Gregor Antonius Hans Steffen (* 18. November 1909 in Hamburg; † 10. November 1999 ebendort) war ein promovierter evangelisch-lutherischer Theologe, von 1938 bis 1967 Pastor in Hamburg-Eilbek und von 1967 bis 1974 Propst von Plön mit Sitz in Preetz.

Leben und Wirken Kindheit, Jugend, Studium Steffen wuchs als Sohn des Bürovorstehers Hans Steffen und dessen Ehefrau Adelheide, geb. Meyer, in Hamburg-Eilbek auf. Zeitweise nahm die Familie an einem Hauskreis der „Albrechtsbrüder“ teil. Durch den Konfirmandenunterricht bei Julius Hahn, Pastor an der Versöhnungskirche in Hamburg-Eilbek,Biogramm Julius Hahn wurde Steffen im Sinne eines pietistischen Luthertums geprägt. Schon als Schüler engagierte er sich als Helfer beim Kindergottesdienst und im Christlichen Verein Junger Männer (CVJM).

Nach dem Abitur studierte Steffen ab dem Wintersemester 1928/29 zwei Semester Evangelische Theologie an der Universität Rostock.Eintrag 1928 im Rostocker Matrikelportal Die erste Vorlesung hörte er bei Friedrich Büchsel, einem Gegner Rudolf Bultmanns. Steffen wurde Mitglied in der „Deutschen Christlichen Studentenvereinigung“ (DCSV). Hebräisch belegte er bei Alfred Jepsen, Griechisch bei Ernst Wolf. Am Ende des ersten Semesters konnte er beide Sprachexamina ablegen. Im zweiten Semester engagierte er sich bei dem originellen Alttestamentler Gottfried Quell, der sehr jung Ordinarius geworden war, und hörte Kirchengeschichtsvorlesungen bei Johannes von Walter. Im dritten bis fünften Semester setzte er sein Studium in Erlangen fort. Er hörte bei Paul Althaus, Werner Elert, Otto Procksch und E. F. K. Müller. Am 3. Advent 1930 hielt Steffen, gerade 21 Jahre alt geworden, seine erste Predigt in Eltersdorf.

Zum 6. Semester wechselte Steffen an die Universität Göttingen und hörte dort „Theologiegeschichte des 19. Jahrhunderts“ bei Emanuel Hirsch, dem hervorragenden Kenner Sören Kierkegaards. Um Kierkegaard besser verstehen zu können, lernte Steffen Dänisch. Kierkegaards Ruf zur Nachfolge und seine kirchenkritischen Schriften beeindruckten ihn. Aber auch als Gegner seines Zeitgenossen N. F. S. Grundtvig wurde er ihm wichtig. Ansonsten hörte Steffen nur noch wenige Vorlesungen und arbeitete stattdessen in der Bibliothek. Für das letzte Semester kehrte er im Oktober 1931 nach Rostock zurück.Eintrag 1931 im Rostocker Matrikelportal Dort erreichte ihn die Nachricht von der schweren Erkrankung seines Vaters, den er noch 14 Tage im Krankenhaus begleiten konnte, ehe dieser mit 55 Jahren starb.

Am 23. September 1932 bestand Steffen die erste theologische Prüfung vor dem Hauptpastorenkollegium in Hamburg.

Vikariat Steffen wurde Lehrvikar an der benachbarten Friedenskirche und hatte in Ermangelung eines Predigerseminars an den Vorlesungen der Hauptpastoren teilzunehmen. Der von dem nationalsozialistischen Landesbischof Franz Tügel eingesetzte Kandidatensenior fand bei den Vikaren keine Anerkennung. Zu den in den Wohnungen stattfindenden freien Kandidatentreffen luden die Vikare lieber den kämpferischen Hans Asmussen ein und auch den umstrittenen Wilhelm Stapel. Aus Mangel an Hilfspredigern wurde Steffen im zweiten Vikarsjahr bereits Assistent an der Dankeskirche in Hamm. Der dortige Pastor hatte 215 Konfirmanden.

Steffen bestand 1934 in Hamburg sein zweites theologisches Examen und wurde zunächst noch ohne Ordination als Hilfsgeistlicher in Hamburg-St. Pauli-Süd mit der Kirche auf dem Pinnasberg eingesetzt. In diesem „berüchtigten“ Stadtteil gab es eine starke christliche Gemeinde von Kleinbürgern, die ihre Kinder vor dem Sog der Reeperbahn bewahren wollten. Anschließend wurde er an die Gnadenkirche nach St. Pauli-Nord versetzt, um dort den erkrankten Pastor zu vertreten.

Erst am 6. Januar 1935 wurde Steffen von Bischof Tügel in der Stiftskirche (einer kleinen Kapellengemeinde, die im losen Zusammenhang mit der Landeskirche stand und der Hamburger Erweckungsbewegung entstammte) ordiniert – zeitgleich mit der Einführung seines Freundes Erwin Körber als Pastor dieser Kapellengemeinde.

