Der Grønlandsrådet („Grönlandrat“) war ein politisches Gremium mit dänischer und grönländischer Beteiligung, das für die Beratung bezüglich der Entwicklung Grönlands zuständig war. Er existierte von 1964 bis 1979.
Geschichte Zur Behandlung grönländischer Fragen war 1925 im Rigsdag der Grönlandausschuss gegründet worden, in dem ausschließlich dänische Abgeordnete saßen. Ab 1950 waren auch Grönländer in ihm vertreten. Im Zuge der Überlegungen für die G60-Politik empfahl der von 1960 bis 1964 aktive G50-Politik#Grønlandsudvalg im November 1963 die Abschaffung des Ausschusses und stattdessen die Einführung des Grønlandsrådets. Das Grönlandministerium schuf daraufhin einen Gesetzesvorschlag, der im März 1964 Grønlands Landsråd vorgelegt wurde. Der Landesrat lehnte ab, dass der Landesratsvorsitzende, zu dem Zeitpunkt der Landshøvding, als Däne automatisch einer der grönländischen Vertreter sein sollte. Am 9. März akzeptierte der Landesrat den übrigen Gesetzesvorschlag unter dem genannten Vorbehalt.Jørgen Fleischer: Grønlandsrådet vedtaget af landsrådet. Atuagagdliutit (12. März 1964). S. 1–2. Am 13. März wurde der bearbeitete Gesetzesvorschlag dem Folketing vorgelegt und am 29. Mai angenommen und am 4. Juli 1964 wurde der Rat schließlich gegründet.
Der Grønlandsrådet hatte elf Mitglieder. Der König wählte alle fünf Jahre einen Vorsitzenden, fünf der Vertreter wurden vom Folketing ausgewählt, zwei waren die beiden grönländischen Folketingsabgeordneten und drei wurden vom Landesrat gewählt. Dazu kam ein dem Grönlandministerium untergeordnetes Sekretariat. Der Rat erhielt folgende Aufgaben: Analysierung von Demografie, Wirtschaft, Wohnwesen, Bildungswesen, Gesundheitswesen usw. Planung von Investitionsprogrammen und anderen Ausgaben Behandlung von Betriebsproblemen (Arbeitskraftmangel, Nahrungsmittelversorgung usw.) Überwachung der Entwicklung des Einkommensniveaus Bewertung von gesetzlichen Änderungen und Strategien in Bezug auf Harmonie untereinander und angemessene Entwicklung Untersuchung von Realisierung und Konsequenzen von politischen Entscheidungen
Übergeordnet war der Rat somit für die Planung von Maßnahmen bezüglich Grönlands Entwicklung im Zuge der G60-Politik zuständig. Er sollte keine politische Entscheidungsmacht haben und lediglich als Beratungsgremium für die Legislative und Exekutive in Dänemark und Grönland dienen.
Die Einführung des Grønlandsrådets traf nicht überall auf Begeisterung. Eske Brun warnte, dass der Rat die Kompetenzen des Grönlandministeriums untergraben könnte. In einem Interview im Jahr 1973 gab Jonathan Motzfeldt, der zu diesem Zeitpunkt Mitglied des Grønlandsrådets war, dass er die Einführung des Rats damals für falsch hielt, weil er auch die Kompetenzen des Landesrats einschnitt und dafür sorgte, dass grönländische Probleme noch weniger in Grönland behandelt wurden.
Mit der Einführung der Hjemmestyre wurde der Grønlandsrådet im Jahr 1979 aufgelöst.Axel Kjær Sørensen: Grønlandsrådet. Danmarks Nationalleksikon.
Mitglieder Folgende Personen waren Mitglied des Grønlandsrådets.
Vorsitzende 1964–1974: Hans Henrik Koch (Vorsitzender) 1975–1979: Poul Nørregaard Rasmussen (Vorsitzender)
Vom Folketing ausgewählte Mitglieder 1964–1967: Lis Groes 1964–1966, 1969: Jacob Kirkegaard 1964–1967: Erik Ninn-Hansen 1964–1967: Simon From 1964–1970: Holger Vivike 1967: Arnold Christian Normann 1968–1974: Hans Jørgen Lembourn 1968–1973: Holger Hansen 1968–1977: Svend Haugaard 1968–1970: Carl Peter Jensen 1968: Eva Ree 1970: Gunhold Due 1972–1973: Poul Dam 1972–1974: Jørgen Peder Hansen 1974–1977: Peter Brixtofte 1974–1979: Helge Dohrmann 1975–1979: Søren B. Jørgensen 1976–1979: Johannes Bugdorf 1976: Steffen Kjærulff-Schmidt 1977: Ole Maisted 1977–1978: Aksel Pedersen 1977: Ernst Prehn 1978: Leif Glensgaard 1979: Yvonne Herløv Andersen 1979: Anders Fogh Rasmussen
Grönländische Folketingsabgeordnete 1964–1971: Knud Hertling 1964–1971, 1974–1976: Nikolaj Rosing 1972–1973: Moses Olsen 1972–1973: Niels Svendsen 1974–1979: Lars-Emil Johansen 1976–1977: Ole Berglund 1977–1979: Otto Steenholdt
Vom Landesrat ausgewählte Mitglieder 1964–1970: Peter K. S. Heilmann 1964–1967: Erik Egede 1964–1967: Niels Otto Christensen 1967–1970: Marius Abelsen 1967–1970: Erling Høegh 1971–1979: Lars Chemnitz 1971–1973: Lars-Emil Johansen 1971–1979: Jonathan Motzfeldt 1974, 1977–1979: Jørgen C. F. Olsen 1975–1977: Otto Steenholdt 1976: Hendrik Nielsen
Einzelnachweise
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