Reetzerhütten ist ein Ortsteil der Gemeinde Wiesenburg/Mark im Landkreis Potsdam-Mittelmark im Land Brandenburg.

Geografische Lage Der Ortsteil liegt vier Kilometer westlich des Gemeindezentrums. Nördlich liegt der Wohnplatz Alte Hölle, westlich der weitere Ortsteil Reetz sowie südöstlich der weitere Wohnplatz Tränkeberg. Die Wohnbebauung konzentriert sich um die Bundesstraße 246, die von Westen kommend in östlicher Richtung durch den Ort führt. Laut der Gemeinde Wiesenburg/Mark besitzt die Gemarkung von Reetzerhütten den höchsten Bewaldungsgrad im Gemeindegebiet.

Geschichte 16. bis 18. Jahrhundert Im Jahr 1592 entstand östlich von Reetz eine Teerhütte, die als vom Heidelande zu Zipsdorff, Röitz, und bey der Theerhütten gelegen war. Eine Hälfte gehörte bis 1872 der Familie Brandt von Lindau aus Schmerwitz. Der zweite Teil gehörte bis 1755 der Familie Brandt von Lindau aus Wiesenburg. Diese erste Teerhütte wurde vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört und auf Initiative des damaligen Besitzers Wolf Dietrich Brandt von Lindau durch einen Neubau ersetzt. Im Dorf lebten im Jahr 1684 der Teerschwelermeister Hans Kühne, der Böttcher Andreas Schuster und der Unterläufer David Neumann. Neben Kühne arbeitete mit Peter Werlitz ein zweiter Pechbrenner auf der Hütte. Schuster stellte die Fässer für das Pech her, das aus dem Holz der Brandtsheide gewonnen wurde. Reetzerhütten wurde um 1710 als Pechhütte bezeichnet und entwickelte sich rasch. Zu dieser Zeit waren Andreas Kelch als Schulze, Hans Belger als Krüger und Peter Wiedeke als Unterläufer im Dorf tätig. Im Jahr 1716 lebten bereits 22 Wirte im Ort; um 1720 war Andreas Werlitz der nächste Böttcher im Dorf. Ein früher Nachweis für die Besiedlung von Reetzerhütten stammt aus dem Jahr 1736. Damals schloss Maria Katharina Sprung, geborene Frumnau, mit dem Forstverwalter Peter Wielacke einen Erbkaufvertrag über ein Wohnhaus im Ort.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 37 Wiesenburg, Nr. 216: Erbkaufkontrakt zwischen der Maria Katharina Sprung, geb. Frumnau und dem Forstverwalter Peter Wielacke als Käufer über ein Wohnhaus zu Reetzerhütten (1736). Im Jahr 1755 übernahm die Familie von Trotta und von Watzdorf aus Wiesenburg bzw. Mahlsdorf den Wiesenburgschen Anteil der Familie Brandt von Lindau und übergaben ihn 1765 an einen Zweig der Familie aus Mahlsdorf. Ein Perzeptionsregister aus den Jahren 1755 bis 1760 nennt Reetzerhütten unter den Hüttenorten des dritten und vierten Anteils des Hauses Wiesenburg-Schmerwitz. Gemeinsam mit Medewitzerhütten, Neuehütten, Zipsdorf und (Hohen)spring wurde der Ort in den herrschaftlichen Einnahme- und Verwaltungsunterlagen geführt.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 37 Schmerwitz, Nr. 79: Perzeptionsregister von sämtlichen Hütten des dritten und vierten Anteils des Hauses Wiesenburg-Schmerwitz (1755–1760). In dieser Zeit lebten im Jahr 1761 im Schmerwitzer Anteil insgesamt 18 Einwohner, darunter auch der Dorfschulze. 1768 verkaufte Ludolph Heinrich Karl Friedrich Brandt von Lindau das ehemalige Forsthaus in Reetzerhütten an Georg Kühn. Der überlieferte Erbkaufvertrag zählt zu den frühen Nachweisen der Besitz- und Siedlungsgeschichte des Ortes.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 37 Schmerwitz, Nr. 98/2: Erbkaufkontrakt zwischen Ludolph Heinrich Karl Friedrich Brandt von Lindau und Georg Kühn zu Reetzerhütten wegen des ehemaligen Forsthauses (1768). Im gesamten Dorf lebten im Jahr 1777 insgesamt 28 Häusler in offenbar sehr ärmlichen Verhältnissen („in elenden Hütten“); drei Stellen waren wüst. Aus dem Jahr 1791 ist die Bezeichnung Reezscherhütten überliefert.