Pfarrdienst In Otterndorf Durch Vermittlung von Julius Hahn hielt Steffen Anfang 1935 in Otterndorf eine Gastpredigt und wurde zum 1. März 1935 in die vakante Pfarrstelle I berufen, die zur Hannoverschen Landeskirche gehörte. Die Gemeinde hatte 4000 Seelen. Steffens Bezirk umfasste die halbe Stadt und das sogenannte „Osterende“ mit vielen großen Bauernhöfen und reichte bis zum Belumer Leuchtfeuer.

Am 1. Advent 1937 verlobte Steffen sich mit der zwanzigjährigen Kindergottesdiensthelferin Irmgard Baumann. Er heiratete sie am 15. September 1938. Die beiden wurden von Pastor Julius Hahn in Otterndorf kirchlich getraut.

In Eilbek Als 1938 ein Nachfolger für Paul JürßBiogramm Paul Jürß gesucht wurde, war die Lage in Hamburg positiver für Steffen, und auf Bitten von Julius Hahn kam er ab 1. Oktober 1938 an die Versöhnungskirche Eilbek zurück, in der er (mit vierjähriger Unterbrechung durch den Kriegsdienst und die norwegische Gefangenschaft) bis 1967 seinen Dienst verrichtete.

In den ersten Jahren bewohnte das Ehepaar Steffen kein Pastorat, sondern eine Parterrewohnung in einem vierstöckigen Haus „mitten unter dem Volk“. Als jungem Pastor fiel ihm die Aufgabe zu, für junge Menschen da zu sein.

Im Januar 1940 und März 1941 wurden die Tochter RenateRenate Steffen heiratete 1962 den Pastor und späteren Propst Hermann Augustin. Weitere biographische Angaben online unter http://www.geschichte-bk-sh.de/index.php?id=439. und der Sohn Reinhard, der später ebenfalls Pastor wurde,Siehe dazu das Interview mit Reinhard Steffen anlässlich seines 80-jährigen Geburtstages, auf YouTube zugänglich unter https://www.youtube.com/watch?v=ee2sg1PgvMY geboren.

Militärdienst

In Wandsbek Am 9. Mai 1941 wurde Steffen zum Militär eingezogen. Seine Grundausbildung erhielt er in der Litzmann-Kaserne im benachbarten Wandsbek als Funker. Steffen sah es als besondere Gnade an, dass er in vier Jahren Kriegsdienst nicht einmal gezwungen war, auf Menschen zu schießen.

Seit dem 17. August 1941 führte Steffen zusammen mit seiner Frau ein „Kriegstagebuch“ besonderer Art mit täglichen Briefen hin und her. Steffens über 1000 Kriegsbriefe sind alle erhalten. Erst in der Gefangenschaft brach der Briefwechsel ab.

In Dänemark Steffen wurde zunächst zur weiteren technischen Ausbildung nach Kopenhagen versetzt. Anschließend wurde er nach Aarhus zur Bedienung eines Störsenders abkommandiert.

Ursprünglich hatte Steffen während seines Studiums Dänisch gelernt, um Sören Kierkegaard besser verstehen zu können. In der dänischen Etappe wandte Steffen sich Grundtvig zu und verabredete mit Professor Friedrich Brunstäd in Rostock das Thema „N.F.S. Grundtvigs Verständnis des Christentums“ für eine theologische Doktorarbeit.

Steffen studierte an jedem zweiten Tag in der Aarhuser Staatsbibliothek und erhielt von Regin Prenter erste Hinweise für sein Grundtvig-Studium. Er beschäftigte sich auch mit Wilhelm Beck und der Inneren Mission als Gegenströmung. Er las über die Auseinandersetzungen mit Professor Martensen und Bischof Mynster.

1942 wurde das dritte Kind Hanna-Maria geboren.

Nach den ersten Luftangriffen der Operation Gomorrha auf Hamburg im Juli 1943 konnte Steffens Frau mit den drei Kindern nach Otterndorf zur Schwiegermutter fliehen. Erst am 12. August erhielt Steffen davon Nachricht, dass seine Familie in Sicherheit sei. In der Nacht zum 30. Juli war das Pastorat in Eilbek zerstört worden, die Kirche aber blieb in den Ruinen des Stadtviertels fast unversehrt. Das Etagenhaus, in dem die Familie Steffen gewohnt hatte, fiel ebenfalls dem Bombenangriff zum Opfer.

In Weimar Aus Aarhus kehrte Steffen nach Kopenhagen zurück und wurde von dort nach Berlin kommandiert und weiter zu den Panzerjägern nach Weimar. Dort blieb er über ein Jahr, konnte in der Kaserne seine Grundtvig-Arbeit nicht fortsetzen, bereitete sich aber auf die Dolmetscherprüfung vor, die in Hamburg stattfand. Steffen wurde in Weimar einem besonderen Wachkommando zugeteilt, das täglich Konzentrationslagerhäftlinge aus Buchenwald zur Arbeit am nahegelegenen Bahndamm abholen musste.

