Die Wollköpfe (Eriocephalus) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die etwa 32 Arten sind im südlichen Afrika verbreitet.
Beschreibung mini|Zweig mit Laubblättern des Afrikanischen Rosmarin (Eriocephalus africanus) mini|Blütenkörbchen im Detail mit Strahlen- und Scheibenblüten von Eriocephalus eximius mini|Fruchtstand im Detail von Eriocephalus eximius mini|Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, No. 833 des Afrikanischen Rosmarin (Eriocephalus africanus)
Vegetative Merkmale Eriocephalus-Arten sind immergrüne Sträucher, selten sind es Halbsträucher, die Wuchshöhen und Pflanzendurchmesser von 0,25 bis 2 Metern aufweisen. Die oberirdischen Pflanzenteile duften oft aromatisch. Sie besitzen viele aufrechte bis ausgebreitete Äste, die wenig bis stark verzweigt sind. Die Rinde ist oft verkahlend. Einige Arten sind dornig.
Die meistens gegenständig, manchmal wechselständig und manchmal an Kurztrieben dicht dachziegelartig überlappend angeordneten Laubblätter sind relativ klein und mehr oder weniger sklerophyll. Die Blätter sind (heidekrautartig = ericoid), linealisch oder nadelförmig, einfach, gelappt oder fiederteilig mit ein bis sieben linealischen Blattlappen. Die seidig-grauen Laubblätter besitzen Drüsen, die meisten Arten sind fein zottig behaart, einige sind kahl.
Generative Merkmale Einzeln auf Kurztrieben oder endständig in traubigen oder leicht doldigen Gesamtblütenständen befinden sich körbchenförmige Teilblütenstände. Die scheibenförmigen Blütenkörbchen sind relativ klein. Das Involucrum ist halbkugelig mit vier bis sechs Hüllblättern in einer Reihe. Die flaumig behaarten bis kahlen Hüllblätter sind länglich, lanzettlich, eiförmig bis verkehrt-eiförmig, etwas gekielt bis flach, oft mit einem breiten transparent pergamentartigen Rand. Auf dem flachen Körbchenboden sind Spreublätter vorhanden und er ist wollig behaart. Die Spreublätter sind länger oder kürzer als die Blüten. Die Spreublätter der Randblüten sind vollständig frei oder teilweise bis vollständig untereinander verwachsen, hart und relativ dick oder häutig und durchscheinend. Die freien Spreublätter sind eiförmig, lanzettlich bis linealisch mit ausgefranstem Rand und auf der Unterseite lang wollig behaart.
Die Blütenkörbchen sind heterogam mit 2 bis 60 Blüten, von denen nur ein bis acht Strahlenblüten sind; bei manchen Arten sind keine Strahlenblüten vorhanden. Am Rand befinden sich wenige rein weibliche Blüten. Die randlichen weiblichen Blüten können eine band- oder keilförmige Zunge besitzen und länger, gleich lang oder kürzer als die zwei Griffeläste sein. Das Kronzungenende ist zwei- bis vierzähnig oder zwei- bis vierlappig. Die Krone der randlichen Blüten ist weiß, cremefarben, rosa- bis purpurfarben, selten gold-gelb. Der wollig oder fein behaarte Fruchtknoten ist länglich-linealisch bis schmal verkehrt-eiförmig, etwas abgeflacht, manchmal mit undeutlichen Kanten. Der zylindrische Griffel der Randblüten endet in zwei Griffelästen, die abgeflacht und linealisch mit spitzem oberen Ende sind.
Die Spreublätter der Scheibenblüten sind eiförmig, lanzettlich bis linealisch, flach, häutig mit ausgefranstem bis lang wollig behaartem Rand und auf der Unterseite lang wollig behaart. Von den Scheibenblüten sind 1 bis 60 funktional männlich mit sterilem Fruchtknoten. Diese Röhrenblüten sind am oberen Ende etwas geweitet, trompeten- bis trichterförmig. Diese Röhrenblüten sind fünfzipfelig mit dreieckigen Kronzipfeln. Ihre Blütenkronen sind weiß, creme-, purpurfarben oder gelb. Der Griffel der männlichen Blüten ist nicht zweiästig mit Fegehaaren und meist kugeligem oder nur selten zweilappig oberen Ende. Bei den männlichen Blüten sind fünf Staubblätter vorhanden. Ihre Staubbeutel sind seitlich verwachsen, jedes mit lanzettlichen oberen Anhängseln, die ungeschwänzt sind.
