Bernardino Lurati (* 5. November 1829 in Lugano; † 29. Juni 1880 in Bern; heimatberechtigt in Lugano) war ein Schweizer Politiker, Tessiner Grossrat und Nationalrat.
Leben
Familie Bernardino Lurati war der Sohn des Rechtsanwalts Crispino Lurati und dessen Ehefrau Elisabetta (geb. Luvini). 1854 heiratete er Lucrezia, die Tochter des Politikers Pietro Polar; ihr gemeinsamer Sohn war der Jurist und Politiker Giovanni Lurati. Die Brüder seiner Ehefrau waren Giovanni Polar sowie Ignazio Polar und sein Neffe war der Politiker Giovanni Reali.
Werdegang Bernardino Lurati besuchte das Gymnasium und Lyzeum in Lugano. Nachdem er sich an der Universität Pisa zu einem Studium der Rechtswissenschaften immatrikuliert hatte, promovierte er 1851 zum Dr. jur. Nach Beendigung des Studiums war er als Rechtsanwalt und Notar in Lugano tätig. 1859 gründete er die Voce del Popolo und war deren Redakteur; die Zeitung war das erste Organ der 1860 gegründeten liberalkonservativen Partei, das später durch die Zeitung Cittadino ticinese und 1865 durch die Libertà ersetzt wurde. Lurati war dazu auch Mitarbeiter der Credente Cattolico, der ab 1856 erscheinenden Zeitung des Tessiner Klerus, deren Redakteur Carlo Conti war.
Politisches Wirken Bei der Gründung der liberalkonservativen Partei spielte Bernardino Lurati 1860 eine entscheidende Rolle; von 1860 bis zu seinem Tod 1880 vertrat er die Partei im Grossen Rat des Kantons Tessin. 1875 und 1880 wurde er zum Vizepräsidenten des Grossen Rats gewählt und 1876 erfolgte seine Wahl zum Präsidenten.
Lurati war ein Befürworter der Gotthardbahn und redigierte zu deren Unterstützung ab 1866 gemeinsam mit Carlo Cattaneo die Rivista ferroviaria. Ferner befasste er sich mit der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des Kantons, insbesondere mit der Frage der Eisenbahn. 1869 setzte er sich bei der Abfassung des Forstgesetzes für den Schutz der Wälder ein. 1871 wurde er durch den Grossen Rat in die Kommission zur Prüfung der Staatsverwaltung gewählt und er sprach sich 1872 für die Totalrevision der Bundesverfassung aus. 1875 veröffentlichte er die Streitschrift Il 25 febbraio 1875. Ricordi ai Ticinesi, in der er Kritik an der liberalen Regierung übte. Sie trug im Februar 1875 zum Wahlsieg der Liberalkonservativen bei. Im selben Jahr wurde er erstmalig in den Nationalrat und 1878 erneut gewählt; nach seinem Tod folgte ihm Ignazio Polar.
Der neuen konservativ ausgerichteten Regierung, dem Nuovo Indirizzo, blieb er fern, da ihm das verhärtete politische Klima nach dem Wahlsieg der Liberalkonservativen nicht zusagte. Er hatte keine Zeit, um eine politische Alternative katholisch-liberaler Ausrichtung gegenüber seinem Gegenspieler Gioachimo Respini zu entwickeln.
Tod mini|Luratis Grab auf dem Monumentalfriedhof Lugano Lurati starb am 29. Juni 1880 im Alter von 50 Jahren in Bern, nachdem er am 26. Juni noch an der Nationalratssitzung teilgenommen hatte. Aufgrund heftiger Zahnschmerzen und einer bedrohlich wachsenden Geschwulst hatte er einen Arzt aufgesucht, der ihn mit Blutegeln behandelte. Bei der Obduktion stellte sich angeblich heraus, dass diese vergiftet waren und eine «Blutzersetzung» veranlasst hatten. Am 4. Juli wurde Lurati auf dem Friedhof von Lugano bestattet.Bundesstadt. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Blatt. Nr. 183, 1. Juli 1880, S. 2 (online).
Schriften (Auswahl) Il 25 febbraio 1875. Ricordi ai Ticinesi. Lugano, 1875.
Literatur Fabrizio Panzera: Bernardino Lurati (1829–1880). In: Alberto Lepori, Fabrizio Panzera (Hrsg.): Uomini nostri. Trenta biografie di uomini politici. Armando Dadò Editore, Locarno 1989, S. 22, 34–38.
Celestino Trezzini: Bernardino Lurati. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 4, Liebegg – Mailand, Attinger Verlag, Neuenburg 1927, S. 735 (PDF Digitalisat). Bernardino Lurati. In: Zuger Volksblatt vom 3. Juli 1880. S. 2 (Digitalisat). Bernardino Lurati. In: Le Chroniqueur, 6. Juli 1880. S. 2 (Digitalisat).
Weblinks
. Bernardino Lurati. In: Alfred Escher Briefedition. Bernardino Lurati. In: Archivio di Stato del Cantone Ticino. Bernardino Lurati. In: Geneanet.
Einzelnachweise
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