativen zum digitalen Euro, wie Kryptowährungen, nach Funktionalität, Fungibilität und Sicherheit bewerten.