Das Blütenkörbchen wird nach der Anthese sehr wollig. Die dunke-brauen, glatten, kahlen Achänen länglich-eiförmig und etwas abgeflacht, im Querschnitt elliptisch. Es ist kein Pappus vorhanden.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es wurden Chromosomenzahlen von 2n = 18, 36, 54, 72 ermittelt.
mini|Habitus von fruchtendem Eriocephalus ericoides im Habitat mini|Habitus von fruchtendem Eriocephalus eximius im Habitat
Phänologie Die Blütezeit ist richtet sich deutlich nach den Regenzeiten. Arten, die in Winterregengebieten vorkommen blühen im südlichen Afrika von Juli bis September und Arten der Sommerregenbiete blühen im südlichen Afrika von Januar bis April.
Systematik und Verbreitung Taxonomie und botanische Geschichte Die Gattung Eriocephalus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 926 aufgestellt. Die Typusart ist Eriocephalus africanus . Der Gattung Eriocephalus ist von den altgriechischen Wörtern erion für „Wolle“ und kephale für „Kopf“ abgeleitet, dies bezieht sich auf die dicht wolligen Fruchtstände.
Die Gattung Eriocephalus wurde beispielsweise durch William Henry Harvey in Band 3 der Flora Capensis von 1865 behandelt. In Müller et al. (2001) wurden alle Arten genau beschrieben und die Vorkommen erörtert.
Äußere Systematik Die Gattung Eriocephalus gehört zur Subtribus Athanasiinae aus der Tribus Anthemideae in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie Asteraceae.
mini|Zweige mit Laubblättern und Blütenständen des Afrikanischen Rosmarin (Eriocephalus africanus) mini|Blütenkörbchen im Detail von Eriocephalus africanus var. paniculatus mini|Zweig mit Blütenkörbchen von Eriocephalus brevifolius mini|Zweig mit Fruchtständen von Eriocephalus brevifolius mini|Zweig mit Fruchtständen von Eriocephalus ericoides subsp. ericoides mini|Zweige mit Fruchtständen von Eriocephalus microphyllus var. microphyllus mini|Habitus von Eriocephalus racemosus var. racemosus mini|Fruchtstand im Detail von Eriocephalus racemosus var. racemosus
Arten, ihre Verbreitung und Gefährdung Die Eriocephalus-Arten sind im südlichen Afrika verbreitet und kommen hauptsächlich von Namibia und Botswana bis Lesotho und Südafrika vor. Die größte Artenvielfalt gibt es in den südafrikanischen Provinzen West- und Nordkap.
Von den in Südafrika vorkommenden Arten wurde in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas nur eine als NT = Near Threatened = potenziell gefährdet und eine Varietät als EN = Endangered = stark gefährdet bewertet. Die meisten anderen wurden nicht untersucht und automatisch als LC = Least Concern = nicht gefährdet eingetragen.
Die Arten wurden bisher nach morphologischen Merkmalen unterschieden, doch manche Arten haben eine große Varianz in diesen Merkmalen, so dass oft eine exakte Abtrennung rein nach der Morphologie schwierig ist.
Es gibt etwa 32 Arten in der Gattung Eriocephalus mit einigen Subtaxa: Afrikanischer Rosmarin (Eriocephalus africanus ): Es gibt zwei Varietäten: Eriocephalus africanus var. africanus (Syn.: Eriocephalus corymbosus , Eriocephalus frutescens , Eriocephalus septifer , Eriocephalus septulifer , Eriocephalus variifolius ) Sie kommt hauptsächlich an der Küste der Kaphalbinsel vor und kommt auch von Mossel Bay bis Knysna nur im Westkap vor. Sie gedeiht von Meereshöhe bis zu einer Höhenlage von etwa 100 Metern im Inland und gedeiht auf Felsen die aus dem Meer ragen. Sie wurde in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas ohne erfolgtes Monitoring automatisch als LC = Least Concern = nicht gefährdet eingetragen. Eriocephalus africanus var. paniculatus (Syn.: Eriocephalus africanus , Eriocephalus paniculatus , Eriocephalus racemosus non , Eriocephalus sericeus , Eriocephalus umbellulatus , Eriocephalus umbellulatus var. argenteus , Eriocephalus umbellulatus var. glabriusculus ): Sie besitzt wohl die zweitweiteste Verbreitung aller Eriocephalus-Taxa. Sie ist in den südafrikanischen Provinzen Nord-, West- sowie Ostkap verbreitet. Sie gedeiht fast im ganzen