mini|Dom St. Stephan mit dem Inn im Vordergrund und der Veste Oberhaus auf dem Georgsberg im Hintergrund mini|Topografisches Charakteristikum Passaus: Zusammenfluss von Inn (hell, im Bild links), Donau und Ilz (schmal) (flussauf gesehen)
Passau (, Batava oder Passavia u. ä., veraltete Schreibweise Paßau) ist eine kreisfreie Universitätsstadt im Regierungsbezirk Niederbayern in Ostbayern. Sie liegt an der Grenze zu Österreich sowie am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz und wird deshalb auch Dreiflüssestadt genannt. Mit rund 53.000 Einwohnern ist Passau nach Landshut die zweitgrößte Stadt des Regierungsbezirks und wird wegen ihrer Einwohnerzahl als Mittelstadt klassifiziert.
Geografie Die Altstadt liegt auf einer langgestreckten Halbinsel zwischen Donau und Inn. Nördlich der Donau läuft der Bayerische Wald aus, südlich des Inns ist die Landschaft flachwellig.
Bis zur Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 war die Stadt Passau die östlichste Mittelstadt der Bundesrepublik Deutschland. Heute ist sie das östlichste Oberzentrum des Freistaates Bayern.
Geomorphologie und Geologie mini|Anstehender Perlgneis am Südhang des Georgsberges
Das Stadtgebiet Passaus gehört zur Naturraumhaupteinheit Oberpfälzer und Bayerischer Wald, hierbei im Speziellen zur Naturraumeinheit Passauer Abteiland und Neuburger Wald, die sich im Süden dieses Mittelgebirgslandes befindet.Ssymank und Meynen, Schmidthüsen et al.: Naturräumliche Gliederung Bayerns. In: lfu-bayern.de (abgerufen am 17. März 2016).
Die Stadt liegt am Zusammenfluss der drei Flüsse Donau, Inn und Ilz. Die Flüsse Donau und Inn haben sich hier während der Hebung des bayerischen Waldes im Spät-Tertiär und Quartär in das kristalline Grundgebirge eingeschnitten. Die Folge war die Ausbildung eines antezedenten Durchbruchstals. Hierbei schneidet sich der Fluss aktiv, mit der tektonischen Hebung Schritt haltend, in den aufsteigenden Gebirgskörper ein. Charakteristisch hierbei ist die stellenweise hohe Reliefenergie.
Petrografisch wird der Passauer Raum – typisch für das Moldanubikum – von metamorphen Gesteinen, wie Gneisen und Diatexiten, dominiert, die vielerorts von paläozoischen Plutoniten durchsetzt sind. Hierbei handelt es sich meist um Granite (Hauzenberg-, Haidmühle-, Schärding-, Peuerbach-Granit), während Diorite nur vereinzelt vorzufinden sind. Zwei bedeutende tektonische Störungszonen, der Bayerische Pfahl und der Passauer Pfahl, verlaufen nördlich des Stadtgebiets.Geologische Übersichtskarte 1 : 200 000, Blatt CC 7942 Passau. Südlich von Passau grenzt das Molassebecken des Alpenvorlandes an (Unterbayerisches Hügelland). Dieser alpine „Schutttrog“ ist mit tertiären Sedimenten der Süßwasser- und Meeresmolasse verfüllt und weist eine durchgehende Abdachung zur Donau und zum unteren Inn auf. Die flachwellige Erscheinung dieses Gebiets ist auf Solifluktion und fluviale Abtragung während der letzten Kaltzeiten zurückzuführen. Die tertiären Sedimente sind zudem stellenweise von pleistozänen Lockersedimenten, wie Schotter, durchsetzt, die durch den die Alpen entwässernden Fluss Inn abgelagert wurden. Auch das äolische Sediment Löss bzw. das Lössderivat Lösslehm wird hier vereinzelt vorgefunden.
Klima Passau liegt auf 48° Nord und dadurch überwiegend im Einfluss von Luftströmungen aus westlicher Himmelsrichtung. Wie aus dem Klimadiagramm ersichtlich ist, kann der Passauer Raum dem kühlgemäßigten Klima zugeordnet werden. Zusätzlich ist ein kontinentaler Einschlag vorhanden, gekennzeichnet durch zum Teil sehr kalte und schneereiche Winter und heiße und trockene Sommer. Im Sommer treten auch Wärmegewitter auf.
Im Mittel gibt es 36 Sommertage mit einer Höchsttemperatur von über 25 °C. Demgegenüber stehen 115 Frosttage mit einer Tiefsttemperatur von unter 0 °C. Die niederschlagsärmsten Monate sind Oktober und November. Jährlich führt der Altweibersommer zu milden Temperaturen im Spätjahr.