Nach einer Prüfung zum Reserve-Offizieranwärter und der Festsetzung eines entsprechenden Lehrgangs sollte Steffen an die Ostfront versetzt werden, wurde aber nach Erfüllung des angeforderten soldatischen Kontingents in die Lützendorf-Kasernen zurückkommandiert.

In Lothringen Stattdessen wurde er zur Dolmetscherschule in Saint-Avold (Lothringen) versetzt. Dänische Dolmetscher wurden zwar nicht mehr gebraucht, aber norwegische, so dass Steffen Norwegisch lernte. In der Abschlussprüfung wurden Kenntnisse der norwegischen Kultur, der Bebauung, der Wirtschaft und des Aufbaus des norwegischen Heeres verlangt. Die Hauptforderung bestand in der Fähigkeit, auf Norwegisch durchgegebene telefonische Nachrichten sofort ins Deutsche zu übersetzen und niederzuschreiben.

In Norwegen Kurz nach der Prüfung wurde Steffen nach Norwegen versetzt. Am 17. August 1944 ging es per Schiff von Flensburg nach Oslo. Steffen wurde wieder zum Wachdienst eingeteilt, ehe er an einer besonderen Unternehmung teilnehmen konnte, die ihm Land und Leute näherbrachte: Drei Männer, ein Unteroffizier, ein Funker und ein Dolmetscher, sollten die norwegische Küste entlang den Sprechverkehr des Feindes abhören, aufnehmen und nach Oslo weiterleiten. Während des Aufenthalts in Oslo konnte Steffen die Arbeit an seiner Dissertation abschließen.

Nach der kampflosen Kapitulation der deutschen Truppen wurde Steffen zusammen mit anderen Soldaten in das Auffanglager Hejstadmoen in Süd-Norwegen verlegt. Hier befanden sich 4000 Gefangen, unter denen die Norweger nach Kriegsverbrechern suchten. Steffen war nicht betroffen und wurde bei dieser Aktion nicht ausgesondert. Im Lager wurden neben dem Arbeitsdienst Vorlesungen gehalten und Sprachunterricht angeboten. Steffen fungierte als Lagerpastor, der erkennbar ein Kreuz trug, in den Lagern „Wien“ und „Berlin“. Dort kam es auch zu Trauungen zwischen deutschen Soldaten und norwegischen Frauen. Steffen wurde für einige Wochen in ein „Ehepaarlager“ abkommandiert. Hier wurden die deutschen Soldaten, die norwegische Frauen geheiratet hatten, zusammengefasst.

Am 18. November 1945, seinem 36. Geburtstag, wurde Steffen aus der norwegischen Gefangenschaft nach Hause entlassen. Mit dem letzten in deutscher Hand befindlichen Schiff gelangten die Entlassenen nach Neustadt in Holstein. Über das Entlassungslager Zeven erreichte Steffen Stade und fuhr am nächsten Tag weiter nach Otterndorf. Am 1. Dezember 1945 erreichte er seine Frau und seine drei Kinder.

Nachkriegszeit in Eilbek Am 1. Januar 1946 begann Steffen wieder seinen Dienst an der Versöhnungskirche in Eilbek. Steffen wohnte zunächst unter kläglichen Bedingungen allein in der Sakristei seiner Kirche. Seine Familie blieb in Otterndorf. Drei Jahre lang scheiterten die Bemühungen um eine noch so bescheidene gemeinsame Wohnung.

Gemeindeaufbau Die Statistik des 1. März 1952 stellte fest, dass die Versöhnungsgemeinde an 56. Stelle von 57 Hamburger Gemeinden stand und 1600 Seelen zählte. In den ersten Jahren nach dem Krieg war die Zahl noch wesentlich geringer. Der Schwerpunkt der Arbeit lag zunächst außerhalb der Ortsgemeinde. Erst 1946/47 entstand eine eigentliche Ortsgemeinde, die sich von der bisherigen Gemeinde völlig unterschied. Die Straßen waren zum Teil für den Durchgangsverkehr gesperrt, Nissenhütten wurden in kurzer Zeit aufgestellt.

Eine zusammengewürfelte Menge bezog die Hütten. Manche Einwohner waren frühere Nationalsozialisten, die aus ihren Wohnungen ausgewiesen waren, andere waren ausgebombt und hatten bisher keine Wohnung gefunden, etliche waren Flüchtlinge.

Unterbliebene Taufen wurden nachgeholt, Wiedereintritte in die Kirche vollzogen. Mischehen zwischen evangelischen und katholischen Christen nahmen zu. Steffen verfasste dafür das Büchlein Brücke zur evangelischen Kirche.