Afrikanischer Rosmarin (Eriocephalus africanus), auch Wilder Rosmarin, Afrikanischer Wollkopf genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wollköpfe (Eriocephalus) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie in Südafrika endemisch ist. Dort ist sie eine auffällige und bekannte Pflanze. Trotz der Trivialnamen ist damit mit dem Rosmarin (Salvia rosmarinus, Synonym: Rosmarinus officinalis) aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) nicht näher verwandt.
Beschreibung mini|Illustration aus Curtis's botanical Magazine, No. 833 mini|Blütenstand mini|Fruchtstand Das Aussehen variiert stark mit dem Standort.
Vegetative Merkmale Afrikanischer Rosmarin wächst als immergrünen, reich verzweigter Zwergsträucher, mit kegelförmigem Wuchs und erreicht Wuchshöhen von bis zu 1 Meter und Durchmesser von bis zu 4 Metern. Die Pflanzenteile duften aromatisch.
Die kleinen, fingerig-nadelförmigen, stumpfen bis spitzen oder bespitzten Laubblätter stehen gegenständig oder wirtelig zu dritt und an Blütentrieben wechselständig sowie dichter an Langtrieben. Die 2 bis 3 Zentimeter langen Laubblätter sind ganz, handförmig zerschnitten oder fiederschnittig mit bis zu sieben Blattlappen. Ihre leicht filzige oder seidige Behaarung sorgt für ein mattes, silbrig-graues Aussehen und verringert Feuchtigkeitsverluste.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli bis September. In mehr oder weniger behaarten, end- oder seitenständigen, schirmrispigen gesamtblütenstände befinden sich die heterogame, kleinen, körbchenförmigen Teilblütenstände. Es ist ein mehr oder weniger behaarter Hüllkech mit wenigen Phyllarien vorhanden. Die äußeren Hüllblätter besitzen einen membranösen Rand. Es sind verschiedene, mehr oder weniger behaarte Spreuschuppen ausgebildet, die äußeren sind verwachsen und werden auch als Hüllblätter gedeutet. Jedes Körbchen enthält wenige, bis zu 5, weibliche Zungenblüten mit auffälligen schneeweißen und gelappten Zungen. Die Zungenblüten umgeben bis zu 27 funktionell männliche, purpurfarbene bis gelbliche Röhrenblüten mit sterilem Fruchtknoten. Der Griffel der Scheibenblüten ist unverzweigt und behaart, derjenige der Zungenblüten ist verzweigt.
Die kleinen Achänen sind lang wollig behaart, und der Blütenboden ist dicht lang behaart, so dass es von weitem wie Schnee aussieht.
Ökologie Die Bestäubung erfolgt durch Wind und Insekten. Ökologisch dient Eriocephalus africanus als Nektar- und Pollenquelle für viele Insekten und als sekundäre Nahrungsquelle für Herdentiere.
Vorkommen Eriocephalus africanus gehört zur Kapflora (Capensis). Sie kommt in der westlichen und östlichen Kapregion und im Namaqualand häufig vor, wo sie hauptsächlich an Granit- und Lehmhängen wächst. Sie braucht durchlässige Böden und volle Sonne. Sie verträgt Trockenheit, schlechte und steinige Böden und Fröste bis −5 Grad Celsius. Sie ist eine Pionierpflanze mit ausgedehntem Wurzelsystem um eine bis zu 6 Meter tief reichende Pfahlwurzel.
Inhaltsstoffe Bekannte phytochemische Verbindungen in oberirdischem Pflanzenmaterial umfassen ätherische Öle, Flavonoide, Sesquiterpenlactone, Tannine und tetracyclische Triterpene.
Nutzung Wirtschaftliche Bedeutung hat Eriocephalus africanus als Quelle von ätherischem Öl für kulinarische, medizinische und Duft-Zwecke und wird auch als Zierpflanze genutzt. Eriocephalus africanus wird in Südafrika als Zierpflanzen verwendet. Eriocephalus africanus im Mittelmeerraum sowie in Mexiko, USA und Australien angepflanzt. Fein gehackte junge Zweige und frische oder getrocknete Laubblätter werden (als Rosmarin-Ersatz) unter anderem zum Würzen von Suppen, Salaten, Gemüse, Fleisch, Wein, Essig und Öl verwendet. Pflanzenextrakte zeigen analgetische, antibakterielle, antimykobakterielle, antimykotische, entzündungshemmende, antioxidative, fiebersenkende und phytotoxische Wirkungen. Die behaarten Blütenkörbe wurden früher auch als Füllmaterial für Kissen gesammelt.Eriocephalus africanus bei African Aromatics.
Systematik Die Erstveröffentlichung von Eriocephalus africanus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 926–927. Die variable Erscheinung dieser Art führte seither zu einer Vielzahl synonymer wissenschaftlicher Namen aus Beschreibungen vermeintlich eigenständiger Arten. Trivialnamen in verschiedenen Sprachen (zum Beispiel Afrikaans: wilde roosmaryn) beziehen sich auf eine oberflächliche Ähnlichkeit mit dem eigentlichen, mediterranen Rosmarin, zu dem keine Verwandtschaft besteht. (Das Laub ist weicher, teils lappig und nicht glänzend.) Der Gattungsname und andere Trivialnamen beziehen sich auf das wollige (Eriocephalus setzt sich zusammen aus den altgriechischen Wörtern erion für „Wolle“, cephale für „Kopf“) oder schneebedeckte (→ Kapok) Aussehen von Eriocephalus africanus durch die Flugapparate der Achänen.
Die Art Eriocephalus africanus ist innerhalb der Gattung Eriocephalus näher verwandt mit Eriocephalus klinghardtensis, Eriocephalus brevifolius und Eriocephalus scariosus.
Je nach Autor gibt es etwa zwei Varietäten mit überlappenden Verbreitungsgebieten: Eriocephalus africanus var. africanus: Mit lappigen, sukkulenten Blättern und Verbreitung in Küstengebieten der Westkap-Provinz in Höhenlagen von bis zu 100 Metern. Eriocephalus africanus var. paniculatus : Mit aufrechterem Wuchs, ganzrandigen und kaum sukkulenten Blätter und Verbreitung im Landesinneren der Provinzen Ostkap, Nordkap und Westkap an Lehm- oder Granithängen in Höhenlagen von 100 bis 3000 Metern.
Literatur
Gwen J. Harden: Flora of New South Wales. Volume 3, UNSW Press, 1992, 2002, ISBN 0-86840-172-2, S. 284. Jekka McVicar: Grow Herbs. Dorling Kindersley, 2010, ISBN 978-1-4053-5566-7, S. 117.
Einzelnachweise Joachim W. Kadereit, C. Jeffrey: The Families and Genera of Vascular Plants. Vol. XIII: Flowering Plants Eudicots, Springer, 2007, ISBN 978-3-540-31050-1, S. 344, 352.
Weblinks
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