mini|Porträts und Karikatur: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Liebenbaum zu dem im Januar 1910 als Musiker miterlebten Zerwürfnis zwischen dem Pianisten Joseph Weiss und dem Dirigenten Gustav Mahler interviewt; Zeitungsausschnitt vom 31. Januar 1910, New York
Nathan Liebenbaum (geboren am 13. November 1890 in ŁódźKalifornien, USA, föderale Einbürgerungsregister, Petition for naturalization No. 26791 vom 15. Mai 1929, abrufbar unter ancestry.comMarline Otte: Alliens and the German Nation (englisch), in dies.: Jewish identities in German popular entertainment, 1890 - 1933, New York, NY: Cambridge University Press, 2006, ISBN 978-0-521-85630-0 und ISBN 0-521-85630-2, S. 172; ; gestorben am 24. Mai 1971 in Los AngelesState of California. California Death Index, 1940-1997Masterworks Unveils 1st Complete Mahler Set, Artikel in der Musikzeitschrift Cashbox vom 21. Oktober 1967; als PDF-Datei auf der Seite worldradiohistory.com) war ein russisch-polnischer, später amerikanischer Cellist.True Pioneer Receives Orchid on Community Sing Program in der Zeitung The Van Nuys News vom 30. Januar 1950, S. 8; Vorschau mit OCR-Text auf der Seite newspapers.com
Leben Liebenbaum stammte aus jüdischer Familie, sein Vater war der Kaufmann Abraham (auch Adolf) Liebenbaum (* 1864/65 Warschau; † 1923 BerlinStandesamt Berlin-Schöneberg II, Sterbeurkunde Nr. 580 vom 26. Juni 1923), seine Mutter Emilie Liebenbaum, geborene Zweig (* 1862/63 Sieradz; † 1932 BerlinStandesamt Berlin XIII A, Sterbeurkunde Nr. 498 vom 20. April 1932). 1906 zog die Familie von Warschau nach (Berlin)-Schöneberg, wo der Vater eine Schlosserei eröffnete.Berliner Adressbuch 1907 (Stand: Ende 1906), S. 1409
Nathan Liebenbaum war 1910 Mitglied der New Yorker Philharmoniker unter dem Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler. Als solcher erlebte er die sogenannte Weiss-Affäre, als sich der Pianist Josef Weiss Ende Januar 1910 mit Mahler während einer Konzertprobe unter Gewaltanwendung endgültig zerstritt.Pianist lost his temper. In: The New York Times vom 31. Januar 1910, S. 1 (Hier wird der Verlauf der „Affäre“ detailliert beschrieben, von einer Gewaltanwendung ist allerdings nicht die Rede)Henry-Louis de La Grange: Gustav Mahler (englisch), Band 4: A new life cut short (1907 - 1911), Oxford [u. a.]: Oxford University Press; London: Gollancz, 2008, ISBN 978-0-19-816387-9, S. 657;
Ebenfalls Anfang des 20. Jahrhunderts wirkte Liebenbaum in Berlin als Musiker in dem Stummfilm-Lichtspielhaus Amor in der Uhlandstraße 18 in Wilmersdorf. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges nutzte der Musiker K. Schiementz vom Berliner Ensemble-Musiker-Bund die Gelegenheit zur Ausgrenzung unerwünschter Konkurrenz durch ein Schreiben an das Oberkommando in den Marken in Brandenburg: Anders als die im „feindlichen Ausland“ unterdrückten Mitstreiter genössen aus dem Ausland stammende Musiker in Deutschland nicht nur größtmögliche Freiheiten, sondern würden dort mitunter sogar bevorzugt engagiert werden, weil sie die üblichen Gagen erheblich unterböten. Zu den von Schiementz gegenüber dem Oberkommando namentlich mit Herkunftsland und Adressangaben genannten Musikern gehörte auch Nathan Liebenbaum.
1919 heiratete Liebenbaum in Berlin die Modistin Helene Rittweger (* 1885, Jüterbog). Die Ehe wurde 1932 aufgelöst.Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Heiratsurkunde Nr. 357 vom 11. April 1919
Später wirkte Liebenbaum als Solist im Berliner Blüthner-Orchester.
Im August 1923 emigrierte Liebenbaum zusammen mit seiner Ehefrau in die Vereinigten Staaten, 1929 wurde seinem Einbürgerungsantrag stattgegeben.Kalifornien, USA, föderale Einbürgerungsregister, Petition for naturalization No 26791 vom 15. Mai 1929 Im April 1935 heiratete er in zweiter Ehe die Lehrerin Minnette Friedman (* 1905 Chicago; † 1999 Irvine).California board of health, certificate of marriage no. 4510 vom 7. April 1935 Das Paar hatte zwei Kinder: Lawrence Fried (1935–2018) und Linda Ann (* 1938).Nachruf Minnette Payne in Los Angeles Times vom 23. September 1999, S. 386
1937 spielte er in einem Kammerkonzert mit Alice Coleman Batchelder in einem ihrer „Coleman Chamber Concerts“.Alice Coleman Batchelder: Coleman chamber concerts, 1904-1944, Pasadena, California: Coleman Chamber Music Association, ; Vorschau über Google-Bücher
Liebenbaum war Mitglied im Ensemble der New York Symphony Society. Er zählte vierzehn Jahre zum Ensemble der amerikanischen Filmgesellschaft Warner Bros. und spielte für die R.K.O. Studios.
Während des Zweiten Weltkrieges spielte Liebenbaum am 18. August 1944 in Los Angeles im Orchester bei Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) unter der Leitung von George Stoll den Part des Violoncellisten für die Aufnahme von I Fall In Love Too Easily, der Filmmusik für das in der Hauptrolle von Frank Sinatra gespielten Filmmusical Anchors Aweigh (Urlaub in Hollywood).Luiz Carlos do Nascimento Silva (Bearb.): Put your dreams away. A Frank Sinatra discography ( = Discographies, vol. 84), Westport [u. a.]: Greenwood, 2000, ISBN 0-313-31055-6, p. 77–78;
Nach Kriegsende war Liebenbaum vier Jahre als Solo-Cellist bei den Eagle-Lion Studios tätig.
Anfang der 1950er Jahre spielte Liebenbaum in Van Nuys in Kalifornien gemeinsam mit der Konzertpianistin Hilda Hemer während einer Ehren-Veranstaltung für Margaret Carter, der Großmutter von Ferdinand Mendenhall, dem Vizepräsidenten der Daily News of Los Angeles.
Nathan Liebenbaum war ebenso wie sein Musikerkollege, der Fagottist Benjamin Kohon, Mitglied im Ensemble der Philharmonic Society of New York, als die beiden 1967 für die von Columbia Masterworks in limitierter Erstauflage veröffentlichte und von Leonard Bernstein dirigierte Gesamtausgabe aller neun Symphonien von Gustav Mahler spielten.
Weblinks William Malloch's I Remember Mahler (Kohon und Liebenbaum erinnern sich an den „Weiss incident“. KPFK, Los Angeles, Juli 1964) Arthur Nikisch: The Last of the Romantic Conductors (William Malloch) (KPFK, Los Angeles, Oktober 1965)
Einzelnachweise
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