Bei dem bayerischen B Bay 68 handelt es sich um zweiachsige Abteilwagen für den Einsatz in Personenzügen nach dem Blatt 105 aus dem Wagenstandsverzeichnis (WV) für die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen vom 31. März 1913 (weitere Angaben siehe untenstehende Liste), welche ursprünglich von den Königlich privilegierten Bayerischen Ostbahnen (B.O.B.) beschafft wurden.
Geschichte Für die Personenbeförderung auf den von ihr betriebenen Linien beschaffte die B.O.B. in den Jahren zwischen 1856 (erstes Geschäftsjahr) und 1875 (letztes Geschäftsjahr und Übernahme durch die K.B.E.) ca. 100siehe die Wagenverzeichnisse der B.O.B. von 1872 und 1875 Wagen der Gattung B. bzw. B.br. Von diesen wurden 1876 noch insgesamt 84 Stück von der K.B.Sts.B übernommensiehe Konrad, Reisezugwagen der deutschen Länderbahnen, Band II, Seite 11 und in ihren Wagenpark ebenfalls als Gattung B eingereiht.
Beschaffung Als zweite Serie von Personenwagen der Gattung B. wurden in den Jahren zwischen 1868 und 1873siehe Angaben in den Wagenverzeichnissen zu dem Wagentyp insgesamt 23 ungebremste und 16 gebremste Wagen beschafft. Der Stückpreis der gebremsten Wagen lag bei 4.270 Guldensiehe handschriftlicher Vermerk auf der Seite 17 des B.O.B.-Wagenverzeichnisses von 1875, der der ungebremsten 3.900 Gulden. Lieferant war die Fa. Eisengießerei Klett & Comp.
Verbleib Im amtlichen Bestandsverzeichnis der K.B.Sts.B. von 1913 wurden von beiden Bauarten insgesamt noch 22 Wagen aufgeführt. Auf Grund ihres Alters und da im amtlichen Verzeichnis der Reichsbahn von 1930 keine Wagen des Typs B Bay 68 verzeichnet sind, ist davon auszugehen, dass die restlichen Wagen bis zu diesem Termin ausgemustert waren.
Konstruktive Merkmale Untergestell Der Rahmen der Wagen war komplett aus Profileisen aufgebaut. Als Zugeinrichtung hatten die Wagen Schraubenkupplungen nach VDEV. Die Zugstange war durchgehend und mittig gefedert. Als Stoßeinrichtung besaßen die Wagen in der Lieferversion Stangenpuffer der B.O.B.-Bauart mit einer Einbaulänge von 555 mm und 360 mm für die Pufferteller.
Laufwerk Die Wagen hatten aus Blechen und Winkeln genietete Achshalter der kurzen, geraden Bauform. Gelagert waren die Achsen in Gleitachslagern. Die Räder hatten Speichenradkörper des bayerischen Typs 23 mit einem Durchmesser von 1.024 mm. Die jeweils 1.764 Millimeter langen Tragfedern hatten je sieben Blätter mit einem Querschnitt von 96 × 13 Millimeter. Alle Wagen der Lieferversion hatten entweder ein Bremserhaus mit Handspindelbremse oder sie waren ohne Bremseinrichtungen.
Im Verzeichnis von 1879 wird für alle gebremsten Wagen – also solche mit Bremserhaus – eine Verbindungsbremsedarunter ist wahrscheinlich eine Friktionsbremse analog der Heberleinbremse zu verstehen nachgewiesen. Beginnend mit dem Verzeichnis von 1897 wird dann für alle Wagen der Einbau von Leitungen für durchgehende Druckluftbremsen nachgewiesen, welche in den späteren Jahren dann durch Bremsen der Type Westinghouse ersetzt wurden.
Wagenkasten Der Rahmen des Wagenkastens bestand aus einem hölzernen Ständerwerk. Die Wände waren außen mit Blechen und innen mit Holz verkleidet. Die Blechstöße waren mit Holzleisten verkleidet. Die Stirnwände waren gerade, die Seitenwände ab der Höhe der Griffstangen für die Laufbretter leicht nach unten eingezogen. Das flache Tonnendach ragte nur geringfügig über die Seitenwände hinaus.
Bei den gebremsten Wagen war ein Bremserhaus in der typischen Bauart der B.O.B. halbseitig in den Wagenkasten eingebaut und ragte noch 240 Millimeter über die Pufferbohle hinaus. Diese Bremserhäuser waren nur von außen zugänglich.
Ausstattung Insgesamt hatten die Wagen 4 Abteile, die alle der Zweiten Klasse zugeordnet waren. Alle Abteile hatten gleichermaßen viersitzige, gepolsterte Sofas. Bei den gebremsten Wagen verringerte sich durch den Einbau des Bremserhauses im entsprechenden Abteil eine Sitzbank auf nur noch zwei Sitze.
Beleuchtet wurden die Wagen in der Lieferversion mit Öl-Lampen. Ab dem Verzeichnis von 1897 wird für alle Wagen eine Gasbeleuchtung nachgewiesen. Der für das Leuchtgas benötigten Gasbehälter hatte ein Volumen von 260 ltr. und war in Längsrichtung unter dem Untergestell aufgehängt. Ebenfalls ab dem Verzeichnis von 1897 ist für alle Wagen eine Dampfheizung eingetragen. Zur Belüftung gab es Lamellenlüfter über den Abteiltüren und herablassbare Fenster.