Bedingt durch den Zusammenfluss der wasserreichen Flüsse Donau und Inn kommt es in den Flussniederungen häufig zu Nebel.
Das Klimadiagramm gibt die Daten einer Messstelle in Fürstenzell (südwestlich an Passau angrenzend) wieder. Allerdings liegt diese Messstelle nahezu 100 Meter höher als Passau selbst.
Stadtteile Die Aufteilung von Passau in Stadtteile ist eher statistischer Natur. Offizielle oder politische Stadtteile gibt es nicht. Bis spätestens 2013 gab es acht statistische Stadtteile, die im Wesentlichen Gemarkungs- oder ehemalige Gemeindegrenzen widerspiegeln: Altstadt, Grubweg, Hals, Hacklberg, Heining, Haidenhof Nord, Haidenhof Süd und Innstadt. Im Jahr 2013 erfolgte eine Neueinteilung in 16 Bürgerversammlungsgebiete. Trotz der geänderten Bezeichnung besitzen diese noch am ehesten Stadtteilcharakter und werden deshalb in der Umgangssprache seitdem Stadtteile genannt.
Die 16 Bürgerversammlungsgebiete sind: Altstadt/Innenstadt, Auerbach, Grubweg, Hacklberg, Haidenhof Nord, Haidenhof Süd, Hals, Heining, Innstadt, Kohlbruck, Neustift, Patriching, Rittsteig, Schalding links der Donau, Schalding rechts der Donau und St. Nikola.
Insgesamt besteht die Stadt aus 90 amtlich benannten Gemeindeteilen.
Gemarkungen Auf dem Gebiet der Stadt Passau befinden sich zehn Gemarkungen, einschließlich des Gemarkungsteils 1 der Gemarkung Kirchberg. Die Grenzen der Gemarkungen folgen häufig früheren Gemeindegrenzen:
Gemarkungs-nummer Gemarkung FlächeVermessungsamt Vilshofen an der Donau – Außenstelle Passau – Zusammenstellung nach Nutzungsarten aus dem Liegenschaftskataster, Auswertezeitpunkt: 26. Mai 2009.in ha entspricht/liegt in Stadtteil(en) 6348 Heining 2080,3667 Heining 6349 Hacklberg 1447,9296 Hacklberg 6350 Ries 261,3694 Hals (westlicher Teil) 6351 Hals 138,3364 Hals 6352 Grubweg 905,5173 Grubweg 6353 Passau 202,7418 Altstadt, Teile der Innstadt (Mühltal, Innvorstadt/Lederergasse) 6354 Haidenhof 1214,275 Haidenhof Nord, Haidenhof Süd (jeweils westlicher Teil) 6355 St. Nikola 150,1522 Haidenhof Nord, Haidenhof Süd (jeweils östlicher Teil) 6356 Beiderwies 416,8266 Innstadt 6326 Kirchberg 139,2863 Hacklberg (westlicher Teil) Passau 6956,8013
Nachbargemeinden im Norden im Süden im Osten im Westen Tiefenbach (westlich der Ilz) Salzweg (östlich der Ilz) Thyrnau (nördlich der Donau) Fürstenzell Neuburg am Inn (westlich des Inn) Freinberg (südlich der Donau) Schardenberg (östlich des Inn) (beide in Oberösterreich) Vilshofen an der Donau
Geschichte Die Ursprünge Eine erste keltische Siedlung lag in der La-Tène-Zeit auf dem Altstadthügel mit einem Donauhafen in Höhe des heutigen alten Rathauses. mini|Kastelle, 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. An der Stelle des heutigen Domes entstand das römische Kastell Batavis (Castra Batava) als Teil der Limesbefestigung. Der Name „Batavis“ leitet sich vermutlich von den zunächst dort stationierten germanischen Söldnern vom Stamm der Bataver ab. Aus Batavis entwickelte sich wahrscheinlich der heutige Name „Passau“.
Im ersten nachchristlichen Jahrhundert entstand als Teil der römischen Provinz Raetia am rechtsseitigen Innufer das Kastell Boiodurum, das bis nach einem Germaneneinfall in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts Bestand hatte. Seine Aufgaben wurden durch das in der Spätantike innaufwärts in der römischen Provinz Noricum errichteten Kastell Boiotro übernommen, das bis zum Abzug der Romanen Bestand hatte. In der Vita Severini wird beschrieben, dass die dortige Garnison zunächst länger als andernorts ausharrte, als in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts immer öfter der Sold ausblieb. Wohl zwischen 476 und 490 verließen die römischen Truppen dann die Region. mini|Passau um 1600
Die Bajuwaren bzw. Agilolfingischen Herzöge, die das Gebiet im 6. Jahrhundert in Besitz nahmen, errichteten auf der Halbinsel eine Herzogspfalz. Bereits im Jahr 739 war Passau Bischofssitz; zu dieser Zeit wurde auch das Kloster Niedernburg gegründet, das über große Ländereien nördlich der Donau im bayerischen Wald, im Einzugsbereich der Ilz verfügte und damit den (Salz-)Handel nach Böhmen regulierte. Im 11. Jahrhundert war dort Gisela, Schwester des Kaisers Heinrich II. und Witwe des Königs von Ungarn, Stefan I., Äbtissin. Der Handel auf der Donau zwischen Passau und Mautern im heutigen Niederösterreich wurde im 10. Jahrhundert durch die Raffelstettener Zollordnung reguliert. Zwischen 1078 und 1099 wurde im Konflikt des Investiturstreits (der Passauer Bischof hatte sich auf die päpstliche Seite geschlagen) Graf Ulrich von König Heinrich IV. als städtischer Vogt in der neu geschaffenen Burggrafschaft Passau eingesetzt, diese endete jedoch mit dessen Tod.