19. Jahrhundert Bis 1807 gehörte Reetzerhütten zum sächsischen Kurkreis, anschließend zum Wittenberger Kreis. Nach dem Wiener Kongress wurde das Gebiet 1815/1816 preußisch und Teil des Kreises Zauch-Belzig. Im Jahr 1837 standen im Dorf insgesamt 36 Wohnhäuser. Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Verstorbenen des Dorfes auf dem Kirchhof in Reetz bestattet. Bereits bei den Verhandlungen über die Errichtung einer eigenen Schule hatte die Gemeinde den Wunsch nach einem eigenen Begräbnisplatz geäußert. Im Jahr 1838 beantragten mehrere Einwohner offiziell die Anlage eines Friedhofs. Mit einer Verfügung der königlichen Regierung vom 10. März 1840 wurde das Ausscheiden Reetzerhüttens vom Reetzer Kirchhof genehmigt. Anschließend entstand der neue Begräbnisplatz auf einem Grundstück an der Schule. Aus den Jahren 1853, 1860 und 1864 sind mehrere Schreiben in Ablösungsangelegenheiten von Reetzerhütte und Neuehütte überliefert. Die Briefe richteten sich an den Rittergutbesitzer Brandt von Lindau beziehungsweise an den Premierleutnant Stockenius und stehen im Zusammenhang mit der Ablösung älterer grundherrlicher Verpflichtungen.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 37 Schmerwitz, Nr. 105/1: 3 Briefe an Rittergutbesitzer Brandt von Lindau, 1 Brief an Premierleutnant Stockenius in Ablösungsangelegenheiten von Reetzerhütte und Neuehütte (1853, 1860, 1864). Reetzerhütten entwickelte sich und belegte im Jahr 1858 eine Fläche von 3001 Morgen (Mg), darunter 2700 Mg Wald, 20 Mg Gehöfte, 23 Mg Gartenland, 250 Mg Acker, 7 Mg Wiese und ein Mg Torf. Im Ort standen ein öffentliches, 48 Wohn- und 66 Wirtschaftsgebäude, darunter auch die Getreidemühle des Müllers Kuhl. Die Bedeutung der Teerschwelerei war in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen, so dass 1858 der letzte Teerschweler Friedrich Ernst Galle das Dorf verließ. Ein Jahr später wurde der Mahlsdorfer Anteil des Büdneretablissements Reetzerhütten nach Reetz eingemeindet. In dieser Zeit ging der zweite Anteil von den Trotta genannt Treyden an den Herrn von Goldacker aus Mahlsdorf über (1846 bis 1872). Im 19. Jahrhundert wurden in Reetzerhütten schrittweise traditionelle grundherrschaftliche Lasten und Nutzungsrechte aufgehoben. Bereits 1855 regelte ein Rezeß die Ablösung der von dem Büdner Johann Andreas Christoph Allrich und dem Krüger Franz Hesse gegenüber dem Besitzer der Wiesenburgschen Güter III. und IV. Anteils zu leistenden Dienste und Prästationen.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur 5E AG Belzig 425: Rezeß zwischen dem Besitzer der Wiesenburgschen Güter III. und IV. Anteils und dem Büdner Johann Andreas Christoph Allrich und dem Krüger Franz Hesse zu Reetzerhütten, wegen Ablösung der von Letzeren dem Ersteren zu leistenden Dienste und Prästationen vom 1. November 1855, bestätigt am 27. Dezember 1855 (1855). In den Jahren 1866/1867 folgte die Ablösung der den Büdnergütern des Ortes zustehenden Hütungsrechte in Teilen der Brandtsheide. Zwischen 1870 und 1874 wurden zudem Grundgerechtigkeiten auf Wiesen bei Reetzerhütten sowie in der Brandtsheide reguliert. Den Abschluss dieser Entwicklung bildete 1880/1881 die Ablösung der Forstservituten von Brandtsheide-Reetzerhütten.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur 5E AG Belzig 719: Ablösung der verschiedenen Büdnergüter in Schlamau, Neuehütten, Reetzerhütten, Medewitzerhütten, Medewitz und Jeserigerhütten in den zu den Wiesenburgschen Gütern III. und IV. Anteils sowie zu den Wiesenburg-Glienschen und den Wiesenburg-Mahlsdorfschen Gütern gehörigen Teilen der Brandtsheide zustehenden Hütungsrechte (1866–1867).Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur 5E AG Belzig 668: Ablösung der der Pfarre, der Schule und der Küsterstelle zu Reetz sowie den bäuerlichen Grundbesitzungen daselbst in der Brandtsheide, Wiesenburger und Schmerwitzer Anteils, und auf den Wiesen bei Reetzerhütten bisher zugestandenen Grundgerechtigkeiten (1863; 1870–1874).Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur 5E AG Belzig 426: Rezeß über die Ablösung der Forstservituten von Brandtsheide-Reetzerhütten (1880–1881). Von den 345 Bewohnern im Jahr 1882 lebten im Dorf auch zwei Kaufleute und zwei Gastwirte. Im genannten Jahr nahm die Dampfschneidemühle Carlswerk ihren Betrieb auf. Reetzerhütten bestand im Jahr 1891 aus dem Dorf mit Ziegelei. Die Auswanderungsbewegung des 19. Jahrhunderts erfasste auch Reetzerhütten. Zwischen 1847 und 1870 sind für mindestens zwölf Personen beziehungsweise Familien aus Reetzerhütten Auswanderungskonsense für Nordamerika überliefert. Die archivalischen Nachweise betreffen Handarbeiter, Handwerker, Büdner und einen Webermeister. Als Ziel wird überwiegend Amerika beziehungsweise die Vereinigten Staaten genannt, in einem Fall ausdrücklich Texas.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 87, Bl. 296–301; Rep. 2A I St Nr. 23, Bl. 8, Auswanderungsakte Johann Friedrich Michaelis, Konsens vom 26. März 1847.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 87, Bl. 296–300; Rep. 2A I St Nr. 23, Bl. 8, Auswanderungsakte Johann Friedrich Matthies, Konsens vom 26. März 1847.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 87, Bl. 439–440, Auswanderungsakte Peter Kracht (1847).Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 87, Bl. 439–440, Auswanderungsakte Johann Gottlieb Hagendorff (1847).Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 99, Bl. 228; Rep. 2A I St Nr. 101, Bl. 53, Auswanderungsakte Johann Peter Wilhelm Kracht, Konsens vom 29. April 1854.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 99, Bl. 229; Rep. 2A I St Nr. 101, Bl. 54; Rep. 2A I St Nr. 24, Bl. 7, Auswanderungsakte Gottfried August Kracht, Konsens vom 29. April 1854.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 101, Bl. 354; Rep. 2A I St Nr. 102, Bl. 393; Rep. 2A I St Nr. 25, Bl. 5, Auswanderungsakte Johann Christian Galle, Konsens vom 5. November 1854.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 102, Bl. 250; Rep. 2A I St Nr. 91, Bl. 249–250, Auswanderungsakte Gottfried August Adolph, Konsens vom 16. April 1855.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 144, Bl. 58, Auswanderungsakte Johann Gottfried Kelch, Konsens vom 4. Juli 1868.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 147, Bl. 85; Rep. 2A I St Nr. 37, Bl. 347, Auswanderungsakte August Friedrich Galle, Konsens vom 7. August 1869.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 148, Bl. 39; Rep. 2A I St Nr. 37, Bl. 347, Auswanderungsakte Alexander Otto Maximilian Franz Matthes, Konsens vom 18. Oktober 1869.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 2A I St Nr. 149, Bl. 110; Rep. 2A I St Nr. 37, Bl. 347, Auswanderungsakte Gottlieb Albert Grosse, Konsens vom 3. Mai 1870.