Zwischen 1897 und 1913 erfolgte der Einbau von zwei Toiletten. Diese waren jeweils zwischen zwei Abteilen platziert und von beiden Seiten zugänglich. Durch den Einbau verringerte sich das Platzangebot auf 22 Sitze bei den gebremsten Wagen bzw. auf 24 bei den ungebremsten Wagen.
Skizzen, Musterblätter, Fotos
Wagennummern Blatt-Nr.Herstelld. Gattungszeichen je EpocheWagennummern je Epoche (mit Direktionsangaben) Fahrwerk / Ausstattung / Zusatzinfos(siehe jeweilige Legende)Bau-jahrHer- stellerAnz.B.O.B.bis1872B.O.B.ab1872KBEab1876KBEab1884KBEab1893KBEab1894KBEab1907DR(ab 1923)Ausge-mustertAnz.Ach-sen Brem-sen Bl. Hz. Art u. Anz. Abteile(Sitze) Mil. Bemer-kung Blatt-Nr.aus WV vonGattung81872B.br.211875B.br.341879P.II.471891P.II.Plan1893B.681897B.1051913B.B Bay 68fiktive Bezeichnung gemäß den Gattungskonventionen, da sehr wahrscheinlich nie ein Wagen zur Deutschen Reichsbahn kamA1.2.3.OMRadstand für alle Wagen 4.370 Millimeter1868Klett54619617 89517 8951 8241 8241 824<19302Brh(Wsbr)Öl(G)(D)(2)4(30)304719717 89617 8961 8251 8251 825<19204819817 89717 8971 8261 8261 826<19204919917 89817 8981 8271 8271 827<19205020017 89917 8991 8281 8281 828<1930 Blatt-Nr.aus WV vonGattung81872B.br.211875B.br.341879P.II.471891P.II.Plan1893B.681897B.1051913B.B Bay 68fiktive Bezeichnung gemäß den Gattungskonventionen, da sehr wahrscheinlich nie ein Wagen zur Deutschen Reichsbahn kamA1.2.3.OMRadstand für alle Wagen 4.100 Millimeter1870Klett55120117 90017 9001 8291 8291 829<19302Brh(Wsbr)Öl(G)(D)(2)4(30)305220217 90117 9011 8301 8301 830<19305320317 90217 9021 8311 8311 831<19305420417 90317 9031 8321 8321 832<19305520517 90417 9041 8331 8331 833<1930 Blatt-Nr.aus WV vonGattung81872B.211875B.341879P.II.471891P.II.Plan1893B.681897B.1051913B.B Bay 68fiktive Bezeichnung gemäß den Gattungskonventionen, da sehr wahrscheinlich nie ein Wagen zur Deutschen Reichsbahn kamA1.2.3.OMRadstand für alle Wagen 4.100 Millimeter1870Klett55620617 90517 9051 8341 834<19132(Wsbr)Öl(G)(D)(2)4(32)325720717 90617 9061 8351 835<19135820817 90717 9071 8361 836<19135920917 90817 9081 8371 8371 837<19306021017 90917 9091 8381 8381 838<19301872Klett421117 91017 9101 8391 8391 839<19302(Wsbr)Öl(G)(D)(2)4(32)3221217 91117 9111 8401 8401 840<193021317 91217 9121 8411 841<191321417 91317 9131 8421 842<19131873Klett1021517 91417 9141 8431 843<19132(Wsbr)Öl(G)(D)(2)4(32)3221617 91517 9151 8441 844<191321717 91617 9161 8451 845<191321817 91717 9171 8461 846<191321917 91817 9181 8471 847<191322017 91917 9191 8481 848<191322117 92017 9201 8491 849<191322217 92117 9211 8501 8501 850<193022317 92217 9221 8511 851<191322417 92317 9231 8521 852<1913 Blatt-Nr.aus WV vonGattung81872B.br.211875B.br.341879P.II.471891P.II.Plan1893B.681897B.1051913B.B Bay 68fiktive Bezeichnung gemäß den Gattungskonventionen, da sehr wahrscheinlich nie ein Wagen zur Deutschen Reichsbahn kamA1.2.3.OMRadstand für alle Wagen 4.100 Millimeter1872Klett222517 92417 9241 8531 8531 853<19302(Wsbr)Öl(G)(D)(2)4(30)3022617 92517 9251 8541 8541 854<19301873Klett422717 92617 9261 8551 8551 855<19302(Wsbr)Öl(G)(D)(2)4(30)3022817 92717 9271 8561 8561 856<193022917 92817 9281 8571 857<191323017 92917 9291 8581 8581 858<1930 Blatt-Nr.aus WV vonGattung81872B.211875B.341879P.II.471891P.II.Plan1893B.681897B.1051913B.B Bay 68fiktive Bezeichnung gemäß den Gattungskonventionen, da sehr wahrscheinlich nie ein Wagen zur Deutschen Reichsbahn kamA1.2.3.OMRadstand für alle Wagen 4.100 Millimeter1873Klett423117 93017 9301 8591 8591 859<19302(Wsbr)Öl(G)(D)(2)4(32)3223217 93117 9311 8601 8601 860<193023317 93217 9321 8611 861<191323417 93317 9331 8621 862<1913
Anmerkungen
Einzelnachweise
Weblinks Digitalisat des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Blatt 105 aus dem Wagenstandsverzeichnis von 1913
Literatur
Kategorie:Reisezugwagen (Bayerische Staatseisenbahnen) Kategorie:Reisezugwagen (Bayerische Ostbahnen)