Walther von der Vogelweide hatte nachweislich auch mit dem Hof des Passauer Bischofs und Mäzens Wolfger von Erla zu tun, der ihm am 12. November 1203 einen Pelzmantel kaufte. Der Eintrag in die Reiserechnungen des Bischofs ist das einzige urkundliche Zeugnis über den Dichter außerhalb der Nennungen bei zeitgenössischen Dichterkollegen. Das Nibelungenlied wurde vermutlich in diesem Umfeld geschrieben und bezieht sich vermutlich auf die bairische Prinzessin, ungarische Königin und spätere Niedernburger Äbtissin Gisela und ihren Oheim, Bischof Pilgrim von Passau.
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts war das Passauer Schmiedehandwerk bedeutsam. Als 1193 das Stift Niedernburg endgültig an den Passauer Bischof übergeben wurde, konnte dieser auf Grundlage der Besitzungen der ehemaligen Reichsabtei Passau 1217 das Hochstift gründen. Es gab mehrere Aufstände der Bürger gegen die Herrschaft der Fürstbischöfe, zuletzt 1367/1368, die aber allesamt scheiterten. Andererseits entwickelte das Bistum einen beträchtlichen Wohlstand und weckte immer wieder Begehrlichkeiten bei den Nachbarn Bayern und Österreich.
Die Liebfrauen Schiffleut und Salzfertiger-Bruderschaft, die älteste heute noch bestehende deutsche Bürgervereinigung, wurde 1306 erstmals urkundlich erwähnt.
Passau in der Neuzeit mini|hochkant|links|Ausbund – in Passau entstandenes Gesangbuch der Täufer 1477 wurde dem Christen Christoph Eysengreißheimer vorgeworfen, er habe den „jüdischen Feinden des Heilands“ acht gestohlene Hostien verkauft, die diese dann geschändet haben sollen. Die Angeklagten wurden inhaftiert, gefoltert und nach Geständnissen enthauptet, sofern sie sich vorher haben taufen lassen, andernfalls mit glühenden Zangen zerfleischt und verbrannt.
Passau ist der Entstehungsort des Ausbunds, des ältesten Gesangbuchs des Protestantismus, bei den Amischen noch heute benutzt. Seine Kernsammlung entstand zwischen 1535 und 1540 im Verlies der Passauer Burg. Die Autoren waren inhaftierte Täufer. Einige von ihnen verstarben bereits während der Gefangenschaft. Die meisten der gefangenen Täufer erlitten im Anschluss an die Haftzeit den Märtyrertod. Die gedruckte Erstausgabe von 1564 trägt den Titel: Etliche schöne Christliche Geseng, wie sie in der Gefengkniß zu Passaw im Schloß von den Schweitzer Brüdern durch Gottes gnad geticht und gesungen worden.
1552 wurde in der Stadt der Passauer Vertrag geschlossen, der ein Wegbereiter für die Tolerierung der lutherischen Konfession im Augsburger Religionsfrieden war. In dem Vertrag wurde das Luthertum erstmals formell durch den Kaiser anerkannt. Von 1622 bis 1633 wurde die Philosophisch-Theologische Hochschule gegründet, die bis auf wenige Unterbrechungen bis 1978, bis zur Eingliederung in die Universität, bestand. Im Jahr 1676 fand in Passau die sogenannte Kaiserhochzeit von Leopold I. und Eleonore von Pfalz-Neuburg statt.
Die Stadt wurde mehrmals von Überschwemmungen und großen Bränden heimgesucht. So legte 1662 ein Brand die gesamte Stadt in Schutt und Asche. Italienische Baumeister (Carlone und Lurago) bauten die Stadt danach wieder auf und gaben der Stadt ihr heutiges südländisch anmutendes barockes Aussehen. 1689 erschien die erste Passauer Zeitung.Staatliche Bibliothek Passau