Ruth Hildegard Geyer-Raack (* 16. Juni 1894 in Nordhausen; † 19. März 1975 in West-Berlin) war eine deutsche Innenarchitektin, Textildesignerin, Möbeldesignerin und Wandmalerin. Seit 1925 war sie Mitglied im Deutschen Werkbund.
Leben Ruth Gertrud Hildegard Raack stammte aus einer Pastorenfamilie. Ihre Eltern waren Friederike Therese Raack (geborene Panser, † 1937 mit 72 Jahren)Landesarchiv Berlin; Berlin, Deutschland; Personenstandsregister Sterberegister; Laufende Nummer: 64, 1937 (Erstregister) Nr. 629. und Paul Richard Raack (1866–1940).Landesarchiv Berlin; Berlin, Deutschland; Personenstandsregister Sterberegister; Laufende Nummer: 593, 1940 (Erstregister) Nr. 105. Nach ihrem Abitur in Nordhausen ging sie für ein Jahr nach England. Hier arbeitete sie als Haustochter und besuchte eine Internatsschule. Ihr Vater wurde Superintendent in Schöneberg, so dass die Familie, zu der auch ihr Bruder Joachim gehörte, 1913 nach Berlin umzog. Dort begann Raack ein Studium an der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums, die seit 1907 von Bruno Paul geleitet wurde. Ihre Lehrer waren Bruno Ernst Scherz und Strüwe. 1920 und 1921 nahm sie an Sommerkursen des Bauhauses Weimar teil. Am 2. September 1922 erfolgte die Eheschließung mit dem Offizier und Ministerialbeamten Hugo Geyer (1884–1975), mit dem sie zwei Kinder hatte.Landesarchiv Berlin; Berlin, Deutschland; Personenstandsregister Heiratsregister; Laufende Nummer: 164, 1922 (Erstregister) Nr. 686.
Sie unterhielt ab 1924 ein eigenes Atelier in Berlin. Zu Studienzwecken sowie zum Besuch von Ausstellungen reiste sie in den 1920er und 1930er Jahren mehrfach nach Paris. Dort lernte sie den Architekten und gebürtigen Ungarn André Sive (eigentlich András Szivessy) kennen, mit dem sie danach häufig zusammenarbeitete. Ab 1925 war sie Mitglied im Deutschen Werkbund. Mit der einsetzenden Weltwirtschaftskrise verschlechterte sich ihre Auftragslage. Zum 1. Mai 1933 trat sie der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.585.286).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/10891658 Sie war auch Mitglied der NS-Frauenschaft, der NS-Volkswohlfahrt und der Reichskulturkammer. Während der Zeit des Nationalsozialismus malte sie etwa Gebäude der Luftwaffe aus und gestaltete Räume im Krakauer Wawel-Schloss für Hans Frank, den Generalgouverneur der besetzten Gebiete Polens, um. Mitte der 1930er Jahre war Geyer-Raack Mitarbeiterin der Die Heimgestalter GmbH, Berlin. Auch nach 1945 arbeitete sie als Innenarchitektin. Im September 1948 wurde sie entnazifiziert.
Im Winter 1955 erblindete Geyer-Raack nach einer Augenkrankheit auf einem Auge, was die letzten zwanzig Jahre ihrer Arbeit einschränkte, sie jedoch nicht von ihrer Arbeit abhielt. Die Künstlerin lebte bis zu ihrem Tod in Westberlin; ihr Ehemann verstarb 1975 kurz nach ihr.
Werk Geyer-Raack entwarf Stoffe und Tapeten für die Firmen Deutsche Werkstätten Textilgesellschaft (DeWeTex, gegründet 1923), VWTex, Pausa, H. Strauven in Bonn, Tapetenfabrik Gebr. Rasch, Zimmer & Rohde sowie die Bayrischen Textilwerke Bernhard Nepker in Tutzing. 1928 und 1929 wurde sie als Mitarbeiterin der Deutschen Werkstätten geführt. Viele ihrer Textilentwürfe zeigen ein florales Dekor. Einige zeigen Pflanzen, Vögel und exotische Figuren in Pastelltönen. Sie wirken, als seien sie in Aquarelltechnik hergestellt. Die Münchner Sammlung für angewandte Kunst erwarb 1926 und 1928 Textilien der Deutschen Werkstätten, darunter auch Textilentwürfe von Geyer-Raack. Der Sammler Robert Allerton kaufte 1927 vorbildliche Musterstücke der Deutschen Werkstätten mit Textilien der Designerin. Diese Kollektionen wurden vom Art Institute of Chicago übernommen.