20. Jahrhundert Zur Jahrhundertwende standen im Dorf insgesamt 71 Häuser auf einer bebauten Fläche von 64 Hektar Land. Mit einem Rezess vom 21. September 1911 wurden auf Grundstücken in Reetz und Reetzerhütten haftende Reallasten für die Gemeinde Reetz abgelöst. Die Vereinbarung wurde am 28. Februar 1912 bestätigt.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur 5E AG Belzig 422: Rezeß über die Ablösung der auf Grundstücken zu Reetz und Reetzerhütten für die Gemeinde Reetz haftenden Reallasten vom 21. September 1911, bestätigt am 28. Februar 1912 (1912).

Der Erste Weltkrieg hatte erhebliche Auswirkungen auf das Dorfleben. Zahlreiche Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen, wodurch insbesondere in der Landwirtschaft Arbeitskräfte fehlten. Die Bevölkerung war von den kriegsbedingten Versorgungsengpässen betroffen; Lebensmittelkarten und staatliche Bewirtschaftungsmaßnahmen bestimmten zunehmend den Alltag. Aus Reetzerhütten und dem zugehörigen Forsthaus Kalotsche fielen nachweislich mindestens zehn Soldaten im Krieg. Zur Erinnerung an die Gefallenen wurde am 25. August 1925 ein Kriegerdenkmal errichtet. Es erinnerte an die Dorfbewohner, die im Krieg ihr Leben verloren hatten. Im Zuge von Straßenbaumaßnahmen wurde das Denkmal 1973 beseitigt, obwohl sich zahlreiche Einwohner für seinen Erhalt ausgesprochen hatten. Zur Pflege der Erinnerung an die Kriegsteilnehmer bestand im Ort eine Kriegerkameradschaft. Sie veranstaltete regelmäßig Vereinsfeste, Versammlungen und Schießübungen. Der zugehörige Schießplatz befand sich am Burgwall und wurde bis zum Zweiten Weltkrieg genutzt.