Winterregengebiet Südafrikas, aber auch im Sommerregengebiet. Sie gedeiht in einer großen Bandbreite von Vegetationstypen, Böden und Höhenlagen. Es ist das Taxon mit dem höchsten Potential Hybriden mit vielen anderen Taxa zu bilden. Sie wurde in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas ohne erfolgtes Monitoring automatisch als LC = Least Concern = nicht gefährdet eingetragen. Eriocephalus ambiguus (Syn.: Eriocephalus aspalathoides var. ambiguus , Eriocephalus aspalathoides , Eriocephalus aspalathoides ): Sie ist vom zentralen Namibia über Botswana bis zu den südafrikanischen Provinzen Free State, Ost-, Nord- sowie Westkap verbreitet. Es ist ein Fundort an der Grenze von Nordkap in Botswana bekannt. Sie wurde in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als LC = Least Concern = nicht gefährdet bewertet. Eriocephalus aromaticus Sie gedeiht in Bergregionen in Höhenlagen oberhalb von 900 Metern im West- sowie Ostkap im Winterregengebiet und bildet meist dichte Bestände. Sie wurde in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas ohne erfolgtes Monitoring automatisch als LC = Least Concern = nicht gefährdet eingetragen. Eriocephalus brevifolius (Syn.: Eriocephalus punctulatus var. brevifolius ) Den Rang einer Art hat sie seit 2001. Es gibt nur wenige Aufsammlungen und diese stammen aus dem Namaqualand. Es wird vermutet, dass sie weiter verbreitet ist und deshalb wird als Verbreitungsgebiet auch das Swartruggens-Roggeveld sowie die Swartberge angegeben. Im Winterregengebiet gedeiht sie in Höhenlagen oberhalb von 900 Metern. Da kein Monitoring erfolgte, wurde sie in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas automatisch als LC = Least Concern = nicht gefährdet eingetragen. Eriocephalus capitellatus Sie gedeiht in Höhenlagen oberhalb von 900 Metern auf hohen Bergen im West- sowie Ostkap. Sie kommt sowohl in Winter- als auch Sommerregengebieten vor. Sie bildet nie dichte Bestände. Da kein Monitoring erfolgte, wurde sie in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas automatisch als LC = Least Concern = nicht gefährdet eingetragen. Eriocephalus decussatus : Sie kommt in den südafrikanischen Provinzen Free State, Nord- sowie Westkap vor. Sie gedeiht in Sommer- sowie Winterregengebieten in der zentralen Karoo und Teilen von Namaqualand, meist auf sandigen Böden. Es werden nie dichte Bestände gebildet. Da kein Monitoring erfolgte, wurde sie in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas automatisch als LC = Least Concern = nicht gefährdet eingetragen. Eriocephalus dinteri (Syn.: Eriocephalus parviflorus ): In Namibia gedeiht sie nur auf wenigen hohen Bergen in Höhenlagen oberhalb von 1000 Metern, beispielsweise Brandberg, Auas- sowie Aus-Berge. In den Populationen variiert die Bestandsdichte von vereinzelt bis selten und es werden nirgends dichte Bestände gebildet. Sie gedeiht hauptsächlich im Sommerregengebiet, aber im südlichsten Verbreitungsgebiet kommt sie auch in der Übergangszone zum Winterregengebiet vor. Eriocephalus ericoides : Es gibt seit 2001 zwei Unterarten: Eriocephalus ericoides subsp. ericoides (Syn.: Eriocephalus glaber , Eriocephalus glaber var. sessiliflorus ) Sie hat die weiteste Verbreitung von allen Eriocephalus-Taxa. Die Bestände in Namibia sind isoliert von denen in Südafrika. In Namibia liegen die Habitate in höheren Bergregionen in Höhenlagen von 1000 bis 1700 Metern im Sommerregengebiet mit einem Jahresniederschlag von nur 250 bis 300 mm. In Südafrika kommt sie sowohl in höheren Bergregionen als auch nahe der Küste in Höhenlagen von etwa 300 Metern. Sie erhält in Südafrika sowohl im Sommer als auch im Winter Regen mit einem Jahresniederschlag von etwa 500 mm. Beide Teilareale liegen in der pflanzengeographischen Region Karoo-Namib und in Südafrika reicht das Areal bis in die Capensis. Da kein Monitoring erfolgte, wurde sie in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas automatisch als LC = Least Concern = nicht gefährdet eingetragen.