Die Arbeit von Geyer-Raack war anfangs vom französischen Art déco beeinflusst. Besonderes Augenmerk legte sie bei Raumgestaltungen auf die großformatige Ausmalung der Wände. Sie war der Auffassung, dass eine „kahle völlig ungeschmückte Wand ein Ideal moderner Wohnkultur“ sei, aber „selbst farbige Tönungen der Wand in sich und bloße, leichte Andeutungen von Malerei ... die Seele beschwingen.“Zitiert nach Landesgewerbeamt Baden-Württemberg, Design Center Stuttgart, Angela Oedekoven-Gerischer, Andrea Scholtz, Edith Medek, Petra Kurz: Frauen im Design, Berufsbilder und Lebenswege seit 1900, Stuttgart 1989, S. 78 Wandbilder harmonierten bei der Künstlerin stets mit der Möblierung und wurden von ihr in Landhäusern, öffentlichen Gebäuden und Passagierschiffen umgesetzt. Die Aufträge für die Schiffsausstattungen realisierte sie gemeinsam mit Bruno Paul, mit ihm war sie außerdem an der Umgestaltung des Richmodis-Hauses der Deutschen Werkstätten in Köln 1926 beteiligt.
Bei der vom Möbelhaus Schürmann initiierten Internationale Raumausstellung IRA 1931 in Köln unter Beteiligung von Adolf Loos und Ernst Lichtblau übernahm Geyer-Raack die künstlerische Gesamtleitung Dr. Max Osborn: Internationale Raumkunst in Köln. Ausstellung des Möbelhauses Schürmann in Köln. Vorbericht. in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931, S. 406. und stellte selbst die Beiträge Wohn- und Schlafraum der Dame und Farbenstimmung aus. In den Jahren ach der Ausstellung arbeitete sie verstärkt als Möbeldesignerin.
Arbeiten (Auswahl) 1926 Richmodis-Haus Köln, Wandmalerei im GartenzimmerDigitalisat in Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 58.1926, S. 377. 1927 Teezimmer einer berufstätigen DameDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927, S. 110. 1927 TeezimmerDigitalisat in Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927, S. 117. 1927 Zimmer der Berufstätigen DameDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 38.1927, S. 118. 1927/28 LeinendeckeDigitalisat in Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 61.1927-1928, S. 317. 1928 Wandmalerei im SpeisezimmerDigitalisat in Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 252. 1928 Wandmalerei in einem DamenzimmerDigitalisat in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 257. 1928 Wandmalerei im SpeisezimmerDigitalisat in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 259. 1928 Wandmalerei im Schlafzimmer, Aus nebenstehendem SchlafzimmerDigitalisat 1, Digitalisat 2 in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 260, 261. 1928 Wandmalerei in einem EmpfangsraumDigitalisat in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 262. 1928 Wandmalerei im DamenzimmerDigitalisat in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 263. 1928 Wandmalerei in einem MusikzimmerDigitalisat in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 264. 1928 Wandmalerei im Empfangsraum im preußischen HandelsministeriumDigitalisat in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 265. 1928 Wandbemalung Aus einem WintergartenDigitalisat in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 253. 1928 Wohnraum der Wohnung Geyer-RaackDigitalisat 1 Digitalisat 2 in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 254–255. 1928 Wandmalerei im SpeisezimmerDigitalisat in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928, S. 256. 1928 Künstler-Tapete „Kleine Landschaft“Digitalisat in Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928, S. 71. 1929 Zimmer eines jungen MädchensDigitalisat 1 Digitalisat 2 in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 40.1929, S. 58, 59. 1929 Gäste-ZimmerDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 40.1929, S. 60. 1930 Fenster-Platz im DamenzimmerDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 41.1930, S. 274. 1930 Gardinen im SchlafzimmerDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 41.1930, S. 276. 1930 Das große FensterDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 41.1930, S. 277. 1930 Fenster im SchlafzimmerDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 41.1930, S. 280. 1932 Schlafzimmer der DameDigitalisat 1 Digitalisat 2 Digitalisat 3 in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 43.1932, S. 12–15. 1932 Sofawand im Wohn- und Schlafraum der Dame, Kakteenfenster im SchlafzimmerDigitalisat in Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 43.1932, S. 17. 1936 Speiseraum, Buffet mit Ölbild in zarten Farben, Aus dem Wohn-Speiseraum, Sitzgruppe im Wohnraum, Blick durch den Wohn-SpeiseraumDigitalisat 1 Digitalisat 2 Digitalisat 3 Digitalisat 4 Digitalisat5 in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 47.1936, S. 212–216. 1937 SesselDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 48.1937, S. 30. 1937 Hoher Leuchter aus Messing mit Kristallglas, Schirmchen aus BastseideDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 48.1937, S. 33. 1939 Kleiner VorraumDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 50.1939, S. 289. 1939 WohnhalleDigitalisat 1 Digitalisat 2 Digitalisat 3 in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 50.1939, S. 290–292. 1939 SpeisezimmerDigitalisat 1 Digitalisat 2 Digitalisat 3 in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 50.1939, S. 293–295. 1939 AnkleidezimmerDigitalisat 1 Digitalisat 2 in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 50.1939, S. 296–297. 1939 SchlafzimmerDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 50.1939, S. 298. 1941 Klapptischchen, Sofa mit gestepptem BezugDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 52.1941, S. 24. 1941 KlapptischchenDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 52.1941, S. 26. 1941 AbstelltischDigitalisat in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 52.1941, S. 27.
Ausstellungen (Auswahl)